Sette 2»_Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt.
-das plötzlich seine „Kuüur"miffian entdeckt Hot, wird Man in Amerika nur liefern, wenn, es im voraus in SLmmnztern Golde befahlt. John Bull, der entschlossen ist, den Kmnpf dis zum letzten BtutLtropfen — Rutz- -larvds sortMetzen, wird vielleicht die nötigen Gelder porstrecke«. Da Italien in den bisherigen Kämpfen Usich nicht nlkr arg verrechnet, sondern auch bös verschossen hat, so wird es sich ebenfalls gern unter die Wmtzh-nrer der amerikanischen Kriegsfabrikate einrechen. Wilson reibt sich vergnügt in die Hände, -die er eiben noch fromm pm Gebet für den baldigen Weltfrieden gefaltet hot. Das Geschäft seiner Magnaten, die Mivwnengowinne .&ct der Herstellung von Kriegsbedarf cinstreichen, läßt einen erneuten Auf- schwang erhoffen.
Nur einen kleinen Haken hat die Geschichte. Wie schafft man die Munition heil bis zu den Verbündeten? Beileibe nicht zu den Verbündeten Amerikas. Kenn Uncle Sam ist -von geradezu peinlicher „Neutralität", wie auch das Land, wo das Sternenbanner weht, das freieste und -vorurteilsloseste der Erde ist, wenn auch in seinen Stratzenbahnen niemand, in dessen Adern nur ein Tropfen Negerblut rinnt, sich neben einen Weißen setzen darf. Die Mitglieder des Wierverbandes bleiben nur gutzahlende Kunden, wenn sie auch die Ware wirklich erhalten. Leider lauern den -unschuldigen Schiffen, fite mit diesem kostbaren Gut beladen find, unsere Unterseeboote, -diese „PM der Meere", aus und versenken Schiff samt Laidung in die tiefe See.
Wie kann man diese Unannehmlichkeiten, die den Milliardären jenseits des „Großen Leichs" das ganze Geschäft zu verderben drohen, verhindern? O, der schlaue John Bull hat, ein sehr einfaches Mittel ersonnen. Er nimmt ern harmloses Handelsschiff — warm es auch nebenbei in den Listen der englischen Admiralität als Hilfskreuzer, wje di« „Lufitania", geführt wird und Kanonen an Bord a«f- stellt oder aufstellen kann, um so besser — befrachtet es mit der Munition und ladet ein paar harmlose Amerikaner Mir Mitfährt ein. In Ermangelung geeigneter englischer Handelsschiffe kanp man auch „neutrale" wählen; nur muß man sie mit Kanonen bewaffnen und zum Rammen verwenden können. Selbstverständlich sorgt man für die amerikanische Sicherheits-Wache, Verzeihung, die amerikanischen Fahrgäste. Naht nun ein deutsches Unterseeboot, selbst in englischen Gewässern, so hat es sich erst pslichchchuldigst zu erkundi- gen, ob so ein verdächtiges HaElsschiff nicht ganz harmlose Untertanen Uncle Sams an Bord hat oder auch nur ganz unverdächtige amerikanische Güter. Erst wenn diese in Sicherheit gebracht sind, darf das 71-Boot seinen Torpedo abfeuern, vorausgesetzt, daß es nicht inzwifchs« durch einen Kanonenschuß des Handelsschiffes vernichtet oder von diesem gerammt worden ist. Das -ist denn eben das persönliche Pech des ll-Boot- DhrerS.
Mer seitdem Otto Weddigen zugrunde ging, sind unsere kühnen II-Bvotführer gewappnet gegen Aedes unzeitige Mitleid. Der unsterbliche Weddigen wurde -das Lchfer eines Augenblicks des Mtleids und des Edelmuts. Voll Vornehmheit, wie diase Natur immer war, vergaß sie auf -eine Minute, daß der Engländer-in diesen Tagen keinen Edelmut verdient, er zögerte, ein Schiff unbedenklich unter See zu schicken und wurde überrannt. Die englischen Handelsschiffe. auch wenn sie nicht namentlich in der Liste als Hilfskreuzer aufgeführt sind, haben von ihrer Regierung die Aufforderung -erhalten, die U-Soote anzugreifen und zu rammen. Belohnungen sind dafür aus- gesetzt. Daraus folgt ohne weiteres das Recht der DorHHierung ohne Warnung. Wenn Amerikaner sich auf englische Schiffe begeben, so tun ste's puf eigene Gefahr.
