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Sntf 4. 17. Jnlt 1002.

DSteSvavcner Tagblart ( Morgen-AuSgabe). Bcriaq: A7.

Gerichtssaal.

* Der Höhepunkt des Leipziger Bankprozeffcs. Mit

der gestrigen Vernehmung des Direktors der Treber- gcsellschaft Schmidt hat der Leipziger Bankprozetz seinen Höhepunkt erreicht; denn weniger als das Schicksal Exners und der anderen Leipziger Herren, die doch nur Werkzeuge in den Händen Schmidts waren, interessirt es, diesen selbst in dem Prozesse vorgeführt zu sehen. Auge in Auge all den Männern von der Leipziger Bank, die durch ihn ruinirt oder doch zum Mindesten auf das Schwerste kompromittirt worden sind. Hinter dem dramatischen Charakter, den das Erscheinen Schmidts vor diesen Männern an sich getragen haben muß, sind auch die Aussagen, die Schmidt im Einzelnen geipachr hat, in ihrer Bedeutung mehr zurückgetreten. Schmidt, dem eine faszinirende Beredtsamkeit eigen sein mutz, die er so sehr zum Unglück Anderer zu benutzen gewußt, schien sich auch bei seiner Vernehmung in der Pose des großen Redners gefallen zu wollen. Der Vorsitzende aber schnitt ihm bald die Möglichkeit ab, in seinem gewiß wohl vorbereiteten Speech fortzufahren. In den ein­leitenden Worten war aber Schmidts Charakter bereits hinlänglich zu Tage getreten. Auch jetzt noch, nachdem seine Unternehmen sich vor aller Welt als Schwindel erwiesen hatten, hatte er den Muth, diejenigen Persön­lichkeiten, die den Stab über sein Unternehmen gebrochen, für unbefähigt zu erklären; z» ihrer Beurtheilung ge­höre ein Großindustrieller oder mindestens ein Groß­kaufmann, der einen weiten Blick und ein ^offenes Ber- sländnitz habe. Um es mit einem Worte zu sagen, Herr Schmidt meint, zur Beurtheilung seiner Geschäfte sei nur ein Mann berufen, der den weiten Blick und das offene Verständnitz Schmidts selber besitzt. Da ist wohl das Wort des Dichters angebracht:Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode."

Vermischtes.

* Ballou-Unfall. Der Luftschiffer Oswald Lische aus Dresden stieg am 13. ü. Nachmittags in seinem Ballon mit einem Passagier, dem Herrn Josef Leitz von S ch w a l b a ch sBez. Wiesbaden) iu Konstanz in die Höhe. In Folge der herrschenden Windstille trieb der Ballon langsam über die Stadt gegen Meersburg, dann wieder zurück gegen den Ueberlinger See. Dem Sinken des Luftschiffes suchte Lische durch wiederholtes Aus­werfen von Ballast zu begegnen, doch konnte er zuletzt nicht hindern, daß der Ballon aus das Wasser sank. Beide Jnsaffen tauchten zuerst unter, kamen jedoch wieder an die Oberfläche und hielten sich am Korb fest, bis, wie der Fraukf. Ztg." geschrieben wirb, die Nacht des Königs von Württemberg, der mit drei Damen, darunter die Königin und Herrn v. Gemmingen, in der Nähe fuhr, und die Gefahr bemerkt hatte, zur Hülfeleistung herbei- etlte und zunächst den Leitz aufnahm. Kaum war der Ballon in dieser Weise entlastet, so schnellte er wieder in die Höhe, sank aber bald wieder. Die königliche Dacht verfolgte den Ballon, der dann mit einigen kleinen Schäden zwischen Meersburg und Hagnau glücklich Land erreichte. Der König hat sich persönlich an den Rettungs­arbeiten betheiligt und Herrn Leitz nach Meersburg ver­bracht, wo dann beide Luftschiffer den Dampfer nach Konstanz benützten.

