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„Tagbl-ti-H-ud" Nr. «65«-53.
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Freitag, 16 . Juli 1915. Hb0ClbC. Nr. 326. . 63. Jahrgang.
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\ weitere zortschritte bei hmdenburg.
Der Tagesbericht vom 16. Juli.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 16. Juli. (Amtlich.)
westlicher ttriegsschauplatz.
Schwere Verluste der Franzosen bei abge- scklagenen Angriffen in der Krgonnergegend. Seit dem 20. Juni dort Nb Offiziere und 7009 Mann yefongen.
Am II. Juli ist bei einem der Angriffe in der Gegend von Snudicj ei» Grabenstück südlich des Kirchhofs verloren gegangen.
Wiederholte Versuche der Franzosen, uns die in dcu Argonncn erstürmten Stellungen zu entreißen, schlugen fehl. Die Stellungen sind f e st in unserer Hand. Die gestern und vorgestern hart w e st l i ch der A r g o n » e n geführren starken französischen Angriffe scheiterten gegenüber der tapferen Verteidigung durch norddeutsche Landwehr, die dem Feind in erbitterten Rahtämpfen große blutige Verluste zufügte und ihm 462 Gefangene abuahme». Seit dem 2g. Juni haben unsere Truppen in den Argonnen und westlich davon mit kurzen Unterbrechungen gekümptt. Neben dem Geländegewinn und der Mate- r i a l b e u t c ist bisher die Gesamtzahl von 116 Offizieren, 7669 Mann erreicht worden.
Ans unserer an die A r g o n n e n östlich anschließenden Front fanden lebhafte Feucrkämpfe statt. Feindliche Angriffe wurden mühelos abgewehrt.
In der Gegend von L c i n t r e y, östlich von L u n e - 0 i l l e, spielten sich Borpostengescchte ab.
Auf feindliche Trnppen in Gerardmer warfen unsere Flieger Bomben.
westlicher Kriegsschauplatz.
Oie windau in östlicher Richtung überschritten. Lei ttolno und praschnüsch weiteres siegreiches Vordringen.
Nördlich von Popeljany haben unsere Truppen di« Windau in östlicher Richtung überschritten. Südwcst- lich von K o l« o und südlich von Praschnüsch machten wir unter siegreichen Kämpfen weitere Fortschritte.
Südöstlicher ttriegsschauplatz.
Die Lage bei den deutschen Truppen ist unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Von den östlichen Kriegsschauplätzen. EineLesprechung des Kaisers milksindenburg.
W. T.-B. Berlin, 16. J>rli. (Nichtamtlich,) AuS Posen wrrv uns mitgeteilt: Kürzlich weilte S. M. der Kaiser und König ruf seiner Reise zum Kriegsschauplatz nördlich dar Pvlrca bi«. Gleichzeitig w,rr Generalscldmarschall v. Hinden- burg hier enigetrvfsen. S. M. der Kaiser hatte mit ihm und dem Chef des Gsneralstabs des Feldheeres, General !der Infanterie v. Fal'kenhayn, eine längere Besprechung im Schloß.
vie Drohung von przasznqsz.
Die Wisdereroderuihg der befestigten Stadt Przasznysz, nördlich des Gouvernements Warschau, durch die tapferen Hin/d«nburgtrulppen ist für die Russen ein drohender Fingerzeig, daß der Krieg im Osten wieder dem Mittelpunkt der polnischen Bühne zustrebt. Man verficht in Warschau oen Wink von Przasznysz! Die polnische Hauptstadt ist, wie die „Rjeffch" feststellt, bereits gänAich von der Zivilbevölkerung der,lassen. Innerhalb von sechs Tagen sollen 18 000 Personen die Stadt freiwillig verlassen und 80 000 Personen aus Befehl der Kommandantur . entfernt worden sein. Aus den Amtsstuben der Zivilund MUitärbchörden hat man alle wichtigen Aktenstücke in das Innere Rußlands geschafft. Auch das Hauptquartier ist verlegt worden. Zum größten Teil aus Lodz eintresfende Nachrichten werden uns hnrch Angaben bestätigt, die über Wien einlausen. Darnach ist man in Petersburg überzeugt, daß das konzentrische Borgehen der deutschen und österreichischen Truppen neuerdings Warschau in den Breich der nächsten Kriegsereignisse ziehe. Die militärischen Kreise messen diesmal idem Unternehmen gegen Warschau ernste Bedeutung bei und der- hehlen ihre Besorgnisse nicht. Der Generalgouverneur hat eine Reche außerordentlicher Dor- kehrungen verfügt und rnsbescmdere scharfe Maßnahmen gegen Spione und Luftschiffe angeordnet. Sämtliche bedenkliche Elemente" werden schleunigst aus der Stadt entfernt, und es heißt, daß dies nur geschehe, um dadurch verschleiert eine Räumung Warschaus von der Zivil bevölkerung überhaupt vor- zubereiiem Die Stimmung der noch in der Stadt ver
