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Jahrgang.

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As. «133. RedaktionS-Fernfprecher N». 52. HsNNlllgz bftt 20. Iu3« BerlagS-FernfPrecher N». 226«. 1902.

Anzeigen-

Woi*gen -Ausgabe.

Dir Entlastung General Kullrrs

war Mittwoch im englischen Unterhause Gegenstand einer eingehenden Debatte: Bei der Berathung über den Heeresetat verlangte G r e y (Liberaler) einen Abstrich an demEtat vorzunehmen, um gegen die Art undWeise zu protestiren, wie General Buller vom Kriegsmini st erium behandelt worden sei. Redner beschwert sich darüber, daß General Buller durch die Veröffentlichung einzelner ausgesuchter Telegramme in eine schiefe Lage gebracht worden sei. Alle Papiere, welche für ihn ungünstig wären, seien vom Kriegs­ministerium veröffentlicht ivorden, die Dokumente aber, die Buller zu seiner Vertheidigung bedürfe, habe er nicht. Man solle dem General gestatten, selbst seine Geschichte vor einem unparteiischen Gerichte vorzubringen. Buller habe in Natal Großes geleistet, und seine Ernennung zum Kommandanten des ersten Armeecorps in Alder- shot sei durchaus gerechtfertigt gewesen. Die Rede, wegen deren Buller entlassen wurde, sei aber kein Grund für eine solche Behandlung. Kriegsminister B r o d r i ck erwidert, er bedauere, daß der Fall Buller hier zum Gegenstand einer Debatte gemacht worden sei. Die Regierung habe sich von keinerlei Vorurcheil gegen Buller besümmen lassen, im Gegentheil, sie habe sich so­gar zu einer zu großen Nücksichtnahme auf ihn verleiten lassen. Was das Heliogramm betrifft, in welchemGeneral Buller nach der Schlacht bei Colenso dem General White zur Uebergabe gerathen habe, so müsse er erklären, daß dieses Heliogramm so außerordentlicher Art gewesen sei, daß die in Ladysmith Eingeschlossenen der Meinung ge­wesen seien, die Mittheilung sei ihnen von den Boeren gemacht worden, welche in den Besitz des Ziffernschlüssels gelangt seien. Weitere Dokumente könne die Regierung nicht veröffentlichen. Könne denn auch die Veröffent­lichung einer beliebigen weiteren Anzahl vonDokumenten den General Buller von jeder Kritik seinerKriegsführung befteien oder die Thatsache ändern, daß nach der Ansicht aller Militärs derAngriff auf Colenso schlecht geplant und schlecht aus- geführt worden sei? (Beifall.) Würde die Veröffent­lichung dieser Dokumente seine Verantwortlichkeit für den Verlust der Geschütze weniger groß erscheinen lassen oder gar die schmerzlichen Gefühle zum Erlöschen bringen, die durch seinen Vorschlag, Ladysmith zu übergeben, hervor­gerufen wurden, da eine solche Uebergabe ein Unglück ohnegleichen in der Geschichte Englands gewesen wäre? Keine weitere

