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Verlag Langgaffe 21

„Togblatt-Haus".

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Mittwoch, 28. Juli 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 345. - 63. Jahrgang.

Oer Krieg.

Eine strategisch wichtige Höhe südöstlich Lokal erstürmt. — 2V Offiziere und 3000 Mann ge­fangen genommen. — Gescheiterter italienischer Angriff auf das Plateau von voberdo. — Schwere Verluste des Feindes.

ver österreichisch »ungarische Tagesbericht.

W. T-.B. Wien, 27. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 27. Juli, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Seit der Erstürmung von S o k a l durch unsere Truppen wurde südöstlich der Stadt um den Besitz einer Höhe gekämpft, die für die Behauptung der Bug- übergäuge besonders wichtig ist. Gestern erstürmten unsere tapferen Regimenter die Position, wobei wir 20 Offiziere und 300 0 Mann gefangen nahmen und 5 Maschinengewehre erbeuteten. Die Kämpfe nördlich Grubieszvw schreiten erfolg­reich fort. Sonst ist die Lage im Nordostcn unver­ändert.

Italienischer Kriegsschauplatz:

Unter dem Schutze des gestern früh eröfsneten Artilleriemassenfeuers griffen die Italiener das Plateau von D o b e r d o mit verstärkten Kräften abermals an. Der Ansturm scheiterte unter größeren Verlusten denn je. Nach erbittertem Nahkampf bleiben unsere Truppen auch an diesem 9. Schlachttage im vollen Besitz ihrer alten Kampf­stellungen am Plateaurande.

An den übrigen Teilen der küstenländischen Front und dann im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet hat sich nichts Wesentliches ereignet.

Ter Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: v. H ö f e r, Fcldmarschalleutnant.

»

ver grohe Umzug in Rußland.

In Warschau und Riga werden auch die Hospitäler, Schulen und Gefängnisse geräumt.

Christiania, 27. Juli. (Privat-Telegramm.) „Afron- posten" wird aus Petersburg über Paris gemeldet, der russische Generalstab habe befohlen, die Zivilbevölkerung aus den Städten Wilna, Grodno, Kowno und Bialy- st-ck fortzuschaffen; ebenso seien in Warschau, Riga sämtliche Hospitäler, Gefängnisse und Schulen geräumt worden.

Br. Petersburg, 27. Juli. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Sin.) Der Gouverneur von Livland hat alle Kreischefs ange­wiesen, „die gesamte Bevölkerung fortzuschaffen", wie es wörtlich heißt, „angesichts des vordrängenden Feindes." Z a - rückbleiben dürfen nur Juden, ferner Frauen christliche: Konfession und Männer unter 18 und über 45 Jahren.

Befestigung Ser Umgebung von Reval.

Br. Stockholm, 27. Juli. (Gig. Dnahtbevicht. Ktr. Mn.) Einem Revaler Telegramm zufolge wurde auf Verfügung des Seefestungskommandantcn ein Aufruf zur freiwilligen Stellung von 10 000 Männern und 300 Fuhrwerken erlaffen, um Revals Umgebung zu befestigen.

Englands Besorgnis um die Lage in der Ostsee.

Rotterdam, 27. Juli. (Ktr. Mn.) Die englische Presse fährt fort, sich mit den Rückwirkungen zu beschäftigen, die das siegreiche Vorgehen der deutschen Armeen gegen die Russen zu Lande auf die Verhältnisse bei dem Kampf über die Herrschaft in der Ostsee haben würde. Es ist sehr bezeichnend, daß fast alle Blätter diesen ihren Ausführungen die Annahme eines unmittelbar bevor st ehenden Falls von Riga unterlegen. Die „Morning Post" bringt aus der Feder ihres Marinemitarbeiters einen zweiten Artikel, in dem dem weiteren Schicksal der russischen Flotte in der Ostsee ein äußerst trübes Prognostikon gestellt wird. Das Blatt erwähnt im Lauf des Artikels weiterhin die Möglichkeit, ob England dem russischen Bundesgenossen von der S e e s e i t e her irgend welche Unterstützung bieten könne. Das Resultat dieser Erwägung ist negativ, da die Zu­gangsmöglichkeiten zur Ostsee zu schwierig seien, um sie gegen den Willen der deutschen Flotte in größeren Schlachtformationen zu passieren.

