Einzelbild herunterladen
 

Wiesbsdkmr ©anblatt

so. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-PreiS: durch den Verlag so Pfg. nivnntlich, durch die Post s Mk. SO Pfg. uicrtcljährlich für beide Ausgabe» zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

18 , 00 © Abonnenten.

Anzeiger,-Preis r Die einspaltige Pctitzcilc sür locale Anzeigen 15 Psg.. für auswärtige Anzeige» 25 .

Neclamc» die Petitzeilc sür Wiesbaden oO Pig.. sür Auswärts 1 21!!.

Abendausgabe.

17 August und September

auf das

Wiesbadener Tagblatt"

3 » abotmiren, findet sich Gelegenheit

im Verlag Kanggasse 27, bei den Ausgabestellen, den Zweig -Erpediti-nen

der Nachbarorte,

und bei fümmtlichen deutschen Rrichspostanstalten.

I

Die eMöusGen TOafnttanifttjeu Millionäre.

Unser Londoner u-KorresPondent schreibt unter dem 28. Juli:

Die Rhodesianer gleichen heute jenen Männern, dre, einem englischen Sprichwort gemäß, aus einer ent­täuschenden Erfahrung weiser aber auch betrübter her­vorgingen, als sie vordem gewesen. Der^Krieg hat sich nämlich vorläufig als eine verfehlte Spekulation er­wiesen, die sie schweres Geld kostete. Unsummen wandten sie auf, um s. Zt. die südafrikanische Presse für ihre Sache zu gewinnen, ihre südafrikanische Liga kostete sie ein Heidengeld, und selbst das, was sie noch ganz kiirzlich ausgaben, um die Petition behufs Aufhebung der ,Üa;>° konstitution mit möglichst vielen Unterschriften zu ver­sehen, erwies sich inzwischen als zum Imster hinausge­worfen. Mr. Rhodes brüstete sich s. Zt. damit, daß der Krieg sich als eine praktische geschäftliche Transaktion Herausstellen würde, aber er hatte sich arg verrechnet. Tie südafrikanischeil Korrespondenten derTimes" jammern nun alltäglich auf telegraphischem Wege ganz fürchterlich über das 'traurige Geschick der Goldgrubenbesitzer. Diese Aermsten erwarteten nach dem Kriege eme Art Nlgger- paradies imTransvaal« in oein jederSchwarzc gezwungen werden sollte, für weniger Geld mehr Arbeit als vordem Zu leisten. Ter bekannte Mr. Hays-Hammond berechnete auch bereits vor einiger Zeit, daß die Minen auf diese Weise jährlich vierzig bis sechzig Millionen Mark mehr verdienen würden. Vorläufig ist aber von jenen Millionen noch keine Spur zu entdecken, denn die Nigger zögern, in das Paradies einzutreten. llrtöfc den verschiedenen Ursachen dafür, die einer der gefühlvollenTimes"-Be- richterstatter herausgefunden hat, spielt zwar die bewirkte einheitliche Lohnreduktion keine Rolle, aber er erwähnt sie, und bemerkt dazu recht naiv, es ließe sich vorläufig nicht sagen, ob dieselbe die Schwarzen abhält, sich in größerer Zahl zu der Grubenarbeit einzufinden. Es sit aber eine unverkennbare Thatsache, daß Nigger wie Bleichgesichter sich nicht zu Sklaven machen lassen mögen,

