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Beilage jitm Wiesbadener Tnablntt.

1 Das Licht vom Himmel läßt sich nicht berfprcuflen,

Jj 1 ^i?ch laßt der Sonnenaufgang sich verhängen,

«t Mit Puipurmänteln oder dunklen Kutten.

Lenau.

(8. Fortsetzung.)

Der Millionär

nnl» sein abschreckendes Beispiel.

Bayrische Gebirgs-Humoreske von Karl Schuttes.

„Mei' Hausmaster (meister)", damit meinte Hans den Herrn von Biermaier, „is a dummer Kerl, der mir in dem Frankfurt da drunten feine Stiefel hat aufdischputiren woll n, und wie mir die der Schusterbua in dem Laden anzog n g'habt hat, is mir alleweil g'wen (gewesen), als sollt' i in alle Lüft'n geh'n, weil i nix an die Fuaß g spurt Hab'. Da bin ich suchst' (zornig) wor'n, Hab 's runter g'riß'n, den: Esel um die Ohr'n g'haut, und erscht mer hast Dri g'scheidter Kerl mir die schönen Staatsschuah da 'bracht!"

»Ja, ja gnädiger Herr von Burgleit'n-Sepp, der Schuster Kirchmoar vorm Karlsthor, bei dem wir Alles Ü^laß.n, hat g'sagt: „Die Schuah da Hab' i mir als mei Aushängschild g'macht; denn sechtenen (solchen) sawn n Elephantenfuaß hast net amal (einmal) Du Simmerl!"

„Schau, darum hat a Dei' Bruder, der Extradienst­mann Blasi (Blasius), den Du mir als Rumführer zu- g legt hast, gestern zu mir g'sagt, als wir aus'm Hofbräu nach ein Dutzend Maaß'ln raus gangen san (sind), und l gar net g'wackelt Hab': Der Herr Baron von Sepp han von unser'm liab'n Herrgod mit solch schöne Füaß be­gnadigt, daß Sie stehender (stehend) sterb'n können! Hahaha! Daß D' umsallst vor Lacha (Lachen)!"

„Da kimmt der Herr von Biermaier mit dem jungen Bauernburschen zum Karlsthor herein, der gestert spat am Abend mit dem letzt'n Rosenheimer-Zug ankommen is, als Sie scho' lang in der Fall'n (Bett)' geschnarcht habn!"

„Jessas! Das is ja mei' Speci Sepp — et, t wollt' WS n Hans Kristaller!" rief Hans und ließ einen Juh- schrei los, daß alle Leute stehen bst eben und über den Nankingkerl lachten, den sie für einen verrückten Eng- (ander hielten, weil er nach dem Juhschrei sein Spitzhütel in die Luft warf, und es wie ein Bajazzo mit dem Kopfe geschickt wieder auffing.

Trotzdem Sepp von Biermaier auf die städtische Um­mauserung des Hans vorbereitet war, mußte er doch laut auflachen, als er die groteske Erscheinung seines „ab­schreckenden Beispiels" sah, und dem Bären die Hand hin­streckend sagte: „Mein lieber Herr von Burgleit'n-Sepp, Sie haben sich wohl das schöne, neumodische G'wandl bei dem Hofschneider machen lassen?"

„Gel, daß D'umfallst! Ja, so was kann der Lump, der Speidl-Toni net dcrschneidern! Mei' Rumführer der Blasi, der Bruder von dem Simmerl da, hat mir's in der Neuhauser Gaß'n da droben in dem groß'n Kleider- Barzer (Bazar) als das Neucheste (Neueste) anmeß'n laß n, und in 3 Stunden is scho' firti g'wen a! (fertig ge­

wesen auch) ! Sepp ... ah Hansl, wann Du so oans (Emes) hab'n willst, kannst es hab'n", und als Sepp lachend abwehrte, fügte Hans zu: „I zahl' Alles! Mir (wir) hab'ns ja dazua!"

„Weißt Du, Herr von Burgleit'n-Sepp, zwei so schöne Kerl wie Du, die sind zuviel für die liebeMünch'ner Stadt!"

»Und a schöne, fatzengroße (sehr große) goldige Uhr Hab n wrr a, und dazua a noch größere, silberne a, die nuteinand 160 Mark'In nur g'kost't hab'n! Und da schau her die silberne, starke Uhrkett'n mit dem Marien- und dem Georgithaler, den in Silber g'faßt'n Granl'n tHirfchzähnen) und dein Eberzahn hat mir der guate Blasi a ang'schafft!"

