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SeUllge nun Miesdatzener Tagdlatt.

jfo 387. Morgen-Ausgabe.

Mittwoch, de« 23. Juli.

50. Jahrgang. 1901

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" ^°^?eißt politische Bildung eine« Volkes? Daß der ^

! kannegießern kann? Daß Schuster, Schneider

uno Handschuhmacher bent gewiegten Staatsmann das ^ Exerzltmm korrigiren? In meinen Augen heißt politische fr J Bildung nichts anderes, als das richtige Verüäudnitz der 9 A «scncn Jmercsseii. R. v. Jhcring. ;

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(17. Fortsetzung.)

Der Millionär

«nd sein allschreckendes Beispiel.

Bayrische Gebirgs-Humo'reske von Karl Schuttes.

IO. EineHochzeitimGebirge.

Der Mutter Anna hatte Otto von Btermaier in centi- meterhohen Buchstaben mitgethcilt, daß man noch acht bis zehn Tage in München bleiben würde, da Afra auf einmal einen ganz besonderen Gefallen an der schönen .Stadt und deren Sehenswürdigkeiten gefunden hätte.

„Heilige Marie, Schutzpatronin der Himmel und der Erden", seufzte Frau Anna, „da hilf Du; denn da dran san nur die zwa Lumpen, der Toni und der Hans, schuld, die net von dem Hofbrauhaus lass'n können .... oda sollt' am End' doch die Eva in der Afra erwacht sein, und sie mein'n Sepp, der ja immer a Msserl wild war, in das G'wurl (Gewühl) hineing'riß'n hab'n? Der Biermaier schreibt ja, daß die Afra in einem Kaschperl-Tiata vor lauter Lach'n grad umg'fall'n is! I kann mir mein be- scheiden's Moosröserl gar net denk'n, wie's an solchen Dummheit'« a gar a so groß's Vergnüg'n hab'n kann!"

Ach, hätte nur die .gute Frau Reinfeldner auf ihrer einsamen Höhe gewußt, welches Vergnügen die Afra hatte, als sie die ganzen Tage her nicht von der Seite ihres Sepp gewichen war, und wie eine barmherzige Schwester allen Befehlen des Arztes mit peinlichster Sorgfalt nachkam, um ihren Herzensschatz so bald wie möglich gesund zu haben, dcmsit sie aus der bösen Stadt in die liebe Heimath zurückkehren könnten.

Dem Hans, der sich von der Rosel, die auch im Ober- Pollinger einguartirt war, wie ein krankes Kind be­muttern ließ, verging die Zeit der Schmerzen gar rasch, da der Arzt ihm erlaubt hatte, wenn es ihm Vergnügen mache, sich im Biere zu — baden.

Der Toni pendelte zwischen den zwei Krankenzimmern wie eine richtige Schlaguhr hin und her. Bei Sepp und Afra war er ganz anfmunternder, lustiger Vater, mW bei Hans . . . trank er gar tapfer mit und tauschte mit der Rosel, die an den Qualm des Stmkzeug» „Schwarzer Reuter" gewöhnt war, die tiefsinnigsten Volkssprüche und lussigsten Weisheiten aus, daß oft das Lachen der großen Kinder durch die immer geöffneten Fenster bis auf die Straße hinabklang, und die Gaste und Besucher des Ober-Pollinger sagten: „Na. die

Bauern-Millionäre rebellen heut' wieder einmal ordent-

h<t> Der Zensi, welche wie ganz Audorf über die durch alle Zeitungen verbreitete Heldenthat des Sepp und Hans außer Rand und Band war, hatte Brermaier gleich nachdrücklichst geschrieben, daß durch sie dem Lenz, der Resei und den übrigen Dienstboteii, bei Strafe der so- fortigen Entlassung, der Mutter Anna keine Silbe von dem Vorgefallenen verrathen werden dürfe und die braven Leute gingen wie scharf geladene Gewehre herum, welche nur auf den Fingerdruck lauerten, der sie zum Losschießen bringen würde. ^ „ ., . , „

Der Mutter Anna entging das Ausweichen und halb- scheue Umherschleichen ihrer Leute durchaus nicht, und auf irgend eine Frage an den Einen oder den .lnderen erhielt sie immer die mit breitem Lachen gegebene gleiche Antwort: „Ha, Alle san z' Münk'n g'sund, aba der Hof- bräu latzt's halt net aus!"

Endlich aber in stiller Nacht kehrten heimlich die vrer Ausreißer zurück und gingen an ihre gewohnte Arbeit oder Nichtarbeit, als wäre durchaus nichts Besonderes

geschehen. ^ _ ..