und doch sind cs gerade die letzteren, auf die die Herren Beit Wernber und all' die anderen englischen Patnotei niade in Qermanv in ihrer Verlegenheit ihre Hoffnung setzen. Aber wie ließe sich wohl der weiße. Mann für das gewinnen, was der schwarze zuruckweist? Tw armen südafrikanischen Millionäre haben sich da bereit» etwa» ausgedacht. Tic englische Regierung soll Arbeitsluftigen freie Ueberfahrt nach dein Goldlandc gewahren. Da e» sich um die Goldgrubenbesitzer handelt wäre ,ene wahr­scheinlich gar nicht abgeneigt, den 4000 Milliolwn Mark, die sie auf den Krieg verschwendete, nach eine Kleinigkeit nachzusenden, aber schließlich könnte dann die Nation doch ungeberdig werden. Mit ihrer liebevollen Fürsorge für die kosmopolitischen Finanzwanner, seien sie morgana­tische oder rhodesianische, erklnrt owTimes daher nun, für die Anregung der Arbeitslust iii den Eingeborenen müsse gesorgt werden, und es würde das am besten Ddurch geschehest, daß man sie lehrt, größere Bedürfnisse als bisher zu empfinden.Eine der wichtigstenWlrkungm des Krieges", schrieb das Blatt,ist dre, dah er den Schwarzen gründlicher als zuvor mit dem -vhun nm Treiben des weißen Mannes bekannt gemacht hat. And da dieses so ungemein christlich, so menschenfreundlich und hochmoralisch während des ganzen Feldzuge» ge­wesen ist, muß der Nigger recht viel gelernt Haben Allem Anschein nach sehnt er sich aber trotz alledem nicht danach, der Segnungen der Civilisation durch Arbeit m ben Goldgruben ferner theilhaftig zu werden, und so hat denn Herr Beit beschlossen, am 2. August nach Südafrika zu fahren, um nun wahrscheinlich um den Schwarzen gut zuzureden._ ' _

warten, wie sich bei dieser die Nativiiallibcralen zu den Getrcidczöllcn stellen, ob sie die Beschlüsse der ersten Lesung unterstützen und zur Aunahme bringen werden. Geschieht dies nicht, daun wird bei den Industrie-Zöllen Vergeltung geübt werden. Das Interesse des Staate» und der Allgemeinheit tritt also in den Hintergrund-starr dessen der gewöhnlichste Jntercssenkampf.

Wie ein Berichterstatter meldet, ist ein Gesetzentwurf zur Bekamp f it n g der T r n it k s u ch t von konser- vativeu Niitgliederu des Reichstags ausgLarbeitcr worden. Der Entwurf entspricht im Wesentlichen den Wünschen und Vorschlägen der Berliner Synode und den Beschlüssen des preußischen Landtages.

* Rundschau im Reiche. Wohl mit Rücksicht auf die alarmirenden Meldungen über besondere Sichcrheits- vorkehrungen, die die Anwesenheit des Kaisers in Posen begleiten sollten, versichert derKuryer Pvz- nanski" jetzt feierlich,daß sich die Unantastbarkeit der gekrönten Häupter zu tief in der Seele des polnischen Volkes eingewurzelt habe, als daß je ein Pole sich so weu vergessen könnte, dagegen zu fehlen."

Ansland.

Roman von Sophie Jnnghans.

Wieder nach Rastow! Was hat esi nur immer in

Raslow zu thun!" ....

Weiß ich wirklich nicht, Mama. Geht er denn oster» hin? Das ist uns noch gar nicht aufgefallen."

Nun!" Die Schwiegermutter der zungen Frau lenkte ein und warf nur noch hin:Mir ist, als horte

ich den Namen jedes Jahr einmal oder ein paar Mal.

Na, das mag schon sein. Aber er ist gewiß zur rechten Zeit zurück. Conning hält immer -wort.

Das wollen wir hoffen. Seht doch zu, daß ihr bald nach acht Uhr da seid, Malve." ^ o .

So früh" das klang sehr gedehnt. ,,^st e» denn

ein sogenannter kleiner Kreis?" . _

Nein, sechzig Personen hoben zugeiagi. offen

gestanden ist es mir immer ein Trost, wenn Conmng, wie Du ihn nennst, Lothar also, im Hause ist, wenn dre Gaste kommen. Und daß Tu mir berm Empfang Gold werth

bist, ist ja selbstverständlich.",

Wirklich, Mama?" Dre funge Dame öffnete die tanggeschnittenen grauen Augen etwas werter als ge- wöhrllich, in aufrichtiger VerwunderungAber ich mach doch gar nichts, als daß^rch da bm und den ^euten, me

kommen, die Hand gebe." . . ~ .

Das ist schon genug, wre tu c§ * 1 x 0 ^, jagte frau v. Conning mit einem sprechenden Blick über me Schwiegertochter hin, Diese ist zweiundzwanzig ^ahre alt, eine schlanke Rassegestalt, mit schmalen dunkelblondem Kopfe, merkwürdig distingurrt anstehend. ^^.11 nieiftt

doch, daß der Kriegsminister kommt und Hr. v Breden- köpf auch das war der Justiznnnsiter. Nun, der ift ja

ein alter Bekannter von Papa. ,. .