Erst sollte Herr Wilson dafür sorgen, daß England^ die bestehenden und von ihm feierlich mit vereinbarten Satzungen des Völkerrechts auch achtet und
__Wiesbadener Tagblarr,
nicht in Fetzen zerreißt, bevor er an Deutschland unmögliche -Ansinnen stellt. Würden wir Herrn Wilson noch weiter entgegenkommen, als mit -dem — nun kühl abgelohntsn — Anerbieten, englische Schisse unter amerikanischer Flagge und zweifelhafter Bürgschaft zum -ungestörten Verkehr zwischen Amerika und England zuzulassen, so könnte er eines schönen Tages mit der Forderung kommen, daß wir eine feindliche Festung nicht beschießon dürfen, weil sich in ihr amerikanische Bürger befinden. Behaupten doch gar einige Leute, -der russische General Egbert -sei.nach New Jork gefahren, um sich amerikanische Bürger zum Schutz für Rußlands bedrohte Festungen auszubitten. Was auch weiter -geschehen möge, wir vertrauen auf unser gutes Recht und unsere wackeren ll-Bootführer.
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wttsons Note.
Das englische Regierungsblatt über den Eindruck ln den Bereinigten Staaten.
Br. Amsterdam. 27. Juli. (®ig. Drahtbcricht. Ktr. Bin.) Der Berichterstatter des „Daily Chronicle" in New Dort faßt den Eindruck der amerikanischen Pressekommentare über die Note Wilsons folgendermaßen zusammen: Erstens habe sich gezeigt, daß das amerikanische Volk von seiner „Furcht" (!) vor einem möglichen Kriege größtenteils geheilt sei. Zweiten», daß die Nation sehr fest auf den Präsidenten Wiison vertraue und so erbittert gegen Deutschland sei, daß, wen« der Präsident den Krieg für nötig erachten sollte, sich ihm nur wenige widersetzen werden.
Nein Recht auf Kriegführung gegen Europa.
W. T.-B. San Francisco, 27. Juli. (Nichtamtlich.) Vryan erklärt in einem Aufruf, die Vereinigten Staaten hätten kein Recht, einen Krieg gegen Deutschland ober irgend eine der europäischen Milchte zu beginnen.
Die amerikanische Arbeiterbewegung.
Amsterdam, 27. Juli. (Ktr. Bin.) „Central News" melden aus New Jork, daß mit einem Streik von 600 0 00 Metallarbeitern gerechnet werden kann. Die Ar- beiter fordern einen Arbeitstag von 8 Stunden und be- trächtliche Lohnerhöhungen.
Welche Folgerungen die schweizerische Presse zieht.
W. T.-B.SBeru, 27. FM. (Nichtamtlich.) Der „Bund' hebt aus der amerikanischen Note den Satz hervor: »Die Rechte der Nsultralen sind begründet auf Prinzipien und nicht auf Notbehelfen. Prinzipien sind unabänderlich. Das Blatt weiist davauf hin, daß die Note bei den VierverbandS- mächten mit Zustimmung ausgenommen worben sei und zieht -den Schluß: Also haben diese Staaten auch der Schweiz diese Rechte rückhaltlos zuM«erke-n>n-an. Welit mehr und weit näher sind wir als Amerika in die Notwendigkeit versetzt, auf der gewissenhastsn Beobachtung der Rechte ->:r Neutralität zu bestehen. Dem Volke fällt es schwer, zu be- greifen, warum di« Verhandlungen sich so lange hinz-iehew Noch weniger könnte man verstehen, wenn die betreffenden Staaten die Ausfuhr mach -unserem Lande sperren wollten mit der Absicht, die Schweiz für «in Abkommen gefliyi/ zu machen, das sie nicht «ingehmr kann. Da gibt es keine Mahl. SS kann Nur eine Vereinbarung zu-stanldekommen, die der neu- traten Stellung und der neutralen Wirtschaftspolitik der Schweiz «nitspricht.
Oie Scham eines Deutfchamerttmners über die Heuchelei seines amerikanischen Geburtslandes.
Im nachstehenden veröffentlichen wir den Brief eines in Amerika von deutschem Eltern geborenen Herrn, der noch im letzten Sommer in Wiesbaden war:
Milwaukee, dm IS. Juaii 1015.
Liebe Freunde!
Wüßtet Ihr, wie wohl es einem irr Pseudo-neutralen Amerika wohnenden, dsutschfühlenden Menschen tut, hoff- nu-ngSfaeuvige Sendboten, wie der Errre es war, zu erhalten-, Ihr würdet oft von Euch hören lasten! Solche Briefs sind uns Bedauern Sv erten eine Stütze, an der sich unsere über daS schmachvolle Verhalten der Amerikaner empörte Seele immer wieder auffichicm kann. Zwar hat unsere Zuversicht auch nicht
Mittwoch, 88. Juli 1815. Nr. »48.