* Zum KapitelVogelschutz" schreibt derDeutsche Jäger": Der Stand unserer Spechte geht sichtlich zurück; der Eisvogel, dieser leuchtende Juwel unserer Gewässer, die Wafferamsel, sind, dank dem gegen sie geführten Ver­nichtungskrieg, zu sporadischen Erscheinungen geworden. Die herrliche Mandelkrähe erfreut nur mehr selten unser Auge durch ihr prächtiges Farbenspiel, Rauch- und Mehl­schwalben kehren, den Städten wenigstens, mehr und mehr den Rücken und Nachtigallen, Grasmücken und Laubsänger beleben weit spärlicher als früher die Gärten und Büsche; ja die erstere ist ans vielen Gegenden völlig verschwunden. Die Meisen nehmen ab, der Gesang der Haidelerche verstummt immer mehr, die Hohltaube hat unsere Wälder verlassen und der Bestand der Haselhühner geht langsam, aber stetig zurück. Nur selten erschallt auf dem Felde noch der Schlag der Wachtel, der Triel meidet die Kiesbänke unserer Flüffe, über denen nicht mehr die zierlichen (Gestalten der Trauer- und Zwergseeschwalben kreisen, oder die Lachseeschwalbe ihre kreischende Stimme

die geographische Struktur des Landes, mit der er sich angelegentlich beschäftigte, auch anschaulich zu erfassen, stieg er wieder ans den Campanile, und sein Bericht giebt einen neuen Anlaß, den Blick Goethes für das Wesentliche einer Natur zu bewundern.Heute Abend ging ich auf den Markusthurm; denn da ich neulich die Lagunen in ihrer Herrlichkeit, zur Zeit der Fluth, von oben gesehen, wollt' ich sie auch zur Zeit der Ebbe, in ihrer Demuth, schauen, und es ist nothwendig, diese beiden Bilder zu verbinden, wenn man einen richtigen Begriff haben will. Es sieht sonderbar aus, ringsum überall Land erscheinen zu sehen, wo vorher Wasser- Riegel war. Die Inseln sind nicht mehr Inseln, nur höher gebaute Flecke eines großen graugrünlichen Morastes, den schöne Kanäle durchschneiden. Der sumpfige Theil ist mit Wasserpflanzen bewachsen, und mutz sich auch dadurch nach und nach erheben, obgleich Ebbe und Fluth beständig daran rupfen und wühlen und der Vegetation keine Ruhe lassen."

* Vom neuen englischen Premier.Ein Philosoph und ein Baby" mit diesen Worten schließt ein Cha­rakterbild des neuen englischen Premierministers Arthur James B a l f o u r, und in der That scheint Vieles, was an persönlichen Zügen von ihm bekannt geworden ist, diese merkwürdige Auffassung zu bestätigen. Mr. Valfour scheint fast immer behaglich gestimmt zu sein. Im Unter­hause sitzt er niemals, er lehnt sich bequem zurück. Wenn es nicht wahr ist, was man erzählt, daß er viele franzö­sische Romane liest, so ist es gut erfunden. Man kann ihn «ich nicht vorstellen, daß seine geistige und körperliche Nah­rung Stunden lang in Blaubüchern und Bisquits be­steht, wie es von Lord Salisbury, Lord Rosebery, Cham- berlain und Anderen berichtet wird. Man kann ihn sich nur mit Pantoffeln, einem Sopha, einer Tasse Chokolade ;,d französischen Romanen denken. Er ist nachlässig zum Gipfel ansgestiegen und hat doch andere Mitbewerber iberholt. Balfour ist jedoch stärker als er scheint. Seine

