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ü SBer sich heiter zu erhalten weiß, der sorgt nicht nur * Slück, sondern er übt wirklich eine Tugend. §

"" v. Humboldt.

Wer für sein

(20. Fortsetzung.)

Kersuchimg.

Roman von Alexander Römer.

Sie ahnte nicht, wie weh der Warmherzigen, Der- ständnißvollen der unnatürliche, erzwungene Ton that.m dem die keiner Verstellung Fähig« ihre erste Komodre vortrug. ^ ui '

Es entstand eine schwüle, peinliche Pause. Irmgard sprang wahrhaft erleichtert auf, als sich die Thür, die ins Nebengemach führte, öffnete und Pastor Johannes Flemming zu ihnen eintrat. Sie eilte ihm sehr herzlich entgegen, schüttelte seine beiden Hände wie die eines lieben, lang entbehrten Freundes. Das war er ihr, in diesem Augenblick empfand sie das mehr als je. Die letzte Zeit war für sie so zwiespältig, so grenzenlos schwer ge- wesen, haltlos, rathlos stand sie oft vor einer thurmhohen Aufgabe, fast erliegend unter der Angst, ein Herz verloren zu haben, das ihr gehört hatte, ihr gehören mußte, und das wieder zu erobern ihr vielleicht nicht gelang. Johannes Flemmings klares, mildes Gesicht hatte sich bei ihrem Anblick höher gefärbt, in der nächsten Sekunde fluthete sein Blut zum Herzen zurück, und er wurde sehr bleich.

Er gewahrte mit seinem scharfen Blick sofort die Ver­änderung. So sah keine Glückliche aus: diese Spannung in den Zügen, dieser unsichere Glanz in den lieben Augen, diese hohlen Wangen und das spitzgewordene Kinn. Auch die Erholung in den Bergen hatte die Spuren der Krank­heit und des fortgesetzten Leidens nicht verwischen können.

Sie saßen nun alle Drei, aber Agnes redete allein. Gleichgültiges, Nebensächliches sie packte eine Angst um den Bruder. Er war ruhig geworden, er hatte über- wunden, wie sie geglaubt. In der Liebe, die er übte, die er aus seinen: reichen Schatz im Herzen verschwendete an die Elenden, in deren Leben Liebe kaum je hineingeleuch­tet, hatte er die Liebe zu dem Weibe, das ihm versagt blieb, erstickt. Er war frei geworden und glücklich. Wenn er sie nun wiedersah, die glückliche Frau an der Seite ihres geliebten Mannes so hatte sich Agnes diese Be­gegnung hier gedacht, dann würde er fester denn je wissen, daß Alles gut war, so und nicht anders sein konnte und sollte.

Jetzt er wußte es von dieser Stunde cm so gut wie sie, es war nicht, wie es sein sollte.

Irmgard fühlte sich plötzlich sehr schwach. Der Friede, den dieses fülle Haus zu bergen schien, der sie wie eine weiche Welle umfing, als sie hier eintrat, war gewichen von ihr wenigstens. Geheimnißvolle Fäden schlangen sich zwischen ihr imd diefM beiden Menschen, sie empfand den wundersamen Strom von Herzen zu Herzen, und sie konnte sich nicht in diese geöffneten Arme werfen, nicht offen reden und ihr Herz ausschütten. Steif und kon­ventionell saßen sie hier nebeneinander, und ihre Pulse

vibrirten in einem Schlag. Sie erhob sich hasüg.

muß nach Hause, ich komme bald wieder, ich bringe Euu^

mein Kind." ...

Sie küßte Agnes und berührte kmrm dw Fingerspitzen des Pastors. Waren es Schleier, die vor ihren Augen sich senkten und ihr Alles verdunkelten? Als Johannes Flemming durch jene Thür eintrat, hatte sie ein Leuchten auf seiner Sürn zu sehen gemeint, und nun war diese Sürn bleich und grau und aller Glanz aus seinen Zugen gewichen.

Sie wandte sich nicht mchr zurück, sie flüchtete fast von

dieser Schwelle. , t

Johannes Flemming stand unbeweglich und starrte auf die Thür, durch die sie verschwunden war. AgneS ergriff seinen Arm.Johannes!"

Er blickte sie an wie ein aus tiefem Traum Erwachen- der.Sie ist nicht glücklich", sagte er tonlos.

ES wurde still in dem kleinen Gemach. Agnes wußte ihm nichts zu entgegnen. Er war in den Stuhl gefunken, hatte die Arme auf den Tisch gelegt und fern Gesicht m den Händen vergraben. Ein Zweig des Akazienbaumes draußen schlug gegen das Fenster,, die Spatzen schrieen durcheinander, ein frecher Gesell pickte sogar gegen dre Scheiben. Die Hausthür fiel ins Schloß, und dann klopfte es

Agnes ging zu öffnen. Schwester Anna vom Stifte kam, den Herrn Pastor zu Litten, er möge hinüber- kommen, der alte Sieders sei aus seinen Delirien erwacht und stöhne unaufhörlich, der Herr Pastor solle chm helfen. Es gehe wohl zu Ende mit dem unglücklichen

Säufer. .. , , ,

Johannes stand aufrecht und versprach, sofort zu kommen. Die Schwester huschte eflig wieder davon.

