Verlag Langgaffe 21
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„T-gblatt-H-irs" Nr. 66SO-53.
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Dienstag, 27. Iußß 1915.
Kbend-klusgabe.
Nr. 344. - 63. Jahrgang.
Oer ttrieg.
weitere Verfolgung in Nurland. Lin vereitelter russischer Gegenstoh an der Narewlinie. Dort 3319 russische Gefangene. Hartnäckige Kämpfe am Bug, südöstlich pultusk. 3940 russische, Gefangene südlich von Lholm.
Oer Tagesbericht vom 27. Juli.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 27. Juli. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Schwache französische Handgranaten-Angriffe nördlich von S o u ch e z und Sprengungen in der Gegend von Lemesnil in der Champagne waren erfolglos.
In den westlichen Argonnen besetzten wir einige feindliche Gräben.
Auf die Beschießung von Thiaucourt antworteten wir abermals mit Feuer auf Pont-L-Mousson.
In den Vogesen setzte sich der Feind gestern abend in den Besitz unserer vordersten Gräben auf dem Linge» topf (nördlich von Münster).
Bei R o n c o u (nordwestlich Tourcoinq) wurde ein französisches, bei Peronne ein englisches Flugzeng zum Landen gezwungen. Die Insassen sind gefangen genommen.
Destlicher Kriegsschauplatz.
Ein Vorstoß aus Mitau wurde von uns abgewiesen. Zwischen P o s w o l (südlich von Mitan) und dem N j e m e n folgen wir dem weichenden Gegner.
Die Rnffen versuchten gestern unsere über den Narew vorgcdrungrnen Truppen durch einen großen einheitlichen, aus der Linie G o w o r o w o (östlich von R o s h a ns Wvschkow-Serok (südlich von Pultusk) angeseßten Angriff zurückzndrängen. Die russische Offensive scheiterte vollkommen. 3319 Russen wurden gefangen, 13 Maschinengewehre erbeutet. ff stlich und südöstlich von Roshan dringen unsere Truppen hinter dem geworfenen Feinde nach Osten vor.
Am Bug, südöstlich von Pultusk, wird noch hartnäckig gekämpft. Bor Nowogcorgieiewsk und Warschau keine Veränderung.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Vor Jwangorod nichts Neues.
Westlich von Hrubiescow warfen wir den Feind auS mehreren Ortschaften und nahmen 3 949 Russen (darunter 10 Offiziere) gefangen. Im übrigen ist die Lage bei den deutschen Truppen des Generalfeldmarschall von Mackensen unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Zur Kriegslage.
Die im gestrigen Abendblatt geäußerte Ansicht, daß der nördliche Teil der Hindenburgsch er, ft lo m- nt er in der Richtung auf Dünaburg sich richten würde, scheint durch den letzten deutschen Tagesbericht vollauf ihre Berechtigung zu haben. Schon hat die siegreiche Armee Below in ihrem weiteren Sieges- zage in der Richtung der Bahnlinie Mitau-Dünaburg die Linie: P o s w o I - P o n i e w i tz erreicht, mithin nun ihre Front der Festung Dünabuvg zugewendet. Dies bedeutet ein weiteres Borrücken um über 60 Kilometer östlich von Schau len. Auch die weiterhin geäußerte Annahme, daß mit einem ernstlichen Widerstand der geschlagenen und zersprengten Teile der 5. russischen Armee nicht mehr zu rechnen sei, ist durch diese deutsche Meldung bestätigt worden, denn wo der Gegner sich setzte, wurde er geschlagen und ließ wiederum viele Gefangene in unserer Hand. Auch die Meldung des russischen Generalstabes bringt ein