Wie Rußland sich über den Verlust von Lodz trösten soll.

Br. Krakan, 27. Juli. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Hiesige Blätter veröffentlichen einen Aufsatz Mentschikows über „Die Bedeutung der Fabrikstadt Lodz" in der „Nowoje Wremja". Menffchikow erklärte u. a.: Der einzige Trost für uns ist, daß Lodz, trotzdem es in Polen liegt, immerhin keinen polnischen oder russischen Charakter hatte. Die Stadt war eigentlich rein deutsch-jüdisch und wurde mit deutschem Kapital gegründet, damit die deutsche Industrie den Wettbewerb mit der russischen aufnehmen könne. Wird das Lodzer Industriegebiet vernichtet, dann wird die russische Industrie von einem gefährlichen Konkurrenten befreit sein.. " .

Betrügereien int russischen Eisenbahnwesen.

ap. Stockholm, 27. Juli. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Unter der Überschrift „Kriegsgeschwüre" schreibt „Kiewi- janin": Schon von den ersten Tagen des Krieges an hat eS sich herausgestellt, daß die Arbeit der Revisions- und Be­wachungskommissionen des Eisenbahnverkehrs auf beinahe unüberwindliche Schwierigkeiten stieß. Bei den einzelnen Stationen selbst wurden empörende Veruntreuun­gen aufgedeckt. Das Publikum begann öffentlich von dem Handel zu sprechen, der mit den Wagen auf einigen Statio­nen getrieben wurde. Die Vorschriften der verschiedenen Aufsichtsausschüsse wurden nur mit Bewilligung der Agenten ausgeführt, nach deren Ermessen die Wagen beliebigen Per­sonen zugeteilt wurden. In der letzten Kiewer Landschafts­sitzung wurden über diese Mißbräuche amtliche Mitteilungen gemacht und dabei erwähnt, daß auf den Stationen Wagen v e r st e ck t würden. Die Mißbräuche nahmen offenbar einen solch großen Umfang an, daß der Verkehrsminister es für nötig hielt, eine besondere Revision zur Ermittelung der Schuldigen zu ernennen, um diesem Unfug ein Ende zu machen. Diesen Entschluß müssen wir um so mehr mit Freude begrüßen und ihm Erfolg wünschen, als die Untersuchung dazu führen wird, eine ungeheure Menge anderer Unterschleife aufzudecken. Es >st die Pflicht aller ge- sellschaftlichen Organisationen sowie jedes einzelnen, alle ihm bekannt gewordenen ähnlichen Fälle sofort zur Kenntnis dieser Behörde zu bringen. Es handelt sich hier um eine vielverzweigte Organisation, die ihre Tätigkeit über ein großes Gebiet ausgedehnt hat.

Keinerlei Renderung der inneren russischen Politik.

W. T.-B. Petersburg, 27. Juli. (Nichtamtlich.) Ein Artikel des „Rjetsch" weift daraus hin, daß von einer Ände­rung des Kurses der inneren Politik nicht die Rede sein könne. Alle neuen Minister seien den Parteien der Rech­te«, entnommen, mit Ausnahme von Schtscherbatow, der zwischen der Rechten und den Nationalisten stehe. Der neue Justizminister Kwostow habe sich in seinem Interview ,n der Zeitung „Djer" über die brennendsten Fragen ausge­schwiegen und keinerlei Entgegenkommen ge­zeigt. Danach sehr es sei zweifelhaft, ob man mit dem Mi- msterwechsel dem Ziele näher gekommen sei.

Di« Dringlichkeitsvorlage der Duma.

Zur Schaffung eines Armeeversorgungsministcriums.

Br. Kopenhagen, 27. Juli. (Gig. Drabtbecicht. Ktr. Bln) Der rmssifche Mimstarrat beschloß, der Röichsduma auf dem Dringlichleitswege eine Vorlage zur Schaffung eines Ministe­riums der Armeeversorgung zugehen zu lassen. Minister Chwostow empfahl die Begnadigung KurzewS und der sozialistischen- nach Sibirien verschicktem Abgeordneten.

Allgemeine Ausmusterung in Finnland.

Br. Kopenhagen, 27. Juli. (Mg. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Nach hier vorliegenden Petersburger Meldungen wurde ent­gegen dem finnischen Sonüergösetz die allgemeine Aus­musterung für das Grotzfitrstentum Finnland angeordner.