«matt Augenblick gew-cmikt, «und nie habe ich aus der opfer« freudigen Entschlossercheit und Einigkeit Eures herrlichen, unvergleichlichen Volkes etwas milderes ersehen als di« Gewißheit Eures in der Weltgeschichte -unerreicht dastehenden Siegest Doch selbst -das tapferste, in treuer Hm-ge-ü-ung für Euch schlagende Herz -ermattet aus Ekel und Scham vor der unaussprechlich gemeinen Heuchelei der crm-errkanische-n Nation. Schmach -und Schande über dieses Land, das van Humanität und Menschenfreundlichkeit prahlt, Bettage cmseyt, an denen sem „christlich gesinnks" Volk di« Wiederkehr irdischen Friedens erflehen soll, -indessen seine MuwittonSfäbrik-rn-mit verdoppelter, verzehnfachter Kraft Tag und Nacht arbeiten-, um Eure Feinde Mit allen -erdenklichen Todeswaffen gegen Euch ausz-urüstew! Wohl galt es -einst als -eine Ehre, Amrri- kcm-er zu fein — auch ich war stets -stu-e: der stolzesten van Columbias stolzen Söhnen-. Freiheit, Gleichheit -utn-d Brüderlichkeit galten mir stets als etwas so Erhabenes, alles in der Welt mouschlicher Einrichtungen glorreich überstrnhlondes, daß Mir das Sternenbanner als etwas geradezu AnbetungS- würdiges -erschien. Wie so biidtan Millionen vor ihnen hatte es auch meinen sich nach Freiheit sehnenden Eltern als Symbol der Erlös-nng gegolten, und unter seinem Schutze gründetet sie -das bescheiden« Heim ihres jungen Glückes und lehrten- uns das Land lieben, das sie so liebevoll atrfgein-ommen hatte. So geleitet, sogen wir di« Vaterlandsliebe i-n vollen Zügen ern, und -ich schwärmte schon im frühesten Knabenalter mit feuriger Begeisterung für all das Herrliche und Ideale, welches mein Geist auf daS Sterne nb armer . geschrieben glaubte. Zum Marine herangereift, durfte ich mich mit Recht «inen patrw» tischon- Amerikaner -nennen, tind so sorgte ich auch, wie dis Eltern es vor mir getan, dafür, daß meine Kinder zu achtbaren, angeschenc-n Bürgern her-mwuchsen und die Fahne ihres Landes allzeit hochhielien. Und was haben wir alle dafür geerntet? Was müssen wir erleben? Für schmutziges Gold, an dem das Blut -Unschuld^ Hin gemordeter klebt, hat man das stolze Symbol in den Kot geschleift, daß es nunmehr nur noch «in Schtnutzlapp-Sn ist, den jeder usinLich Denkende meiden sollte. Das Land, da» so ehrlos handeln konnite — ich verachte et, und aus mei-nem Herzen reihe ich alles, was :ch bisher an Sympathie fiir das amerikanische Volk empfand, mit Rumpf und Stumpf heraus! Mir ist, als mühte ich mein Antlitz vor der Welt verhüllen aus Scham über das Ver- lwschem-, das Mein Geburtsland an dem Lande meiner Väter begangen, und doch bin ich nicht zu tadeln, sondern über alle Wiahem zu bedauern, denn Man hat mir meine Ideal« zertrümmert:
„In mein gar zu dunkles Leben strahlte einst «in schönes.MD, HUin das süße Bild erblichen, bin ist -gänzlich nachtumhüllt I Doch nein, tief in meiner Daele leuchtet, wie von einem Heiligenschein gekrönt, «in wundersames Bild aus meiner Kindheit empor, ein Zauberbild vom Lande der Attirchcm und der Poesie, und leise ertönen, wie Erinnerun-gen Es längst- berscholleuier Zeit, die schlichten Harmonien der Kinderlieber, die die Mutier an unserer Mege sang, mit trauten de-itscheu Worten sang, wenn sie u-nö über unser« kleimen und großen Schmerzen hinweghelfen wollte. Deutschland, Deutschland, ja, du bist es, wie du «S von Anfang an ivarft, das Land mctner Träum«, meiner Sehnsucht! Ach, t-aß ich auf immer zu dir könnte, dann nur an deiner BvNst — das fühle ich heute mehr dann je — bin ich glücklich und zufrieden. Heil dir, VN herrliches, du herrlichste» Land, Heil Euch allen da drüben, und Sieg, Sieg, Sieg Euren Waffen!