stilles Eingeständnis unserer gewaltigen Erfolge auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz. Dieser Bericht spricht von einem weiteren Vorrücken der Deutschen gegen Osten und meldet nichts von Kämpfen, nichts von ejner Zlbwehr older einem „Bedrängen des Gegners". Eine deutlichere Umschrei- ' b u n g einer empfindlichen Schlappe konnte der russische Generalstab seinen Lesern nicht bieten. Sie bezweckt wohl, auf Schlimmeres vorzubereiten. Und dies liegt weiter südlich, an der jetzt der ganzen Welt bekannten N a r e w - F r o n t. Hier wird das eingeschlagene Tor immer weiter, denn auch oberhalb Ostrolenka ist jetzt der Übergang über den Narew erzwungen worden. Erst waren es 30 Kilometer, dann etwa 60 Kilometer und jetzt sind es noch mehr an Breite, in welcher die siegreichen Armeen Scholtz und Gallwitz den Narew überschritten haben. Das ist eine st aunens werte Leistung und war bei einer Festung wie Ostrolenka in der Flanke ent
schieden nur dadurch möglich, daß unsere überlegene Artillerie die russische unter einem eisernen, Druck hielt, und daß die Festungsbesatzung nicht mehr fähig war, unseren siegreichen Truppen nachhaltig den Weg zu sperren. Die nächsten Tagen dürsten einen Aufschluß darüber geben, ob diese Armee Scholtz dazu bestimmt ist, die Festung Ostrolenka von Osten ab- zuschlietzcn oder den weiter südlich vorgehenden Armeen nördlich des Bugs die Hand zu reichen. Unsere Heeresleitung versteht es vortrefflich, ihre Pläne in ein Dunkel zu hüllen, welches den Russen schon oft unheimlich erschienen ist. Der Möglichkeiten gibt es genug, und daß die aussichtsreichste genommen wird — des sind wir alle gewiß. Mit stolzer Genugtuung scheu wir, daß sich ein immer engerer Ring um die Festungen Warschau und Nowogeorgi- j e w s k auf der Nord- und Weststont herumlegt, während nordöstlich dieser beiden gewaltigen Brückenköpfe die Armee Gallwitz den Gegner in hartem Ringen gegen den Bug wirst und ihm eine ansehnliche Beute hierbei abnimmt. So gcht es mit Riesenschritten im Osten vorwärts, zum »stolz unseres ganzen Volkes und zur wachsenden Sorge unserer Feinds. Diese Riesenerfolge scheinen auch auf unseren westlichen Gegner lähmend zu wirken. Wo bleibt denn diesmal, die Offensive Joffres, welche bisher immer unseren Siegeslauf im Osten paralysieren sollte? Unserer siegreichen Masnrenschlacht folgten fast gleichzeitig die ver- gsbliche Durchbruchsschlacht in der Champagne sowie die wochenlangen schweren Kämpfe zwischen M a a s und Mosel. Während nm die Maiwende unsere siegreichen Heere die Russen aus Galizien vertrieben, tobte die Schlacht bei A r r a s und die ihr vorausgehenden Kämpfe der Engländer bei N e uv e C h a p e I l e. Nur jetzt, wo es sich um nichts Geringeres als um die Existenz der ganzen russischen Feldarmee handelt, erfolgt keine annähernd so gewaltige Gegenanstrengung auf der Westfront. Das ist eine auffallende Taffache und wert, daß auf sie hingewiesen wird, ohne voreilige Hoffnungen an sie zu knüpfen.
So hat die neu begonnene 52. Kriegswoche wieder neue schöne Erfolge auszuweisen dank unserer trefflichen Heeresleitung und dank unseres tapferen, unermüdlichen Heeres.
Vas russische Heer vor einer Katastrophe.
Ein dänisches Urteil.
