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Uiksbsdkmr äagWatt.

so. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — BezngS-PreiS: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post 2 Mk. so Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Mp. 430. Redaktions-Fernsprecher No. 52.

Montag» Ken 15. September.

BerlagS-FernsPrcchcr N». 2266.

1902.

Abend-Ausgabe.

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Mas geht auf Panama vor?

Die Landenge von Panama, welche die Grenze von Mittel- und Südamerika bildet, ist seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts sehr intensiv in deir Vordergrund der politischen Ereignisse getreten und hat damit der süd- amerikanischen Republik Columbien den Stempel i historisch-politischer Bedeutung aufgedrückt. Die bisher sjöchste Stufe ihrer politisch-wirthschastlichen Bedeutung instieg die zum Gebiet Columbiens gehörende Landenge, als im Jahre 1855 die 77 Kilometer lange Panama- Eisenbahn eröffnet wurde, welche die Landenge von Panama bis Colon durchquert. Im Jahre 1884 wurde alsdann die Grundlage zu der zweiten und nach mensch­lichem Ermessen letzten Stufe der politisch-wirthschastlichen Bedeutung, welche der Panama-Enge zu erreichen be- schieden ist, gelegt, denn in jenem Jahre wurde die von Lesseps geplante Kanalverbindung zwischen dem Atlanti­schen und dem Stillen Qcean ins Werk zu setzen begonnen. -Es ist bekannt, daß das Lessep'sche Unternehmen elend verkrachte, daß aber jetzt das schon begrabene Panama- Kanal-Projekt aufs Neue ausgelebt ist, da der Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika der Regierung die Mittel bewilligt hat, diesen Kanalbau selbst in die Hand zu nehmen.

Als der amerikanische Kongreß im Juli d. I. 170 Millionen Dollars zu diesem Zweck bewilligte, wiesen wir bei dieser Gelegenheit daraus hin, daß die amerikanische Regierung bei dem Panama-Kanal, den sie der früher ge­planten Nicaragua-Linie yorgezogen hat, mit einer Schwierigkeit zu kämpfen haben werde, die politischer Natur ist, nämlich mit den ständigen Wirren in der Republik Columbien, durch welche die Panama-Linie geht. Wir bemerkten jedoch damals hierzu: „Aber die Vereinigten Staaten von Amerika fühlen sich stark genug, die Landenge von Panama jeder Zeit zu schützen. Ja, bei den panamerikanischen Politikern dürfte sogar die Er­wägung, auf diese Weise gelegentlich einen Vorwand zur Einmischung in die columbischen Verhältnisse zu erhalten, mitgesprochen haben."

Es scheint fast, daß sich unsere damals ausgesprochene Muthmaßung schneller bewahrheiten will, als wir selbst annehmen konnten. Die Revolution in Columbien, über deren Fortschritte wir wiederholt berichtet haben, hat so weit um sich gegriffen, daß die columbische Regierung, die nur über ein stehendes Heerwon 6000 Mann verfügt, ihr ziemlich machtlos gegenübersteht und daß vor Allem die Panama-Eisenbahn ernstlich bedroht ist. EineMeldnng aus Washington behauptet sogar, daß die Bahn bereits, au einer Stelle zerstört worden sei, doch pflegen bei den amerikanischen Meldungen erfahrungsgemäß 25 pCt.

übertrieben und 25 pCt. gelogen zu sein. Jedenfalls hat die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika den Kommandanten des vor Panama liegenden Kriegs­schiffes „Ranger" mit Weisungen zum Schutze der be­drohten Bahnlinie versehen, und möglicher Weise ist unterdeß schon die Besetzung der Linie durch amerikanische Truppen erfolgt.

