Beilage zum Wiesbadener Tagblatt.
151. Morgni-Ausgatie.
s
*•
4
Das Wasser haftet nicht an den Bergen.
Die Rache nicht an einem «rohen Herzen.
Chinesisches Sprichwort.
§» * *>
it*¥W^WWWWW*fWWWWWWWWW¥W*WW¥*W¥¥W¥WW9*
(40. Fortsetzung.)
Urrsuchung.
Roman von Alexander Römer.
«Du hast ein Recht, so zu sprechen", entgegnete Jrm- gard traurig, „und das Natürlichste wäre es. wenn ich jetzt hinüberliefe zu meinem Manne und mit Jubelten ihm meldete: „Komm, nimm Theil an meiner Freude. Die wir verloren glaubten, ist da, kehrt uns als Siegerin heim." Aber so steht es nicht in diesem Hause. Wenn in Deiner Welt frei nach Neigung und Empfindung der Stunde Bande geknüpft und gelöst werden, so nennt man das in der unseren ein „der Sitte Hohn sprechen". Wir bleiben Sklaven der Sitte, die allzu rasche Thaten hindert, allzu freie in ihren Bann zwingt. Du wirst ihn aber vielleicht kaum wiedererkennen, ihm und mir sind die Sonnen untergegangen. Jetzt hole ich Dir meinen Sohn."
Sie lief hinaus. Güncher zu rufen.
Else sah sich in dem Zimmer um. Sie schlug eins der Bücher auf, die auf dem Tische lagen: Kunstgeschichtliche Essays — Laura Marholm: „Die Frau" — Nietzsche: „Also sprach Zarathustra" — $oIa: „Rom". Else
schüttelte den Kopf; wo fand sie die Irma von ehemals noch?
Irmgard kam mit Günther. Der hübsche, schlanke Knabe verbeugte sich ein wenig linkisch und verlegen vor der wildfremden Dame, die auf einmal seine Tante sein sollte, von der er nie gehört. Der elegante Hut mit den rcthm Federn und das pelzverbrämte Sammetcape, das lose über dm vollm Schultem hing, imponirten ihm. aber mit seiner Mama hatte die Fremde doch keine Spur von Aehnlichkeit.
Else küßte dm Knabm herzhaft. „Der sieht ja Deinem Manne ähnlich, wie aus dm Augen geschnittm", sagte sie lachend, „wird er dmn auch Soldat?"
Irmgard zuckte bei der Rede zusammm. Sie hatte me eine Aehnlichkeit zwischm Günther und chrem Manne gefundm.
„Nein, er wird, so Gott will, studirm. Es scheint ein Mathematiker in ihm zu stecken, wir wollm es ab- wartm."
Sie geleitete die Schwester, die erklärte, für den Augenblick keine Zeit mehr zu haben, durch dm Vorgartm und trat dann in ihr Haus zurück.
Günther war unerschöpflich in Fragm. sie wies ihn fast ungeduldig zur Ruhe. „Geh' an Deine Arbeit, Kind, quäle mich nicht, ich habe keine Zeit jetzt. Dir Rede zu stehen."
Günther schlich bekümmert fort; seine Mama war sonst nie so unfrmndlich. Woher tauchte diese unbekannte Tante auf, die gar nicht zum Papa hineinging? Er fing cm zu grübeln.
Irmgard ging hinüber zu ihm.
Samstag, den 27. September.
Der grämliche Mann saß noch in seinem Lehnstuhle am Fmster und blickte bei ihrem Eintritt in höchster Ver- wunderuug auf. Sie kam seltm zu ihm ohne besonderm Anlaß. Heilte gewahrte er sofort eine ungewohnte Er- regung auf ihrem Gesicht. ^ rr , ,
Sie trat rasch bis zu fernem Sessel heran und be- richtete ihm, ohne irgend eure Gefühlsregung kund zu geben, von dem unerwarteten Besuch der Schwester.