W. T.-B. Kopenhagen, 26. Juli. (Nichtamtlich.) Der militärische Mitarbeiten der „Politiken" schreibt: In Polen ln eitet sich ein n »geheurer Umgehungskampf vor. An der N a r e w l i n i e sind die größten Ergebnisse in e r - staunlich kurzer Zeit erreicht worden. Wenn es den Deutschen glückt, die Hauptbahn Warscha u-P e t e r s - bürg auf einer kleinen Strecke rechtzeitig zu erreichen und abzuschneiden sowie gleichzeitig die südliche Bahn Jtvangvrod - Lublin - Chvlm - Kowel, von der sie nur noch 10 Kilometer entfernt sind, steht das russische Heer vor einer ungeheuren Katastrophe, falls nicht rechtzeitig die Truppen zurückgezogen werden Die einzige übrig bleibende Bahnlinie Warschau-Brest- Litowsk ist für den Transport eines Millionenheer e S viel zu ungenügend. Es bleibt mehr als zwcifelhalt, ob sich die Russen in ein neues Sedan verlocken lasten. Im Verhältnis zur Frage der Erhaltung des russischen Heeres spielt selbst der Besitz der F e st u n g e n, wie Warschau und Jwangvrod, nur eine geringe Rolle. - - v
Die deutschen und österreichisch-ungarischen Streitkräfte.
Russische Mutmaßungen.
Br. Kopenhagen, 27. Juli, (Eig. Drahtbericht. Ktr, Mn) KompeterÄe vussffchr Militärtveffc schätzen t-em „Rjctsch" zufolge die deutsch-österreichischen Streitkräfte ans der ganzen Ostfront von der Ostsee bis znr rumänischen Grenze auf 70 Divisionen deutsche und 40 Divistcmem österreichisch-ungarische Infanterie, den Landsturm nicht mitge- rechnet; ferner 4 deutsche und 11 österreichisch-ungarische Kavalleriödivisionen. Zwischen Weichsel und Bug verfügen die Verbündeten über mindestens 750 000 Mann. Vor der befestigten Linie Nowogeorqijewst-Jwcmgorod stehen ungefähr 4 Korps. Nm wahrscheinlichstem sei es, mrixtt der „RjÄsch", daß der Feind bei den Festungen nur wenig Truppen zurücklassen nnd die Hauptkräfte aus den Kamps aus offenen Schlachtfeldern verwenden werde.
Die artilleristische Ueberlegenheit der Zentral- machte.
Von der schweizerischen Grenze, 27. Juli. Nach schweizerischen Blättern wird aus dem russischen Hauptquartier an die „Wjedomosti" gedrahtet, daß die Artillerie der Verbündeten nicht so sebr in der Munition als in der Zahl der Geschütze der russischen um fast das Dreifache überlegen sei. Die Beseitigung dieser Überlegenheit sei eine Arbeit von großer Geduld.
vor dem Fusammenstotz am unteren Bug.
Kopenhagen, 27. Juli. (Ktr Bln.) Einer Petersburger. Privatmeldung zufolge steht an der unteren B u g l i it i e unmittelbar ein Zusammenstoß bevor, um die Deuffchen an der Besetzung des wichtigen Knotenpunktes von sechs Straßen zu hindern.
Der„kour I« möril«" für General von Gallwitz:
W. T.-B. Danzig, 26. Juli (Nichtamtlich.) Wie diq SoLxmer Kriegszeitung „Die Wacht im Osten" meldet, hat der Kaiser dem General v. Gallwitz den Orden Pour le merite verliehen.
Ein Brief Hindenburgs an Hannover.
Br. Hannover, 26. Juli. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Geweratfeldmavschall v. Hindenbnrg hat vor einiges Tagen an den Stadtdirektor Tramm m Hannover einen SB rief gesandt, aus dem der „Hann. Kurier" eine Stüle triedevgibt, die aufs neue Zeugnis ablegt von dE starken Pflichttreue und Bescheidenheit des großem! Mannes. Die Briefftelle lautet: „Das Verttauen nnd Wohlwollen, welches mir von allen Seiten entgegengebracht wird, bewegt mich mehr, als ich auszusprechen vermag. Ich kaum diesem Entgegenkommen gegenüber nur erwidern, daß ich nur meine Pflicht sür König und Vaterland tue. Waren: mir hierbei besondere Erfolge beschieden, so danke ich dies meinem kaiserlichen Herrn, der mich aus mieiw-U Posten berief, meinem treuen Gehilfen Ludendorfs nebst seinen Mitarbeitern und der unvergleichlichen Ausdauer und Tapferkeit unserer Truppen. Auf solcher Grundlage bleibt für mich nicht vi el Verdienst übrig. . . . Me Freude am dereinstigen Medersehen vermischt sich mit bet Wehmult bei dem Bewußtsein,, daß bei der Heimkehr so mancher fehlen wild, der mir einst nahe gestanden hat. Aber getrost vorwärts! Ob dann das gute Enüa einige Wochen oder Monate eher oder später eintrttt, spielt in dem gewaltigen Ringen keine Rolle."
