Wiesbadener Tagblatt (Abend-Ausgabe). Verlag: Lauggasse 27.
Seite 4» 22. September
war selbst da« letzte Plätzchen besetzt. Wohl manche Flasche „Schiersteiner Hölle" und mancher „Quetschekuche" hat da dran glauben müssen! Und erst Abends auf der Eisenbahn, da wurde um jeden Platz im Wagen förmlich gekämpft. So viel wir gehört haben, ist kein Unfall oder sonstiger Zwischenfall vorgekommen, sodaß die Kirmes ohne unliebsame Störung verlief, und das ist immer das Beste, was man von einer Kirmes sagen kann.
<s. Vom Blauen Kreuz. Zn der Kaffcehalle Marktstraße !3 vollzog sich gestern ohne besonderes Geräusch eine Feier, die trotzdem der Chronist nicht unbeachtet lassen darf. Er geht dabei davon ans, daß der Kampf gegen den übermäßigen Genuß des Alkohols eine der schönsten und unterstützungswerthesten Bestrebungen der Gegenwart ist. Nicht, daß er jedes Tröpflein Alkohol, das der Mensch in seinen Getränken mitgenießt, am liebsten in das Meer gießen und alle Bier- und Weinwirth- schaftcn zunageln würde, er huldigt vielmehr der Ansicht jener Temperenzler, welche den mäßigen Alkoholgenuß gelten lassen, und nach seiner Auffassung wird der orthodoxe Alkoholgegner ebenso erfolglos mit dem Drachen Trunksucht kämpfen, wie der orthodoxe Gläubige vergeblich gegen den Unglauben kämpft. Man muß nicht von heute auf morgen mit Stumpf und Stiel ausrotten wollen, was Jahrtausende bedurft, um sich zu dem auszuwachsen, was es geworden ist. — In der Kaffeehalle fand gestern die 25-jährige Jubelfeier des „Blauen Kreuzes" statt. Da schäumte weder der Gerstensaft in den Pokalen, noch perlte in ihnen der goldene begeisternde Rebensaft, und doch waren die verhältnißmäßig zahlreichen Festtheilnehmcr in einer Stimmung, die man recht wohl als Begeisterung bezeichnen darf. Die Jubelfeier fand bei schlichtem Kaffee statt. Sie wurde mit der Hymne „Lobe den Herrn" und einem Gebet eröffnet und geschlossen mit dem Lied „Die Gnade unseres Herrn". Das zeigt schon, daß die Anhänger des „Blauen Kreuzes" nicht nur Alkoholgegner sind, sondern daß sie auch auf positiv christlichem Boden stehen. Das ist ja eigentlich selbstverständlich, daß ein guter Christ kein Säufer ist, ebenso selbstverständlich ist aber auch, daß einer unbeschadet seines Christenthums ein Glas Wein oder ein Glas Bier als eine gute Gabe Gottes ansehen kann. Auch die verschiedenen Ansprachen zeigten, daß man es hier mit einem Verein von ausgesprochen religiösem Charakter zu thun hat. So sprach z. B. der Hauptredner, Herr Diakon Barth aus Idstein, iiber den 17. Vers des 38. Kapitels des Propheten Jesais, in dem der Prophet dem klagenden Volke Gottes'den Untergang der Feinde verheißt, den Sündern zum Schrecken, der gläubigen Gemeinde aber zur Freude. Der fragliche Vers lautet: „Deine Augen werden öen König sehen in seiner Schöne: Du wirst das Land erweitert sehen." Es ist ja nicht ohne Weiteres klar, wie auf diesen vcrheißnugsvollen Vers eine Rede gegen den Alkohol aufgebaut werden kann, aber der Redner baute sie auf dieser schlichten Grundlage auf und nicht ohne Geschick. Der Christliche Verein junger Männer und der Jünglingsverein waren mit bei der Feier, die ohne jede Störung friedlich und hübsch verlief und auch auf den einen guten Eindruck gemacht haben wird, der nicht der Meinung ist, daß sich der Alkoholismus mit Traktätchen und Bibeloerscn todtschlagen läßt.
