Verlag Langgasse 21
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Samstag, 2«. Juli ISIS.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 340. ♦ 63. Jahrgang.
Oer Krieg.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Des Kaisers Dank an die ArmeeabteUung v. woqrsch.
W. T-.B. Breslau, 24. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Schlesische Zeitung" meldet: Anläßlich des von den
Truppen der Armeeabteilung W o y r s ch glänzend üurchgeführten Durchbruches durch die feindliche» Stellung am 18. Juli 1915 ist an den Generaloiberst v. Woyrsch aus dem Großen Hauptquartier folgendes Telegramm eingetroffen:
„Seine Majestät hat die Meldung über den Durchbruch durch die Stellung des russischen Grenadierkorps nordöstlich von S i e n n e mit Freude entgegengenommen und mich beauftragt, Ew. Exzellenz sowie den Ihnen unterstellten Führern und Truppen, im besonderen auch der tapferen schlesischen Landwehr, die, wie so oft schon, erneut wuchtige Schläge zur Sicherung ihres schönen Heiinatlandes geführt habe, den Ausdruck seiner besonderen Anerkennung mitzuteilen. Gez. Falkenhayn."
Oie Schlacht zwischen Bug und Weichsel.
Der eiserne Ring schließt sich immer enger zusammen.
Br- Wien, 24. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Aus dem Kriegspressequartiet meldet die „B. Z.": Die Kämpfe gegen die Russen wachsen immer mehr zu einer R i e s e n s ch l a ch t an. Auf russischer Seite wird alles getan, das Verhängnis abzuwehrcn. Überall werden die Lücken gestopft, doch nirgends zeigt sich ein Erfolg. Tie Jwaugorod-Lublrner- Linie ist von den zwischen Weichsel und Bug operierenden Verbänden bedroht. Während sich auf dem linken Wcichseluscr ein stetig enger werdender Kreisbogen um Jwangorvd legt, haben sich die gegen Lublin und Cholm anrückenden Truppen wiederum energisch vorgeschoben. Zwischen Bivstrhca und Weichsel haben sie den Feind gegen die Hügel südlich der Bahn z u - rückgcdrängt und dadurch den Frontwinkel verschoben. Schöne Fortschritte wurden auch auf dem rechten Flügel erzielt, wo der über Goubiescow hinapsgetragene Angriff den vor Kranowstaw in der Richtung Wladimir-Wolhynski führenden Straßenzug bedroht.
Der Kriegsschauplatz der größten Entscheidungsschlacht des ganzen Krieges.
W.T-.B. Kopenhagen, 24. Juli. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung der „Berlingske Tidcnde" aus Petersburg kennzeichnen die militärischen Autoritäten den Kriegsschauplatz zwischen Weichsel und Bug als die Arena, wo die Entscheidungsschlacht des ganzen Krieges geschlagen wird. Sie erwarten außerordentlich blutige und erbitterte Kämpfe an der Front Ostrolenka-Jwangorod. Aufregung in Warschau über die Erschwerung der rückwärtigen Bahnverbindungen.
Berlin, 24. Juli. (Ktr. Bin.) Die „Bevl. N. N." schreiben: Don Novden, von Westen und von Süden rücken die deutschen Heere und die Armee «des Erzherzogs Joseph Ferdinand mit großer Wucht, mit wahrer unwiderstehlicher Gewalt gegen die Frontschleife der.russischen Befestigungen im Gouvernement Warschau heran. Je tiefer man eindringt in den Tatsachenstosf der militärischen Leistungen, um so gewaltiger erscheint ldas Vordringen durch Sturm zum Sieg. — In Warschau herrscht die größte Aufregung, weil die rückwärtigen Bahnverbindungen in das Innere Rußlands ernstlich bedroht sind, da die Bahnen eine Gewähr für Beförderung nicht mehr übernehmen.
Die englische presse bereitet auf sehr ernste Dinge vor.
Bi- Kopenhagen, 24. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der „L.-A." schreibt: Die englische Presse bereitet das Publikum auf tragische Ereignisse an der russischen Front vor. Die „Times" bringt so- ivohl von ihrem Petersburger wie von ihrem Berichterstatter in Warschau, dem Amerikaner Stanley- Washburnc, sehr e r n st e Nachrichten. In der Petersburger Meldung heißt es: Die Russen hätten noch nicht ihr letztes Wort gesprochen, indem sie ihre letzten Stellungen vor Warschau räumten, aber man sei in ganz Rußland auf das Schlimmste vorbereitet. Rußlands Hoffnungen wären jetzt jene Eli tetr uppen, die im Zentrum der Stellung dem furchtbaren Druck Mackensens stand hielten. Der „Rußkojr Invalid" schreibt: Zwischen Weichsel und Bug wird in der Entscheidungsschlacht, die in der Entwicklung begriffe» ist, Rußlands Schick
sal entschieden werden. Trotz der riesigen Truppenmassen wird die Schlacht in verhältnismäßig kurzer Zeit zur Entscheidung führen.
s. M. §. „Mbatros" abgeschleppt.