erhebt; Kranich und Schwarzstorch können nicht mehr zu unseren Brutvögeln gerechnet werden, der Reiher ist bei­nahe ausgestorben in unseren Gewässern, und über unfern Haiden und Mösern, wo es sonst Hunderte thaten, gaukeln nur mehr einzelne Kibitze. Die Waldschnepfe zieht spärlicher und spärlicher durch unsere Schläge, im Moor lohnt sich die Bekassinenjagd nicht mehr, und die Schaaren von Enten, die früher unsere Sümpfe und Wafferläufe belebten, schwinden immer mehr zusammen, und über die Felder, die sie sonst gerne in Schaaren be­suchten, ziehen eilig und rastlos die Flüge der Wildgänse. Betrachten wir als «Gegenstück die Zahl der zunehmenden Arten, so beschränkt sie sich fast ausschließlich auf Lerchen und Staare und allenfalls noch auf den Mauersegler und die Amsel in einigen Gegenden. Nicht unwesentlich aus­gebreitet hat sich die Haubenlerche, der Grauammer und insbesondere der Krammetsvogel, der nachgerade als häufiger Brutvogel an manchen Orten bezeichnet werden kann. Es ist also das Kontingent der einen Rückgang zeigenden Arten den zunehmenden gegenüber ein erheb­lich größeres. Wenn wir dieser Erscheinung auf den Grund kommen wollen, so müffen wir uns vor Allem die Ursachen klarzulegen versuchen, welche sie Hervor­rufen. Da tritt uns denn in erster Linie nicht der vogel­mordende Italiener denn er hat in früheren Jahr­zehnten und Jahrhunderten ebenso, wenn vielleicht auch etwas weniger raffinirt wie jetzt, seine Vögel gefangen nicht unser heimischer Vogelsteller, sondern d i e r a st - los fortschreitende, tief in die uns um­gebende Natur eingreifende Kultur ent­gegen. In ihr ist der schwerwiegendste Grund zu suchen.

Kleine Chronik.

Wenn Könige im Waggon depeschiren, so werfen sic ihre Telegramme, wie das Beispiel des Königs von Italien beweist, zum Fenster hinaus. Als König Viktor Emanuel auf seiner Rußlandretfc die Station G n e s c n passirte, warf er aus feinem Salonwagen zwei Depeschen auf den Bahn- steig hinaus, von denen eine an Kaiser Wilhelm, die andere an die Königin von Italien gerichtet war. Die in französischer Sprache abgesaßten Telegramme wurden sofort dem dienst- thuenden Tclegraphenbeamten zur Weiterbeförderung übergeben.

In Langerfeld (Rheinlands wurde dieser Tage ein An­streicher verhaftet, der als Soldat die China-Expedition mttge- macht und eine große Menge Gegenstände mitgcbracht hat, die er anscheinend in China auf nicht rechtmäßige Weife erworben hat. Die Polizei beschlagnahmte die Sachen und führte den Mann in das Schwelmer Untersuchvngsgcfängniß ab. Es heißt, mehrere andere Personen seien gleichfalls an der Sache betheiligt.

Kaiser Wilhelms-Universität soll die neue M ü n st e r e r Universität heißen. Auch der westfälische Provinzialausschuß hat jetzt beschlossen, eine dahin gehende Eingabe des Senats der Akademie aufs Wärmste zu empfehlen.

Vom kürzlich verstorbenen Bibliothekar des Ministeriums des Innern, Max Gritzner, dem bekannten Heraldiker, erzählt dieBoss. Ztg.": Nach einer Sitzung des Berliner Geschichts- Vereins fiel er bei dem Verlaffen des Rathhauses bei Glatteis. Es gab einen Krach, und seine Begleiter hoben ihn erschrocken auf. Kinder", sagte Gritzner,beruhigt Euch, es ist nur das k ü n st- l i ch e; ich schicke dem Magistrat eine Rechnung". Man brachte ihn in einer Droschke nach seiner Villa in Steglitz, er schickte dem Magistrat eine Rechnung über ein neues Bein und die Droschke, und dieser bezahlte prompt, denn es war nicht gestreut worden.

