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“i JHorgcii«Beilage des Wiesbadener Tagblatts. i«==
Nr. 167.
Mittwoch, 21. Iuli.
1915.
(9. Fortsetzung.)
Stau Kda§ Töchter.
Roman von Emma Hanshofrr-Merk.
(Nachdruck verboten.)
Eine Woche später war ein „Lee" «bei der Generalin
Damentee. Felicitas wollte absagen, aber Walter «syauptete, dann dürfe sie auch nicht ausgehen, um rhre Ausrede wegen Erkältung glaubwürdig zu machen, ^nd sie rief ärgerlich: „Ich soll wohl auch noch Arrest kriegen, weil ich mich nicht wie eins Untergebene behandeln lasse!"
„Gch'. es war nicht notwendig, sie damals mit dem Rauchen zu reizen! DaS kannst du doch zu Hanke!" erwiderte er vorwurfsvoll. Die Szene, über die er später hatte reden hören, war thm sehr fatal gewesen. E.. --Mir liegt doch nichts an einer Zigarette, aber es fallt mir nicht ein, in Gehorsam vor dieser unmöglichen! Frau zu ersterben!"
„Du bist unvernünftig, Fe!"
Sie schmollte: «der schließlich ging sie.doch zu dem Lee. Nur um nicht an dem trüben Tage allein zu Hause zu sitzen und nur das Pfeifen der Bahnzüge zu hören, das sie immer melancholisch stimmte. Wenn sie prt das Fortreisen, an München dachte, bekam sie förmlich Herzweh vor Sehnsucht.
Die Tanten in seidenen, manchmal etwas altmodischen Kleider standen schon im feierlichen Cercle um »die Generalin, die ihr an den Nähten spiegelndes Taftkleid mit Grandezza trug und eben einer schlich' kernen Leutnantsfrau die freundliche Bemerkung wachte:
„Ihr ariner Mann hat ja heute sehr schlecht abge- Fchnitten!" was diese so in Verlegenheit brachte, daß rhr die Tränen in den Augen standen.
Man blieb lange stehen, da die Generalin sich nicht setzte. Endlich, da alles versammelt war, wurde die Flügeltür zu dem Eßzimmer geöffnet, in dem ein Langer Lisch gedeckt war. In der Mitte stand ein hoher silberner Aufsatz mit verschiedenen Etagen, reich mit Konfitüren besetzt. Felicitas warf eben einen prüfenden Mick auf die Blumen in der Vase, die das Prachtstück krönte, und konstatierte schmunzelnd, daß es ge- brachte waren, als die neben ihr stehende rotblonde Frau Hauptmann Schmidt ihr zuftüsterte:
, „O rühret, rühret nicht daran! Nämlich an die fernen Sachen da! Das ist nur Schaugericht und wird nicht angeboten. Gewiß ist es auch schon uralt. Wenn man -keinen bösen Blick kriegen will, begnüge man sich mit dem Hefenkuchen I"
Sie sagte daS ko drollig, mit einem so komischen Ausdruck auf dem sommersprossigen Gassenbubengesicht, baß Felicitas sich fteute, unter allen diesen steifen und devoten Damen wenigstens ein« zu entdecken, die es mit Humor auffaßte, wie sie nun feierlich, genau dem Rang ihrer Männer ihre Plätze angewiesen nen. Es traf sich, daß die lustige Hauptmanns- iyre Nachbarin wurde; .das versetzte sie in eine mutwillige Laune, und sie konnte herzlich lachen ein paar harmlose Anekdoten, mit denen Frau Schmidt den dünnen Tee würzte.
Je geschraubter und würdevoll man sich an dem oberen Ende des Tisches unter den „Höheren" unterhielt, desto ausgelassener wurden die jungen Frauen rm Unterhaus. Frau Generalin warf ein paarmal einen zürnenden Herrscherblick auf die beiden Damem die sich so unerlaubt gut amüsierten.
„Was haben Sie denn so Heiteres zu erzählen, Frau Hauptniann?" fragte sie dann mit ihrer katzen- freundlichen Art. „Wir möchten auch etwas Lustiges Hoven."
Die Rothaarige ließ sich nicht verblüffen. „Ach, Frau General! Wir beide waren zusammen in der Schule, und da tauchten uns allerlei Erinnerungen auf cm die hiibsche Zeit, da wir noch so kindisch ungezogen gewesen", log sie mit rascher Geistesgegenwart und machte dazu ein frommes Gesicht voll heuchlerischer Devotion. Felicitas bewunderte ihre Schlagfertigkeit und fand es köstlich, wie die Lüge den Nagel auf den Kopf traf, denn ihr war tatsächlich zumute wie in der Mädchen- schule, wenn die gestrenge Lehrerin am Tische saß und sie so gerne losgeplatzt wären. Dieselbe krampfhafte Lachlust befiel sie auch jetzt, und das Mienenspiel auf dem kecken Gesicht neben ihr, das Schnüffeln der Stumpfnase, die an dein Kuchen roch, das leise hin- gehauchte Worte „Palmin" schienen ihr so überwältigend komisch, daß einmal in eine feierliche Stille ihr lautes, Helles Kichern Hineinklang.
Frau General Friedenbrink hatte die schmalen Lippen aufeinandergedrückt. Sie sah sehr böse aus. Und in dem Schwaigen, das am Tische herrschte, rief sie mit ihrem falschen Gowrnsel:
„Ach, die liebe Jugend! Man muß sie wirklich beneiden, Frau von Fahrcnstein! Erst vor kurzer Zeit haben Sie so Schweres durchgernacht und können nun doch so übermütig lachen!"
Es lag eine hämische Absicht in dan Worten, so wehmi'itig-!mütterlick> sie auch im Tonfall waren — der Wunsch, zu treffen, zu verwunden, der jungen Rebellin einen Schlag zu versetzen.
Mit dunklen, düsteren Augen blickte Felicitas zu der Verhaßten auf.
Sie fühlte, daß sie schweigen müsse, .daß sie otwas Ungeheuerliches sagen würde, wenn sie jetzt überhaupt die Lippen öffnete.
Die rotblonde Frau an ihrer Seite drückte ihr unter dem Tisch die Hand.
„Sie hat gewiß etwas recht Taktloses getan, aber lassen Sie es sich nicht tief gehen — das sind so Nadel» stiche, an die man sich hier gewöhnen muß!"
»Muß man?" fragte Felicitas mit einem kurzen, spöttischen Auflachen.
Als sie von dem Tee nach Haufe kam, ging sie, noch int Hut und Mantel, in das Zimmer ihres Gatten, der müde auf den: Sofa lag und seine Zeitung las.
, „Ich will dir mrr gleich erklären, daß sch nie, mg wieder das Haus dieser Frau betreten werde!"