Euer getreuer....
Vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Lin belgisches Kabinett der Einigung.
Broqueville Kriegsminister.
Wl T.-B. Paris, 27. Juli. (Nichtamtlich.) Die .Information" will wissen, -daß im letzten belgischen Ministerrat die Bildung eines Kabinetts der nationalen Einigung erörtert worden sei. Broqueville würde darin das Kriegsministerium, Baron B e h e n S das Ministerium de» Äußern, Maxweiler das Ministerium deS Handels und der Jickustrte und HymannS daS Ministerium deS Innern übernehmen.
Frankreichs trübe Zukunft.
»p. Rotterdam, 27. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Mit Frankreichs Aussichten nach dem Krieg beschäftigt sich die
fünfzig Jahre hießen sie: Nationalismus und Nattonaki-
tätenstaat. Italien und Deutschland waren ihre Srgebmste. Und Österreich mußte m dieser Zeit naturgemäß zurückstehen. Ein Staat von zwölf Völkern, Sprachen, Sitten und Kulturen konnte in der Ära der Nationalitätenstaaten nicht mit an der Spitze sein. Feinde — besonders französische Schriftsteller waren eifrig daran — sprachen ihm überhaupt das Leben ab, und dieser Krieg. . . Aber jüngst erst wurde in der großen Schlacht am Jsonzo daS durch und durch tschechische Brünner Hausregiment im Tagesbericht deS Generals Hofer als das tapferste genannt. ' Uud Prag, die geistige, wirtschaftliche und kulturelle Hauptstadt der Tschechen? Nun: um die Weihnachtszeit des vorigen JahreS hatten die Engländer, wahrscheinlich, weil es ihnen denn doch zu lange dauerte, eitlen Spezialschnüffler quer durch Österreich geschickt, und er berichtete, mußte acht Wochen später in der „Times" berichten: „Österreich-Ungarn sei für die Tschechen eine Existenznotwendigkeit, außerhalb Österreich. Ungarns — so sage man allgemein — könne ein Königreich Böhmen nicht bestehen."
Aber die Italiener, daS Trento, die Jrredenta? ES sind fast auf den Tag zwei Jahre her, es war ein anderer Som- mer, uud ich wanderte unter einem ewig blauen Himmel, den kein Schrapnellwölkchen ttübte, kreuz und quer über den „heißen" Boden des Landes das im Süden, Westen und Osten an das Land der Sehnsucht grenzt. Aber nur wir, wir deutschen Schwärmer, sehnten uns, die Menschen dort mit der lateinischen Sprache sehnten sich gar nicht. Es war in Cortina. Die Leute des Ampezzotales haben eine eigene Kunst, aus Schmiedeeisen allerlei Kopenhagenerisch köstliche Tiergestalten zu formen. Hunde und Katzen und Schlafen. Besonders Schlangen! Schlangen, die sich spiralförmig zu- sammenrollen und andere, die hoch empor gezischt sind tritt flackernder Zunge, niedergeduckte und aufgerichtete, schlaue und begehrliche. Tja, die Leute dort haben eine eigene Kenntnis in der Schlangenpsychologte. Ich wollte von ihnen profitieren und trat so an einen Laden. Ein Name stand darüber, halb welsch, halb deutsch: „Franceschini Josef" etwa. Oder so. Das fiel mir auf. Und während wir, der Mann und ich,,,vor -der Türe ftaichen. Preschte jählings er»
Das ersteRriegsjahr inOesterreich
Von Dr. Hans WMtoch.
Nun sind eS zwölf Monate her, daß wir die Feuerprobe dieses Krieges durchgemacht haben. Alle Zeiten des JahreS, Spätherbst, Winter, Frühling und Sommer standen gleichsam Kulisse hinter dem Kampf. Alle vier Zeiten de» JahreS drohten mit ihren eigenen Sorgen, ihren besonderen Rücken und Tücken. Und über alle Spezialschwierigkeiten sind wir -Meister geworden, nebst der Meisterung unserer Feinde. Tie Ängstlichen sagten: .... Jawohl, ich habe über Ihre Kassandrarufe ganz genau Buch geführt. Und jetzt, da der (Triumph der Wirklichkeit den Saldo gezogen hat, darf ich ja Ihre kopfschütRlnden „Wenn" und „Aber" verraten. Also, als der Krieg begann, da holten die Ängstlichen schnurstracks Nicht etwa chr Gewehr und ihr Bajonett hervor, sondern ein friedlich weißes Stück Papier, st« zückten ihren Bleistift und sie addierten: „70 Millionen Deutsche plus 80 Millionen -Österreicher gibt 120 Millionen. Rußland allein aber" . . ., sagten sie. Und ehe sie noch ihre Schlußfolgerung ziehen konnten, hatten die Deutschen Belgiens und Frankreichs Heere überranmt. Einen Monat lang verschlug es sogar den Ängstlichen die Sprache, aber sie faßten sich schnell, sie gruppierten sich sozusagen um, und sie sagten: „Bilanz!