Fürsorge des Kaisers für die Verwundeten in Posen.

Br. Posen, 27. Juli. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Mn.', Der Kaiser hat angeordnet, daß der Schloßpark des Residemz- schloffes in Posen den Verwundeten und Kranken der Festungslazarette an den. N a ch m i t t a ge n zum Besuch frei- gegeben wird. Außerdem ist die Besichtigung des Residenz­schlosses selbst, die seit Beginn des Krieges nicht ntehr gestattet war, namentlich in der Zeit, als es H im-d eubu-rg als Quartier diente, jetzt wieder erlaubt.

Oie scheutzlichen russischen Greuel in der Bukowina.

Amtliche österreichische Erhebungen.

W. T.-B. Wien, 27. Juli. (Nichtamtlich.) Aus dem Krregspvesseguartier wird gemeldet: Die amtlichen Erhebun­gen über die von den Russen in der Bukpwima verübte» Gräueltaten fördern fortgesetzt neues Material zutage. In Ezimleu wurde der griechisch-orientalische Pfarrer von den Russen zum Tode verurreilt.unter der Anschuldigung, daß er die Juden ihre HabselnMtem im der Kirche kergem lieh. Als es ihm gelang, zu entfliehen, wurde seine Wohnung von einer Kofakeiiabteilung umlter ;ber Führung eines Hauptmanns voll­ständig verwüstet. Die Pfarrersfrau entging nur mit Not ihren Quälgeistern. Fünf Bäuerinnen wurden ver­gewaltigt und der Gutshof des Ritters v. Liskowatsk zerstört. Ein 18jähr«gcs Mädchen wurde von 14 Mann vergewaltigt. In Piedeloutz wurde der rumänisch-griechisch-orientalische Pfarrer von den Russen grundlos mißhandelt und mit dem Kops gegen die Wand gestoßen, bis er ohnmächtig liegen blieb. In Zazulince (Galizien) erschossen russische Soldaten am 4. Juli, als ein österreichisches Schrapncllfeuer die Stellun­gen der Russen bedrohte, Bauern mit der Motivierung, daß, wenn russische Soldaten sterben müßten, auch die österreichi­schen Bauern nicht am Leben bleiben dürften. In der Ge­meinde Duboutz wurde baä Gutsgebiet der Baroirin Szimono- witz teilweise ausgeraubt und die Stallungen nicdergebrannt.

Das italienische Echo der Schlacht in polen.

Lugano, 27. Juli. (Ktr. Bln.) Unsere großen Erfolge im Osten b e st ü r z e n in Italien so, daß die Zensur in den letzten Berichten der Mittelmächte über die Siege am

Narew und in Polen fast alle Sätze bezüglich der russi­schen Gefangenen strich. Der „Corriere della Sera" schreibt: Ohne pessimistisch zu sein, müsse man den Narew- Übergang als einen schweren Schlag für die Russen bezeich­nen. Die auf 30 Kilometer Länge (jetzt mehr als 60. Schriftltg.) durchbrochene Linie lasse sich nicht wieder schließen. Die Lage sei für die Russen mehr als ernst.

Der Urieg gegen England.

Die Tätigkeit unserer Kl-Soote.

W. T.-B. Dmuiden, 27. Juli. (Nichtamtlich.) Der hollän­dische Fischdampfer „Herkules" brachte b Mann der Besatzung des norwegischen Schoners „Harba", der, mit Holz von Christiania nach Sunderland unterwegs, am Sonntag von einem deutschen Unterseeboot in Brand gesetzt worden war. Der Kapitän erzählte, er habe in der Nähe drei andere Schisse in Flammen gesehen. (Holz ist, wie erwähnt sein mag, Bann­ware. Schriftl.)

W- T.-B. Rotterdam, 27. Juli. (Nichtamtlich.) Der „Maasbode" meldet aus London: Ein deuffches Unterseeboot versenkte gestern den amerikanischen Dampfer „Lelanaw", 1377 Nettotonnen, von Archangel nach Belfast unterwegs. Die Besatzung wurde gerettet. Das Schiff hatte Flachsladnng. (Flachs ist ebenfalls Bannware. Schriftl.)

