Nr. 169.
Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts.
_ Lreitag» 23. IuN.
(11. Fortsetzung.)
Zrau Kdas Töchter.
Roman von Emma Hanshofer-Merk.
(Nachdruck verbaten.)
«Ich gucke mir die Auslagen an wie ein Land» ronfekt und will dann im Zoologischen eine Freundin irenen i
„£), famosl Da führe ich Sie zu meinen Lieblingen, den Affen, und lasse Sie dann in der amüsan- leiten Geiellschaft zurück! Wer bitte, bitte, versprechen j~? 1 ^ mtl ' ® Q B Sie mir schreiben, wenn Sie wieder N« kommen! Dann mache ich mich frei, bas schwöre ich ^hnen, und wenn ich das ganze Repertoire umstoßen müßte! Und dann führe ich Sie in den Palmengarten, in das Goethehaus, wohin Sie wollen. Meinetwegen auch in ein Modegeschäft; — alles, was interessant für Sie, will ich Ihnen zeigen! Bitte, bitte, sagen Sie wann?"
„Ich weiß nicht, ob ich bald wieder nach Frankfurt komme. Mein Mann ist auf einer Dienstreise —"
. Er schaute sie mit einem kecken Blick an, der ihr eigentlich sehr mißfiel. „Um so besser!" schienen diese lachenden Augen zu sagen.
„Vielleicht, wenn meine Freundin mich wieder ins Schlepptau nimmt. Ohne sie wäre ich heute auch nicht hier. Ich habe gar keine Initiative mehr!"
Nun wollte er um joden Preis die Freundin er- warten und behauptete, er würde einfach Strafe zahlen, weil er zu spät auf die Probe käme.
Im Zoologischen Garten glänzte das Goldgrün der Rasen, alle Büschs und Sträucher waren in Blüten. Felicitas zeigte ein Interesse, eine Neugier, ein Staunen über die fremden Tiere wie ein freudig auf. geregtes Kind. Es war wirklich ein Genuß, sie herumzuführen.
Sollinger vergaß vollständig die Probe, /und die Strafe, die wohl immer schwerer ausfallen mußte, denn Lilly ließ auf sich warten. Endlich kam sie dann, sehr animiert und vergnügt, freute sich offenbar, den Sauger kennen zu lernen, den sie schon auf der Bühne bewunderte, sagte ihm .gewandt ein paar Schmeicheleien und versicherte auf seine dringende Frage: „Ob Sie denn bald mit Frau Oberleutnaut wiederkomm-en und ihn benachrichtigen wollte?"
„Natürlich fahren wir bald wieder her! Felicitas geht ja zugrunde vor lauter Langeweile. Sie sehen wirklich schon besser aus, Kindchen!"
Man schüttelte sich die Hände und sagte: „Ans
Wiedersehen!"
Aber Sollinger drückte einen sehr warinen Kuß auf die Hand, die Felicitas ihm reichte, und schaute ihr dann mit einem merkwürdigen Mick in die Augen.
. In diesem Moment wiißto sie, daß sie eigentlich Nicht wieder mit ihm zusammentreffen dürfe, daß diese dreiste, Bewunderung einer verheirateten Frau gegen- über ein Ilnrecht war.
Sie, hatte auch «den festen Vorsatz, Lilly das nächste ,Mal nicht zu begleiten, sich jedenfalls ganz inkognito rn Frankfurt herumzutveiben.
Uber schon auf der Heimreise versicherte ihr die Frs'lludin, gegen deren energischen Willen sie sich so
wehrlos suhlte: „Sie müßte rinbedingt einmal in das Theater, um Sollinger singen zu hören! Er sei doch ihr Landsmann. Geradezu ein Mangel an Höflichkeit wäre es, wenn sie ihn nicht ein einziges Mal in einer ferner Glanzrollen gesehen!"
.. ~7 i ~ t~ Frau Lilly brachte cs auch fertig, daß Ire Lunge peit darauf mit ihren Männern, die ein paar Feiertage hatten, nach Frankfurt fuhren in die Sollinger fang den Herzog im „Rrgoletto".
, Felicitas hatte so lange gedarbt an Musik, nach einem großen künstlerischen Eindruck, daß sie nun sehr gepackt wurde.
Sie begriff es freilich nicht, daß der glänzende Held da unten auf der Bühne mit der herzerschütternden Stimme derselbe Mann war, der ihr vor Jahren schon in ihrer Madchenzeit lustig den Hof gemacht, mit dein sie vor wenigen Tagen so behaglich geschwatzt hatte. Ihr twrehrer, -den sie nie ernst genommen, stand doch plötzlich in rechter Verklärung vor ihren Augen.
. k«nn kriegt Ihr interessanter Landsmann
das Billett, -daß wir kommen?" flüsterte ihr Lilly auf dem Hermwege zu.
Sie schüttelte ablehnend den Kopf.
, Aber dann war sie wieder allein. ' Walter reiste ab. Sie fand, daß er nichts im Kopfe «hatte als seinen Dienst, und ärgerte sich über seine Müdigkeit und seine Luft zu schlafen.. Er hatte sich gefreut ans die kurze Heimkehr, die ihm nach anstrengenden Wochen ver- gönnt-» war. Aber es verstimmte ihn gleich wieder. Es sie auf seine Frage „Wie cs ihr gehe", erwiderte:
«Ich glaube,, der Kasernenduft hier macht -inich krank! Sobald ich aus -dein Bereich der Festung hinauskomme, fühle ich mich wohl!"
Und nun kam wieder die Stille, die Einsamkeit, die Leere der Stunden. Sie fühlte nun manchmal eine Beklemmung, eine heimliche Furcht.
„Was ängstigt -mich nur?" fragte sie sich
Wieder schrie sie an Olly, als wäre alles gut, wenn sie nur das Heimweh nicht hätte, als hinge ihr Herzens- gluck an der Schwester, die ihr eigentlich nie sehr nahe goitanden -hatte, solange sie zu Hause gewesen War. Aber rn -der Ferne sah das alles so anders aus. Sie brauchte das Lachen, die heimatliche Atmosphäre, die Olly mitbrachte.
„Komm, komm! Wann hältst du eigentlich dein- Versprechen?" Sie unterstrich die Worte, um sie eindringlicher zrr machen.
Olly antwortete umgchend.
„Bald, Fe, bald! Erst muß ich eine Wette bezahlen. Erinnerst du dich an Herrn Meinrad Erich Llltthardt, den du einmal bei mir getroffen hast? Seit einem Jahr quält er mich, ich soll eine Fahrt im Auto «mit ihm machen. Er besitzt selbst einen eleganten Kraftwagen. ,, Nun, habe ich unglücklicherweise mit ihm gewettet — über irgend einen Unsinn, und wenn ich -verlieren würde, müßte ich endlich diesen ArtzMU riskieren. Leider habe ich verloren! Jetzt bleibt tWtS.