d. Die Menagerie Malscrtciner erfreut sich fortgesetzt eines guten Zuspruchs, der beste Beweis, daß sie „auf der Höhe der Zeit" steht. Wer bei dem jetzige» angenehmen heiteren September-Wetter einen Spaziergang die Vieb^icherstraße hinauf nach der Adolfs-Höhe unternimmt oder sich von der Elektrischen hinaufbefördern läßt, wird sich zweifellos unter der interessanten Thicr- gesellschaft, die noch einige Tage dort oben weilt, ein Stündchen lang wohl fühlen. Nicht nur interessant ist ein Aufenthalt in dem sauberen Menagerie-Cirkus, er wird dem aufmerksamen Besucher auch eine lehrreiche Unterhaltung bieten, die der Unterhaltung nicht nachsteht, welche man in einem Cirkus findet, in dem gelehrige Pferde mit ihrer Dressur brilliren, Akrobaten Räder schlagen, kokette Damen auf dem Rücken braver Gäule
Leistung aufs Neue, welch eine ausgezeichnete komische Alte das Residenz-Theater besitzt, so schien Herr Ohrt als Onkel Lüttchen für seinen Theil darthun zu wollen, daß es dort auch mit der feinen Charakterkomik gut bestellt ist: sein Bestreben glückte ihm in bester Weise. Dieser Onkel Lüttchen war eine köstliche Mischung von Treuherzigkeit und harmloser Schlauheit. Nennen wir aus der langen Liste der Mitspiclenden noch die Herren Kienscherf (Weinholzj, Oehmig (Witte) und Unger jMorawetz) und die Damen Spieler jGertrud) und Schenk «Bertha!, so ist damit genugsam bekundet, daß auch die übrigen größeren Rollen in den besten Händen lagen. Regie und Darstellung hatten einen guten Bund geschlossen, und so mögen sich beide in den reichen Beifall theilcn, der gestern gespendet wurde.
Sch. v. B.
Aus Kunst und Leben.
* Frankfurter Stadtthester. (S p i e l p l a n.l Opernhaus. Montag, den 22. September: „Die Grvßherzogiu von Gerolstein". Dienstag, den 28.: „Lohengrin". Mittwoch, den 24.: „Das Glöckchen des Eremiten". Donnerstag, den 25.: „Dop Pasguale". Hierauf: „Zwischen zwei Feuern". Freitag, den 28.: „Die lustigen Weiber von Windsor". Samstag, den 27.: „Violetta (La Traviata). Sonntag, den 28., zum ersten Male: „Samson und Dalila". Große Oper in 8 Akten und 4 Bildern von Ferd. Lemaire, Musik von Eamitte Saint-Saens. Deutsch von Richard Pohl. Montag, den 2g.: „Hofsmauns Erzählungen". — Schauspielhaus. Montag, den 22. September: „Die versunkene Glocke". Dienstag, den 28.: „Die zärtlichen Verwandten". Mittwoch, den 24.: „Roscnmontag". Donnerstag, den 25.: „Die
Räuber". Freitag, den 26.: „Graf Essex". Samstag, den 27.: Dramen-Cyklus zum Abschied vom alt^i Schauspielhaus?, 15 . Abend, Ferd. Raimund «gcb. 1790, ge». ltz8g«: „Der Verschwender". Sonntag, den 28., Nachmittags 8'/- Uhr: „Die zärtlichen Verwandten". Abends 7 Uhr: „Charlcys Tante". Montag, den 23.: „Dcborah". Dienstag, den 80.: Dramen-Cyklus zum Abschied vom alten Schauspielhause, 18. Abend. A. E. Brachvogel (gcb. 1824, gest. 1878,: „Narciß".