Eine Brieftasche mit 80,000 M k. Papiergeld und Staatsobligationen war, wie gemeldet, einem Theilnehmer an dem Wettsegeln des kaiserlichen Jachtklubs aus der Fahrt zwischen Kiel und Eckernförde über Bord gefallen. Jetzt ist die Brieftasche mit ihrem kostbaren Inhalt bei Aschaustrand an Land gespült und von einem Arbeiter gefunden worden, welcher seinen Fund in Holsts Hotel in K i e l ablieferte, wo der Verlierer, ein reicher Amerikaner, abgcstiegen ist. Dem ehrlichen Finder wurde eine angemessene Belohnung zu Theil.

Wegen Verdachts des Gattcnmordes wurde der Arbeiter Marx auf dem Gute Dorotheenhof bei Kiel verhaftet. Am Ostseestrande bei Eckernförde entdeckte man die verscharrte Leiche der vermißten Frau des M., die seit einem heftigen Streite mit ihm spurlos verschwunden war. Sie hatte auf einem benach­barten Gute gearbeitet und war heimgekehrt, um ein erkranktes Kind zu pflegen. Das war der Grund des Streites.

Ein italienischer Arbeiter, Brizzi, verübte in Hamburg einen Raubmordvcrsuch an einer Frau Schacht. Aus seine Ergreifung sind 300 Mark Belohnung gesetzt.

Wegen Majestätsbeleidigung, Diebstahls und Bettelei ist in G l a tz ein 48-jähriger Böttcher Zienecker aus Spindelmühl in Böhmen zu zwei Jahren sechs Monaten Zucht-

Heiterkeit ist schwer zu erschüttern; er ist höflich und rück­sichtsvoll. Ganz anders aber ist er im Aerger. Dann würde man nie daran denken, ihn mit dem Studium der Philosophie oder der Grundlagen der religiösen Glaubensbekenntnisse in Verbindung zu bringen. Seine dunklen Augen blitzen, die Worte strömen, er ist wirk­lich beredt. Man merkt bald, wenn Balfour sprechen will. Er kommt nicht mit vorbereiteten Reden. Seine Feder fährt mit fieberhafter Schnelligkeit über das auf den Knieen liegende Papier. Er macht seine Notizen und Niemand kann seine Thatsachen besser ordnen. Bal­four arbeitet außerhalb des Hauses mehr als in der Kammer. Seiner Laufbahn als Premier stellen jedoch die Phrenologen kein günstiges Prognostikon: Mangel an Zähigkeit ist nach ihrer Meinung der größte Fehler in Balfours Charakter.Wenn er Premier wird, so wird cs ihm an dem störrischen Wesen, dem Kampfgeist fehlen, um sich im Amt zu halten." Diese phrenologische Ueber- zeugung gründet sich darauf, daß Balfours Stirn, ob­gleich sie intellektuell ist, eine Neigung zur Erde an den Schläfen zeigt. In einem ist Balfour groß, im Golf­spielen. In der Nähe von London giebt es wenige Golf­klubs, die Balfour nicht besucht hat. Man sieht ihn oft in Wimbledon, und eine Zeitlang war er Anführer des Tooting-Golf-Klub". Das Spiel ist die einzige Er­holung, die er sich jetzt gönnt, obgleich er einer der besten Pirscher in Schottland gewesen sein soll und sich auch fast gegen Jeden beim Lawn-Tennis behaupten könnte. Man erzählt von ihm in dieser Beziehung ein nach mehreren Seiten charakteristisches Geschichtchen. In der Regel trügt Balfour keinen Stock oder Regenschirm, son­dern hält die Hände ans dem Rücken geschlossen. Einmal jedoch kam er aus dem Gartenthor seines Hauses in Dow- ning-Street und trug einen Regenschirm mit gebogener Krücke in der Hand. Plötzlich rollte ein kleiner Ball bis zu seinen Füßen und blieb dort liegen. Das Kind, das

50. Znyrgan«. No. 527

haus vcrurtheilt worden. Die Majestätsbeleidigung beging er,

als er wegen Diebstahls verhaftet wurde. Er ist im Ganzen 47Malvor best rast. Darunter auch schon wegen MajestätS- bcleidigung.