,Sie hat das ihr von mir angebotme Quartter ab- gclehnt", schloß sie, „wird aber hmte Abmd kommen, wo ich noch einige Frmnde bereits eingeladm hatte. Das paßt nicht gut, aber ich konnte cs nicht mehr andern; rch hätte sie lieber allein gehabt zu gründlicherer Aussprache. Nun hoffe ich, daß sie uns etwas singen wird; ich horte sie ja noch gar nicht seit ihrer Ausbildung."
Ihr Mann hatte in schlaffer Haltung dagesesien; nur be! ihren ersten Wortm verrieth ein rascher Ausblick seme Ueberraschung; jetzt bliebm seine lenen düster und
theilnahmslos. .
„Ich werde es von meinem Befmdm abhängig machm, ob ich heute Abend hinüberkomme."
„Natürlich, handle darin ganz nach DeinerMeinung."
Sie glitt wieder aus dem Zimmer. Mit brennmden Augen sah er ihr nach.
Irmgards Salon hatte noch die Einrichtung, die ernst die Verlobten im ersten Liebesfrühling ausgewählt: das Sopha und die Sesselchen mit dem Seidendamast überzogen, der ein zartes Rosenmuster aufwies. Der schöne Blüthner'sche Flügel nahm einen breitm Raum ein. Ein paar Lampen und brmnmde Kandelaber an dm Wänden erhellten dm Raum, im Ofen brannte ein Fmer, die Märzabende warm recht kühl.
Liconius kam hmte früh. Er ging als naher Freund zwanglos hier zu jeder Sttmde aus und ein. Er saß schon im anstoßenden Gemach und unterhielt sich lebhaft mit Günther, als Irmgard eintrat. Er empfing sie mit der Nachricht, daß er eben von ihrem Gemahl komme und ihn frischer denn je gefundm habe. „Er will das große Ereigniß, das unerwartete Auftretm des neuenFamilien- mitgliedes mitfeiem. Günther erzählt mir ebm aufgeregt von dieser fremdm Tante." ,
Irmgard war cs lieb, daß sie kerne naherm Er- klärungen mehr zu gebm brauchte. Die warm für dresm Allwissenden ja auch meist überflüssig; er war mit einem sechstenSinn begabt, sah, hörte, errieth, knüpfte zusammm und war stets auf der Höhe der Situation.
„Ich habe eine große Freude an dem Wiedersehen gehabt", sagte sie nur, „und ich hoffe, meine Schwester wird Ihnen gefallen, sie ist ein Selfmademan, und solche Menschen haben Sie gern." , .
Günther schmiegte sich an sie und wies ihr eine Gold- münze, ein altes, seltenes Exemplar, die Onkel Liconrus ihm eben gespendet. Günther war ein eifriger Sammler.
Irmgards Sttrn umdüsterte sich. Der Knabe eilte fort, um'sein Kleinod zu verwahren.
„Sie thun dem Jungen nicht gut mtt solchm Werth- vollen Spendm", sagte sie ärgerlich, „wenn es noch eine Kupfermünze wäre. Er hängt viel zu sehr am Besitz, vor- nehmlich am Golde. Mir wurde ganz unheimlich neu* lief,', als Sie ihm eine lehrreiche Vorlesung hieltm über
50. Jahrgang. 1002.
die richtige Verwerthung des Goldes, über Umsatz und Zinsvermehrung. Güntherchens Augen und Wangen glühten, er folgte dem Gewirr der Zahlm, so komplrzrrt cS auch wurde, mit schier unheimlicher Aufmerksamkeit, und wiederholte die Lektion noch kurz vor demEinschlafm, Dm Zug babm Sie ihm mit Ihrem Märchen vom gol- denen Schlüssel in sein damals noch ganz leeres Hum projicirt." „ . .