Die Rbneigung ver Iren gegen den Awangsdienst

Herbe Kritik an der Behandlung Irlands.

W. T.-B. London, 27. Juli. «Nichtamtlich.) Der natio­nalistische Abgeordnete Dil Ion sprach am Samstag in Limmerick und sagte: Die Jrenpartei war die erste, die ihre Stimme gegen den Zwangsdienst erhob. Sie ist durch die Arbeiterführer und englische Radikale unterstützt worden. Der Versuch, das Munitionsgesetz bei dem Waliser Kohlen- streik durchzuftihven«. schlug fehl. Wenn die Koalitionsreglc- «ung den Rat befolgt und die Wchrpflicht eingeführt hätte, dann würde Unheil und ei» Chaos antstchem und der Krieg würde verloren werden. Die Mnführung der Wehrpflicht in Irland würde einen Zustand der Dinge herbeiführen, den die verantwortlichen Männer sich nicht gern vorstellten Die hundertjährige Politik Englands in Irland war, die Ire-, durch Bauernlegen und Auswanderung zu vernichten.

Deutschland, das große Beispiel.

ap. Rotterdam, 27. Juli. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus der Jahresversammlung des -englischen Lehrerverbandes sagte nach „Moruing Post" der Rektor vom Winchester u. a.: Wie wichtig die Erziehung für die Stärke einer Nation ist, zeigt sich täglich in diesem Kriege. Wie sehr wir auch die deutschen Abscheulichkeiten verachten, so müssen wir doch zu­g-eben, daß die Deutschen der Welt eine Lehre iw nationaler Einigkeit -und vaterländischem! O p f e rs i nn gegeben haben. Der Kluge schlägt seinen Feind und lernt dabei von ihm Seit Generationen erzog Deutsch­land seine Kinder in Patriotismus und pflückt heute die Früchte durch die Entfaltung feiner Macht, die seine Feinde so sehr in Erstaunen setzt. Wir müssen unsere Fehler und den Mangel an Organisation erwägen und uns die Lehre z-u Herzen nehmen.

Warum England zum Schutzzoll greifen will.

W. T.-B. Kopenhagen. 27. Juli. (Nichtamtlich.) Die „National Tidende" schreibt: Der Krieg richtet in besonderem Matze die Aufmerksamkeit auf die Versorgung Englands mit Lebensmittel. Deshalb war es für die englischen Nationalökonomen von grötztem Interesse, so zeitig wie mög­lich zu erfahren, wie die Ernte in EnAcmb ausfallen würde. Eine intensiveve Bearbeitung des Bodens, wie viele Lehrer der Landwirtschaft im vorigen Jahre dringend befürwortet halten, fand nicht statt. Hierzu kommt, dass jetzt die Ernte in England alles eher als gut ist. Ob die Ursache in ge­ringerer Düngung Ivegen des Fehlens des deutschen Kali- importes oder im anderen Umständen liegt, ist zweifelhaft. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, daß außer dem Gedanken des Schutzzolles für englische Lcm-des- produkte der weitere Gedanke erwogen wird, durch Zölle die heimische Produktion guszumunterm. In der ganzem Welt, besonders in Dänemark, wird man mit größter SpaNnunlg die Entscheidung der Fmgie verfolgen.

wird der V-Vootkrieg geändert?

Die amerikanische Ausfuhr in Explosivstoffen hat in den am 31. Mai endenden elf Monaten „nur" 4 800 000 Pfund Sterling mehr betragen als in denn entsprechenden Abschnitt des Vorjahrs. So stellt es, wie wir mitteilten, ein Regierungsbericht der Utvon fest; freilich nach einer Reuter-Meldung, die sich nicht immer durch Glaubwürdigkeit auszeichnen. Wer das Geschäft scheint jetzt kräftig im Steigen zu sein: Verzeichnet doch der letzte Mai ein Mehr von 1100 000 Pfund Sterling gegen den Mai des Vorjahrs, lind schon 'schwirren allerlei Gerüchte von neuen gÄvaltigen Munitionsbestellungen. Die^ Reise des russischen Geperals Egbert, der am >samstag von Christiania mit einem Amerik-adampfer nach New Jork abgefahren ist, soll mit neuen Mumtionsbestellungen i-m Zu­sammenhang stehen. Freilich dem Zarenreiche zu Lieh«,