Stockholm, 23. Juli, (Ktr. Bln.) Der in der Seeschlacht bei Gotland gestrandete deutsche Minenireuzer „Alba, t r o s" ist heute von der schwedischen Bergungsgesellschaft „Neptun" abgeschleppt worden Er wird vorläufig nach F a r ö s u n d an der Nordküste der Insel gebracht werden.
Zunehmende revolutionäre Propaganda.
Br- Zürich, 24. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Ein soeben aus Rußland zurückgekehrter Schweizer Großkaufuulvn trist dem Berichterstatter der „B. Z." mit, daß die revolutionäre Propaganda in Rußland in der letzten Zeit außerordentlichen Umfang angenommen habe. Alle Kanäle der Agitation, wie sie vor der Revolution von 1905 bestanden, sind wieder geöffnet. Die patriotische Begeisterung, die im August vorigen Jahres auch die skeptischen Revolutionäre ergriffen hatte, ist durch die unerhörten Verfolgungen der Sozialisten und den großen Umfang, den die Judenverfolgungen angenommen haben, vollständig verschwunden.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Oer Dank des Kronprinzen an feine Krgonnentruppen.
XV. T-.B. Saarbrücken, 24. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Saarbrücker Dokkszeitung" veröffentlicht folgenden, vom ArMeeoberkonrmaitdo der 5. Armee bekanrrt- gqgckbenen Armeebefehl des Kronprinzen:
„Armeehauptquartier, den 19. Juli. Kameraden! Es ist mir ein von Herzen kommendes Bedürfnis, all den Truppen, welche an den siegreichen Kämpfen der letzten Wochen beteiligt gewesen sind, noch einmal meinen Dank und meine volle Anerkennung auszusprechen. Zehn Monate lang haben wir in schweren blutigen Kämpfen einen zähen und tapferen Gegner Schritt für Schritt und Graben um Graben nach Süden zurückgcdrängt. Mancher tapfere Krieger hat in diesem Walde sein Leben für sein Vaterland dahingegebcn. Mit stiller Wehmut und Dankbarkeit gedenken wir unserer gefallenen Kameraden. Durch die siegreichen Sturmangriffe auf eine vom Gegner besonders stark aus- gebaute Stellung habt Ihr, meine Argonnentruppen, von neuem gezeigt, daß, obgleich die große Kriegslage uns hier auf der Westfront im allgemeinen ein defensives Verhalten auferlegt, wobei die „Winterschlacht in der Champagne", „Cüte Lorraine", „Vogesenkämpse", „Schlackt von Arras" ein beredtes Zeugnis von unvergstichlicher deuffcher Tapferkeit und von treuem Ausharren ablcgen, wir doch in der Lage sind, wo es erforderlich ist, den Franzosen tüchtige Schläge auszutcilen. Mit voller Genugtuung können wir auf die letzten Kämpfe zurückblicken, die uns eine große Beute an Gefangenen und Material aller Art eingc- bracht haben. Ich bin stolz und glücklich, an der Spitze solcher Truppen stehen zu dürfen, und bin überzeugt, daß, wenn der Augenblick kommt, wo unser oberster Kriegsherr den weiteren Vormarsch befehlen wird, ich mich auf Euch verlassen kann und wir neuen Lorbeer um unsere siegreichen Fahnen winden werden.
Der Oberbefehlshaber: Wilhelm,
Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen. Die Stahlrüstung für die französische Front.
Haag, 24. Juli. Die französische Regierung hat den ersten Teil ihrer großen Bestellung auf Stahlhelme und Stahlkappen erteilt. Die Kopfbedeckungen sollen auf den Frontabschnitten Verwendung finden, wo der Laufgrabenkrieg auf kurze Entfernungen mit Handgranaten vor sich geht, gegen die die neuen Helme Schutz bieten sollen. Wie festgestellt worden ist, sind 14 vom Hundert aller Verletzungen Kopfverletzungen. Man hofft, durch die neuen Kopfbedeckungen diese Zahl etwas verringern zu können und besonders auch die Verletzungen durch die Metallsplitter zu verhindern. Die französische Regierung hat auch 50 000 Stück stählerne Bru st- panzer bestellt, die aus einem Schild von 28 Zentimeter Breite und 50 Zentimeter Länge bestehen und den Zweck baben, einen Teil des Gesichts und den Oberkörper zu schützen.
Zur besseren Organisation der französischen wirtschaftlichen Mobilmachung.
W.T.-B. Paris, 24. Juli. (Nichtamtlich.) Das „Journal" meldet: Der Deputierte Jean Henneffy hat in der Kammer einen Gesetzesantrag eingebracht, nach dem zur begcren Organisation der wirtschaftlichen Mobil
machung in jedem Militärbezirk ein wirtschaftlich beratender Ausschuß aus dem Präfekten, Vertretern der Handelskammern, Industrie, des Gewerbes, der Landwirtschaft und der -Transportgesellschaften gebildet werden soll. Der Ausschuß soll alle Fragen des Wirtschaftslebens bezüglich der Mobilmachung einer eingehenden Prüfung unter» ziehen.
Der Urieg gegen England.
Neue Gpfer unserer Unterseeboote.
