3 Der Roman, i
t«: «i Morgen-Beilage der Wiesbadener Tagblattr. l«~—=»!
Nr. 166.
Dienstag, 20. Iuli.
MS.
!<S. Fortsetzung.)
Krau KLa§ Töchter.
Roman von Emma Hanshofer-Äerk.
(Nachdruck verboten.)
Olly hatte mit staunendem Ausdrucke zugehört. Sie j Wieder das leidenschaftliche Gesicht vor sich. Sie horte wieder die vor Aufregung zitternde Stimme, die ihr zuraunte: ,^Jch will und werde noch einmal zu den Besitzenden gehören — zu jenen upper ten tliousand, die ihnen allein der Beachtung wert scheinen!"
„Findest du es nicht erstaunlich, Felicitas", wendete sie sich lebhaft an die Schwester, ,-daß Dr. Dörnberg Wun eine Villa hat, daß er in ein paar Jahren sich schon einen Namen gemacht hat?"
„Man erzählt eine ganz merkwürdige Geschichte, wie er zu dem Geld kam", bemerkte Lütthardt. „Er reiste jaus einer Jacht mit einem reichen Grafen, der sich wohl an Hummern und Pasteten den Magen so gründlich verdorben hatte, daß er mit einem Glase Milch vor der reichbesetzten Tafel fitzen und fasten mußte. Dorn- hergs Energie gelang es, dem Mann, der einfach die Courage verloren hatte, seinem kranken Magen irgend etwas zuzumuten, eine einfache, derbe Kost aufzudringen. Wie er's gemacht, weiß ich ja nicht; jeden- faH§ soll der Graf die Erschlaffung verloren und am Ende der Reise einen normalen Appetit entwickelt haben. Natürlich gerührter Dank für den Arzt, dem er aber erst in Monaco klingenden Ausdruck gab. Der Graf war nämlich ein leidenschaftlicher Spieler, und als er eines Tages wahnsinnig verloren hatte, schoh er dem Doktor einige Taufender hin und sagte: „Die geh'n doch zum Teufel! Probieren Sie Ihr Glück mit hem Geld!" Und der Docktor hatte kaltblütig gespielt, kaltblütig gewonnen und war kaltblütig aufgestanden, «ls er meinte, nun sei es genug. Das soll der Grund- stock seines Vermögens gewesen sein, mit dem er sich die Villa pachtete. Sb ihm der Gönner noch weiter unter die Anne griff, das weiß ich nicht. Jedenfalls hatte er doch den Renvmmiergrafen, den er gewissermaßen als Aushängeschild verwerten konnte. , Denn kr «st nun Spezialist für Magenkranke, und man kann in seinen: Sanatorium mager oder dicker wer^n, je mach Lust und Bedarf. Vor allem versteht er tooli den Menschen zu imponieren. Besonders die Damen schwärmen für ihn wie für einen Halbgott. Und es scheint ja allerdings schon von seinem Namen ein gewisser Zauber auszugehen, denn ich konstatiere, mein
S 'dig-es Fräulein, daß Sie mir noch niemals mit »er Liebenswürdigkeit zugehört haben, und daß ich mie eine so lange Rede tun durfte, ohne mit einem spottischm Lachen unterbrochen zu werden!"
„Es imponiert doch auch, wenn ein Mann so aus tzigener Kraft in die Höhe kommt!" sagte Olly, fast verlegen aus ihrem Nachsinnen aufschreckend.
„Vielleicht könnte ich Ihnen doch auch im- Monieren", entgegnete er, „wenn Sie sich endlich -Munal entschlössen, eine Autofahrt mit mir zu unier- fteäjnneu. Dam gchört -doch auch Kraft, Geistesgegen- joart. Schneid, Kaltblütigkeit —"
„Lauter Eigenschaften, die Ihr Ehauffegr hgben wüßte!" lachte ste.
„O, ich würde selbst lenken! Mir, — meiner Führung sollten Sie sich anvertrauenI" rief er mit ung# wohnlicher Wärme.
„Ob ich je so viel Mut besitzen werde? Vielleicht, wenn ich einmal recht lebensüberdrüssig bin!" entgegn ete sie übermütig.
„Sie sind boshaft!"
Er sah sie aber mit einem ganz zärtlichen Blick an,
Felicitas erhob sich.
„Ich muß nach Hause", sagte sie. Sie hatte es sätt, dieses Geplänkel anzuhören. Neben der lachenden, fUrtenden Schwester erschien sie sich wie eine ganz alte Frau, und sie meinte, alle Wünsche, aller Irrtum, alle Torheit der Jugend lägen weit hinter ihr zurück und sie könnte nie wieder aus der müden, elegischen Stimmung -erwgchen, in die sie seit dem Tode ihres Kindes versunken war.
Ach,, sie war ckaum vierundzwanzig! Aber man glaubt in der Jugend ja so oft. mm wäre-inan am Ende, und fertig mit sich und der Welt! —
Frau Robertus hatte für den Sommer eine Villa in Berchtesgaden gemietet, und da die junge Frau ihre Wohnung in der Pfalz noch nicht beziehen konnte und ihr Mann innrere Wochen in -den Manövern war, ging Felicitas mit. In der schönen Natur, in di r heiteren Umgebung, für die Mama nach alter Gewohnheit sorgte, gewann sie auch wieder Frische und Leben 5- lust, und aus dem Spiegel schaute ihr ein blühendes, reizvolles Gesicht entgegen mit dem alten schalkhaftin Zug um das feine Naschen, um den hübschen, weichrn Mund.
Dann kam der Umzug. Die Einrichtung der neuen Wohnung beschäftigte sie einige Wochen lang. Aber endlich <ivar alles geordnet und -das Leben in der kleinert Garnison konnte beginnen.
Sie wartete mit einer gewissen Neugier, was nun ihre Tage eigentlich ausfüllen sollte. Aber es fand» sich nichts.
Ihr -Mann ritt früh am Morgen weg, nahm, wenn er heimckehrte, sein Bad, frühstückte und eilte wieder fort. Um eins kam er erst wieder.
Was tun bis dahin? In München hatte sie am Vormittag ihre Besorgungen gemacht. Aber hier waren die -Entfernungen so gering. Was sie überhaupt hwr kaufen konnte, bekam sie in der nächsten Strafe. Anfangs hatte sie sich noch amüsiert über die kleinen Läden, in denen man so langsam bedient wurde, als freue der Verkäufer sich, einen Kunden -da zu haben, und wolle dieses seltene Fest gehörig ausnutzen.
Doch das verlor auch an Reiz. Ugd nie begegnete sie einem Plüschen, den sie Samte! Es ,g4b hier Mer- Haupt nur Soldaten. Zur Abwechslung ging wohl ab uno zu auch ein Onmer an ihr vorüber, die Erscheinung mit diUreteni Interesse tvsr e3 g»nz leer. Ais schönste '— * ein Bataillon mit KurgeMM <s hörte Mn nichts als ziMsil