Veröffentlichung könne ferner die Thatsache entschuldigen, daß amSpionskop ein Fehler nachdem anderen gemacht wurde. Weshalb heliographirte General Buller nach dem Falle von Colenso an den General White die Frage, wie lange er sich noch halten könne, obwohl er noch einige Tage vorher von White die Mittheilung erhalten hatte, daß er noch Vorräthe für 70 Tage habe und sich auch so lange halten könne. Nach der Schlacht bei Colenso sei General Buller nur aus dem Grunde nicht abberufen worden, weil kein anderer Offi- zier in Südafrika verfügbar war, der ihn hätte ersetzen können. Redner legt die Gründe dar, auf die hin General Buller zum Generalkommandanten des Armeecorps in Aldershot ernannt worden sei, und fährt dann fort: Bullers Rede sei ein schwerer Verstoß gegen die militärischen Regeln gewesen und habe einen solchen Mangel an Urtheil gezeigt, daß man seine Fähigkeft für seinen Posten bezweifeln mußte. Es sei ja eine Kommission zur Anstellung einer Unter- suchung über den Krieg gebildet worden. In dieser Kommission könne auch der Fall Buller geprüft werden. Redner hoffe aber, daß die Verhandlungen, soweit das Verhalten der Generale in Frage komme, würden geheim gehalten werden. Er habe den Offizieren gesagt, daß auf den Versuch, über diese Sache öffentlich zu disputiren, die Sttafe der Entlassung folgen würde. Wenn man etwas Anderes gestattete, würde die englische Armee zum Gespött der Welt werden. Er (Redner) sei fünfzehn Jahre lang mit Buller befreundet gewesen, und die Pflicht, die er heute zu erfüllen habe, sei für ihn sehr hart gewesen. Bullers Mißerfolg sei für ihn persönlich nicht minder schmerzlich, als für den Staat ein Unglück gewesen. Aber persönliche Gefühle hätten ihn nicht veranlassen können, einenOffizier imKommando zu belassen, sobald sein Verbleiben auf dem Posten für das Land nicht weiter von Vortheil war. Auf eine An­frage Greys verliest der Kriegsminister das Telegramm Bullers an Lord Roberts, worin er sagt, der Entsatz von Ladysmith würde 2000 Mann kifften. Lord Roberts erwiderte, Ladysmith müsse um jeden Preis befreit werden; die Soldaten kannten ihn (Roberts); England liege in seiner Hand ; er zweifle nicht an ihrem Erfolge. Campbell-Bannerman bemerkt, man hege im Lande das Gefühl, daß General Buller nicht recht behandelt worden sei. Brodrick habe jetzt selbst zu­gegeben daß er, während Buller mit Briefen und Dank- sagungen bedacht wurde, nur auf dieGelegenheit gewartet habe, um sich seiner zu entledigen. Nach einer weiteren längeren Debatte, in welcher Lord Hugh Cecil und andere Konservattve gegen das Kriegsministerium sprachen, wurde der Antrag Grey mit 236 gegen 98 Sttmmen abgelehnt.

Der Kamps der südtiroler Deutschen

um ihr Bolksthum hat durch die Entscheidung über die Zweithetlung der dortigen Landesverwaltung nach dem Gesichtspunkt der Nationalität bei uns allgemeinere Auf­merksamkeit als sonst erregt. In welcher Weise dieser Kampf von beiden Seiten geführt wird, zeigen die Mit»- theilungen des Allgemeinen Deutschen Schulvereins an einem Beispiel, das für die dortigen Zustände überhaupt bezeichnend ist. Auf die südtirolische Gemeinde P f a t t e n hatten die italienischen Jrredentisten längst ihr Augenmerk gerichtet. Dank des dort üblichen Systems des Großgrundbesitzes war dieser Vorposten des Deutsch­thums den wälschen Angriffen auch aufs Heilloseste bloß­gestellt, da das zuverlässigste Element für nationale Ar­beit, der deutsche Bauer, so gut wie fehlte. Zum größten Theil sind italienische Kapitalisten Herren von Grund und Boden, und auch die deutschen Großgrundbesitzer nützen ihrem Volksthum vor Allem deshalb nicht, weil sie den billigen italienischen Arbeiter, der kommt und geht, fast immer dem deutschen vorziehen. Vor Allem der deutsche Pfarrer war es nun, der in Pfatten hier helfend eingrtfs. Mit ihm bemühten sich angesehene und national gesinnte deutsche Bürger um den Aufkauf von Großgrundbesitz vor Allem aus italienischen Händen und um Theilung und Verpachtung oder Verkauf der einzelnen Theile an deutsche Bauern. Ohne werkthätige Unterstützung weiterer» deuffchnationaler Kreise wäre das wohl vergebliches Mühen geblieben. Aber vor Allem der Allgemeine Deutsche Schulverein leistete so weitgehenden Beistand, daß trotz aller Schwierigkeiten Erfolge in dieser Richtung erzielt wurden. Mußte der Geistliche vorher klagen, daß nach Verlauf von 7 Jahren von der ursprünglichen Be­völkerung kaum noch ein Drittel vorhanden war, wäh­rend die beiden anderen Drittel von neu Zugezogenen" gebildet wurden, die sich noch dazu zum Theil zwei, j» dreimal in dieser kurzen Zeit einander gefolgt waren und abgelvst hatten, so gelang es nun, einen Stamm deutscher ansässiger Bauern zu schaffen und den fortwährenden Ab- und Zugang der Bevölkerung da­durch zu vermindern. Glücklicher Weise war die L e h r - sprachein derSchule das Deutsche und ist es trotz welscher Bemühungen bis heute geblieben. Die Gründung einer deutschen Kinderschule war ein weiteres Mittel zur Stärkung des bedrängten Denffchthums. Neuerdings nun ist eine Wendung zu Ungunsten der Deutschen dadurch eingetreten, daß ein deutscher Grund­besitzer aus persönlichen Beweggründen ganz und gar die Pflicht gegen sein Volksthum vergaß und durch Ab­fall und Ucbergang zum Gegner, den Italiener»- zur Herrschaft in der Gemeindevertre­tung half. Diese nützt nun natürlich ihre Stellung aufs Aeutzerste im Interesse der italienischen Jrredenta aus. Noch gelang es ihr zwar nicht, die deutsche Schule

Feuilleton.

