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Fernrafr
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Samstag, 17. Juli 1915.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 328. » 63. Jahrgang.
Oer ttrieg«
von den östlichen Kriegsschauplätzen«
Die Räumung von Riga und Umgegend.
Berlin, 17. Juli. (Ktr. Bln.) Über die Räumung von Riga durch die Ruffen Milch in einem telegraphischen Bericht der „Deutsche» Tagesztg." gesagt: Alle Fabriken und
Werke der Stadt Riga und des Kreises Riga, die Aufträge für die Militärbehörden ausführen, seien verpflichtet, nach Ortschaften in der Richtung Nordwest, die mindestens 200 Werst von Riga liegen, abzuziehen und alle fertigen Fabrikate sowie alle Maschinen, die zur Arbeitsleistung ge, eignet seien, fortzuschaffe». Rigaische Zeitungen berichten außerdem, die männliche Bevölkerung von 18 biS 45 Jahren in den Kreisen Goldinge» und T o ck u m sei anf- geforderl worden, die Wohnorte zu verlassen, daS Vieh fortzutrriben und das Hausgerät fortzuschaffen. Ältere Personen könnten Zurückbleiben, doch sei dies nicht an- znrateu.
Oer vrand von Windau.
Köln, 17. FM. (Ktr. Bln.) Über den Brand bon 2Binbaat erhält die „Köln. Zig." noch folgende Meldungen-
An „Stockholms Tidninyen" wurde aus Ljuyarn (Gotland) telegraphiert: Eine Kanonade ist seit Mittwochabend vom Meere aus ostsüdost von Lfugarn vernommen Warden. Sie begann um 8^ Uhr und dauerte mit ziemlich langen Zwischenräumen bis 1 Uhr nachts fort. Bon 1 bis 5 Uhr morgens war das Schlehen sehr stark, nahm aber dann an Hestigkeir ab. Nach 12 Uhr Donnerstwgmittag hörte man jedoch yoch Schüsse. Der Mitarbeiter des „Svenska Dagblad" in Wisby drahtete: Mittwochabend beobachtete man vom gröheren Teil der gotländischen Ostküste einen starken Feuerschein vom Meere aus, was anfangs vermuten lieh, daß ein grohes Fahrzeug brannte und Hilfe brauchte. Das schwedisch« Torpedoboot „Sigurd', das augenblicklich in der Katthammarinbucht lag, steuerte sofort ab, um Hilfe zu lenstem. Der Schein nahm inzwischen an Stärke zu. Der ganze .Horizont flammte rot und man nahm bald an, dah das Feuer von 'der russischen Ostseeküste stammte, was sich auch als richtig erwies. „Sigurd' kehrte bald wieder in den Hafen zurück und seine Besatzung erzähste, dah Windau, 1« Meilen östlich gelegen, brannte, was „Sigurd" ans dem Meere durch drahtlose Meldung erfuhr. Noch viele Stunden sah man den Feuerschein über dem dunklen Abendhimmel. Bald flammte er auf, bald schien er gedämpft. Um 2 Uhr erlosch er. Das Feuer muh sehr gewaltig gewesen sein, und es ist anFUnehnrem, drh die ganze Stadit -Her ein gröherer Teil derselben verheert worden ist. Ob die vom den Fischern vermerkte Kcmvnc d» Mit der Feuersbrunst zusammenbängt, weih nran nicht. Auf „Sigurd" hotte man kein Schiehen vernommen.
Dem „Ruhkoje Slowo" Wird aus Riga gedrahtet: Fn den von den Deutschen nicht besetzten Teilen Kurlands brennen alle Wälder. Die großen Wälder in der Richtung aas Windau sowie alle Wälder längs de? Strandes brannten vollkommen ab. — Ob tatsächlich Windau von der deutschen Flotte beschossen wurde, ob leim Unglück vorliegt oder ob endlich iüe Russen nach der Moskauer Taktik twr. 1812 die Hafenstadt bei der Räumung selbst in Brand gesteckt, weih man nvch- rmmer nicht.
Kortgefetzter Rückzuq der Ruffen von der PMea Ms zum Dnfestr.
Eine russische Feststellung!
Köln. 17. Juli. (Ktr. Bln.) Nach einem Telegramm der „Köln. Atg." stellt der Militärkritiker des „Rirßkoje Slowo" fest, daß die russische Armee ans der ganzen Front von der P i l i c a bis znm D n i e st r den Rückzug ans neue Stellungen fortsetze und nur Rückzugskämpfe leiste.