Er lachte. „Sind Sie aber scharf im Merken meines Sündmregistcrs", meinte er. Er war mit ,ihr m den Salon getreten und saß ihr gegenüber. Wie schon me Frau gewordm war! Der griechische Haarknoten patzte zu dem seinen Kameengesicht, diese grotzm ftUgen, denen noch immer eine heimliche Schwermuth geba lag, verriethm den klugm, denkenden ® J '
weckt. Das, was sie setzt war, hatte er aus chrgemacht, seine Augen ruhten bewundernd auf ihr, sie mutzte da.^ Tie Werthschätzung ihrer Person die SchmeichAeiM, an ihr Ohr töntm, warm ihr nicht gleichgültig, ne waren ibr Ersatz für Verlorenes, Wie sehr sie seine Schülerin geworden war, wußte sie vielleicht nicht ganz. (
Also einen Harpaqon mache ich aus Guntber , rede e er Ä -Ähr SÄ «t Seinen,-er mm» <;a im Geamtbeil, ein guter Rechner patzt.iii unsere >
und Günther ist ein Rechenkünstler Im Uebrigen h^m
Sie ja für ein heilsames Gegengewicht gesorgb ^ohannm Flemmiua der Mann, der ohne Stecken und wasche air- zicht in seines Heilands Nachfolge, der lehrt ihn: wo Du -ween Röcke hast, gieb einen den Armen. Da m Palästina aing"das allenfalls, in unseren Wintern und Sommern
brauchen wir aber zwei Röcke gegen Kalte und Hitze^
Johannes Flemmings Lehren fuhrm ihn eher m die Tinte als die meinen."
Irmgard lehnte im Sessel und schüttelte dm Kop'.
„Spottm Sie nicht über Johannes Flemming; er ist ein Ausnahmemmsch, deii wir gar nicht zu begrmsin vermögen Ich habe keinen treueren freund als ihn, aber er ist auch mir gegenüber verschlossen, meidet wich e sü.eint mir oft wie ein fremder. Man bebaupttt sotzar, keine Predigten seien matter geworden, ^ch^hort ihn lange nicht, ich gehe ja kaum noch m die Kirche.
Er warf einen forschenden Blick auf sie und entgegnete. „Nun, das erleben wir öfters bei den Kanzelrednernsi kommen beim Publikum in die Mode und auch.wieder heraus. Johannes ist ein Idealist, und wenn Sie Veränderungen in seinem Wesen beobachtet habm, so fit vrel- tticht seine Unzufriedenheit mit Ihrem jetzigm Lebeii
^Sie erhob jählings dm Kopf und erröthetc. „Wie
^^Liconius lächelte, sein überlegenes, ironisches Lächeln.
„Nun, das zu errathm, möchte ich Jsinm uberlassew Wenn Sie Johannes Flemmmgs geistige Richttmg sich vergegenwärtigm, so müssen Sie sich sagen, daß er bei den schweren Anlässen in Ihrem Leben wohl andere For- derungm an Sie gestellt hatte. Sack und Asche i-lluern, das ist das Ideal dieser Frommen, demüthig dimm nichts Eigenes wollen. Ihre Entwickelimg, zu niodernm Anschauungm wird ihm nicht sympathisch sem.
(Fortsetzung folgt.)
Creiehw. Meyer,
9 Langgasse 9.
Unter rocke
in hochaparter und einfacher Ausführung
n
Zum Johannisberg"
py 5 Langgaffe 5.
Heute Abend: Ochsenschwanzsuppe,
Leberklöße mit Sauerkraut,
Gefüllte Ente, Hasenpfeffer.
_ Jahob BSappert.
Kochgeschiis! n. SpeisehanS L Sg„
Oranienstratze 2.
Mittagstisch v. tl-2 Uhr zu 60.80 Pf., 1 Mk. und böfirr, in und außer dem Hause. Abendesscii von 6 Uhr an.