XV. T-.B. Paris, 24. Juli. (Mchtamtlich.) Havas meldet aus Havre: Ein deutsches Unterseeboot steckte am Montag das schwedische Schiff „C a p e l l a" in Brand.
Amsterdam, 24. Juli. (Ktr. Bin.) Das „Bader- land" meldet: In Vlifsingen traf die Nachricht ein, es sei zu befürchten, daß das Dampfschiff „Alb er gen", das der Furneß Schiffcchrts- und Schiffsbauagentur in Rotterdam gehört, und das mit Steinkohlen von Newport nach Trinidad ging, mit allen an Bord befindlichen Personen zugrunde gegangen ist, da feit dem 2. April keine Nachricht mehr von dem Schiff gekommen ist.
Die zweite Explosion beim Untergang der „Lusitanra".
Berlin, 23. Juli. (Ktr. Bln.) Zar TorpedieruNy de-! „Lusitmtöa" weist das „Vaderlarp" vom 4L. Juli darauf hin, daß der amtliche englische Bericht von zwei Torpedos spricht, tvähvemd der UntersöLbootkommmÄant berichtet, daß er nur einen Schuß abgegeben habe. Las Blatt schenkt letzterem Glauben umd hält die Annahme. daß die zweite Explosion durch Murrst iansentlädung entstand, nicht für gewagt.
Der Sieg der süöwalisischen Bergleute.
W.T.-B. London, 24. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Times" meldet aus Cardiff: Die Abgesandten der Bergleute haben gestern in Massenversammlungen über die getroffene Entscheidung Bericht erstattet. Alle Versammlungen waren von der Überzeugung erfüllt, daß die Bergleute einen großen Sieg erfochten haben und mit fliegenden Fahnen zur Arbeit zurückkehren könnten.
*
Der Inhalt der neuen amerikanischen Note.
(Von unserer Berliner Schriftleitung.)
8. Berlin, 24. Juli. (Eigene Meldung. Ktr. Bln.) Die
gestern abend im Auswärtigen Amt überreichte amerikanische Antwortnote in der „Lusitania"-Angclegenhcit ist ein ziemlich umfangreiches Schriftstück, besten genaue Übersetzung natürlich eine Weile in Anspruch nehmen wird. Der Wortlaut wird infolgedessen wahrscheinlich erst im Laufe de» morgigen Sonntags veröffentlicht werden. Über den Inhalt der Note können wir heute schon folgendes mittcilen:
Die Note ist in durchaus korrekte^» Ton und tu den üblichen Floskeln internationaler Höflichkeit av- gesaßt, zugleich aber sehr bestimmt. Amerika anerkennt zunächst die ganz außergewöhnlichen Umstände, die durch diesen Krieg und die Anwendung eines so neuen Kampfmittels, wie es die deutschen Unterseeboote darstellen, geschaffen sind, Umstände, die naturgemäß bei der Festlegung der bisherigen internationalen Abkommen über die Führung des Seekrieges noch nicht in Rechnung gezogen werden konnten. Amerika erklärt auch wiederholt seine Bereit- Willigkeit, für die „Freiheit der Meer e" einzutreten und in der Berfolgung dieses Zieles mit Dutschlaud z u s am . menarbeiten. Indessen stellt cs sich auf den Standpunkt, daß cs Sache der Kriegführenden sei, die kriegerischen Unternehmungen mit den Rechten der Neu» t r a l e n in Einklang zu bringen, nicht aber Pflicht der Ne«, traten, deren durch internationale Übereinkommen festgelegten Rechte nach der Kriegführung zu wandeln. Dem- ntsprcchend werden die von der deutschen Reichsregierung in der letzten Note gemachten Vorschläge (daß eine Anzahl von Schissen unter amerikanischer Flagge fahren und daß Amerika dafür sorgen werde, daß auf diesen Schissen nichts transportiert wird, was das Leben der Passagiere in Gefahr bringen könnte) abgelehnt und cs wird Deutschland die Sorge wieder zugeschoben, Mittel dafür zu finden, daß amerikanische -Bürger ohne Gefährdung ihres Le- bcns über den Ozean gelangen können. Eine Menge prinzipieller Erörterungen darüber, daß die Rechte, aller Neutra- len von den Kriegführenden skrupellos zu beovachten sind, füllen dann den Haupttcil der Note. Am Schluffe wird aus», drücklich betont, daß Amerika es als einen „vorsätzlich unfreundlichen Akt" ansehen würde, wenn durch die deutsche Seckricgführung ein neues Schiff verseukt würde und dabei amerikanische Leben verloren gingen.
Eine Kritik der Note wird billigerweise unterbleiben müsten, bis ihr Wortlaut vorlicgt. In welcher Richtung die deutsche Antwort ausfallcn wirb, läßt sich heute natürlich ebenfalls noch nicht sagen, wohl aber scheint uns, tzatz das deutsche Volk über eines beruhigt sein kann, darüber nämlich, daß die Kriegswaffcn, die Deutschland schafft, auch weiter so werden angewendet werden, wie e8 uns nützlich erscheint, wenn auch zugleich so, tofej den Neutralen gegenüber am wcuigstcu Schaden geschieht, '
