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Verlag: Langgasse 27.

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N^41S. SS. Dirnstag, de» A. Keptember. B»Ia,S.F«r.sprrcherR». 2286. 1902.

Morgen-Ausgabe.

Jum Klliftrmanöver.

In beistehender Kartenskizze geben wir unseren Lesern eine Uebersicht über dasjenige Terrain, in welchem vom 9.—12. September die großen Manöver des 3. und 5. Armeecorps gegeneinander vor dem Kaiser staltfinden werden, an denen bekanntlich zahlreiche Fürstlichkeiten und vom Kaiser persönlich eingeladene fremdländische Offiziere theilnehmen.

Die Generalidee, welche dem Manöver zu Grunde ge­legt wird, ist folgende: Eine feindliche Armee hat die Ost­grenze überschritten und die Vertheidigungstruppen ge­schlagen. Letztere haben sich nach Westen zurückgezogen und zwischen Meseritz und Bentschen, durch neue Truppen verstärkt, Posto gefaßt, um den Feind hier, wo die Terrainverhältnisse für die Vertheidigung besonders günstig liegen, am weiteren Vordringen zu hindern.

Wie alljährlich wird der Kaiser abwechselnd an einem Tage das 3. Armeecorps und am anderen Tage das 6. Armeecorps führen. Er selbst trifft am Dienstag, 9. September, in Sonnenburg ein, um für die Zeit der Manöver vom 9. bis 12. September im Johanniter-

Ordensschlosse Aufenthalt zu nehmen. Unsere Leser finden Sonnenburg oben links in unserer Karte verzeichnet, während das Manövergebiet sich rechts hin erstreckt.

An halbes Jahrhundert einer kleinen SamlUn- anjiedelnng.

So gut wie nichts weiß man bei uns von einem ganz eigenartigen kleinen, aber blühenden Gemeinwesen, das seit nahezu einem halben Jahrhundert in dem südamerika- nischen Staat Peru besteht und allmählich an Bevölke- rung wie Wohlstand zunimmt: Buenos Amigos („Gute

Freunde"). Ende 1852 erfolgte die Gründung durch einen reichen Mann Namens Don Jos6 Rodriguez Eine starke Individualität, huldigte er radikalen wirthschaft- lichen und socialen Anschauungen. An der Spitze von 66 Gesinnungsgenossen ließ er sich am Cototofluß auf einem großen Grundstück nieder, das ihm die peruanische Regierung geschenkt hatte. Bald wurde Buenos Amigos in eine regelrechte Social-Ansiedlung verwandelt, die Rodriguez auf streng geschäftlicher Grundlage organisirte. Seine zielbewußte Leitung war von Erfolg gekrönt. Die Genossen sind Peruaner, Aankees, Engländer und Deutsche; Indianer und Neger sind ausgeschlossen. Wer beitreten will, muß einen guten Leumund Nachweisen und

600 Dollars einzahlen. Die Hauptquelle des Zuwachses sind die Geburten; jetzt zählt die Bevölkerung über 1000 Köpfe.

Buenos Amigos ist in erster Reihe eine Arbeitsge­meinde. Gearbeitet wird an sünf Tagen der Woche, ge­feiert am Samstag und Sonntag. Der Arbeitstag hat acht Stunden; doch ist Niemand gezwungen, länger als vier Stunden zu arbeiten — über vier Stunden hinaus erhält man Lohnzuschläge. Jedes Mitglied empfängt die gleiche Nahrungsmenge; wer in dieser Hinsicht oder be­züglich der Kleidung Luxus zu treibe« wünscht, muß da­für besonders bezahlen; doch kann er, wenn er will, das Mehr auch abarbeiten. Der Boden, alle Arbeitsbehelfe und sämmtliche Erzeugnisse gehören der Gesammcheit; desgleichen der Erlös des nach auswärts verkauften Ueberschusses an Waaren. Die Rechen-Einheit ist, wie später in Albert Kimsey Owens Topolobampokolonie, die Arbeitsstunde. Ehegesetze giebt es nicht; man lebt in freier Verbindung und trennt sich nach Belieben und ohne Förmlichkeiten. Steht eine Entbindung bevor, so begiebt sich die Betreffende ins Krankenhaus, wo sie bis zur Ent­wöhnung des Kindes bleibt. Das letztere wird sodann im Hospital von geschulten Kindergärtnerinnen erzogen, bis es die öffentliche Internats-Schule zu besuchen be­ginnt. In dieser behält man es bis zum Eintritt der Arbeitspflicht. Der nunmehr für den neuen Genossen ge­wählte Arbeitszweig richtet sich nach dessen oder deren Fähigkeiten und Neigungen; die Bezahlung ist für jede Person und jederlei Arbeit die gleiche.