»Es scheint", sagte nun Sepp zu dem Hausknecht, „daß Hpr Bruder das G'schäft versteht; denn eine solche silberne Sperrkett'n wird man net zuin zweiten Mal finden!"

»Ja, dem gnädigen Herrn war Alles zu leicht, und da hat ihm halt der Silberarbeiter Sanct^ohannha das Psundketterl machen müaß'n!" sagte der Simmerl, seinen bresten Mund zu einem stillen Lachen verziehend.

_»Denk' Dir Sepp . . . ah Hansl, dersell (derselbige)

Suberarbeiter hat nur a Ringerl mit aom kloan, glitzrigen (einein kleinen, glitzernden) Stoanl (Steinchen) anschmier'n woll'n. Wie er aber g'sagt hat, daß das öllende (elende) Ding 600 Mark'ln kosten soll, da Hab' i aus- 6 holt und hätt' eahm (ihm) a Jnnthaler Watsch':: hin- g haut, wenn er sie' net hinter sei' Puol (seinen Tresen) verkroch'n hätt'! So a Viehkerl! Daß D' umfallst!"

„Es wird ein Brillant gewesen sein!" sagte Bier­maier.

„ „Ja, mit der Brill'n hätt' ma' dös Dingerl suach'n müss'n, das net größer wie a Arbes (Erbse) war! — Aber an goldenen Schlangring macht der Sanct Johannes nur, und dafür zahl i gern 120 Mark'ln, die er kost'n soll! Mir ha'ms ja dazua! —Aber hietz sag' mir Sepp .... Hansl, was macht ganz Andorf mitsammt der Zensi, der Afra und den: Dippeltapp (Dummkopf) von oam Flickschneider Speidl-Toni. I bin ja scho' a ganze Woch'n und 3 Tag af der Reis'!"

„Sie lassen Alle den gnädigen Herr Burgleit'n-Sepp schön grüßen, und die Zensi läßt extra fragen, ob der Würzburger-Champus-Kater schön lang angedauert

„Der Teuffi soll's hol'n mit ihrem Schlampus, den i 3 Tag im Hirn g'spürt Hab', so daß i net amal dem Roth­schild mein'n B'suach (Besuch) Hab' mach'n kinna (können), weil nur Händ' und Fuaß und selber (selbst) das Nas'nspitz'l zittert hat! — Schau, i Hab' glei am erschien Tag einen wunderschönen Dampes (Schwips) kl'habt, aber es war ehrliches Spatenbräu, und änderet: Tag's.is mir so pudelwohl g'wen (urwohl gewesen), daß i für jed's von den 10 Maß'ln an Boam (einen Baum) hält umhack'n könna, wann t warnend hob Bier­

maier den Zeigefinger in die Höhe, „na . . . wann i a Holzknecht g'wen war'! Ausred'n lass'n, Herr von Bier­maier! •— Du Sepp . . . Hans, wo genga (gehen) wir hretz hin? Das G'scheidteste is . . . ins Hofbräuhaus! I zahl' Alles! Mir ham's dazua!"

„Wohin wir gehen sollen, das hängt ganz von Ihrem Belieben ab, aber ich habe mit dem Kristaller Hans noch sehr Nothwendiges zu sprechen. Wir kommen dann nach!"

un^ wenn der Blasi bei mir is, nachher bleibt er go

„Der Biermaier hat viel Anderes zu thun, und bef dem Blasi weiß er Dich gut ausgehoben. — In einen Stund' kommen wir nach, also geh' voraus!"

„Geh'n?- Fallt mir net ei'!" sagte Hans Protzig, in­dem er einem herankonimenden Dienstmanne eifrig zu- winkte. „I fahr' aber net mit der lumpeten (elenden)! Pferdebahn, wo ma' immer dem anderen G'sindel Platz machen muß, sondern nur mit dem gut'n Freund von dein Expreß-Blasi da, dem Wiener-Franzl, der den schönsr Wag'n und die best'n Rösser hat! Mir ham's jck dazua!"

Den Dienstmann Blasi, einen kraftstrotzenden, fast ebenso großen Kerl wie Hans, hatte Biermaier genau instruirt, daß er den Wünschen des Millionärs nachzru- kommen habe, auch wenn sie noch so verrückt wären, nur müsse er darauf achten, daß der Herr von Sepp nicht in einen Streit verwickelt würde. Biermaier fürchtete von der Gewaltthätigkeit des Hans, daß er mit der Polizei in Konflikt käme und der Spaß schief gehen könne.