* Aus Berlin schreibt man uns unter dem 19. Sept.: Hin ul'tcrhaltsamer Abend heute im Schauspiel- Hause: Walter Bloem, der rheinische Dichter, hat 'mit seinem „Sommerspiel vom Rhein", „Schnapphähne", einen sehr freundlichen Erfolg davongetragen. Es ist ein historisches „Spiel", dem Schwank näher verwandt als dem Lustspiel und nicht ängstlich auf die Wah-
„arbciten" und Clowns plumpe Witze reihen. Ich war gestern bereits zum vierten Mal in der Menagerie Mal- ferrciner und ich habe mich bet diesem vierten Besuch nicht weniger gut unterhalten als das erste Mal, da ich das Vergnügen genaß, die selten frommen Löwen und Tiger, den Elephanten „Salomon" und all die übrigen hübschen Exemplare der verschiedensten Thicrgattungen zu be- wilndern. Man kann in der Thai einen freien Nachmittag oder Abend nicht besser anwenden, als zu einem Besuch der Menagerie, ganz besonders dürfte die bereits über das ABC der Zoologie hinausgekommene Jugend in derselben profitiren. — Am Mittwoch, den 24. d. M., Abends, findet die Schluß- und Abschieds-Vorstellung statt.
— Wiesbadener Gesellschaft für bildende Kunst. Die
Eröffnung der Ausstellung für Frauen- k l e i d u n g muß leider um mehrere Tage verschoben werden. Der Tag der Eröffnung wird noch einmal bekannt gegeben.
o. Bauinspektoren-Konfcrenz. Die Kreis-Baninspck- torcn des Regierungsbezirks Wiesbaden sind hente im Sitznngssaalc der König'l. Regierung unter dem Vorsitz deS Herrn Ober-Baudirektors Hinkeldeyn von Berlin zu einer Konferenz zusammengetreten. Im Laufe des Vormittags besichtigten die Herren das Gerichtsgebäude. das Justizgefängniß, den Neubau und die Pläne des Polizeidienstgebäudes, sowie die Töchterschule und das Rathhans. Morgen ist ein Ausflug nach Homburg und der Saalburg.
— Militärisches. Die in Wiesbaden wohnenden Rekruten und Freiwilligen haben ihre Gestellungsbefehle zum Diensteintritt unter Vorlage der Urlaubspässe resp. Annahme-Scheine auf dem Haupt- mcldeamt des Kgl. Bezirks-Kommandos, Kirchgasse 2 , in Empfang zu nehmen.
— Heimkehr aus dem Manöver. Am Samstag Abend 1l Uhr 20 Minuten kehrte das 2. Bataillon des hiesigen Regiments ans dem Manöver in seine Garnison zurück. Das Manöver nahm Samstag Mittag bei Langenselbold sein Ende und von dort aus wurden die einzelnen Truppentheile, nachdem sie an der großen Massenspeisung durch die eigens zu diesem Zweck bei Langenselbold errichtete Feldküche Theil genommen hatten, in ihre Garnisonen befördert. An das Manöver schließt sich eine dreitägige größere Hebung mit scharfer Munition an. In der Nähe von Büdingen findet ein Scharfschießen der Artillerie in Verbindung mit einer Angriffsübung und durch Infanterie statt. Da hierzu auch das 1. Bataillon des Füsilier-Regiments v. Gersdorff befohlen ist, so verzögert sich dessen Rückkehr aus dem Manöver um einige Tage. Dieselbe erfolgt am Mittwoch. Die zu einer vierwöcheutlichen Hebung eingezogeuen Reservisten des 1. Bataillons sind zugleich mit dem 2. Bataillon in ihre Garnison zurückbefördert worden. Obwohl das Manöver im Allgemeinen von herrlichem Wetter begünstigt war, so hört man doch darüber klagen, daß einzelne Truppcutheile trotz des den ganzen Tag über fallenden Regens am Freitag, den 12. September, Biwack beziehen mußten und auch bei Zunahme des schlechten Wetters nicht in deu vorgesehenen Nothquartieren untergebracht wurden. Wenn man bedenkt, daß es in jener Nacht in der betreffenden Gegend einen Regen von 33 Millimeter Höhe gab, so kann man leicht daraus schließen, daß die Truppen in ihren Zelten wenig Schutz fanden. Und in der Thai sind die Leute in den Zelten vollständig durchnäßt worden und haben keinen Schlaf bekommen.
