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i Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts. .■ '

Nr. 170.

Samstag. 24. IuN.

1915.

(12. Fortsetzung.)

Srau flöas Töchter.

Roman von Emma Hanshofcr-Merk.

(Nachdruck verboten.)

f* , stoppte ja nicht einmal, iwn nach mar «!!„ i Q ? n er nicht genau wußte. Manch-

£ r , e ‘; len , Vorubevkommenden an: „Wester- ,??s .^^^-^erstand mcht gleich, ärgerte sich über den befehlenden Ton und schüttelte den Kopf. Einer oder Ä re Mutete auch in einer Richtung, die sich dann als falsch erwies, aber er raste einfach weiter, bis ein Wegweifer kam den er lin Variiberfliegen lesen konnte.

schrie cntsetzt^auf, als ein Kind vor dem Wagen Ä.or die Straße lief Gerade noch zur rechten Zeit stürzte die Mutter, die das Tuten gehört, aus dem Hause und rrß es zurück. Bald darQuf 'drohte einem Hunde das Unheil. Vor einem Einspänner, der fried- Llch vor dein Dorfwirtshause stand, scheute das Pferd und rannte wie besessen davon. Die Fuhrleute auf der Landstraße sprangen beim Ertönen der Hupe aus dem Wagen, um ihre erschreckten Pferde zu halten. Olly zuckte bei stder Gefahr, in der wieder ein Lebe­wesen schwebte, aufs neue angstvoll zusammen. Sie sausten vorbei, lärmend und Staub aufwirbelnd. Schrecken verbreitend, die ländliche Ruhe störend, drohend und rücksichtslos. Und Olly begriff, daß ihnen bofe Worte nachgerufen wurden, 'daß böse Blicke sie trafen. Sie hatte selbst den Eindruck, daß nieinals noch 'der Reichtum so triumphierend dahingestürmt war. Sagte nicht dieses laute, weithin klingende

Luten mit jedem Ton: Weg! Weg! Platz! Ich

komme! Ich! - War diese tolle Geschwindigkeit nicht der Ausdruck eines egoistischen Kraftgefühls, das sich austoben wollte wie Übermut eines Triumphators? tllur daß hier allein das Geld — >das vom Vater er- erbte Geld — zu diesem Siegerstolz berauschte!

Auch in ihr war ein Gefühl des Hasses gegen den lungen Menschen, der so lachend vor ihr saß und, ohne äuf ihre Einpfuidungen zu achten, sie wie eine Ge­fangene rn seinem tollen Gefährt weiterschlcppte

,. waren sie schon dahingaflogen, als

sie den Chiemsee leuchten sah.

.. kippte ihm leise mit dem Sonnenschirm auf die Schulter, denn sie wollte gehört werden.

Sie doch eirnnal! Ich nröchte die Landschaft betrachten! Und dann, nicht wahr — ist es Zeit zur Rückfahrt!" 1

Er bremste einen Augenblick.

„Aber, gnädiges Fräulein, wir fahren den See entlang. Es wird noch viel hübscher, und warum den- selben Weg zurück? Merlassen Sie sich nur getrost meiner Führung!"

Schon rasten sie weiter.

Zur Rechten schimmerte die Seesläche, die Berge standen noch beschneit in zartem Duft, einen Augen- blick tauchten die Loferer auf in, Sonnenglanz. Vor- veil Vorbei an den Inseln, die in dem hellblau

B cnden Wasser schwammen. Immer weiter im e vorüber an idyllischen Dörfern, an blühenden ern. an all der stillen Frühlingsschönheit

.. Olly ward es allmählich ganz gleichgültig, wohin sie sichren, und sie ersehnte nur die Heimkehr.

Aber sie vasten immer noch in der entgegengesetzten Richtung. Dann auf einer schlechten Straße, mitten rm freien Feld, stand Plötzlich der Wagen still.

„Zum Teufel, was ist denn los?" rief Lütthardt und sprang von seinem Sitz herab.

. Ollh war froh, daß sie wieder einmal aufatmen. dre Füße regen, die Stille genießen konnte. Vor ihr stieg eine Lerche in die blaue Luft. Nun hörte mau wieder solche feinen, süßen Laute.

Es hätte ihr ja nun einen Riesenspaß gemacht, daß der verwöhnte Herr an der Maschine hernmavbeiten, sich die Hände schwarz machen mußte. Sie hätte nur gelacht über seine Wut, als sich hcvausstellte, daß das Benzin verdickt war, daß sie überhaupt zu wenig Benzin mit hatten.

LX wie hätte sie ihm diese Verlogenheit gegönnt zur strafe für den Eigensinn, so rasch, so weit zu fahren. Wenn nur der Aufenthalt nicht gewesen Ware!

Aber es verging gera-imic Zeit, bis sie wieder flott wurden, und Olly wies inahnend aus die Sonne.

„In einer Stunde müssen wir in München sein. Das War die Verabredung!"

„Mit dieser Panne hatte ich natürlich nicht ge- rechnet, aber es wird hoffentlich nun wieder gehen", sagte er zögernd. Er wußte sehr wohl, wie weil sie noch von ihrem nächsten Ziele waren.

Eine Strecke waren sie wieder gefahren. Da stand eine Tafel: „Straße gesperrt!" Wie ein Ungchcuer kam ihnen m einiger Entfernung eine Riesenwalze entgegen, die den frischen Schotter niederpressen mußte. Cm Wegwärter schrie: „Hier können Sie nicht durch! Die Pneumatiks gehen Ihnen ja in Fetzen!"

„Warum machen Sic nickst früher einen Anschlag!" wetterte Lütthardt zornig. Aber was half's? Sie umßten doch nmkchren und in einem weiten Bogen die Bezirksstraße zu erreichen suchen. Er warf einen un- geduldigen Blick ailf die Karte.

„Nun, bitte, aber auf dem nächsten Wog heim!" mahnte Olly.

„Wir müssen über Wasserburg. Wir brauchen Benzin. Dieser Esel Hat nicht 'dafür gesorgt!" lautete die Antwort.

Nach einer halben Stunde etwa funktionierte die Zündung wieder nicht. Es fing zu dämmern an, als sie endlich flott waren.

Einen Kilometer weit rasten sie wieder; dann neue Stockung, neues Zankion über den saumseligen Diener, neue verlegene Entschuldigung.

Olly verging vor nervöser Ungeduld. Es wurde immer später, immer dunkler.

Schon waren sie eine Strecke weit abwärts g» fahren, dem Innufer zu, schon sah man die erleuchteten Häuser -des Städtchens unten liegen. Da stand der Wagen aufs neue fest.