Große Glelrlrmliils-Antagen in der Düsseldorfer Ausstellung.

1. Starkstromtechnik.

Die Menschheit hat von jeher das eine große Ziel inS Auge gefaßt, sich unter Ueberwindung physiologischen Schwachsinns die gewalttgen Naturkräfte für die Oeko- nomie des gesellschaftlichen Lebens der Menschen dienst­bar zu machen. Zaghaft und furchtsam aber stand der Urmensch seiner Aufgabe gegenüber, und mit einer ge­wissen Scheu, die in ihm im Laufe der Jahrtausende zur Religion geworden, schreckte er vor dem geheimnißvollen Walten der elementaren Kräfte in dem Weltall zurück, bis kühnere Geister kamen, die alle seine Begriffe für das Große, Erhabene, Majestätische, Göttliche zu er» klären suchten und in einen nackten, dürren Chemis­mus auflösten. Mit dieser Erkenntniß haben wir ganz phänomenale, fast unsere gesammten wirthschaftlichSn Einrichtungen umgestaltende Fortschritte gemacht. Aber wer möchte glauben, daß aus einfachen physikalischen Er­scheinungen so eminent komplizirte Gesetze zur technischen Anwendung bestimmter Naturkräfte entwickelt werden könnten, wie dies auf dem Gebiete der Elektricität that- sächlich besteht? Die Thaffache, daß an Seide geriebenes Glas oder an Wolle geriebene Harze leichtbewegliche Körper anziehen, um sie nachher wieder abzustoßen, hat zu der Erkenntniß geführt, daß man es damit mit einer elektrischen Erscheinung zu thun hat. Man ging weiter und fand, daß zwei Kugeln, die durch einen GlaSstab elektrisirt worden sind, sich abstoßen wie Kugeln, die durch Harzstäbe elektrisirt werden. Ist nun aber die eine mit Glaselektricität, die andere mit Harzelektricität geladen, so ziehen sie einander an. Daher benannte man die eine Elektricitätsart positiv, die andere negativ, und Coulomb stellte dann das erste Kraftgefetz:

mf, wonach die Elektricitätsmengen in auf der einen, m' auf der zweiten Kugel sich abstoßen, wenn die Ent­fernung ihrer Mittelpunkte r ist. Diese schlichte Formel hat neue Komplikationen zur Fesfftellung der >

elektrischen Kraft zur Folge gehabt und bis in unsere Tage hinein sind immer neue und immer verwickeltere Gesetze in einfachen mathematischen Formeln zusammen­gefaßt worden, um der T e ch n i k eine zuverlässige Hand­habe zu bieten, die abstrakte Theorie in Praxis umzu­setzen. Und wie Großes sich da hat leisten lassen, das werden wir in Folgendem zu veranschaulichen suchen.

Seit der Ausstellung zu Frankfurt a. M. im Jahre 1891 hat die Elektrotechnik im Geiste Werner Siemens Riesenfortschritte gemacht, und die Anwendung der Elel- tricität auf den mannigfachsten Gebieten menschlicher Thätigkeit ist heute schon dem Gesammtzweck angegliedert worden. In der That, nie haben Erfindungen und Ent­deckungen so rasch und spontan den Volksgeist durch­drungen und mit solcher Entschiedenheit zur Aufnahme genöthigt, wie die elektrische Technik. Nicht zum Wenigsten haben hierzu die Ausstellungen im Allge­meinen und die Frankfurter von 1891 im Besonderen beigetragen. Vor Allem sind es da die d e u t s ch e n Ingenieure, deren Scharfsinn und Allen über­legene Erfindungsgabe das immense, ausüehnungs- fähige Gebiet der Elektrotechnik bereichert haben. Die Düsseldorfer Ausstellung in ihrer gesammten monumen­talen Großartigkeit giebt ein beredtes Zeugniß von jenem praktischen Denkergeist unserer Ingenieure und weist auf die unabsehbare volkswirthschaftliche Trag­weite der elektrotechnischen Großindustrie mit Nachdruck hin. Gewiß dürfen wir stolz sein auf diese Ausstellung, nachdem die Scheelsucht und der Kleinmuth der Fran­zosen uns 1900 keinen genügenden Raum auf ihrer Welt­ausstellung vergönnt hatten. Angesichts dessen mag es wohl der Mühe werth sein, uns an dieser Stelle mit den Elektricitätswerken auf der Ausstellung zu Düsseldorf 1902 ein wenig eingehender zu beschäfttgen.