Der vielfache Einbrecher Schoo, welcher bei seiner Verhaftung einen Beamten erschoß und vor vier Monaten aus dem Hamburger Zuchthause ausbrach und seitdem wieder elf Ein­brüche verübte, wurde auf Fehmarn verhaftet.

Ein gemeines Verbrechen ist, derTils. Ztg." zu. folge, an dem geistesschwachen Kleinknecht Otto L. aus Norwischeiten verübt worden. L. befand sich mit anderen Knechten und Mägden in der Küche des Besitzers in N., welcher mit seinen Angehörigen nicht zu Hause war. In den Abend, stunden wurde er herausgelockt, geschlagen und in entsetzlicher Weise verstümmelt, sodatz an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Der Verstümmelte kann leider die Thäter nicht mit Namen angeben.

Ein kleines, aber ungemein bezeichnendes Stimmung«- > b i l d ch e n sendet man derKöln. Ztg." aus Posen: Am vorigen Samstag, als die zum Provinzial-Sängerfeste ein­treffenden Gäste auf dem Posencr Bahnhöfe begrüßt wurden, spielte eine dortige Musikkapelle auch die Weise:Ich bin ei» Preuße". Ein polnischer Schüler, der als Ferienkolonist abreisen sollte, sang den Text des Liedes mit. Gelohnt wurde cs ihm von seiner Mutter oder einer ihm fremdenPatriotin", die den Vor, gang wahrnahm, durch zwei kräftige Ohrfeigen.

Zur Fälschung prähi st arischer Funde in Baden bei Wien wird berichtet: Der Drechsler Josef Wuhack, der prähistorischen Beinschnitzereien auf dem Halserriegl bet Baden gesunden haben wollte, hat nunmehr gestanden, daß er die Beinschnitzereien selbst angefertigt hat. Es bleibt noch eine Anzahl von Fälschungen übrig, die nicht von Wuhack herrühren und deren Ansertiger noch auszuforschen ist. Wie Wuhack sich die zur Anfertigung der Falsifikate nothwendigen Kenntnisse ver­schaffte, und wie er Zeit gefunden, die zahlreichen Stücke herzu» stellen und zu präpariren, ist noch nicht aufgeklärt. Die Fälschungsaffaire dürste übrigens noch weitere Ueberraschungen zur Folge haben.

Der amerikanische Schütze Zimmermann aus N e w - I o r t, der aus Anlaß des Bundesschiebens nach Berlin gekommen war, ist bei einer überfidelcn Spritzfahrt ausgeplündert und um 1800 Mark erleichtert worden.

In D o m b r o w k a hat ein Arbeiter seine Geliebte und sich erschossen, weil sich ihrer ehelichen Verbindung Hindernisse ent» gegenstellten.

Die H a p a g (Hamburg-Amerika Packetfahrt-Aktien-Gesell. schaftj verfügt über 279 Schiffe, darunter 127 Oceandampfer mit einem Fassungsgehalt von 661,386 Tonnen.

Der Kohlenverbiau ch desNorddeutschen Lloyd" betrug im letzten Jahre 1,134,000 Tonnen, d. i. etwa et» Drittel der Menge, die Berlin insgesammt verbraucht.