„Dieselbe Taktik wie in Galizien'"
Rotterdam. 17. Juli. (Ktt. Bln.) Der „Morning Post" wird aus Petersburg gemeldet: Der Vormarsch der Deutschen auf W arsch a u bat auf einer Front von 150 Kilometer zwischen der Eisenbahn Mlawa - Warschau und dem Puza- fluh begonnen, an dem sich weite Sümpfe erstrecken. DaS Ziel des Aufmarsches ist die Herstellung einer Verblödung mit den Heeren in Galizien, die in einer Entfernung von 280 Kilometer kämpfen, um alles über den Haufen zu werfen, was sich dess" Deutschen entgegenstellen mag. Die Verteidigung der Ruffen beruht auf dem dazwischenliegenden Raume, 'der ein befestigtes Gebiet von 130 Kilometer im Norden und Süden und von 190 Kilometer im Westen und Osten darstellt, nämlich von der Festung N o w o - Georgiewsk im Norden bis zu der von Jwangorod im Süden und von den verstärkten Linien an der Bzura im Westen bis an die Festung B r e st - L i t o w s k im Osten Überall sind die Deutschen genötigt, Frontangrisfe zu unternehmen und die Russen bereiten sich darauf vor, den feindlichen Aufmarsch durch eine Reihe von Handlungen aufzu- lxrlten, die das Vorrücken verzögern müssen und den Deutschen so viel Abbruch 'wie möglich tun w-wvcn, Warans die Russen in die von ihnen vorbereiteten Stellungen zurückgehen, worden. Sie wollen mithin dieselbe Takttk wie in Galizien cm- w enden.
, Die ^nrßdt’ircinguna der Ruffen über den vug.
Berlin, 17. Juki (Ktr. Bln.) Zur Zurückdrängung dw Russen über den Bu>g heißt cs im einem Telegramm d:S
„B. T." aus dem k. und k. Kriogspreffequartier: Die relative Ruhe der letzten Tage in Mittelgalizien und am Buigzipfel isr wieder durch lebhaftere Gesechtstätigkeit unterbrochen worden. Oberhalb So kcI wurde der Gegner am mehreren Punkten in nordwestlicher Richtung über den Bug geworfen und das Kloster Bevnhardinvw erstürmt.
In SüdostgMzien hielt die Armee Pflanzer-Baltin stärkere feindliche Kräfte neuerdings auf.
Russische Geständnisse!
Der Generalstabsbericht.
W- T.-B. Petersburg, 16. Juki. (Nichtamtlich.) Der Generalstab des Generalissimus teilt mit: Der Feind begann, rurchdem er am 14. Juli im Norden, in der Gegend R l g a - Schawli, Berstärkungem erhalten hatte, von Hasenpot aus Goldungen sowie auf den Abschnitt Schrunden- Popelrany vorzurücken. Unsere Reiterei und Vorhut
halten den Fernd bei den Übergängen über die Flüsse Windau und Wenita und- anderem günstigem Stellungen auf.
In der Gegend jenseits des Njenren eröfsnete der Feind in der Nacht zum 14. FM auf breiter Front Artilleriegeschützfeuer. Er ergriff mit kleinen Jnfanterieabteilungen die Offensive, wurde aber überall zunückgewiesen. Im derselben Nacht schlugen wir einen Teilangriff in Richtung Lonza ab. Aus dem rechten- User der Pifsa und den beiden. Ufern der Szkwa änderte sich nichts. Der Feind, welcher tags zuvor m>it Verlusten Schützengräben nahm, erneuerte am 14. IM die Angriffe wicht- Zwischen den Flüssen Orzhc und Ukra kamen unsere Truppen südlich Prasch- nüsch an fi>. h. auf dem Rückzug! Schrift!.), wo sie am 14. Juli mehrere Angriffe abwiesen. A«f dem lliwken Weichseluser keine Änderung.
Zwischen Weichsel umd Bug unternahm der Feind gesonderte Angriffe, die durch unser Feuer zurückgcschlagen wurden Am Buy und cm der Zlota-Lipa fand keim Zusammenstoß statt. Am Abend des 13. Juli ergriffen wir an einem österreichisch-ungarischen Abschnitt an der Nesviska- Okna die Offensive. Der Feind greift die Brückenköpfe am rechten User des Dmjestr im der Gegend Kuldschowse- Kolanki an und überschreitet den Dujestr in den Gegen- dem Fwanie-Fowamo und Koeiekni-Kisinkow. Unsere Arttller.e beschoß am 14. IM an mehreren Punkten mit Erfolg den Feimd^während deS Überganges über d-ln Fluß und zwang ihn, cm einigen Stellen den Übergang a-nszugeben. Der Kampf dauert fort.
Amerikanische und japanische Geschütze bei den Ruffen.
Br. Budapest, 17. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Wie hiesige Blätter melden, wurden nach Czernowitz zwei Geschütze großen Kalibers gebracht, von denen mar. feststellen konnte, dah Rußland sie erst vor kurzem aus Amerika erhalten hatte. Im Lemberg liehen die Ruffen 8 Geschütze zurück, die Rußland aus Japan bezogen hatte und zu deren Bedienung auch japanische (?) Offiziere mitgeschickt worden waren. Die Russen benutzten diese Ge- schütze nur dreimal, sie behandelten nämlich die japanischen Offiziere so geringschätzig, daß diese die Geschütze rm Stiche ließen und in ihre Heimat zurückkehrten.
