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1. Beilage Mm Wiestmüener Tagdlait.

Hoffnung und Erinnerung sind Rosen,

Von einem Stamme mit der Wirklichkeit,

Nur ohne Dornen. Grillparzer.

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(21. Fortsetzung.!

Der Millionär

rmd sein abschreckendes Beispiel.

Bayrische Gebirgs-Humoreske von 5tzarl Schuttes.

„Ha, mit sein'm großen, schwanen Bart wie a Tirola, grad wie der Andre Hofer auf'm Feig'n-Kaffee der Rosei!"

„Hm! Des will mir gar net g'fall'n, wann Aner so an wild'n Bart hat, da kann ma eigentli' nie net vnssn, was er für a G'sicht hat!"

„Was is er denn?" forschte die Rosel.

„I Hab' mir's net merk'n kinna, und da hat mir die Aensi was af a Papierl aufg'schrieb'n."

Die Rosel buchstabirte langsam: „Louis Röseler,

Architekt und Elektriker." „Ja. was a Architekt is, des woaß i schon'! Des is a Bisserl was Feiner's wie a Maurermaster, aba was a Oellekdrücker is . . , ."

„Haha", lachte Tom überlegen. „Ein Oellekdrücker, das is Einer, der die gelb'n Mesfingknöpferln in die Wand macht, und wann ma drauf druckt — i hab's im Kaffeehaus Maximilian einmal thun derf'n — nach schießt Feuer von hinter der Wand raus und in die klanen Glasel'n hinein, wie die war'n, die im Kaschperl-Tiata den Brand ansteckten!"

„Nacha soll ma' eahm aus Audorf rausschmeiß'n, er kann nur Unglück a'stell'n!" rief Hans und spuckte voll Zorn aus.

„So?" meinte die Rosel, „und wo war' d'ann Dei' Stolz, Dei' Ehrenzeich'n blieb'n? Es hat Alles in der Welt zwei Seit'n . . . aber der Stubenboden hat nur eine! Verstehst Du das, Di Bartl?"

„Scho' wieda das verdammte Kummondircn? Schmeißt's a Paar Handooll Sand mehr 'rei', des is bessa! Wir hab'n ja, wann mir aus'n Stall kemma, a ka Pummadi an d' Fuaß, dafür san ma' af'n Land!"

Am Abende ging Toni umsonst in die „Post" hinüber, denn weder Biermaier noch der Fremde waren bis 10 Uhr vom Burgleit'nhofe zurückgekommen, und um 10 Uhr mußte der Toni zu Hause sein, sonst sperrte die Rosel un- barmherzia die Hausthüre zu, und da es nur einen Hausschlüssel gab, mußte der Hausherr, wie ein Kater durch das Stallfenster hereinschlüpfen, was er jedoch nur that. wenn der Hans dabei war. der ein Bisserl nachhalf.

Dieser war aber heute auf Biermaier grandig (böse), lreß sich von der Regerl sein Abendbier heimholen, saß dann bei dem Mädchen, welches Wäsche einzusiecken hatte, in der Küche, wo er seinen Schwarzen Reiter rauchen durste, und ging schon um 9 Uhr zu Bette, da er schläfrig wurde.

Er hatte eine sehr unruhige Nacht, denn er träumte, daß er von dem Schwarzbart zum Oellekdrücker gemacht fei, und sich alle zehn Finger an den gelben Knöpferln in

der Wand fast kapnt drückte, ohne Feuer zu bekommen, um seine Cigarre anzuzünden.

Am anderen Morgen war er der Erste auf, hatte Feuer auf dem Herd gemacht und Wasser zugesetzt well Regerl und er den öden (elenden) Kaffee der Rosel am Sonntage verschmähten, und eine mst Zwiebeln aukge- chmelzte, schwarze Brodsuppe vorzogen. Um st llhr er mit der Regerl in die Frühmesse, und wieder beim- qekommen sah er bei allen Uhren nach dem Rechten, steckte seme goldene Protzenuhr em, beguckte seine Me- daille im Spiegel, und ging dann auf Umwegen durch den Wald — man sollte ihn nicht für neugierig halten — nach dem Burgleitenhof hinauf. Toni wartete immer auf die MutterAnna, um mit ihr und seiner Afra nach i er Predigt auf den Hof zu fahren.

Er stand bei dem neuen, bequemen Wagen, den der Sepp für Mutter und Frau aus München hatte kommen lassen, und wenn er auch Gefährt und Pferde beguckte und betastete, so geschah das nur so obenhin: denn Haupt- sache war ibm, den Lenz auszuforschen, ob w nicht wisse, was der fremde, schwarze Kerl bei dem sepv wollte. „Ja, Toni, das mußt Du Dir von Deiner Tochter ver- zäbl'n lass'n, die war immer dabei und hat ihr »vett zu- oeb’n! I bin iiur in die Sstrb'n vom Herrn neinkomma, wann ma mi' braucht hat. Denk' Dir da hat der frem e Kerl amal g'sagt: „In das Nest müsse mir Licht nem- bringa; denn da scheint's in die Kopf no ganz g walst

habstr die Gas (das Gas) im ganz'n Ort. Was will der Lump mehr?"

„Ja, i woaß net. Sie hab'n da mitanand von aner Leitiing g'red't bis unia an die Eisenbahn damit- — des is scho'des Dümmst', was ma fiornfa - von hier herob'n mit Oam (Eiiiem) da druNt n red n konna und so goar bis 'nei na' Münk'n. Aba net mit dem Blitz-Tole graf'n, hindern mit dem Maul!"

