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Verlag Lauggaffe 31

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Kür dieAusuahme von Anzeigen an vorgeschriebene»

greitag, 23. 3uli 1915.

ktbend-Ausgabe.

Nr. 338. . 63. Jahrgang.

Iss VON Sek VWI«SW Me SWeit!

»

Der Tagesbericht vom 23. Juli.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 23. Juli. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Erfolgreiche Sprengungen in der Tffampagne.

Pont-L-Mousson erneut unter Feuer.

Nächtliche Handgranatcnangriffe des Feindes nördlich und nordwestlich von Souchez wurden abgewiesen.

In der C h a m v a g n e unternahmen wir in der Gegend von Perthes umfangreiche Sprengungen und besetzten die Trichterränder. Im P r i e st e r w a l d mißlang nachts ein französischer Borstoß.

In den Vogesen dauern die Kämpfe fort. Ein feind­licher Angriff gegen die Linie Lingekopf-Barrenkopf nördlich von Münster wurde nach heftigem Nahkampf vor und in den Stellungen der Bayern und mecklenburgische» Jäger z n r L ck g e s ch l a g e n. 2 Offiziere, 64 Alpenjäger wurden dabei gefangen genommen. Auch am Reichsacker­kops griffen die Franzosen erfolglos an.

Bei Metzeral warfen wir sie ans einer vorgeschobenen Stellung, die wir, um Verluste zu vermeiden, planmäßig wieder räumten.

In Erwiderung der mehrfachen Beschießung von Thie- c o u r t und anderen Ortschaften zwischen Maas und Mosel ahm unsere Artillerie Pont-ä-Mousson unter Feuer.

Unsere Flieger griffen das B a h n d r e i e ck von S a i n 1 H i l a i r e in der Champagne an und zwangen feindliche 'Flieger zum Rückzüge. Auch ans die Kaserne von Gerard- mer wurden Bomben abgeworfen. Bei einem Luftkampf über Conflans wurde ein feindliches Kampfflugzeug ver­nichtet.

Gestlicher Kriegsschauplatz.

Näher an den Narew und an Warschau heran!

Mißlungene Ausfälle aus Georgrjervski.

In Kurland folgten wir den nach Osten weichenden Russen unter fortgesetzten Kämpfen, bei denen gestern 6 5llg Gefangene gemacht und 3 Geschütze, viele Munitions­wagen und Feldküchen erbeutet wurden.

Gegen den Na r e w und die Brückenkopf st ellnn« von Warschau schoben sich unsere Armeen näher heran. Bor RoShan wurde das Dorf Miluny und das Werk S z Y g i mit dem Bajonett g e st ü r m t und 286 Gefangene gemacht.

Nächtliche Ausfälle aus Nowo-Gcorgijewski miß­langen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz, ttsmpfe mit russischen Nachhuten an der Weichsel.

Das Westufer der Weichsel von Janoviee, westlich von Kazimierz bis Grauica, ist vom Feinde gesäubert. Im Waldgelände, südöstlich von Koziniec wird noch mit ii'lfischen Nachhuten gekämpft. Zwischen Weichsel und Bug gelang es den verbündeten Trupven, den zähen Wider­stand des Gegners an verschiedenen Stellen zu brechen und ihn dort zum Rückzug zu zwingen. Die blutigen Verluste der Russen sind außergewöhnlich groß.

Oberste Heeresleitung.

(Liugekopf und Barcenkopf liegen 3—4 Kilometer nördlich Münster. — Granica 10 Kilometer südlich Jwangorod.)

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Oie Lage der Russen bei Iwangorod.

Die Beschießung der Gürtelwerke bereits begonnen.