Das Gemeinwesen ist in „Abtheilungen", „Divisionen" und „Sektionen" getheilt. Jede Sektion wählt ein Ober­haupt, das sie unter Umständen auch absetzen kann. Die Sektionsleiter wählen die Divisionsleiter und diese die vier Abtheilungsvorstände. Letztere sind nur durch die Stimmenmehrheit der Gemeinde-Vollversammlung ab­setzbar; sie entsprechen den Ministern der größeren Staaten und bilden zusammen die Jussiz- und Finanz- Oberbehörde, während sie einzeln den übrigen „Ministerin" Vorstehen: Bauten, Bildung, Handel, Ge­sundheit. Die Bautenabtheilung überwacht außer dem öffentlichen und privaten Bauwesen den Ackerbau, die Viehzucht, den Bergbau und die Industrie. Die „Bildung" umfaßt den Unterricht, die Musik und das Handwerk. Die Sorge für die Kinder und Kranken, sowie für die Privat- hygieine obliegt der „Gesundheits-Behörde".

Me Einzelhäuschen sind einfach, aber luftig gebaut. Das große, hübsche, gemeinsame Gebäude ist aus den Gemeindebrüchen entnommenem Marmor und Sandstein errichtet. Die Straßen und Gassen sind gut und rein; auch eine Wasserleitung ist vorhanden. Zu diesen An­lagen wurden fremde Arbeitskräfte nicht herangezogen. Hat eine Abtheilung Ueberschuß an Arbeitern, so über­weist sie denselben einer anderen, die gerade an Kräften

Kaiser^Manöver

1902.

Feuilleton.

HochMsnmnnl.

Hochzeitsmonat! Aber ist nicht der Mai der Hoch­zeitsmonat? „Im wunderschönen Monat Mat — --

Freilich, im Mai wird, am meisten geheirathet. Aber diejenigen Pärchen, in deren Herzen im Monat Mai erst

„die Liebe" aufgegangen ist, die sich im Laufe des Sommers endgültig gefunden haben, und deren Verbindung sonst keine Hindernisse entgegenstehen, die pflegen im September oder Oktober Hochzeit zu halten, sodaß man diese beiden Monate mit fast gleichem Rechte Hoch- zeitsmomrte nennen darf wie den „wunderschönen". Und darum giebt sich allenthalben ein erhöhtes Interesse für Brautkleider, für Reisetoi­letten, für Morgen­röcke und ähnliche Dinge kund, die nun einmal von dem Begriff „Hei- rath" unzertrenn­lich sind.

Es wäre ganz verlockend, einmal von der persön­lichen Brautaus­stattung überhaupt zu plaudern. Von den wundervollen Wäschestücken und feinsten Gespinnsten, von Garnituren aus hauchdünnem Batist, überreich be­setzt mit Valenciennes-Spttzen, mit mühsamer, kostbarer Durchbrucharbeit, mit feinsten Handstickereien. Von den entzückenden Unterröcken ans schmiegsamen CrLpegewebe, in weiß, rosa, himmelblau, crSme, reich mit feinen Torchorr-Spitzeu garnirt. Von Jupons in Serpentine-

tztg. i.

form, die, — das ist das neueste Dekret der unerbittlichen Mode, vom Gürtel abwärts mit aufgesteppten Rüschen zum Einschieben von Fischbeinstangen versehen sind, damit die vorgeschriebene alleräußerste Schlankheit der Hüften erreicht, — nein, erzwungen wird. Von Peig- noirs und sunt de llts, von Morgenjacken aus Eskimo- flockstoff, von schleppenden Hauskleidern in Secessions- stil. — Aber beschäftigen wir uns mit dem Brautkleide,

dem Gewand, das den höchsten Ehrentag der Frau symbo- lisirt.