Der Toni, welcher keine Ahnung von einem Telephon hatte, sagte nichts als: „So schrei'n kann not a mal >.er Hans, daß ma's nunta bis nach Audorf Hort, und gar nach Münk'n .... So a Narr hat iins grad no

1 „Ja, und des Hab' i a no' g'hoxt, daß er üba Dei' Häusl an Draht spanna will. . ."

„Hör' auf, oda i vergreif mi' an Dir! Er soll 'rach der Eisenbahn Draht spanna, so vüll er will, aba an mel Häusel soll er net rühr'n, stinst giebt's an Unglück!

„Sei staadt (füll), da stimmen die alt' und die jung'

Buraleit'n-Bäuerin!" . _ . . .

Nach kurzer Begrützung stiegen die Drei ein, und rasch ging cs die Burgleiten-Anhöhe hinauf.

Sepp, neben dem Biermaier und Herr Roeseler vor dem Hause standen, hob die Frauen aus dem Wagen und begrüßte den Schwiegervater, der den Gruß kaum erwiderte, sondern kurz noch dem Hans fragte.

„Komm' nur mit herein, Toni, den können wir jetz net brauchen!" sagte Otto. . „ .

„Aba g'spannt wird nrx!" entgegnete unwirsch der Toni und schritt in das Haus, während Afra ihrem Sepu den müaebrachten Weihbaum reichte, damit er doch auch etwas von der Kirchenfeier habe, die er versäumt hatte.

»a sag', was hat

Jede moslerne Farbe

Botli, Gran,

Braun, Welss.

Jede moderne Form

Spitz, Bund,

Breit, Extra-Breit.

„Schön'n Dank, lieb's Weibcrl!

denn Dei' Vatter?" . .

„I weiß net! Er hat nur imma brummt. Bei mir

kummen's an den Unrecht'n!" , ~ ,

Das werden wir bald haben! Kummer iDl Dich um gar nix, als Dein gutes Mittagsmahl, mein Schatz ! Pate Sevv und ging mit den beiden Herren dem Toni m die Wohnstube nach, während die Frauen Mi Vorsaal ihre Hüte und Umtücher ablegten und der Küche zueilten.

I will Dir was sag'n, Speidl-Toni!" redete Sepp den "Schneider an. der sich verdrossen in eine Sophaecke geworfen hatte, und der Ton der schwiegersohnlichen An- rede klang hart und erregt: „I kann mir scho denkn, was Di sinnirst (sinnst)! Ma mrrk Dir, wenn Du an harten Kopf hast, der mema is no vull harter und i Hab a G'walt hinter mir, die Dr fehlt, und die is . . .. . das Geld!"

„Protz!" stieß Toni höhnisch heraus.

„Recht hast!" erwiderte Sepp ruhiger. "Auf solch dummen Weg kimmen mir nie net z samm. lllso, e. gilt nur a Verständigung, die in aller G muthlichkect rn a paar Minuten g'macht is! Schau, Tom, r muß r wegen großen Bauten unten in Audorf, die meine Mutter und mein Weib für die Armen und Nothleidenden Hab u woll'n. in steter Verbindung mit dem Vauburo des Herrn Roeseler und mit meinem Verwalter und Freund Bier maier sein- denn da giebt's vüll, was von weither an- g'schafft werd'n muß! Dazu thuat's a Telegraf net, und er macht a z'vüll Unruh im Haus, denn i mußt a pam G'hülf'n herob'n hab'n. Ma mit. aner Telefonanla.. — des is a Sprechmaschin — da könnt tim dieHerren verständigen. Bis nunta an öenRanddeBurg. leiten kann i auf mem'n Grund und Boden so vull Stangen für die Drahtleitung aufstell n, wie i will, aba im Ort selba leidet's der Herr Kreisbaurath net weil zu vüll Unfug damit trieben werden könnt. Eme unter irdische Leitung will der Ortsvorstand net Hab n da d e Hauptstraß'n, über die der Verkehr starck geht, bis an dw Eisenbahn hin aufgerissen werden niusl n, weil s vom Stationshaus mit dem Telegraphen nachher westa geht. Ueber die Häuser weg, es kommen nur zwa in Betracht, die in kerzengrader Richtung af die Station zugeh dürfen mir den Draht spanna, des rs uns ermubt. Wer bat Dir denn da was so Dummes m Dein n Kopf nem g'setzt, daß das, was die Obrigkeit g stattet, iem« Hüuserl zum Schaden gereichen kunnt? De Frau Posst halterin Schsta und ihr Sohn Peterl Hab n augenblicklich ihre Einwilligung geb'n, daß der Draht net nur über ihr ganzes Anwesen weg. sundern auch direkt m ihr Sam in die Büros vom Otto lind dem Herrn Roeseler geleitet wird. — Also, sei g'scheidt, Toni!" .

„Dein Haus", nahm nun Brermaier das Wort, „stebt ganz allein in der geraden Linie zwischen der „Post und der Telegraphenstation im Eisenbahngebaude. und da­ist also der kürzeste Weg. Von dem einfachen .stolir- stangerl, das is das Stanaerl, über das der Draht lauft, hat Dein Häusel gar nix zu befürchten. --- Kern Mensw hat denken können, daß der Schwiegervater vom Sepp dagegen sein könnt', und so hat das .Kreisbauamt sofort seine Einwilligung zu der Linie gegeben."

(Fortsetzung folgt.)

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