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Beilage zum Wiesbadener Tagklatt.

U-. 351. Morgen-Ausgabe.

Donnerstag» de« 31. Juli.

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Wohl Dem. den Freunderliebe Zn ihren Armen hält.

Ihn stützet, wenn er strauchelt»

Ihm aushilft, wenn er fällt;

Ihn warnet, wenn er abirrt Vom Pfad, der sicher führt,

Der Freundesstimme gern hört.

Gern FrcundeSrath erkürt I

L. Bcchllein.

V äocojncin. »

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(24. Fortsetzung.)

Der Millionär

«nd sein abschreckendes Beispiel.

Bayrische GebirgS-HumoreSke von'Karl SchulteS.

Mt zitternden Händen öffnete die Rosel ihre voll­gepackte Handtasche. Der Mann des Gesetzes langte hinein, nahm ein Papierpacket heraus, dem ein herrlicher Duft entstieg, als er es öffnete, und mit verlangendem Schlucken sagte: „Drei wunderschöne Backhändeln, also afn Mann ein Vogel. — Passirt, kostet aber einen halben Gulden Steuer."

„Na, san'S so guat! — Was macht denn nach« des Bisserl Kalbsbrat'n, des i da noch Hab?"

„Anscheinend vier Pfund!" sagte der Grenzer, als er das Packet schmunzelnd in der Hand wog. „Essen Sie das auf der Tour allein?"

„Das nimm i af mi'!" tönte die Stimme des Hans, den zwar der Schnee und die Gegenwart der verhaßten Grenzer etwas ernüchtert hatten, der sich aber doch an den Toni anhalteir mußte.

„Schon! Ai acht aber einen Gulden, mein lieber Herr Hans Kristaller. Wir kennen uns ja schon von früher her, wann der lustige Herr Sepp Reinfeldner mit seiner Kameradschaft im Mühlgrab'n-Gasthaus war."

„Na, fixt es!" erwiderte Hans und wollte sich durch das Drehkreuz drängen. „Du kennst uns! Laß' uns halt lauf'n, mir hab'n ka' Zeit zu verlieren um , . . ins Bett z'kummen!"

„Das wird für den Herrn Hans sehr nökhig sein, aber » . . . erscht zahl'n!"

„Fallt mir net ein, daß i für die Dummheit der Rosel zahl'!" fuhr Hans aus, in dem die Rauflust sich meldete.

„Also, konsiszirt und Straf obendrein zahl'n!"

„Himmisakra! Des is aus der Weis', da thu' i ntmma mit, und kehck um!"

„Denk' an Deinen Schwur!" sagte der Toni mit Grabesstimme.

„WaS iS das? Eine Verschwörung? Da soll also gepascht werd'n? — Halt da. Madam, net von der Stell'! Erst weiter untersuchen! O,.waS find' ich denn da unter

dem Futter? Es is also auf einen richtigen Schmuggel ang'legt; denn das sind sechs Packcrln Kaffee!

„Es is nur a Landsmann von tzhna, a Andres Hofa Feig'nkaffee!"

„Das Landsmännische is nur von Autz'n; denn der Kaffee wird in Freylassing bei Rerchenhall g macht. Dav kennen wir! Jed's Packerl fünf Kreuzer, und wegen Verheimlichung konsiszirt!"

„I geh' hoam und thu' a nimma mit!" heulte die Rosel.

„Denk' an Deinen Schwur!" rref dumpf der Tom und schüttelte die Rosel bei den Schultern, was drese mit einem Fußtritte erwiderte, so daß der stark Getretene em paar Schritte zurückfuhr. — Dann zog er sem Geld- beutelchen und reichte dem Grenzer ein Zehnmarkstück mit den Worten hin: „I denk', das reicht für das Vergnüg n vier Stund' lang in Oesterreich spazrer'n zu gehn! Der Mondschein macht kalt, mir müaß'n werta geh'n, sunst g'ftier'n mir hier an!"

„Hören Sie, mein lieber Mann, das wird immer ver- dächtiger. Sie scheinen mich bestechen zu wollen! Kommen Sie einmal her, wir müssen doch auch Sie naher unter-

suchen!" ,

„Der Hans Kristaller", sagte ^ einer der beiden Grenzer, welcher den sich Durchdrängenden kesthrelten, „Herr Kommandant, hat sechs Packeln Rauchtabak in seinen Joppentasch'n g'habt!"

,O, das ist noch schöner!" erwiderte der Grenz- ausseher, der das Lachen kaum verbeißen konnte. „Das ist offenbarer Schmuggel, und ich glaub', wir Hab n tit den drei Leutein da eine ganze Bande erwischt! Halt da, mein Lieber", wendete er, sich wieder Toni zu, der semv Joppe über der Brust zuknöpfen wollte, „was Hab n Sie denn da in Ihr einwendiges Brusttaschel versteckt? — Donnerwetter, das ist sa ein Münchener Sparkassenbuch über 4000 Mark! Da scheint ein Raub geschehen zu sem!"