bliebenen Bevölkerung und der Warschauer Besatzung soll keineswegs zuversichtlich sein. Die Bombenwürfe der Hindenburg-Flieger hcchen bedeutenden Schaden augerichtet. Aber auch die Proklamationen in russischer und polnischem Sprache, die in Warschau aus den Lüften kommen, finden trotz der behördlichen llsiaß- naihmen volle Beachtung. Es wird darin ja nichts übertrieben und nichts Törichtes versprochen, sondern den Warschauern nur noch einmal eindringlich zu Ge- müte geführt, daß der siegreiche Gegner Rußlands rm Anmarsch ist, daß die Polen den neuen Schwindeleien der Zarenregierung nicht glauben sollen, weil sie Hamit nur wieder furchtbar hineinsallen dürften, daß sie aber von einer deutsch-österreichischen Be- setzung nichts zu fürchten haben. Nach allem, was man Mer die Lage auf dem östlichen Kriegsschauplatz weiß, was die Russen selbst, wenn auch nur wie durch einen schierer erkennen lassen, wind das Ringen um den Besitz der Festung Warschau kurz und vielleicht w e n^i g blutig sein. Die ganze Haltung der russischen Streitkräfte, die offenbaren Vorbereitungen eines allgemeinen Rückzuges lassen daraus schließen, daß die Heerführer des Zaren befürchten, von Norden her durch unseren linken Flügel, von Süden her durch österreichisch-ungarische Armee teile umfaßt zu werden. Eine alte theoretische Streitfrage, Mer die vor dem Kriege in Rußland soviel geschrieben und geredet wurde, ist damit praktisch geworden: ob es nicht vorteilhafter sei, auf die Verteidigung Polens zu verzichten und die ganze Kampffront (nach mißglückter Offensive) in die Linie Bjelostok- Bre st-Litowsk-o derer Bug zurüttzuverlegen. Der - starrköpfige Nikolajcwitsch wird dagegen sein. Auch der neue „Helfer in der Not", General Rußki, wind von solchem Umsturz der ganzen Strategie Rußlands nichts wissen wollen. Aber" die Gesetze der Taktik werden bekanntlich vom Sieger diktiert.
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Di« Rkiumung Warschaus.
Berlin, 16. Juli. Aus Lodz wird dem „B. T." gemeldet: Die in Warschau sehr streng gehandhabte Zensur der Zeitungen hat bereits mehrere Mitteilungen über die begonnene Räumung der Stadt unbeanstandet durchgelassen. Innerhalb von sechs Tagen haben, wie die Blätter melden, über. 18 V 6 ü Personen die Stadt freiwillig verlassen, und 8 6 6 0 0 Personen wurden auf Befehl der Kommandantur entfernt. In den bedeutendsten Banken, so in der Diskontobank und der Waffchauer Handelsbank, wurden sämtliche Einlage» abgcholt. Die Jnsaffen der Gefängnisse wurden nach Moskau abgeschoben. „Rjetsch" stellt fest, daß Waffchau bereits gänzlich von der Zivilbevölkerung verlassen ist, während der amtliche „Armiejskt Wjestnit" nur von einer begonnenen Räumung spricht, dubet aber versichert, daß eine unmittelbare Gefahr für Warschau nicht bevorstehe. Es sei verfrüht, von einer Aufgabe Warschaus zu sprechen.
Vas deutsche Vordringen über den Narew.
»r. Kopenhagen, 16. Juli. (Etz. Dvcchkberickck. xnr. Mn) Der „Rußki Invalid" meldet, daß die deutschen Truppen d-n Narew überschritten haben und die Russen nach dem Abschnitt O r z y z - L tz d i »i a znrückgelirn mußten.
Schmerzliche Geständnisse in der „Nowoje wremja".
Die bessere WaffenanSrüsiung und Munitian.