o. Schwurgericht. Vor dem Schwurgericht gelangt weiter zur Verhandlung die Anklage gegen a) den Schlossergesellen Julius Kr um eich und bj den Gärtner Robert Schmidt, beide von hier, wegen Raubes. Vertheidiger sind die Herren Justizrath Dr. Romeitz und Justizrath P c t e r s o n. — Die Verhandlung gegen W a t t e r l o h n ist von dem 7. auf den 9. Oktober verlegt worden.
o. Die Feuerwache hat mit dem heutigen Tage eine E r - Weiterung erfahren, indem der Löschzug um ein Fahrzeug vermehrt wurde. Er besteht mithin jetzt aus Mannschasts-,
rung historischer Treue bedacht, sondern keck modern- burschikosen Ulk in die Raubritterzeit verpflanzend, zugleich doch aber genugsam echt im Lokal- und Zeit-Kolorit. Wenn auch nicht durchweg, so doch in den letzten beiden Akten herrscht frischer, fröhlicher rheinischer Bowlen- Uebermnth. Im Ansange war die Fröhlichkeit ein wenig foreirt. Die Zuhörer unterhielten sich vortrefflich, die Darsteller nicht minder. Bloem ward oft gerufen. Ten Inhalt bildet die Bekehrung eines widerspenstigen Burg- fräulcins zur Liebe und Sanstmuth und das Absterben der Schnapphahnzeit nach dem Interregnum. — Aus Berlin schreibt man uns unter dem 20. d.: Josef Laufs, der den Berlinern bisher zumeist nur als der „Dichter des Kaisers", d. h. als so eine Art besserer Höfling bekannt war, hat heute Abend mit dem seine Eigenart weit besser darstellenden Cölibats-Drama „D e r H c e r o h m e" im L e s s i n g - T h e a t e r einen starken Erfolg errungen. Wer Laufs aus seinen Epen kennt, hat längst gekachelt, wenn ihn die Unkenntnitz der Neunmalweisen für einen zahmen Hosdichter ausgeben wollte — heute werden auch dem Blindesten die Augen geöffnet worden sein, denn weder vom Stoff, noch von der Behandlung kann man sagen, sie seien zahm. Die Auflehnung der jugendkräftigen Natur gegen die Unnatur des Cölibates bildet, wie in dem Roman „Kärrekiek", aus dem taS Drama beruht, das Thema. Der Roman ist ohne Zweifel werthvoller, aber das Drama hat doch manche höchst packende Scene. Freilich ist psychologisch Vieles nur begreiflich, wenn man den Roman kennt. Sicher hätte der Dichter sein Drama anders durchge- sührt, wenn er dem Stoffe von vornherein als Dramatiker gegenübergetreten wäre. Auch die Sprache, die jetzt stellenweis noch sehr papieren klingt, wäre dann wohl lebenswahrer, das heißt, schlichter, geworden. Die Bühnenwirkung war jedoch,, mit Ausnahme des vierten Aktes, durchweg stark und unmittelbar, und Laufs wurde sehr oft gerufen. Der rheinische Dichter wird uns sicher noch manches merthvolle Drama schenken, um so werth- vollere, je mehr er sich dem modernen Leben zuwendet, das seinen Hang zur Rhetorik besiegen wird.