Die Vereinigten Staaten von Amerika leiten ihr Recht zu einer solchen Besetzung der Panama-Enge aus einem Vertrage ab, den sie im Jahre 1846 mit dem da­maligen Neu-Granada, der jetzigen Republik Columbien, abgeschlossen haben, und worin sie sich verpflichteten, die Neutralität des Isthmus von Panama zu garantiren, und die Freiheit des interoceanischen Verkehrs zwischen dem Atlantischen und dem Stillen Qcean zu sichern. Aus dieser damals übernommenen Verpflichtung folgern die Amerikaner jetzt ihre Berechtigung zu einem militärischen Einschreiten, da die Sicherheit der Panama-Eisenbahn durch die columbischen Revolutionäre gefährdet ist. Jedenfalls wird den Amerikanern Niemand dieses Recht streitig zu machen versuchen, die columbische Regierung, welche die nächste dazu wäre, schon deshalb nicht, ioeil ihr schon an sich die Machtmittel dazu fehlen, iind weil sie nicht einmal mit der Revolution im eigenen Lande ferfig zu werden vermag.

Jedenfalls wird man mit gespanntem Interesse auf weitere Nachrichten von der Panama-Enge warten müssen, denn unter den imperialistischen Politikern in Washington herrscht eine starke Strömung, welche die chronischen Wirren in Columbien dazu benutzen will, auf der Landenge von Panama festen Fuß zu fassen, um auf diese Weise den Panamakanal-Bau und später den Panamakanal selbst gegen alle Eventualitäten sicher zu stellen. Präsident Roosevelt hat ja gerade in letzter Zeit sich verschiedentlich zu einem streng imperialistischen Standpunkt bekannt, aber wir glauben trotzdem nicht, daß er nach den wenig günsügen Erfahrungen, welche die Amerikaner mit ihren Kriegsabenteuern gemacht haben, Neigung haben wird, die Republik aufs Neue in solche Abenteuer zu stürzen. Dagegen dürfte Angesichts der jetzigen Wirren auf Panama vielleicht aufs Neue der alte Plan auftauchen, der dahin geht, für die amerikanische Republik einen etwa 10 englische Meilen breiten Land­streifen auf der Landenge von Panama zu erwerben, der den Panama-Kanal einschließt. Jedenfalls scheint sich die amerikanische Politik in nächster Zest auf der Panama- Enge aktiv bethäfigen zu wollen.

Deutsches Deich.

Witting.

Dem Oberbürgermeister von Posen, Herrn Witting, wird sein Entschluß, nun doch in die Direktion der Nationalbank einzutreten, nicht leicht gefallen sein. Es

ist ein ungewöhnliches Schauspiel, wie sich der ^Reichs­kanzler darum bemüht hat, diesen Mann in den Staats­dienst zu ziehen, und es ist eine verbürgte Thatsache, daß diese Bemühungen im besonderen Einverständniß mit dem Kaiser erfolgt sind, der die Thätigkeit des Posener Stadtoberhauptes nach den: guten Verlauf der dortigen Kaisertage noch höher als zuvor bewerthet. Ob Herrn Witting das Präsidium der Ansiedlungskommission an- geboten war, wie mehrfach verlautet, mag dahingestellt bleiben; jedenfalls aber sollte er in ein höheres Amt g» zogen werden.

Vaterländische Krachschmcrzcn.