Hi- Berlin, 23. Juli. (Eig. Dnchtbericht. Ktr. Mn.) Aus dem Kriegsprcsscquartier meldet der Be­richterstatter der „B. Z.": Der Druck gegen die in Süd- pglcn zurückweichende russische Front äußert sich augen­blicklich am stärksten bei Jwangorod. Die Festung ist, nachdem ein weiterer Vorstcllungssektor zwischen Weichsel und der Bahnlinie gebrochen wurde, auf der Wcichselseite von den Angriffen belagert. Bereits hat schwere Artillerie das Feuer auf die Gürtel- werke eröffnet. Südlich der Linie Lublin-Cholm geht cs ebenfalls vorwärts, doch immer noch muß jeder Erfolg Schritt uin Schritt erkämpft werden, denn was sich schon bei der resultatlosen Gegenoffensive zeigte, tritt jetzt immer deutlicher zutage. In diesen Raum hat die russische Heeresleitung das Hauptzentrum ihrer kriegerischen Macht verlegt. Auf der nach Lublin führenden Bahnlinie kamen bedeutende Verstärkungen an. Der Besitz von Lublin und Cholm und dadurch des Bahnknoteupnnktcs durch die Verbündeten würde die Lage der russischen Armee ganz bedeutend ver­schlecht««, Vor allem Ivird die Lage Jwangorods bei AbfchkicßWlg von der über Lublin führenden Bahnlinie

empfindlich' beeinflußt. Ersprießliche Tätigkeit ver­richtete ein N a ch r i ch t c n d e t a ch e m e n t der vierten Armee, dem es gelang, hinter die russische Kampffront zu kommen, dort wichtige Beobachtnngen anzustellen, sich dann wieder einen Rückweg zu bahne» nutz da­bei noch hundert Gefangene mitznbringem Auch eine Folge der galizischen Niederlagen. 14 russische Generale und Stabsoffiziere unter Anklage gestellt.

Berlin, 23. Juli. (Ktr. Bin.) Nach einer Kopenhagens? Meldung der „Tägl. Rnndfch." seien im Verfolg der galt zi­

schen Niederlagen 14 russische Generale und Stabs­offiziere ihres Postens enthoben und von dem Oberkriegs­gericht in Petersburg unter Anklage gestellt worden. —< Zn „Rußkoje Slowo" soll melden, es sei nicht mehr zu leug­ne», daß bereits Petersburg bedroht werde.

Rein Kriegsschiff in derGstsee verloren gegangen!

W. T.-B. London, 23. Julli. (Nichtamtlich.) Im Unter- Hause erklärte Mac Namara, daß -nach «einer halbamtlichen Mitteilung der russischen Regierung der Kommandant des britische» Unterseebootes, das am 2. Juli das Schlacht­schiff „Pommer n“ in der Ostsee torpediert hatte, der Com­mander Mar Horton gewesen sei, derselbe Offizier, der sich schon während der früheren Kriegszcrt bei Helgoland aus­gezeichnet habe. (Wie von zuständiger Seite erNärt wird, ist kein deutsches Kriegsschiff bisher in der Ostsee torpediert worden.)

Die russische vanknotenpreffe.

Eine weitere Milliarde Rubel angckündigt.

IV. T.- B. Lyon, 23. Juli. (Nichtamtlich.) Der „Nouvel- lifte" meldet aus Petersburg: Der Mnanzminister wird der Duma sofort nach Zusammentritt Linien Gesetzesantrag unter­breiten, der die Staatsbank errnächtigr. eine weitere Milliarde Rubel in Banknoten auszug-eben. — Der -russische Kriegsminister und der Marineminister haben vom Zaren die Erlaubnis erhaltsn, in der ersten Plenarsitzung der Reichsduma nach Goremykin -und Ssasonow ebenfalls auszu- tretein. Die Reden werden jedoch lediglich den Passus ent­halten, daß die Militär- und die MarineberwvlLung aus die Hilfe der Volksvertretung rechnen. Die Lage auf dem Kriegsschauplatz wird nicht berührt werden.

Traurige Erinnerungen an die Russengreuel in Ostpreußen.

Landsberg a. W., 23. Juli. (Ktr. Bln.) In einem Torf­loch bei Soltau wurden die Leichen von vier älteren Männern gefunden, die im August v. I. von den Russen ver­schleppt worden waren. Auf den: Rückzug wurden sie von den Russen getötet und in das Torfloch geworfen.

Mahnungen an die Duma.

-W. T.-B. Petersburg, 23. Juli. (Nichtamtlich.) Der

Ka>dettcnführer Magladoff befürwortet in einem Artikel im „Rjetsch", in der Duma all: politische Fragen beiseite zu lasten und alle Kräfte für die Mobilisierung bet Munition? Herstellung zusammen zu halten. „Rjetsch" bemerkt dazu, man könne nur mobilisieren, wo die Grundlageu dafür vorhanden sind. Man müsse lieber von einer Organi­sierung der Kräfte sprechen, und dafür sei die politische Hal­tung des Ministeriums von größter Bedeutung.