Das Brautkleid hat ebenso seine Mode, wie jedes andere Gewand. Eine Zeitlang machte man die Brautkleider aus starrem, großgeblümtem Da­mast, aus Brokat ober Atlas. Das Kleid mußte einen schwe­ren, feierlichen Eindruck machen. Die Schleppe fiel in starren, wohlberechrleten Fal­ten, Alles war ernst und streng. Heute ist der schwere, starre Stoff nur Bräuten sehr — gesetzten Alters Vorbehal­ten. Das Brautkleid wird aus ganz weicher Seide, aus Cr6pe de chine, aus indi­schem Mull, hergestellt. Her­gestellt? — Sagen wir lieber, gedichtet! — In weichen Fal­ten wallt es an der Gestalt Fig. 2 . nieder, Spitzen, Tüll und

Chiffonwogen überrieseln es. Wunderbar sind die feinen, indischen Mullkleiüer über weicher weißer Seide, mit Malines-Tüll besetzt, für ganz junge Bräute. Dazu wählt man gern den Empire- oder Kkrnstlerkleidschnitt, nur daß das Kleid die Taille etwas stärker markirt, als öiegewöhnlichenKleider dieserArt. Die Passe, die auch in Jäckchenform gehalten sein kann, wird mit gefälteltem oder gezogenem Tüll bekleidet und von einem schmalen Tüllrüschchen eingefaßt. Links an der

Paffe wird eine Tüllrosette mit lang herabhängenden Enden angebracht, in welche das Brustbouguet gesteckt wird, das nur aus einigen Myrthenzweiglein bestehen darf. Einzelne Myrthenzweige sind auch über die nicht sehr lange, ringsum mit Tüllrüschen verzierte Schleppe zerstreut, ein voller, runder Myrthenkranz hält den Schleier aus Malines-Tüll, der vorn über das Gesicht bis zur Taille herabfällt. Das Handbouquet ist klein, — aus Myrthen und weißen Rosen und in eine Tüllmasche eingebettet. Große Bouquets in festen Manschetten sind ver­pönt. Ein poetischeres, duftigeres und jugendlicheres Brautgewand ist nicht zu denken. Auch die Prinzetzform ist sehr beliebt für Brautkleider und eignet sich vorzüglich für hohe, schlanke Gestalten, denen sie eine unvergleichliche Grazie verleiht. — Ein märchenhaft schönes Brautkleid wird aus dem schmiegsamen weichen Spiegclsammet (Parrne) gear­beitet. (Fig. 1.) Eine fichüartige

Garnitur aus Spitzen schließt sich über einem Seidenkrepp-Halsarrange- ment und setzt sich, ein Tablier formend, zum

Rocksaum fort, der eben­falls mit einem Spitzen­volant eingefaßt ist. Ganz matte Wachsperlenstickerei füllt das Tablier aus. Der spiegelnde Glanz der

Panne, der bei jeder Be­wegung tausend matte Lichter zeigt, kann hier seinen köstlichen Reiz entfalten und die Spitzen- garnitur kann dem Gewand die höchste Kostbar­keit verleihen. Wer aber nicht mit ungezählten Summen rechnen darf, wählt die bescheidene Surah, aber auch eine weiche, leichte Ripsseide. Nur billige Spitzen sollten dem Brautkleid fern bleiben. Leichte Tüllwolken oder Chiffon­garnituren sind immer eine entzückende Verzierung, während die billige Spitze hier höchst unfein und plundrig

Fig. 8.