* Verschiedene Mittheilungeu. Wie die „Voss. Ztg." mitthcilt, hat die Berliner Gallerte neuerdings das
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Leiter- und Schlauchwagcn. Zu dem Zwecke sind zwei weitere Pferde eingestellt worden, sodaß jetzt ständig sechs Pferde zur Ber- sügung stehen.
o. Ei« frecher Raubanfall wurde am Samstag in der Adolfsallce von einem jungen arbeitsscheuen Menschen ans einen Maurerlehrling verübt, der eine größere Summe Geldes — angeblich über 600 Mk. — bei seinem Meister, dem Herrn Bauunternehmer Beckel, geholt hatte, um dieselbe nach einer Baustelle zu bringen, wo sie zur Auslohnung der Arbeiter verwendet werden sollte. Der Räuber hatte anscheinend dem Lehrling aus- gclauert: er entriß demselben das Geld, lief davon und suchte sich, als er sich verfolgt sah, in einem Hause in der Adelheidstraße zu verbergen. Dort war er unbemerkt in einen Weinkeller gelangt und hatte sich hinter einem Faß verkrochen. Die Bewohner des Hauses und das Bürean- personal der Weinhandlung waren nicht wenig über rascht, als die Verfolger zu dem Hause hereinstürwten und mehrere Schutzmänner dasselbe durchsuchten. Der Flüchtling wurde entdeckt und ans seinem Versteck herausgeholt. Das Geld, das er im Keller von sich geworfen hatte, wurde auch bald gefunden. Der gefährliche Patron, der seiner Mutter, einer Wittwe, schon viel Sorgen gemacht haben soll, wurde in Hast genommen.
o. Schadenfeuer. Gestern Nachmittag gegen 2'/- Uhr gcrieth auf dem Grundstücke Ruhbergstraße 7 ein isolirt stehender Hühnerstall bei dem Ausschwefeln desselben in Brand. Der letztere wurde sogleich unterdrückt, sodaß die inzwischen erschienene Feuerwehr nicht mehr in Thätigkeit zu treten brauchte. — Die Wache bemerkte gleichzeitig starken Ranch in der Richtung nach dem neuen Fried- Hof, sie fuhr dorthin und fand unterhalb des Juden?Friedhofs an der Platterstratze einen Hausen verwelkter Kränze, die heute oder morgen verbrannt werden sollten, brennend vor. Böse Buben hatten sic in Brand gesetzt. Die Wache traf alle Vorsichtsmaßregeln, damit das Feuer sich nicht auf den Wald ansöehuen konnte.
o. Schwer verletzt wurde vor einigen Tagen der Flaschenbierhändler lener von hier auf einer Ziegelbrennerei an der'Lahnstraße. Bei dem Passiren dieses Grundstücks wurde M. von einem dort angestellten Buchhalter ungehalten und erhielt von demselben nach kurzem Wortwechsel mittelst eines Wellenbengels einen so wuchtigen Schlag über den Kopf, daß er zusammenstürzte und bewußtlos liegen blieb. Er konnte zwar, nachdem er sich etwas erholt hatte, nach Hause gehen, mußte sich aber doch zu Bett legen und sein Zustand hat sich infolge einer Gehirnerschütterung so gestaltet, daß das Schlimmste zu befürchten ist. Gegen den Thäter, den Buchhalter Mühl- st ein, ist bereits eine Untersuchung eingeleitet.
o. Unfall. Der Lackirer Robert St. ist in der verflossenen Nacht aus der nach seiner Wohnung in der Ädlerstraße führenden Treppe so unglücklich gestürzt, daß er eine tiefe Wunde über dem linken Auge davontrug. In dem nahegelegenen städtischen Krankenhause wurde ihm noch in der Nacht ärztliche Hülfe zu Theil.
o. Blutige Schlägereien sind in den beiden letzten ^Nächten mehrere vorgekommen. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag wurde der 19 Jahre alte Taglöhner Adolf S. von einem Kollegen in der Platterstraße durch einen Messerstich in den Rücken verletzt und der 24 Jahre alte Kellner Ph. L. ist auf dem Wege nach seiner Wohnung in der Ädlerstraße von einem Unbekannten an- geremvelt und zweimal in den linken Oberarm gestochen worden. Die beiden Blessirtcn wurden im städtischen Krankenhausc verbunden.
