Verlag Langgasse 21
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Sreitagz 23 . Iuli 1915 .
Morgen- Kusgabe.
Nr. 337 . - 63 . Jahrgang.
ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W• T.-B. Wien, 22. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 22. Juli, mittags:
Russischer Rrregsschauplatz.
Oie großen Erfolgs der Verbündeten westlich der Weichsel bis vor Iwangorod. Oie großen Verluste der Russen Zwischen Weichsel und Bug. Dort weitere 2000 Gefangene. Ruch am Bug die feindliche Citye mehrfach durchbrochen.
Oobratwor gestürmt.
Der Raum westlich der Weichsel war gestern abermals der Schauplatz großer Erfolge der Verbünveten. Die feindliche H a u p t st e l l u n g, die westlich und südlich I w a n g o r o d in der Linie K o z i c n i c e - I a m o wi e c angelegt unö festnngsartig ausgebaut war, wurde beiderseits der Straße Radom-Nowo-Alexandrta von deutschen Truppen durchbrochen. ' Die Russen wichen nach Jwangorod und auf das re ch t c Weichselufer. Der Rückzug über die Brücke von Nowo-Alexan- d r i a stand bereits unter dem Feuer der deutschen Artillerie. Österreichisch-ungarische Truppen näherten sich kämpfend von Westen, deutsche von Süden, den Forts von J.w a u g o r o d. Zahlreiche Ortschaften westlich der Weichsel wurden von den fliehenden Russen in Brand gesteckt.
Östlich der Weichsel dauern die Kämpfe in unvermin- ^rter Heftigkeit fort. Der Feind leistet den zähesten Widerstand. Bei E h o d c l und Borzrchow warfen Telle der Armee des Erzherzogs J-sephFerdinand nach hartnäckigem Ringen die Russen aus mehreren Stellungen. Die Verluste des Gegners sind groß. Tie Zahl der bei der Armee des Erzherzogs cingcbrachtcn, gestern gemeldeten Gefangenen wuchs ans 8066, die Beute ans 15 Maschinengewehre und 4 Munitionswagcn.
Auch weiter westlich gegen den B n g hin brachen deutsche und österreichisch - »ngarische Trrippcn an mehreren Stellen in die feindliche Linie. Am oberen Bug erstürmten ungarische Regimenter den Brückenkopf Dobratwor. nördlich Kamionka-Strumilowa.
An der Zl - 1 a - L i p a und am D n j c st r blieb die Lage unverändert.
Italienischer Rriegsschauplcch. Kbweifung aller weiteren heftigen italienischen Angriffe.
Auch gestern wütete die Schlacht im Görzischen mit u n - verminderter Heftigkeit. Das Plateau von D v b e r d o stand tagsüber bis zur Küste unter besonders schwerem Artilleriemassenfcucr. Die tapferen Verteidiger hielten p a n d und schlugen alle Anstürme des Feindes glänzend ab.
In dem Abschnitt von Monte K o s i ch bis P o l a z z o schoben sich die Italiener bis zum Abend näher an unsere Stellungen. Nachts griffen sic zuerst bei Selz und dann an der ganzen Front zwischen diesem Orte und Vcrmeglianv erneut an. Heute früh morgens waren alle Stürme blutig abgewiesen. Der brave ungarische Landsturm bat sich hier wieder heldenhaft bewährt. Mehrere Vorstöße des Gegners bei Polazzo waren schon gestern unter Tag zusammcngebrochen.