Letzte Nachrichten.

wb. München, 16. Juli. Die Kammer der Abgeord­neten lehnte zu Beginn der heutigen Sitzung das EtatS- Postulat für die Vorbereitung vonArbeiten zurErrichtung einer zweiten technischen Hochschule in Bayern ab.

wb. Gudwangcn, 15. Juli. DieHohenzollern" er­reichte nach guter Fahrt heute Abend 8 Uhr 30 Minute« Eudwangen. Das Wetter ist regnerisch, aber warm.

wb. Paris, 16. Juli, Nach der amtlichen Statistii betrug der Werth der Einfuhr im ersten Halbjahr 1903

2.251.824.000 gegen 2,224,100,000 Frcs. im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Wert) der Ausfuhr

2.083.205.000 gegen 2,014,697,000.

wb. München, 16. Juli. Nicht in Schliersee, sondern in dem kleinen Orte Westenhofen, eine halbe Stunde von Schliersee entfeknt, hat es gebrannt. Die dortige Dorf» schmiede ist niedergebrannt. Zwei anstoßende Anwesen waren stark gefährdet, jedoch vermochte die Feuerwehr den Brand zu lokalisiren. Bei den Rettungsarbeiten erlitten ein Gendarm und der Cooperator leichte Ver­letzungen. In dem abgebrannten Hause wohnten keine Sommergäste.

Einsendungen aus dem Leserkreise.

* Schwimmbad Augirsta-Bictoria-Bad. Eine Vereinigung von Damen und Herren bittet die Direktion des Angnsta-Victoria-Bades höflichst, gefälligst eine andere Zeitein. theilung, betr. Besuch des Schwimmbades treffen zu wollen, da die jetzigen Bestimmungen absolut ungerecht vertheilt sind. Für Herren ist das Schwimmbad täglich geöffnet von 6 bis 12 Uhr und für Damen von 12 bis 6 Uhr (also - in der größten Hitze),

den Ball geworfen hatte, stand etwas abseits. Balfour sah es augenscheinlich nicht, denn seine herrschende Leiden­schaft machte sich geltend. Er kehrte schnell den Schirm um, behandelte den Ball, als ob er Golf spielte, und machte einen prächtigenBallkcllenschlag" zu dem ent­fernten Rinnstein, zum größten Erstaunen und Entsetzen der kleinen Besitzerin, die ihn mit zornigen Augen und mit dem Finger im Munde anstarrte. Dann ging Bal­four, der sich augenscheinlich seines Uebergrifss in das Besitzthum Anderer nicht bewußt geworden war, mit seinen gewöhnlichen langen Schritten weiter. Von seiner Zerstreutheit werden überhaupt viele Geschichten erzählt; so passirt es ihm öfter, daß er sich gehörig verspricht und recht unfreiwillige Witze macht. Vor einiger Zeit radelte Balfour über sein Besitzthum, als er einen ihm bekannten Herrn und zwei Damen traf. Er hob eine Hand, um den Hut zu lüften und rollte im nächsten Augenblick auf ein Blumenbeet.Das haben Sie sehr graziös gemacht", sagte bas Trio.Ich steige stets in Anwesenheit von Damen ab", antwortete Balfour schlagfertig. Die Ge­sinnung des zu so hohen Ehren Gelangten kennzeichnet auch folgende Aeußerung, mit der er einmal eine Rede beschloß:Wenn ich für ein Kind, das ich liebte, von einer Fee eine irdische Gabe wünschen könnte, wäre mein erster Wunsch, das Kind solle durchaus keine Neigung haben, Politiker zu werden. Das wäre meine negative Bitte. Ich würde von der Fee aber auch erbitten, dem Kinde eine alles verschlingende, allgemeine und unersättliche Wißbegier zu geben für Alles, was man lernen kann, da­mit es die Erwerbung von Wissen als das größte Ent­zücken seines Lebens ansieht; denn es ist ein Vergnügen, das länger als jedes andere dauert. Dieser Appetit kenm keine Sattheit und ist unabhängig von Veränderungen und Umständen, von der Liebe oder Abneigung der Mit­menschen. Jeder kluge Mann sollte ihn deshalb für sich kultiviren."