Fra» b» ilh. Martini, perf. Kochfrau.
„ZM Ai!!er", ■arsawv
, p. Heute Samstag r
CL# Metzelmppe.
•sivS-ös»*!«» E. B* Miltner.
Heute Samstag Abend:
Metzelsuppe,
wozu frcundlichst cinladet
Attg:. Kiss,
Restaur. zum Rodensteiner.
Acpfcl.
Montag > dm L9. Sept>, be«tunt das Aepfelvflucken guf dem Hosgrit Klarenthal, Da- ftldst sind edle Porten Aepfel, Äoldreinettcu p. s. w. yßm Bmimt eentnerweist zu haben.
18S8cr Rhcingauer Original naturreiner Wein in Flaschen abzugeben bei
. 1 . lUcfentltiiler in Eltville,
Neue Linsen»
MWmksiiltclMiMeil
empfiehlt 9027
P. Endsrs, Michelsberg 32.
Krisch geschossene schwere
S"
BClCDPiKiic
aldhasen,
sowie alle Arten Wild und Geflügel zu den bekannten billigsten Marktpreisen. *
GMgchaMilNS % Geyer 2.,
Grabenftrafle 34._ Telephon 369.
Kartoffeln, magniim bonme.
Für diese so sehr beliebte Kartoffeln nehme ioh auch dieses Jahr wieder Bestellungen an. Der Preis ist Mk. 2.40 per Centner franco Haus gegen Lasse,
IVtlli. Wolf. Karlstrasse 40.
Kartoffeln, EÄL
benum 2,40 Mk., gelbe gclbfleischiae 2.90 Mk., Schneeflocken 3 Mk., Mäuschen S Mk. liefert frei Hans Otta UnNvinaei,, Schwalbachcrstr. 71. Telephon 2734.
U\\g stcn
den
-^|esw^ B0 a o
Hutfedern n. Boas
werden gereinigt, gefärbt und gekräuselt, besonders alte getragene schwarze Federn werden wieder wie neu bergerichtct Platterstraflc 8, t. Etage,
88941
Wems hnldkr -"LLÄiLn,?'
Kommode«, Schränke verschiedener Art, Tische, eine Plüschgarnitur »nd sonstige Gegenstände billig abzugeben. Anznseben täglich von 9—1 Uhr Vormittags. Zwischenhändler verbeten.
_ Villa iFt»» , 1»a. Lcmzstraße 5.
Marktstrasse 23,
vli-i-vis dein ,,Hotel Einltorn“,
Gasliister
aller Art zu bill. Fabrikpreisen.
la (xlUliUMrper.
U. BSrnndatUtter.
Hein Laden. <Sro«ses i.age, L St.
Miftveeterde karrenweise billig adzngedeu.
Gärtnerei »1. Weoleor, Westeiidstratze.
Umzüge per Federrolle werden gut u. billig besorgt. M. w oltr, Micbelsbera 28, Hth. 2 St.
Das AufarLcitm
Tapeziren von Zimmern und Neubauten wird billigst und bei solider Arbeit auSgeführt. Näh. Roonftraße 19. 2 St. __
Zur Herstellung sämmtl. Tapezirer- Arbeitcn empfiehlt sich bei billigen Preisen IKrifdricli Wog. Hellmundstr. 29.
Eine Polster-Garnitur aus
_ hell »live gemustertem Plüsch, bestehend aus 1 Sopha, 2 großen Sesseln und 2 Polsterstühlcn, ist wegen Raummangel sofort billig zu verkaufen Wcllritzstraße 20, 2 rechts.
Küchen-Einrichtungcn, complet, hochfein, billig zu verkaufen.
_ 4b'. Mari», Schreiner, Fronkenstr 18.
Zimmerspäne und Klötzchen
karrenw, adzuaeden vls-ä-vts dem alten Friedhof.
Hellmnndstraße 44 ist gepflücktes Obst zu verk.