Nicht sowohl wegen ihres Alters, als vielmehr wegen ihrer kolossalen Ausdehnung und ihres Erfolges gebührt der Elektricitätsgesellschaft vorm. W. Lahmeyer u. Co. in Frankfurt a. M. unstreitig das Hauptinteresie. Zur Zeit der Frankfurter Ausstellung war das Werk noch in der Entwickelung begriffen, während es heute zu den bedeutendsten seiner Art gehört. Sein Wachsthum steht unter dem Einfluß, den die gesammte westdeuffche In­dustrie in den letzten Jahrzehnten auf die Technik geübt hat. Also parallel mit der Erweiterung und Ausdehnung unserer Industrie geht die Vervollkommnung der Technik,

denn in ihr beruht der mächtige Hebel zur Ausnutzung noch brach gelegener Kräfte. Die Gesellschaft ist vor­wiegend mit elektrischen Anlagen für den Berg- und Hüttenbau auf der Ausstellung vertreten, obgleich ihre Erzeugnisse in fast allen übrigen Ausstellungsgruppen untergebracht sind ... In der großen Maschinenhalle ist die gemeinsame Centrale der verschiedenen Elektrotechnischen Gesellschaften, die den Gesammtbedars an elektrischer Energie für Ausstellungszwecke decken, errichtet. Durchschnittlich beläuft sich der Kraftverbrauch für Beleuchtung und Motorenbetrieb auf 6000 Pferdes kräfte. Die Firma Lahmeyer u. Co. setzt zu der gemein­samen Stromerzeugung nicht weniger als 17 Dynamo­maschinen mit einer Gesammtleistung von 6117 Kilo­watt in Betrieb, soüaß sie allein im Stande wäre, den erforderlichen Strom für die Ausstellung zu liefern. Ihre Anlage gewährt angesichts der Vielseitigkeit von Antriebsarten der Dynamomaschinen ein klares Bild vom Stande der heutigen Technik überhaupt. Die größte der von dieser Firma ausgestellten Maschinen, ja, die größteDynamotype auf der DüsieldorferAusstellung über. Haupt, ist ein 2000 Kilowatt Drehstromgenerator, der mit einer stehenden Dreifach-Expansionsmaschine von 3000 Pferdestärken der Gutehoffnungshütte direkt gekuppelt ist. Der imposante Drehstromkoloß leistet gewöhnlich 2000 Kilowatt, kann aber bis zu einer Leistung von 2800 Kilowatt gesteigert werden. Er umfaßt 5000 Volt Spannung bei 94 Minutenumürehungen und gehört der normalen Schwungradtype an, bei welcher das rotirende Magnetsystem das Schwungrad für die Dampfmaschine ersetzt. Dieses viertheilige Magnet­rad hat einen Durchmesser von rund 7 Meter und ein Gewicht von 78,000 Kilogramm. Auf dasselbe sind 64 schmiedeiserne Pole von runder Querschnittsform auf­geschraubt, die die Magnetspulen aus hochkanttg ge­wickeltem Flachkupfer tragen. Den Erregersftom für die Maschine liefert eine auf gleicher Achse sitzende sechspolige Erregermaschine. Der feststehende Anker, deffen äußerer Umfang 7,5 Meter beträgt, bei einer nutzbaren Eisen­breite von 98 Centtmeter, zeigt an der inneren Peri- pherie 384 Nuten, die in besttmmten Mikanitröhren ein­gesetzt sind und die aus umklöppeltem Kupferdraht be­stehende Wickelung ausnehmen. Das Ankergehäuse, das seitlich von Versteifungsringen gestützt wird, besteht aus vier Theilen und wiegt über 58,000 Kilogramm. Das.