Jahresschluß! Denken Sie nur an das Wort des österreichischen Marschalls Montecuccoli: „Zum Kriegführen braucht
man Geld, Geld und wiederum Geld!" Und ehe ein Jahr vollendet war, hatte Österreich-Ungarn mehr als sieben Milliarden Kriegsanleihe auf den Tisch gelegt.
Aber die Ängstlichen ließen uns nicht, wir verfluchten sie derm, und sie retirierten von Spätherbst und Wirtfchafts» schkrtz irr Muter und Schneetod. Der Dreiverband hatte einen ungeheuren, einen schier unbesiegbaren Bundesgenossen mit sich. Napoleon selbst war gegen ihn machtlos gewesen. Mi t-den Ruffen kämpfte Anno 1914 wie Anno 1812 General Winter. Aber in den Karpathen und an den Seen von Masuren zwangen wir ihn in die Knie, General Hindenburg hat -den General Winter erschlagen. Und — die Ängstlichen grup. ptttten pch. Wiederum schüig sich ihre Sorge aus der Front
ins Hinterland. Sie sagten: „Hungerkrieg I" Sie sagten: „Es hapert mit der Brotfruchtl" Sie sagten: „Wir werden sehen, in den Wochen vor -der neuen Ernte, im Frühling, im
Mai, vielleicht schon int April.Und weiter sagten sie
nichts." Wer wir haben jetzt noch Speicher und Kasten nicht ganz leer und traten mit einem ganz respektablen Getreide- Überschuh ins Jahr. Tja, es war eine niederträchtige Zelt für die Kleingtziubigen, die Nörgler und Zweifler. Nur ein „Wenn" blieb ihnen noch, ein hochsommetticheS «Aber . . ." Denn es hatten ja mitUerweile unsere VaterlandSbrüder aus Galizien bei uns Winteraufenthalt genommen. Man hörte von Blattern-, Typhus- und Cholerafällen. Und die Ängstlichen sagten: „Wenn das im Hochsommer alles aufbricht
. . Aber nichts brach auf. Die paar Blatternerkrankungen, Typhus- und Cholerafälle, die zu Beginn des Krieges im Hinterland eingeschleppt worden waren, sind längst fast völlig verschwunden, auch sie sind durch Schutzimpfungen, Absperrungen und weiß Gott welche! — Mtttel der Hygiene niedergerungen. Und nichts brach auf als der hinfegende SiegeSfturm der deutschen und österreichischen Armeen: Gor- lice - Tarnow - PrzemhSl - Lemberg. Gerade damals, als zu den sieben alten ein achter neuer Feind dazu gekommen war. Und da kam der Ängstlichste von allen Ängstlichen und sagte: „Jetzt, sehen Sie, jetzt glaube ich nur mehr an das Wunder. Es kann uns nichts geschehen."
Schön! Aber das Wunder hat erste handgreifliche reale Unterlage: Tüchtigkeit heißt sie! Gott ist immer noch mit den 'stärkeren Kanonen. Am Anfang hörte man es wieder und wieder: artilleristische Überlegenheit der Russen, Munitionsverschwendung der Russen. Aber ein Jahr ist lairg. Ein kurzes Jahr hat genügt, daß Krupp in Essen und Skoda in Pilsen viel mal mehr Kanonen gegossen hat, als die Ruffen verloren haben. Und der Sieg in Galizien war ein Sieg . der Artillerie. So verwandelte sich jedes Minus in ein Plus. Uud das alte, angeblich morsche, hundertmal toi aesagts Österreich stand jünger kraftstrotzender da als je, mächtig wie in der Zeit der Barockkaiser, als einer das Büchlein schrteo: „Österreich über allen, wenn es nur will."
Wollte es nicht? Ich glaube: Wir stehen wieder einmal an der Weiche der staatenbichenden Ideen. Für die letzten