Östlich Straussina schritten unsere Truppen heute früh zum G e g e n a n g r i f f. Der Feind ist hier im Rückzug Am Nordwestrand des Plateaus wird erbittert weitergekämpft. Gegen den G ö r z e r Brückenkopf brachten die Italiener neuerlich in der Richtung gegen Podgora immer neue Kräfte in die Schlacht. Zehn Infanterie-Regimenter Ciiffen hier nacheinander vergeblich an. Fast immer führte der Kampf zum Handgemenge. Drei Stürme scheiterten gestern vor unseren Hindernissen. In einzelne Grabenstücke gelang es dem Feind, einzudringen. Nachts wurde er wieder hinausgcworfen. Ebenso scheiterten Angrifse schwächerer, mit Gasbomben bewehrter Kräfte bei Pevna. Auch zwei Vorstöße je eines Regiments ans den Monte Sabotino wurden unter flankierender Mitwirkung unserer Artillerie blutig abgeschlagen. Unsere mit e i »- zig dastehender Begeisterung und Zähigkeit kämpfenden Truppen haben somit nach viertägiger Schlacht ihre Stellungen sowohl am Plateau von Doberdo als auch am Görzer Brückenkopf behauptet. Der Feind ist jedoch noch nicht abgeschlagen.
Bei P l a v a, T o l m c i n und weiter nördlich unterhielt der Feind gestern ein lebhaftes Artilleriefeuer. Die Gefechte im Kr n gebiet dauern fort.
Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet ist die Lage unverändert.
Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
*
Die Räumung Warschaus.
Br- Krakau, 22. Juli. (Erg. Drahtbericht. Ktr, Mn.) Der „Ezas" veröffentlicht folgende Mitteilungen: Tte Warschauer Blätter „Gonrczc" und „Wieczerny" melden über die beschleunigte Räumung Warschaus, daß drc Züge, obwohl sic bedeutend vermehrt wurden,
nur sehr unregelmäßig abgchen und stark überfüllt sind. Mit den Zügen verlassen alle Beamten samt ihren Familien die Stadt. Außer dieser Bevvltcrnngskategoric kamen etwa 30 000 Personen in Betracht. Die Sträflinge in den Warschauer Gefäugniffcn und jene anderer Städte werden in das I n n er c Rußlands transportiert. Bis jetzt wurden insgesamt 5000 Sträflinge weggeschickt. Weitere 2000 folgen. Rach einer Meldung der Kra
kauer „Rvwa Rcforma" soll die Räumung Warschaus bcrctts vollzogen sein. Über 18 000 Personen b"^n die Stadt f r c i w i l l i g verlassen und über 80 000 wurden auf Befehl des Gencralgouverneurs zwangsweise fortgeschafst. Wie das Blatt weiter berichtet, hat der P öbcl auch in Warschau antideutsche Unruhen veranstaltet. In der Stadt befindet sich kein Ausländer mehr, sogar die B c r i ch t c r st a t t c r haben Warschau verlassen.
Oie Räumung weiterer Städte.
Sr. Krakau, 22. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bl»..) „Czas" meldet nach Warschauer Blättern, daß die russischen Behörden die teilweise Räumung von Warschau, Sied- lice, Jwangorod, Wilna, Kowuo, Grodno und Riga anbefohlen haben. In den Städten dürfen nur diejenigen bleiben, die bereits vor dem 14. Juni 1914 dort wohnten.
Oie Wiedereinnahme von Schauien.
Zu den Kämpfen in Kurland berichtet der Berichterstatter der „Frankfurter Z e i t u n g" Dr. Alfons Paquet vom 21. Juli: Den in letzten Tagen an der gesamten Ostfront erhielten deutschen Erfolgen gesellte sich heute frühmorgens erzwungene Wiederei n na h m e v o n Sch a u l e n. Um Mitte Mai war die bis nördlich von Schauien vorgedrungene deutsche Linie vor den an jener Stelle besonders stark ange- setzten russischen Verstärkungen einige Kilometer südlich und wesUich, teilweise bis an die Dubissa ausge- wlchen. Eine sehr kräftig ausgebaute russische Stellung stützte sich auf die Dörfer Lepary und Gringary. Am 20. Juli erfolgte der deutsche Angriff. Nach zweieinhalbstündiger Artillerievorbereitung, die durch das Mitfprechen großer Kaliber besonders wirksam war wurde um 3.30 nachmittags die Lepary flankierende Hohe 142 durch ein Infanterieregiment in kühnem Anlauf gestürmt. Heftige Gegenangriffe, die der Jemd nachts unternahm, endeten mit seiner vollkommenen Vertreibung auch aus feinen übrigen seit vielen Wochen zäh behaupteten Stellungen' und aus Schauten. Um den Rückzug in Richtung Radzrwilischki zu decken, nahmen die Russen den östlichen Teil der Stadt Schauien, die bei Morgengrauen von einem ostpreußischen Regiment besetzt worden war, unter Feuer. Sie werden aber von unfern energisch nachstoßenden Truppen bereits hart bedrängt.