Und Du bist es doch lange gewohnt, alle diese

Excellenzen bei Euch zu sehen." , .

Ja aber es ist bei mir vor jo emer großen Geschichte doch immer ein Bischen wie ein Lampenfreber, was, wre

Deutsches Deich.

* Hoi- und Pers-nal.Nachrickle». Nach derNational-Zcitung ist an hiesiger unterrichteter Steile nichts davon bekannt, daß der Kaiser in den nächsten Tagen dem Könige von England in Eowes einen Besuch abstatten wird. Auch stände ein solcher nicht im Einklang mit den bereits getrossencn Retse-DiSpositioncn des Kaisers.

Der Kaiser wird, wie dieRational-Zeitung berichtet, dem Czaren nach den bisher vorliegenden Meldungen in den Tagen vom 6. bis 8. August ans der Rhede von Revat aus Au- last der russischen Flotten-Manüver einen Betuch abstatten. Die Kolonie der deutschen Reichsangehörigen zu Reval und in Esth- land gedenkt dem Kaiser bei seiner Anwesenheit ei» Album mit Ansichten von Reval zu überreichen.

* Berlin, 29. Juli, lieber den Arbeitsplan der Z 0 l l t a r i f - K 0 m w i s s i 0 n meldet eine parlamenta­rische Korrespondenz: Die Mehrheit der Kommission Hai sich entschlossen, als vornehmstes Ziel die Fertigstellung der ersten Berathung des Zolltarifs bis zum 8. August fest im Auge zu behalten. Die Eisenzölle sollen nach den in der Vorlage vor geschlagenen Sätzen zur Annahme kommen. Ter eigentliche Entscheidungskampf zwischen Agrariern und Industriellen soll bis zur zweiten Lesung vertagt werden. Die Vertreter der Meh rheit wollen av-

inan sagt, auch alte und routinirte Schauspieler noch be kommen Also Ihr thut mir den Gefallen und seid zeisig da. Sonderbar doch von Lothar, jetzt vor der großen Reise noch so im Lande herumzufatzreu."

Großen Reise?" .

Nun, er mutz auch diesmal selber nach Konsianti- nopel, noch Ende dieser Woche!" .

'Ja? Ganz recht, er sprach davon. Das nennjt Tu große Reise, es ist ja doch nur eilt paar Tage Eisenbahn."

Frau Conning die Aelterc sah Frau Conning die Jüngere an und lachte.Nur ein paar Tage Eisenbahn! Das war wieder kösüich, Malve, das muß ich den: Papa

erzählen!" , . , . ,

Und ihre Billigung der Schwiegertochter war durch- aus nicht etwa eine säuerliche, die im Grunde das Gegen- theil bedeutete. . ^ .

Nein, die Freifrau v. Conmng bewunderte Malve Conning aufrichtig, beneidete sie sogar um ihre Kalt­blütigkeit, auf die gar nichts Eindruck machte. Jetzt be­gann sie wieder etwas zögernd:Sag' doch, Malve, was wirst Du denn anzieheit?"

Frau. Malve Conning lächelte leicht.O, sei unbe­sorgt, ich mache Euch schon keine Schande; ich weiß es wirklich noch nicht; das muß ich mit der Lctzling be- sprechen."

Ein lebhaftes Geräusch von Pferdehufen ließ hier beide Frauen aufstehen.Was war das Malve? Doch nicht. .. _, ,

Deine Pferde wahrscheinlich, Mama; sie scheinen durch irgend etwas unruhig geworden."