Siehst Du, da ist schon die Hülfe", sagte Agnes. Unter dem Versuch, diesem so üef in die Verthierung versunkenen Geiste in letzter Stunde noch zu emem dämmernden Licht zu Verbelfen, ihm eine Ahnung ferner Menschenwürde wiederMgeben, wirst Du wieder stark werden, mein Erprobter."

Er drückte schweigend ihre Hand. Auch dem Starken, dem scheinbar Erprobten nahen die Versuchungen, und oft, wenn er meint überwunden zu haben, packen sie ihn wieder mit voller Kraft. So gut Agnes den Bruder auch kannte, sie ermaß doch nicht, wie elend er in dieser Stunde war Und als er an dem Sterbebette des Säufers saß, der noch die gräßlichen Gebllde aus seinen Delirien schaute, dessen Geist nur von Grauen erfüllt war, und in dem kaum ein Funke glomm von dem Licht, das ihm auf seinem Lebenswege hatte leuchten sollen, da überkam ihn ein trostloses Zagen. Me schwach waren Gottes Ge- schöpfe, wie leicht zu Fall zu bringen, wie schwer rang auch er, der im vollen Lichts der Erkenntniß Stehende, von dem viel gefordert wurde. Und er betete laut in heiliger Inbrunst:Herr, hllf überwinden!"

Staatsanwalt LiconiuS war von seiner Reise zurück- gekehrt und hatte die Geschäfte seines Amtes wieder über­nommen. Es gab da viel Rückständiges zu erledigen, aber seine riesige Arbeitskraft bewältigte daS ohne Schwierigkett.

Heute Abend sah er mtt einem Stoß Akten, die ihn

schienen. __ _

Der Prozeß des Kassirers Diehl,der als

LASÄLLkÄ BSwäs

der Angeklagte schon beim ersten Verhör geständig Wesen war, nicht lange gedauert, der Spruch war gef und die Sache adgeihan, ehe LiconiuS hennkehrtL

_ . __ , . rt i*_ VIivT* f

Schranke verwayrre. *>er toctuw; rrri

Pulte, der mit zitternder Hand geschobene, und DcornuL

nahm ihn noch einmal auf. _ , , ,

Ich klage Dich nicht an ich Mja durch «ga» Schuld; als ich Deinen Anttag annahm, verkaufte M mich dem Teufel. Ich fleh« Dich, an, ttue Barmherzig, kett an meinem Weibe und an tnetttem nöc v_.

Liconius' Miene war hart, der vom dnntte» Bott» halb verdeckte Mund fest zusammsngepreßttbm rhm eM sicheres Zeichen seelischer Erregung. Der Einfältige, der

^Es^war ein stiller, warmer Abend im August, das Arbeitszimmer lag nach, dem wohlgevflegtm. Garten hinaus, in dem es üppig bluhteund dustete^Die schönsten hochstämmigen Rosen, lauter eA^ene S^emfandmm hier vereinigt, und die Tepprchbeete zeigten eure wunder-

voll harmonische Farbenpracht

Er trat in die offene Thür, der,.^, läulengetragmen Veranda, sein Bück glitt gleichgültig über all die Schon-

Fräulein ^Mühlen seine Hausdame eine entfernte Verwandte, arm. unterwürfig und geschmeidig, die zu schweigen und zu reden verstand, je nachdem es Patzte, schritt durch die Kieswege ihm entgegen. ,

Kommen Sie endlich auchins Freie, Herr Ober- staatsanwalt?" die weitläufige Verwandtschaft hatte Liconius von vornherein in s?suemDerhaItnissezu der Dame ignorirt er wandte sich kühl und nachlässig zu

der ihn Anrufenden. , , .. ..

Der Abend ist so wunderschön , fuhr dre mit ausge­suchter Vornehmheit gekleidete Dame fort,ich denke hier immer bei mir, der unermüdliche nur für Andere lebende Herr hat doch zu wenig von dieser Schönheit. Sie jolften wirklich ein bischen mehr an sich denken, sich em bischen

mchr Freude gönnen." _ rr.,..j.wvrHA«t

Die Rede wurde in einem süßen, lckmieichlerftchen Tone vorgetragen. Liconius gab sich gar nicht die Muhe, sie zu beantworten. Er sah mit einer beleidigend Nicht- achtenden Geberde über die Sprechenn hinweg.

Ich habe für übermorgen einige Herren eingelab«t zum Souper, um 8 Uhr, neun Personen. Wollen ^e für das Nöthige Sorge tragen. Sw wissen ja, w« ich es liebe. Wein! Zum Fisch Johannisberger Ausleie^ 'Vater Chateau Laffitte, Chateau d'Jguem. zum Dessert Seeü Sw legen mir wohl morgen das Menu vor. Guten

Liconius wandte sich mit flüchtigem. Gruß in .das Haus zurück, und die Dame sandte ihm einen grimmigen

Blick nach. ^ rrJ .

(Fortsetzung folgt.)

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