In der bereits früher stark mitgenommenen, jetzt abermals brennenden Stadt Schalsten ist bisher der schmale, -werße, weithin sichtbare Kirchturin unversehrt.
Die Treffsicherheit und furchtbare Wirkung unserer schweren Artillerie zeigte sich erschütternd beim Besuch der verlassenen russischen Schützengräben.
(Lepary liegt fünf Kilometer südwestlich von Schaulen; Radgiwstischki, wohin die Russen sich zurück- zichen, liegt halbwegs zwischen Schauien und SchÄow.)
Neue Bittgottesdienste für ganz Rußland!
W. T.-B. Petersburg, 21. Juli. (Nichtamtlich.) Die Petersburger Telegraphen-Ageirstur teilt mit, daß in Petersburg, Moskau und ganz Rußland aus Veranlassumg des Heiligen Synods Bittgottesdienste für den Sieg der russischen Waffen abgehaltsn lverdan. Zahlreich-: Prozessionen durchziehen die Straßen, gefolgt von Zehu- tausonden aus der Volksmenge, die andächtig beten.
Die französischen MilitärkriLiker befürchten die
Zertrümmerung der russischen Armee.
Br- Gens, 22. Juli. (Eig. Drähtbericht. Ktr. Bln.) Von den jüngsten deutschen Erfolge» im Osten hält die französische Militärpresse die Einkreisung Schaulens f ür die folgenschwerste, und alle Fachkritiker sprechen die Überzeugung aus, daß die Zertrümmerung der russischen Armee kaum noch aufzuhalten sei.
Nichtswürdige russische Verleumdungen.
W. T.-B. Berlin, 22. Juli. (Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier wird geschrieben: Nach einer Mst- teilumg der „Basier Nachr." emilblÄet sich der russische Generalstab nicht, folgende Meldung zu verbreiten: „Österreichische Soldaten des 6. Korps, die in den ersten Tagen des Juki irr der Gegend ton Cholm gefangen genommen wurden, versichern, daß die Deutschen in Nawarusk, nordwestlich von Lemberg, 5000 rassische Gefangene füsilierten. Sie fügest: bei, daß die als Verstärkung eingetroffenM Soldaten einen großen Fr ied-hof sahen, wo alle diese Hingerichteten bestattet waren." Es wäre unangebracht, an einer solchen, von niedriger Gesinnung zeugenden Veräffcntlichimg auch nur ein Wort der Widerlegung zu verschwenden.
Mr unö Amerika.
Tie englischen Meldungen aus Washington über die dortige Stellungnahme zu uns haben sich wiederholt als unzuverlässig erwiesen; man kann deshalb auch nur mit Ri i ß t r a u e n die Nachrichten des Reutcrschen Bureaus aufnehmen, wonach -die Wikson- sche Antwortnote au Deutschland hcrvorheben wende, die Bereinigten Staaten könnten nicht untätig bleiben' wenn neuerdings ein Angriff ans ein unbewaffnetes Schiff unternommen wende, das keinen Widerstmid leiste, und wenn dabei das Leben von AmeriLinsrn verloren ginge. Die amerikanische Antwortnote still ja schon am Samstag in Berlin eint taffen, also kann man bis dahin ruhig warten irnd cs inzwischen offen