Mit militärischer Haltung überreichte der Expreß- Dienstmann Blasi, als er zu der Gruppe getreten war, dem Hans ein kleines Etui und meldete: „Der Sanct Johannsa schickt da dem Herrn von Burgleit'n-Sepp das goldene Schlagringel, aber eine Stahlspitz'n, wie Sie's befohlen hab'n, hat er net hineingemacht. Er meint: Wann Sie damit zuhau'n thäten, nachher ging Aner kaput, und er kam' schlecht dabei weg!"

„So ein dummer Kerl! I hau ja und net er!" sagte Hans, welcher denSchlagring an den kleinenFinger seiner rechten Hand zwängte, und dann wohlgefällig betrachtete. „Na, i hoff', daß das Ringerl net glei' auf den erschien Hieb z'samadetscht (zusammengedrückt) is', tvatu: Oana (Einer) an'n klan Deuter damit kriegt! — Aber Buam (Jungens)! Sakra, i Hab' an Mordsdurscht, Blasi, hol' den Wiener-Franzl, mir fahr' abi (hinunter) ins Hof- bräuhaus!"

Blasi enteilte mit Expreßgeschwindigkeit, und Sepp fragte den Hansl: „Sag' einmal, was hast Du denn von München geseh'n in der Woche, daß Du nun hier bist!"

„Du, was is denn dös. Du red'st ja die ganze Zeit gar net mehr, wie Dir der Schnab'l g'wax'n is, stindern scho' gar preißisch!"

„Ich muß mich bild'n, habet: die Afra und die Zensi g'sagt. und das fangt allemal mit der Sprach' an!"

„So? Da wer'n mir (wir) halt a gebülldet red'tt, wann mir beinander sein, sttnst aba da — pfeif' i drauf!"

„Schön! Aber gieb' Antwort, was hast Du scho' von Miinken g'seh'n?"

Hans dachte einen Augenblick nach, dann zählte er an den Fingern her: „Hosbrän, Spatenbräu, Pschorrbräu, Löwenbräu, Hackerbrau, Thomasbräu und Bürgerbräu« Jeden Tag ein anderes gut's Bierl, aba all' Tag — Hofbräu zu Früh und zur Nacht! Die andern Bräu wer'n mir a noch krieg'n; denn . . . mir ham's dazua!

Hui aus! Da kimmt der Wiena-Franzl mit dern Blasi! — Gel Franzi, Du tvoaßt (weißt) scho' wohin!" rief er dem stattlichen Rosselenker zu.

(Fortsetzung folgt.)

1 . otDeutlidjc Itittralttttfünintlitno

im Vereinslokal

,Mt Frankfurt".

Tagesordnung r

1. Bericht über das 45. Gescbäftrjahr.

L. Rechnungsablage des Kassircrs.

8. Bericht des Oeconomen.

4. Wahl einer Comniission zur Prüfung der Jahresrcchnung und des Inventars.

5. Neuwahl des Vorstandes.

6. Statutenänderung.

7. Vereins-Angelegenheiten. F854

Wir laden hierdurch die verehrl. Vereinsmit-

glieder zum zahlreichen und pünktlichen Besuch er­gebenst ein. Der Vorstand.

Männergesang-Verein COiCÖfilfl

Lorsbach im Taunus.

Gasthaus und Restaurant

I Samstag, den 12. Juli, Abends präcis 9 Uhr:

„Zur Nassauer Schwei

Reeller Ausverkauf

in Cigarren und Cigaretten,

bei 10« St. 20—85°/°.

Anastasius Koecher,

Langgaffe 51, am Kranzplatz.

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Sonntag, den 13., Montag, den 14. d. M

findet auf dem Festplatze „Unter den Eichen" das

Is.

verbunden mit

Fahnenweihe des Metzger-Clubs Wiesbaden,

unter gütiger Mitwirkung der Kapellen des Füs.-Regiments von Gersdorff (Kurhess. No. 80) und des 1. Nass. Infanterie-Regiments No. 87, statt.

Für Restaurationshallen, Speisen und Getränke, sowie für Concert und Tanz auf dem eigens dazu errichteten großen Tanzboden ist bestens seitens des Clubs Sorge getragen.

Montag: Großes Volksfest und Kinderspiele.

Eintritt an beiden Tagen frei.

Der Fest-Ausschuh.

Heute Freitag, den 12. Jnli, Bormittags S-/s und Aachmittags

2Ya Uhr anfangend:

Fortsetzung

der

groben ZMU-Confectious-Versteigerung.

Bernhard Rosenau,

Auktionator und Taxator,

9« Marktplatz S, an der Telaspeestraße.

Bekannter herrlicher Ausflugsort.

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