Die Duma endqüitig einberufen.
In Erwartung einer Kundgebung Ssasonows und Goremykins
Br. Petersburg, 17. Juli. (Eig. Drcchlbcricht. Ktr. Bln.) Der Präsident der Duma hat nunmehr d«e amtliche Mitteilung -erbalten, daß die Duma xum 31. Juli einberusem ist. Außer S s a s o n o w wird auch Goremykin anläßlich des Jahrestags der Kriegserklärung mit einer .Kundgebung hervortreterr.
Eine zu erwartende Erklärung Ssasonows über di» auswärtige Lage.
W. T.-B- Petersburg, 17. Juli (Nichtamtlich.) Irr der» ersten Sitzungen der Duma, die am 30. Juli beginnen wer, den-, wirb Ssasomow mit seinen ErklärungMi über diL äußere Lage beginnen.
Die Verhandlungen über die Selbstverwaltung Polens.
w. T.-B. Stockholm, 16. Juli. (Nichtamtlich.) Dem „Ruhkoje Slowo" zufolge legten die polnischen Mitglieder des Ausschusses für die russisch-polnischen Verhandlungen einen Entwurf vor, der die Selbstverwaltung Polens im weitesten Sinne vorsieht. Aus diesem Anlaß halten die russischen Mit-, glieder des Ausschusses eine Sondersitzung. Anfänglich wap bestimmt, -aß der Ausschuß am 18. d. M. seine Sfr&ffl be-,
enden sollte, doch finden voraussichtlich noch einige werter« Sitzungen statt.
Ruch in Rußland regt sich der Wunsch nach zwangsweiser kjerstellung des kjeeresbedarfs.
W. T.-B- Petersburg, 17. Juli. (Nichtamtlich.) ©ine Versammlung der Semstwos in Charkow hat dem Kaiser ein Gesuch nnterbveitet, die bisher freiwillige Mobilmachung der Undernehnmngen, die den Heeresbedarf liefern, in pflichtgemäße umzntoandeln. Der Kaiser dankte den Semstwos herzlich und befahl dem Mnijterrat, das Gesuch zu prüfe«.
Die verpflegungsschwierigkeilen in Petersburg:
W. T.-B. Petersburg, 17. Juli. (Nichtamtlich.) Die Stadt»rrwaliung von Petersburg teilt mit, dah der größte Teil der emgekauftem Produkte infolge der Verzögerung der Zusendung mit der Eisenbahn verdorben ist.
Eine neue Warnung vor Ausschreitungen.
W. T-B. Petersburg, 17. IM. (Nichtamtlich.) Wie „Rjetsch" mitteilt, warnt ein erneuter Erlaß des Höchstkommandierenden dringend vor Pogromen und beunrulhigenden! Gerüchten und ermahnt, alle Kräfte aus die Organisierung des Landes zu verwenden und die Ruhe zu bewahrmv
Deutschland als Muster.
DaS verfehlte russische Universitätsgesetz.
W. T-B. Petersburg, 17. Juli. (Nichtamtlich.) „Rjetsch' erklärt in einem Leitartikel das neue Urriversitätsgesetz, abgesehen von Einzelheiten, für durchaus verfehlt, da es nur die bisherigen Mitzstärtde aufrechterhalte, die 1884 eingeführt worden sind, um die Autonomie der Umoersttäten durch die Regierung zn unterdrücken, da diese nur als Organe der Regierung für Zwecke eingerichtet sind, die mtt Bildungszwecke nmichts zu tun haben. Die Erfolge des bis- berigen Regimes ergeben die Sachlage, dah keinerlei Tech- niker, Ärzte, Tierärzte, Chemiker, Physiker usw. vorhandein seien. Dagegen muß man immer wieder aus Deutschland hrnwerseu, wo infolge der Autonomie der Universttäten solche Kräfte im Überfluß vorhanden sÄen.
Lob für Deutschland aus russischem Mund»
Eigenschaften, die dem russischen Heere mangeln.
W. T.-B. Bern, 17. Juli. (Nichtamtlich.) „Giornaia d'Jtalia" bringt eine Mitteilung ihres Petersburger Bericht- eritatters aus Mi tau. Der Berichdersiatter erzählt, daß er im russischen Hauptauortier einen japanischen Offizier t« russischer Uniform sah. Alle russischen Soldaten, die er gcspröchen habe, hätten die unleugbare Ül«legenhe>it des deutschen Heere? zugegeben. Deutschland besitze jene Tugen-, den. die ein Heer zum Siege führen-, nämlich VaterlawL-s,