Dem nachträglichen Schrecken der Frau Anna, als sie die Wahrheit erfuhr, machte der Stolz auf ihren braven Sohn und die Freude über ihr herziges Schatzkasterl Afra ein schnelles Ende. Das Liebste war ihr aber, daß so­wohl Sepp als Afra, die sich so schön bewährt hatte, gar nichts von der sündhaften Stadt wissen wollten, und die Rosel wurde schließlich ganz verwirrt, so oft mußte sie der Frau Anna die Geschichte von den brennenden Madeln und deren Rettung durch Sepp und Hans erzählen, bei deren Schluß Frau Reinfeldner immer sagte: „Schau, schau, der Hansl is do' noch zu was güat g'wes'n. Hietz Hab' i den Lader a ganz gern!"

Der Sepp, welcher gegen allen Gebrauch — Geld ver­mag auch da sehr viel — mit der ehr- und tugendsamen

Jungfrau Afra Speidl ein für alle Mal von der Kanzel. wie man dort sagt, herabgeworfen wurde, hatte die Civil- trauung in aller Stille vor sich gehen lassen, aber die Afra war doch nicht auf den Burgleit'n-Hof als Hausfrau hinaufgezogen, und erst drei Tage später an ^«em wunderschönen August-Tage sollte die feierliche, kirchliche Trauung, die bei dem Landvolke die allein richtige Weihe gab, in der Audorfer Sankt Bonifacius-Kirche statt'

finden. . „ ,, . ,.

Wenn man sich nun bei einer Hochzeit im Gebirge, und noch dazu vonSeiten eines so „unmenschlich reichen Bräutigams, einen Aufzug von ländlicher Pracht und einen über alle Maßen gehenden, bäuerlichen Radau vorstellen mag, so sollte das bei dieser Hochzeitsfeier des Millionärs Sepp Reinfeldner gar nicht zutreffen.

Die Kirche war freilich von Innen und Außen durch Guirlanden und Kränze sreundlichst geschmückt, aber alle festliche Begleitung, alles Einholen des vom Burglerten- Hofe und nicht vom Brauthause kommenden Hochzeits. zuges war sreundlichst verbeten worden.

Der Zug, welcher nicht zu Wagen kommen sollte, wie man wohl bei der fast halbstündigen Entfernung an- nehmen mochte, würde andächtig zu Fuße unternommen werden, denn er war sehr klein, bestand nur aus sepp und Afra, Vater Toni imd Mutter Anna mit der alten Rosel, den Bräutigams-Führerinnen und Brauhungfern Zensi und Resei, so wie den Brautbegleitern Hans und von Biermaier, und dem Lenz als voranschreitcnden Platzmacher, also im Ganzen aus zehn Personen.

Es sollte jedoch da eine große Ueberraschung geben; denn eben, als die Hochzeiter zum Hinabgehen nach Au­dorf sich anschickten, kam von unten herauf em großer Zug, an dessen Spitze der Herr Baron von Porßl Mit dem Amtsvorsteher Herrn Kaufmann Thudichum schritten, denen die Schützen und Feuerwehrleute von Audorf msi ihren Fahnen folgten.

„Lenz", sagte Hans zu dem Hofmeister, „der Herr Baron wird doch net uns fanga und einspirr'n woll n weg'n der Dummheit, daß mir heunt in aller Früh a Duzend Böller loslassen hab'n?"

„Aba Hans, sei net so dumm, da werd er do net die Schütz'n mit ihra Fabna mitbringen!"

Erwartungsvoll blickten die Burgleiten-Hofer dem sich rasch nähernden Zuge entgegen, und Sepp trat mit abgezogenem Hute einige Schritte vor.

(Fortsetzung folgt.)

Circus Ed. Wulff.

Heute Mittwoch, 23. Juli, Nachm. 4 Uhr:

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Zu dieser Vorstellung zahlen Kinder und Erwachsene auf allen Plätzen nur halbe Eintrittspreise.

Loge 1.75 Mk., Sperrsitz und Tribüne 1.25 Mk.. Balkon 1.— Mk.. 1. Platz 75 Pf., 2. Platz 50 Pf.. Gallerie 25 Pf.

AbendS 8 Uhr:

Große GM-Mrade-UMellung

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Zum 1. Mal:

Die Tänze des XVII. Jahrhunderts, gr. Ballet-Divertiss. arrangirt u. einstudirl vom Balletmcister imiffi Mazzantini. Das weltberühmte Pony-Orchester, die allcrneueste Original-Dressur-Nummer der Dir. MV,»ilf.

Bezugnehmend auf den mir von der Direction gewährten Ehrenbenefiz - Abend erlaube ich mir alle meine Freunde und Gönner zu recht zahlreichem Besuche croebcnst einzuladrn. Adolf Olschansky. Billet-Vorverkaus bei l»en*cb, Wilbelm- straßc 50, und *3. Meyer, Langgasse 26.

Heroberg.

Mittwoch, den 23. Juli:

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Abfahrt 3,43 Ubr mit der Hess. Ludwiqsbabn (Sonntagsbillet : Person Mk. 1.10) nach Eppstein Dortfelbst in dem großen schattigen Garten von H . Burgardt musikalischer Frühschoppen. Von da Fußtour über den Staufen. Kaisertempel (Aurstchtrtbvrm) nach Fischbach.

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