Warschau und seine Schwestersestungen

Die „erweiterte Brückenkopfstellung von Warschau" nennt der deutsche Generalstabs­bericht die Linie Blonie, Nadarzye uind Gora-Kalwaria. llstan könnte sie auch den dritten und äußersten Festungsgürtel von Warschau nennsn. Der zweite und äußere Fortgürtel umfaßt auf dem linken Ufer die Weichsel, also aus der Seite des voraussichtlichen Ansturms der deutschen Heere elf Forts, nämlich im

Bogen von Norden nach Süden aufgezähst: Brck- lony, Wawrzyszew, Opa­len, Gro ty, Odo laich, Solipsy, Okecie, Zbarz, Stuzew, Krolikarnia und Sierkierki. Der erste, innere Fortgürtel be­steht aus den vier Werken G-ocze, Crzomow, Ochata, N-akowice. Aus d-eni rechten Ufer der Weichsel vor der Vor­stadt Praga liegen die vier Gürtostoerke Bia- tolenka, Alexanidrow, Dar" gowek (zwischen beiden letzteren die Petersburger Bahn!) und -Giaclaw. End­lich wäre noch am Rande 'der Stadt die alte Zita­delle zu nennen, der aber heute Wohl jede militä- räische Bedeutung fehlt. Der A u s b a u der Zwischen-feld er am' linken We-ichseluser ift nach den 1908 -bekannt gewordenen Plänen ver­vollständigt worden. Am linken Ufer hat -man bech elfsmäßige Be­festigungen noch weiter hirmusgeschoben, um die Verbindung mit Segrsch und Serozk (an der Ein- 'Mündnng des Bug in den Narew) herzuistellen. Der g e s am te Fortgürtel durste einen Umsang von 50 Kilometer haben, also bedeutend weniger als z. B. der von Antwerpen.

Im Norden der Festung Warschau liegt bekannte sich die starke Vorfestung Nowo g eorgij ew sck an der Einmündung des Narew-Bug in die Weichsel. Sie soll die beiden über den Bug führenden Brücken, -hiervon eine.Eisenbahnbrücke, schützen. Me alte Napo­leon-Zitadelle von Nowogeovgijewsk (Napoleon I. hat im Jahre 1807 diesen Nügelstützpunkt bauen lassen) am rechten Weichselufer ist gerade gegenüber der ddarew-BugMündung gelegen, svährend zum unmittel­baren Schutz der beiden Brücken eine Befestigung dient, die auf der vom Narew-Bug und der Weichsel gebilde­ten Landzunge bei Nowydwvr angelegt ist. Mstte der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erhielt die Festung einen Gürtel von 8 vorgeschobenen selbst­ständigen Werken, die im Durchschnitt etwa sieben Kilometer von der Kernfestung entfernt liegen. In den letzten Jahren ist ein neuer, weit hinaus­geschobener Fortsgürtel angelegt worden, der den m o d e r n st e n Anforderungen entsprechen soll. Aber was man davon zu hasten hat. zeigen die Überraschun­gen unseres 42-Zentimeter-Geschützes im W e st en. Man hat sich in Warschau, offenbar unter dem gewal­tigen Eindruck jener Überraschungen bemüht, den Be­festigungen durch a u s g e d e h n t e E r d g r b e i t e n rings um die ganze Stadt imchzuhelson. Und man hat natürlich auch alles getan, um der Besatzung die „sieges- frahe" Überzeugung beizubringen, daß die Deutschen und Österreicher, wenn sie wirklich kommen sollten, sich schon hier die Köpfe einrennen würden. Angesichts des gewaltigen konzentrischen Ansturms der Verbündeten dürste dieser letzte Glaube der Russen bereits ins Wanken gek-ommen sein. Die Ver­bündeten rennen nicht gegen eine vielleicht besonders starke Stelle, sie schließen eiu und brechen durch, wo eben eine Lücke oder Schwäche sich zeigt. Schon haben ja die tapferen Schlesier unter .Mit­wirkung österreichisch-ungarischer Truppen die Russen im Süden Warschaus in die Festung J-wangorod geworfen, die nunmehr, wie die Obeüste Heeresleitung meldet, „eng eingeschlossen" ist. Jwangorod