Der Roman.
fa= ==a Morge n-Beilage des Wiesbadener Tagblatts. ^- .» >
JH
164.
Samstag, 17. 3uK.
1915.
(6. Fortsetzung.)
Morgen, als Frau Robertus 'eben voll .f e Einladungen zu der Vevlobungsfeier schrieb,
2 Ä Haushaltungsbuch auf den Tisch
und sagte mit dusterem Gesicht:
alletn^sprechenp' gnädige Frau einen Augenblick
8rau Robertus schloß etwas ungeduldig die Tür.
«Was ist denn, Fanny?"
., '-^dig' Frau, — ich muß künden zum Ersten, und tcy tat outen, daß rch «gleich im November fort -darf!"
Der Schrecken, mit dcmi sich Ada in ihren Stuhl zurück,inken Keß, war wirklich keine Pose.
,T ® 0 H e l^ >iII f en! ~ Wer hat Ihnen denn fassungslos!" ^ ° ktt3er Seit — ^ bin ja ganz
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„Aber warum denn? Wenn Sie gern da sind! Wer zwmgt Sie denn, zu gehen?"
„Ach gnädige Frau! Die Verwandte, die mich gestern besucht hat das ist — unter uns g'sagt, meine Tochter. Sre wissen s ja, wie ich einmal ins Unglück kommen bin. Und weil ich nicht will, daß es der Anna !°uch Acht wie nur, laß ich sie nicht in einen Dienst. Ich will |te Lei nur haben. Mit Waschen und Bügeln bringt ich uns ztvel schon burch. Sie muß auch fleißig arbeiten, Md kernen Schritt «darf (fie mir allein fort. — Wenn ich denke, daß mir das Mädel verderbt werden könnt — Bch weiß nicht, was ich da tat. Ich glaub', ich müßt' den Verstand verlieren!"
Auf dem sonst so ruhigen, leidenschaftslosen, wie §u» Holz geschnittenen Gesicht war ein Ausdruck dusterer Ent,chlo,senheit, unbeugsamen Ernstes.
Frau Robertus fühlte, daß gegen diesen festen Vor- satz mcht anzukampfen war. Am liebsten 'hätte sie ge- wemt vor Ärger Wer ihre gänzliche Ratlosigkeit wollte sie der Untergebenen doch nicht zeigen.
»Ich spreche niit meinem Mann, Fanny! Gehen Sie wtzt nur! Es ist mir ein schwerer Schlag!"
geknickt, blaß und verstört saß sie vor ihrem Schreibtisch.
« Seit fünfzehn Jahren hatte sie 'sich kaum um den Haushalt gekümmert.
Alles war der zuverlässigen Fanny überlassen ge- blieben. Sre ordnete das Sprechzimmer, sie schrieb lne Kunden auf, sie kochte rasch Tee, wenn der Doktor tn einer kalten Wrnternacht gerufen worden war Sie kaufte spariam ein, kochte vorzüglich und machte die -folUöN ä)>atkU)6tko fß? tdbu Ä^eeklfl^, «dto vou bou Gläftetl bewundert wurden. Sich selbst konnte Ada ja ernge- sieben, daß sie es nur Fanny verdankte, wenn sie als yuw Hausfrau galt, daß sie selbst nicht das Geringste Wichte und verstand und von einer weniger ehrlichen Person maßlos betrogen werden konnte.
. Händeringend stürzte die Mama in das Wohn, sunmer. Bald wußten auch die Kinder — unter Lear
Krau Küas Töchter.
Roman von Emma Hanshofer-Merk.
<Nachdruck verboten.)
Siegel der Verschwiegenheit — daß Fanny ging, tvarum sw gehen wollte.
»Was ist denn geschehen?" fragte Dr. Robertus, ats er zu Tr,ch kam und seine Frau, wie vom Unglück gebeugt, rhm entgegenwankte. Er lächelte erleichtert, batte ^ ifyvev Fassungslosigkeit erfahren
»Heute scheint der Lag der Kündigungen", sagte er. „Dr. Dörnberg — »ans eomprrraison natürlich — hat
$'rJ eU K a A" bt Z Sie P' aufg'sagt", wie es hier im Volksmund heißt. Er will die Stelle nicht, die ich ihm ausgewirkt hatte. Er begleitet einen reichen Mann auf dessen ^acht, der ihn brillant bezahlt. Er sicht sich verschiedene Sanatorien an und kann sich nicht für Hamburg binden! Eine ganz fieberhafte Unrast ist in den jungen Mann gefahren, der früher nur lernen, nur studieren wollte. Unbegreiflich!"
Slly war bei diesen Worten nnwillkürlich errötet. E sie dankte es ihrer Mutter, daß diese 'das Gespräch rasch Wwder auf Fanny zurückrief.
Frau Ada, die von einem Gsdankengang, der sie ein- mal gefangen nahm, nicht los konnte, ärgerte sich, wenn dann von anderem die Rede war.
„Ach Gott, — du brauchst Dr. Dörnberg doch nicht: du kannst ihn ruhrg ziehen lassen, aber — was sänge ich an ohne Kochrn?" a
- behalte sie doch mit dem jungen Mädchen — 'bas natürlich als ihre Nichte gelten muß, im Hause. Sie oll die Kinne anlernen. Vielleicht kann Liese dann später die Jungfer ersetzen."
Ada sprang mit einem Jubel auf, als hätte ihr Gatte.den L>tem der Wellen gefunden.
„Papa!" rief sie mit ihrem neckischen Überschwang. „Dafür muß ich .dir einen Kuß geben! Das ist eine leuchtende Idee!"
Dr. Robertus mußte sich eine stürmische Um- avmung gefallen lassen und wollte nach diesem Zwischenfall endlich mit Ruhe seine Suppe essen als Bruno die Bemerkung hinwars:
„Ich habe sie schon besehen — die sogenannte Nichte k Sie ist ein netter Käser!"
Der Vater legte den Löffel wieder weg und sah dort Sohn mit zornigem Gesicht an.
„Ich verbiete dir solche Äußerungen! In meinem Hause will ich keine von deinen Frechheiten! Das junge Mädchen sicht unter meinem Schutz, wenn ich sie bei mir aufnehme!» Merk' dir das ein für allemal."
Dr. Robertus trat so selten streng auf, daß es bei -den Kindern starken Eindruck nrachte, wenn er einmal einen heftigen Ton anschlug. Auch Bruno fürchtete den Vater und wagte keine Widerrede, er warf nur einen flehenden Blick auf seine Mutter, als erwartete er von ihr, daß sie ihm zu Hilfe käme. Aber Mama Ada, die sonst ihren Liebling immer in Schutz nahm, schwieg dieses Mal. Sie war ausnahmsweise mit der eindringlichen Verwarnung ihres Gatten einverstanden. Bruno sollte es sich nur gesagt sein lassen und sich nicht um