Die Freifrau eilte in die säulengetragene Loggia hinaus, die über einen kleinen Vorgarten hinweg den Ausblick auf diese schöne Thiergartenstraße hatte,lln- ruhig, und zwar sehr"

Das klang etwas ängstlich, Malve aber, die ihr lang­sam gefolgt war, kam gerade recht um zu sehen, wie der Kutscher ein besonders schönes Exemplar seiner Gattung: englischer Backenbart natürlich und einfache, aber sehr Helle Livrtzc die Thiere wieder zum Stehen

* Oesterreich-Ungarn. Zur Diskussion über Italien und den Dreibund erfährt die WienerMontags- Revne" von informirter Seite, daß zwar militärische Maßregeln im Instrument des Alliauzvertrages nicht ausgenommen seien, daß es aber, nachdem der Allianz- vertrag ein Zusammenwirken der Armeen nicht vorsehe, lächerlich sei, wenn Dispositionen für den Kriegsfall uno durch Vermittelung der Militär-Attachsis direkt zwischen den Generalstäben der Dreibundmächte festgesetzt würden. Diese Dispositionen militärischer Natur entzögen sich in- ihren Einzelheiten sogar der Kompetenz der Dreibund­mächte und seien nicht vertragsmäßig bindender Natur. Sie könnten diescrhalb auch wechseln. Aus Graz, 28. Juli, wird gemeldet: Ter gestern Nachmittag stati- gefundene Sänger-Festzng, an dem über 12,000 Sänger theilnahmen, ist glänzend verlaufen. Abends war ern Kommers. Wegen des Verhaltens der Militärbehörden, welche der Grazer Garnison verbot, nach 9 Uhr Abends die Kasernen zu verlassen, wird Seitens der Stadt Pro­test erhoben werden. Etwa 3000 Anhänger der soeiar- demokratischen Partei protestirtcn in einem Meeting zu B n d a p c st gegen das von der Polizei in der Angelegen­heit der verführten Mädchen geübte Vertuschungs-System, weil cs sich um Hochgestellte Personen handle. Tie Menge wollte dann in die Wohnung eines als Verführer ge­nannten Herrn stürmen, was die Polizei nur mit schwerer Mühe verhinderte.

Italien. Tie diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien werden bereits in den nächsten Tagen wieder ausgenommen werden. König Viktor Emanucl wird auf seiner Reise nach Berlin dre Route über die Schweiz nehmen und hierbei von einem

gebracht hatte. Malvens Augen betrachteten die präch­tigen dunklen Braunen mit Bewunderung; die der Frei­frau war dagegen eine sehr gemischte.Wenn Lothar sie nicht selber eingefahren hätte und behauptete, sw wären vollständig sicher, würde ich mich solchen neuen Pferden ja nimmermehr anvertrauen!" sagte sie vor-

wurfsvolli ^ .

O, ich glaube, Du hast, keinen Grund zur Besorg-

niß, Mama."

Das gebe Gott. Adieu, Malve!"

Adieu, Mama."

Also auf Wiedersehen morgen Abend!"

Spätestens morgen Abend, Mama!"

Natürlich ging Malve aus die Veranda zurück und tauschte von dort noch einmal freundliche Abschiedswinke mit der Mama aus, die sich in dem leichten Zweispänner zurcchtsetzte und Mit Hülfe des Dieners die Decke von kost­barem Blaufuchs über die Knie zog. Sie war eure lebens­volle, noch hübsche Frau, diese Gattin des älteren Conning, so recht im Alter, um zu genießen, was sich nach und nach aus dem alten Bank- und Exportgeschäft Conning u. Söhne für die Familie entwickelt hatte. Der Freiherr" für ihren alten Mann und demnach dieFrei­frau" sür sie; wer das früher gedacht hätte! Diese Standeserhöhung war freilich nur persönlich; der Sohn Lothar war einfach Herr Conning.

Tic Freifrau mit ihrem graublondcn Haar machte sehr sorgfältig und kostbar Toilette und sah fo. gediegen aus, wie ihre Verhältnisse waren. Malve, die leicht etwas Zerstreutes und Gleichgültiges hatte, blickte ihr doch heute aufmerksam nach, wie sie in dem Prachtgespann davon­rollte. Und ein leiser Seufzer kaum so viel, ein tieferer Athemzug nur hob die zarte Brust der jungen Frau. Das also war sie, in zwanzig Jahrein zufrieden, nach­drücklich, breit eompakt und schwer, ko breit! Malve Conning zieht die Schultern zusammen, drückt die Arme au und fährt sich mit der schlanken rechten Hand über den linken Oberarm und mit der linken über den rechten, wie in einem leichten Schauder. Nein, so breit wird sic doch