Der konservative Landesverein des Königreichs Sachsen macht es sich bequem. Er läßt das „Vaterland" seinen vielberufenen Krachartikel nicht etwa zurücknehmen, sondern rechtfertigen, und er läßt das Blatt am Schluß hinzusügen, daß jener Artikel „ohne Vernehmung" (es soll natürlich „Vernehmen" heißen) und ohne Billigung der Parteileitung erschienen sei, und daß die Redaktion die Verantwortung dafür allein übernehme. Das ist be­quem. Das „Vaterland" ist das offizielle^Organ der sächsischen Konservativen. Was in seinen Spalten er­scheint, nmß entweder im Einklang mit den Gesinnungen und Absichten der Parteileitung sein oder auch, es kann ihnen widersprechen. Denn irren ist ja menschlich, und die Redakteure von Parteiorganen sind in dieser Bezieh- ung besonders menschlich geartet. Aber wenn der Artikel im Widerspruch mst der Auffassung des konservativen Landesvereins war, so mußte er ausdrücklich mißbilligt werden, und wenn diese Mißbilligung bisher nicht erfolgt ist, so hat es nicht den geringsten Werth, daß das „Vater­land" erklärt, es übernehme allein die Verantwortung. Sollte jetzt noch eine Zurückweisung erfolgen, so würde ihre Verspätung den Eindruck nur verstärken, daß die Ausführungen des Dresdener Blattes über die krachen­den Throne den Führern der sächsischen Konservativen ein ausbündiges Vergnügen bereitet haben. Jedenfalls ist es ein sonderbarer Zustand, daß die Berliner Partei­leitung durch den Mund der „Kreuzzeitung" ganz um­sonst die heiße Sehnsucht nach den offiziellen Erklärungen der sächsischen Parteifreunde geäußert hat. Auch wird die Sache nunmehr nicht wieder gut. zu machen sein, ein Verhältniß, über das der Zuschauer natürlich nicht weiter ungehalten zu werden braucht. Die Konservafiven müssen eben sehen, wie sie diese gepfefferte Suppe ausbrocken können, in die ihnen, wmn der Reichstag erst wieder bÄ- sammen ist, von anderer Seite wohl noch eine Handvoll Paprika gethan werden wird.

„Gocialhalatistcn."

Eine neue Spielart politischer Lebewesen, eine neue Zwischenstufe zwischen Parteirichtungen von entgegen­gesetzter Beschaffenheit hat sich eingefunden. Es giebt ^Socialhakatisten". Wie ist das möglich? Wie soll man

In der Dunkelkammer.

Auch eine Kriminalgeschichte.

Von Robert Kohlrausch.

(12. Fortsetzung.)

Und so wirkten sie weiter unter Plaudern und Lachen, und während Xaver scheinbar mit aufmerksamen Augen in die Schals schaute, die Marga ohne Unterlaß schaukelte, spähte er heimlich nach ihrem Spiegelbilde in der dunklen, bewegten Flüssigkeit, aus der es zitternd, nixenhaft zu ihm äufblickte. Go lange als irgend thunlich zog er die Vollendung der Platte hinaus, und erst als er einsah, daß es der unvermeidliche Ruin des Bildes sei, wmn sie es noch länger entwickelte, ließ er sie's unter der nöthigm Beihilfe — die sie jetzt nicht mehr verschmähte — vor- sichfig herausheben. Mit allerlei guten Lehren weihte er nun auch seine Schülerin in die Geheimnisse der ersten Waschung und des klärendm Fixirbades ein und holte dann seufzend, weil schon so viele köstliche Minuten mt- schwunden waren, die zweite Platte aus dem Orkus herauf. Geräuschlos sank sie in die Umarmung der ent­wickelnden Schale, und Marga wiegte das geheimnißvolle Kind abermals mit mütterlicher Sorgfalt. Schon zeigten sich die ersten dunklen Stellen, als Xaver den Kops hob mrd ein forschendes Geräusch mit der Nase machte.

„Es riecht hier so seltsam. Finden Sie nicht?"

„Ja wahrhaftig — brennerig riecht's. Um Gottes Willen, die Lampe!"

Jetzt sah er auch schon das Unglück. Das Licht in der praktischmReiselaterne war umgefallen, ein schwarzgelbes Gemisch von Qualm und Flamme züngelte an der einm Seitenwand des rolhen Dreiecks in dre Höhe, und es konnte nur noch Sekunden daueyr, bis die ganze leuch- tmde Herrlichkeit in Vemichtungsgluth aufloderte.

„Ausköschm, auslöschm! Sofort auslöschen", rief Xaver, da die Laterne an Margas Seite stand, indem er zugleich aufsprang, um ihr beizustehm. Aber bevor er zusassm konnte, hafte Marga schon mit voller Kraft in

den Deckel der Lampe hineingeblasen und die verderbliche Flamme getödtet.