Frankreichs Besorgnis um die Schlacht im lvsten:
W. T.-B. Paris, 27. IM. (Nichtamtlich.) Diejenigen Blätter, welche bisher der Offensive der Verbündeten in Ruß-, land die strategische Bedauchumg abgesprochen hatten, äußern sich jetzt ziemlich pessimistisch Der ,Temps" fragt be- sorgt, welches Ergebnis die Schlacht im Osten haben werde, deren Phasen man nur anzudeuten brauche, um ihre Größe und ihren Ernst zu zeigen. — Der „Figaro" schreibt: Wir! erleben wieder einmal tragische Stunden. — Oberstleutnant Rmisset stellt im „Petit Parisien" fest, die Lage sei leider nicht so glänzend, wie Sie Alliierten wünschten.
(Ein vielsagender Befehl des Gouverneurs von Warschau.
Sicherung der Ernte oder Vernichtung.
Berlin, 27, Juli. (Ktr. Bln.) Nach einer Stockholms» Meldung hat der Gouverneur von Marsch an befohlen, daß die ganze Ernte innerhalb dreier Tage eingebracht feixt müsse. Was stehen bleibe, würden die Truppen in Brand stecken.
Warschau soll nicht kampflos geräumt werden^
Stockholm, 27. Juli. (Ktr, Mn.) Die Petersburger „Birschowija Wjedomosti" schreibt, daß die russische Heeresleitung nicht die Räumung Warschaus angeord- n x t habe, sondern Warschau verteidigen werde. Die Festung Warschau werde nicht kampflos aufgegeben. Es seien lediglich Zivilpersonen aus strategischen Gründen entfernt worden, um die Festung auf eine Belagerung vorzubereiten.
Im Kampf mit einem russischen Riesenflugzeug.
Der Sieg der deutschen Flieger.
W. T.-B. Petersburg, 27. Juli, (Nichtamtlich.) „Rjetschck meldet: In militärischem, Kreisen wird über einem Kampf des russischen Riesenflugzeuges „Jlja Murometz" mit drei deutschem Flugzeugen folgendes bevichielp Das russische Flugzeug war infolge von Zufälligkeiten verhindert, seine Bewaffnung anzuwenden und wurde deshalb von den deutschen Fliegern stark beschossen. Es erhielt 16 Treffer in dem Benzinbehälter und unzählige Löcher im aridere Teile. Trotzdem blieb es eine halbe Stunde iw der Luft und mußte dann miedergchen. Der Führer, Leutnant Baschkow, erhielt zwei Verwundungen.
Herr Wilson und wir.
O Berlin, 26. Juli.
Wir wollen uns nicht übermäßig lange bei der Kritik der jüngsten amerikanischen Note aufhalten. Sie ist unfreundlich, sie ist verletzend, sie ist voller veffteckten Hohnes und offener Drohung, sie ist ein feindseliger Akt. Dieser Charakter entspringt förnrlich aus jedem Satz heraus. Es braucht darüber im einzelnen wirklich nichts gesagt zu werden. Wir müssen den Pflock weiter setzen und somit einzig fragen, was nunmehr geschehen soll. Es wird ja noch genug geredet werden, aber alles Reden ist gleichgültig gegenüber der Frage, wie gehandelt werden muß. Wilson verlangt, daß wir den Unterseebootkrieg einstellen. Das können wir nicht, das w erden