— Konkursverfahren, lieber das Vermögen der Kausmanns- fran Wittwe Karl Schulze, Lina, gcb. Leib, hier, Mihl- gasse 18, ist am 17. September 1902, Nachmittags 1 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet worden und der Kaufmann Karl Brodt zum Konkursverwalter ernannt worden. KonkurS- forderungcn sind bis zum 1. November 1902 bei dem Gericht an- zvmelden.
— Befitzwechsel. Herr Oberst Tweööel verkaufte seine Villa „Adolfshöhe" an Herrn Pauly zum „Setdenräupchen".
— Kleiue Notizen. Bei dem am Sonntag in Frankfurt a. M. stattgefundcnen Preisfahren erhielt die hiesige, schon vielmals prämiirte Firma Gabriel Wolf Sühne, Pferdehandlung, trotz sehr starker in? und ausländischer Konkurrenz (über 150 Meldnngens den zweiten und dritten Preis, sowie zwei Ehrenpreise. — Herr Juwelier Wtlh. Schellenberg und Gemahlin, geborene Oucrfeld, Uhlandstrüße 11, begehen heute das Fest der silbernen Hochzeit.
— Frcmben-Verkehr. Zugang in der verflossenen Woche nach der täglichen Liste des „Vadeblatts" 1011 Personen.
früheste und hervorragendste Bild vom älteren Lukas C r a n a ch , „Die Ruhe auf der Flucht vom Jahre 1504", aus dem Besitz von Frau Fiedler-Levy in München erworben. Das Bild, das älteren Besuchern von Rom aus der Gallerte Sciarra bekannt ist, erregte in der Cranach- Ausstellnng in Dresden vor drei Jahren allgemeines Aufsehen.
Nach einer Meldung aus Leipzig ist daselbst in vorletzter Nacht der bekannte Theologe und Senior der theologischen Fakultät der Universität Leipzig, Geh. Kirchenrath Dr. Luthardt, im Alter von 79 Jahren g e st o r b e n.
Die Uraufführung von Ernst v. Wildenbruchs neuem Werk „König L a u r i n" am König!. Schauspielhaus in Berlin ist für den 1. November angesetzt.
Die Wüste Sahara will der Graf Castillan de Saint Viktor nächstes Jahr bis Timbntku mit einem Ballon überfliegen. Die Vorbereitungen zu der Reise sind schon im Ganges der Schöpfer des Planes ist Kap. Debureux, der den Grafen auch begleiten will.
Asm Kiichertisch.
— Das „M usikalische W o ch e n - B l a t t". Leipzig, Verlag von I. W. Fritzsch — hatte leider seinen Begründer und langjährigen Leiter verloren: im August d. I. ward E. W. Fritzsch aus rastlos thätigem Leben plötzlich und unerwartet abberufen. Aber in dem Sohn des Verstorbenen, Willibald Fritzsch, ist ein Nachfolger gefunden, der den hohen Zielen des Dahingeschiedenen mit Feuereifer nachzustreben trachtet. Unter seine? Aegide und unter Mitwirkung der bekannten Mitarbeiter hat das „Mukalische Wochenblatt" das neue Quartal seines 33. Jahrgangs angetreten. Ein interessanter Aufsatz von Ad. Prümer „Ueber das Häßliche in der Musik": ein werthvolles Feuilleton „Wie soll Bach im Volke mehr zu seinem Rechte kommen": ausführliche Musikberichte aus Leipzig, Königsberg, Kopenhagen: Konzert-Umschau: Notizen: und Kritiken über Novitäten des Mnstkhandels — machen den reichen Inhalt der vorliegenden Nr. 39. Form, Anordnung und Preis (pro Quartal 2 Mk.) sind die gleichen geblieben: so mögen auch die Sympathieen für das Blatt die gleichen bleiben. O. D.