Eine plötzliche Dunkelheit umgab sie, so tief und un­durchdringlich, daß sie sich in Zukunft nur wundern konntm, wmn Jemand noch von einer egyptischm Finster­niß redete. In ihrer Dunkelkammer war es in diesem Augenblick ohne Frage zehnmal finsterer, als es in Egypten jemals gewesen sein konnte.

„Nun jst es ja dunkel", sagteMarga nach einer kleinm Pause des Schreckens.

„Ja, jetzt ist es dunkel", bestäfigte Xaver. Seine Stimme klang durchaus nicht betrübt, und er warf in der Finsterniß, die ihn unsichtbar machte, einm liebevollen Blick nach der Stelle, wo er die irdischen Ueberreste der aufgebranntm Lampe vermuthete.

„Was sollen wir thun? Warten Sie, ich habe Streich­hölzer, ich werde Licht machen."

„Aber um keinen Preis! Da wären ja die Platten sämmftich verdorbm."

„Verdorben?"

„Pechkohlrabenschwarz, alle auf einmal."

„Ja, was soll denn geschehen?"

„Nichts Besonderes. Wir mtwickeln im Dunkeln weiter."

„Aber das geht doch nicht!"

„Das geht ganz ausgezeichnet. Schaukeln Sie nur, schaukeln Sie nur!"

„Ich kann die Schale nicht finden."

„Warten Sie, hier ist' sie schon. Lassen Sie mich nur machen, ich werde jetzt schaukeln."

„Können Sie dmn denApparat nicht auch im Dunkeln schließen?"

„Das ließe sich überlegen. Es ist freilich immer eine gefährliche Sache, diese Apparate sind so ungehmer empfindlich", log m mit großem Behagm, „daß istan nie wissm kann, was geschieht. Und vor allen Dingen müssen wir doch diese Platte hier ferfig mtwickeln. Die Garten­bank vor der Kpniferengruppe, bedmken Sie nur! Ich bin überzmgt, es ist eine wunderschöne Aufnahme."

„Nun, dann schaukeln Sie nur", sagte sie ein wmig kläglich. „Aber woher wissm Sie dmn, wann sie ferfig ist?"

„O, das habe ich im Gefühl", versicherte er mit Nach« druck. „Diese Platte wird ziemlich lange nöthig habm. Me Bäume und der Kies und der Rasm — das pflegt nicht so schnell herauszukommen."

Marga widersprach nicht mehr. Sie saß ganz still, nur ihrm leisen, raschen Athem konnte Xaver vemehmm, aber seine Seele war erfüllt von der geheimnißvollen Nähe des schönen Mädchens, dessen Bild auch in der Dunkel­heit vor ihm schwebte. Eine ausgelassene, übermüthige Fröhlichkeit über die wundersam-reizende Situation er­griff ihn mit unwiderstehlicher Macht.

Plötzlich ließ Marga einm leisen Laut des Schreckens hörm. „Was machen Sie?"

„Ich? Nichts. Ich schaukle."

„Wer ebm hat Jemand meine Hand ergriffen."

„Das ist doch nicht möglich!"

„Doch, doch, und jetzt — jetzt thut er's schon wieder."

„Das ist eine sonderbare Geschichte. Haben Sie öftep so lebhafte Phantasieen?"

„Aber ich bftte Sie, dies ist keine Phantasie. Ich habe es ganz deutlich gefühlt. Er hat meine Hand gefaßt und gedrückt, und ich muß diesen unsichtbaren Herrn auf das Entschiedenste bitten —"

„Ja, haben Sie dmn schon öfter so was von dem Haus gehört?"

„Von welchem Haus?"

„Von Ihrer Villa hier. Daß darin solche Erschein­ungen vorkommm?"

„O nein. Sie sind erst jetzt zu bemerken, seit ein ge. wisser Herr von Soratroy dann verkehrt."

„Ich? Aber ich versichere Sie, mein gnädiges Fräu- lein, meine Beziehungen zu der Geisterwelt sind die aller« mtfemtestm. Was macht er denn jetzt?"

„Er?"

„Ja, der ungewisse Jemand, der Ihnen die Hand qe- drückt haben soll."

„Ich glaube, er schaukelt,"