„Und der Hans hat a großes, schweres Sparbüchsel in seiner Hosentasch'n g'habt!"

In scheinbarem Eifer rief nun der Herr Obergrenzer in die Kaserne: „Compagnieschreiber, gleich an den

Herrn Gendarmerie-Wachtmeister Stürmer in der Au hinübertelegraphiren, daß er mit Mannschaft kommt und die Einbrecherband in Empfang nimrüt!"

„Das Büchel is mein Eigenthum!" schrie Toni, der vergebens dem Grenzer das Sparkassenbuch zu entreißen versuchte. „Telegraphirens glei' an den Burgleit'n-Sepp, daß sein Schwiegervater, der Speidl-Toni, in den Inn hinein is, weil er . . . ."

„Noch a größerer Dickschädel is als sein Schwieger sohn!" rief Sepp aus der kleinen Grenzkaserne tretend, und hinter ihm kam Afra, die auf ihren Vater zustürzte, und ihn unter Weinen und Lachen mit ihren Armen fest umschlang.

Den Hans hatten die beiden Grenzer sofort frei gelassen und ihm mit einigem Bedauern seinen Tabak und die Sparbüchse zurückgegeben.

„Juh!" schrie Hans, daß das Echo wach wurde und seinen Jubelruf trotz des Rauschens des Inns vielfach vow den Bergen zurückgab. „Hietz, Ade: Schwarza Reuta. mir rauch'n nur noch noblichte Cigarrl'n!"

In unsicherem Schwünge wollte er sein-Stinkzeug in den Inn werfen, die Päckchen kamen aber nur bis zu dem Kahne des Jock'l. der neugierig den Verlauf der Geschrchta. mit seinem Buben beobachtet hatte, welch letzterer trat der Gelenkigkeit eines echten Gebirglers die Päckchen rasch aufsammelte und seinem Vater mit den Worten ein- händigte: „Da Vatta, des is mal a Millwnser-Tabak,

und da kummt sicha Dei' öllender Haimburger Drerkomg net dageg'n auf!"

„Utf), Jegerl!" rief die Rosel und versuchte eine Pirouette zu machen. „Des is ja a ganze Komedi! Hietz, meine schönen Herrn Soldaten, könnend dre Backhandel n, den Brat'n und den Hofer-Kaffee obendrem zum An- denk'n an die Rosel behalt'n! Juchhe, es geht in unsa schön's Häusel z'ruck, und Der' ganze, dumme Ver- schwörung, mei' liaba Toni, is für die Katz'!

„Hietz möcht' i aba nur wiss'n", sagte HanS, indem er seine Sparbüchse von Thon schüttelte, „wie r da her- kemma bin?!"

„Net af Deine zwei Hax'n. Du abschreckendes Beisvickls denn die hätt'n Dich sammt Deiner schwer'n Sparbuchs» gar net trag'n!" lachte Sepp.

„Ob des wohl heut noch für meinen Durscht reicht?" ureinte Hans die glatte Büchse liebkosend.

Sehr erleichtert empfahl sich die Gesellschaft von den komplimentirenden Herren Grenzern und streg m das Fährboot, das sie sicher an das schönere, bayrische Ufer zurückbrachte.

Kaum spürte der Speidl-Toni feste>r Grund unter den Füßen, krempelte er seine Hofen hoch auf und zog aus den weiten Stiefelschäfteir zwei flaschen Förster Traminer, die er lustig gegen die Grenzwache hinüber- schwenkte, indem er. dabei rief: „Die hättet Ihr g wig auch noch gern «'schluckt, wann Ihr sie nur g fund n hättet! Die soll',: mir aba af die Motion guat schmeck n. wann wir erscht z' Haus san!"

„Wird sich wohl heunt net mehr gut machen", sagte Sepp, „denn wir fahr'n von hier aus grad in die „Post * wo Alles scho' für unsere Unterkunft b'estellt is!"

„Was is des?" rief die Rosel, welche ihr große? Um- schlagetuch aufgemacht hatte, und einen halben Schinken hervorzog. „Dann Hab' i wohl a umasunst den Herren Soldaten meine Dickigkeit vorg'schwindelt?"

Ein allgemeines Gelächter belohnte die Schlauheit der Alten, und lustig bestiegen Alle den Zeiserlwagen, welchen der Lenz bis nahe an das Ufer herangefahren hatte, und in fröhlichster Sttmmung ging es rasch heimwärts.

Ein allgemeiner Jubel begrüßte die Ankommenden bei dem großen Thoreingange „Zur Post"; denn dre Zensi und'ihr Bruder Peterl hatten es ausgeplaudert, um was es sich eigentlich gehandelt hatte.

(Schluß folgt.)

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