W ; T. B. Petersburg, 36. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Nowoir Wremja" bringt einen pessimistischen Artikel von Menchikow, ,n dem ausgeführt wird, der Grund, daß 365 Millionen Alliierte nicht 126 Millionen Deutsch-, Österreicher und Nngarn erdrücken könne», liegt in der besseren W a ff e n a » s r ü st u n g und Munition, sowie in der großen T ü ch t i g k e i t d e r Soldaten der Verbündeten, die durch bessere technische Mittel zwei Gegner auswiegen können. Eine weitere Meldung besagt, oaß durch einen U k a s des Zaren die in der Ausbildung befindlichen jungen Kosaken der Armee eingegliedert werden sollen.
Ein weiteres schwedisches Urteil über die Lage.
Stockholm, 16. Juli. (Ktr. Mir.) „Dagans Nyyeter' schreibt über dem Krieg: Dt« Mittelmächte halben äugen- blickllch gmrz mch gar die Initiative in den Händen. Die schweren Verluste der ruffischen Hserie m Galizi«n, der Mangel der Russen und Engländer an Munition, die Machtlosigkeit der Italiener vor den österreichischen Grengbefestigungen, die Verstärkung der deutschen Armsen durch die während der letzten Wochen ins Feld gerückten Vierbän>de, alle diese Umstände haben den Jentralmächten augenblicklich einen Truppeir- überschatz zur freien Verfügung gegeben, der wahrscheinlich sich aus anderthalb Millionen Mann beläuft außer dem für^diie Defensive an den verschiedenen Fronten notwendigen Streifträften. Noch einige Wochen haben die Mittelmächte :m Osten Aussichten, die sie sicherlich nie mehr bekommen werden. Man hat also eine große ilber- raschnmtz im Osten zu erwarten.
General Rutzki erkrankt.
£>:-! Petersburg, 16. Juli. (Cng. Drahtbericht. Ktr. Mn.) General N u tz l i, der neue Armeeführer, ist am HerWremmofe leicht erkarukt und begab sich für kurze Zeit a-uf das WalMgut seines Vetters.
Der russische GffiziersmangeD
Bescheidenste Bildungsansprüche.
Br. Petersburg, 16. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Das Kriegsministevinul hat beschlossen, daß in die Resarve- Jnsanterrebri gaben zur schleunigsten Korbemeitung von O f fi» zieren ivohrend der Dauer des Krieges auch solche jnmgerl Leute ausgevommnen werben können, die einen Bildnmgsmach- weiS, wie er für den ehemaligen einjährig-freiwilligen Militärdienst nachzuweifen war, nicht borlegen können. Nicht ein-, mm der Biidungsnacüweis für die vollendete Gymnasial-
0 u a r t a ist znvi Eintritt in diese Offiziersschule vorab nötig.
Der reaktionäre Gegendruck gegen die Duma»
einberufung
W. T.-B. Petersburg, 15. Juli. (Nichtamtlich.) SUß Berater des KriegsminisNrs in den Fragen ves Kriegsbedarfs sind der frühere Haudelsminister Timafchew und der Lktobrist G u t s ch k o w ernannt worden. — „Rnhkoje Slawo" meldet: Dre liber^rten Mätt« sind sehr eurLigt darüber, daß d:e vsaktionaren Piarteien einen starken Druck auf dre Regierung auSülben, vrmit diese die Duma überhaupt nicht einberufe. — Dasselbe Blatt berichtet, daß die Regierung die Einführung eutes Streich ho Izmo nopols und die Ermichrung eigener RezierumgSfabriken in PeterÄbmtg beabsichtige.
Die Umgruppierunc! in den russischen Ministerien.
Kopenhagen, 16. Juli. (Ktr. Mn.) Aum Adjutanten des russischen Kriegsmimisters ist der Abteilungsches im Großer» Generalstab, der Infanterie-General Bjeljajew ernannt worden. Er ist 1863 geboren. — „Ruhkoje Slowa" erfährt aus zuverlöffiger Quelle, daß das Reichsratsmitglied Chwo- ftow binsstM kurzem zum Jmstizminifter ernammt wer-! den würde. Er soll seit langem rn gutem Verhältnis zü Goremykim stehem.
veulschrussen auf Befehl von Offizieren zu Tode gemartert.
W. T-B. Berlin. 16. Juli. (Amtlich.) Durch eidliche Aussagen von 16 russischen Staatsangehörigen ist jetzt bekannt geworden, daß russische Soldaten auf Betreiben ihrer Offizi.ere Mitte Oktober bei Budwierie evangelische Russen deutscher Abstammung, 27 Männer und 2 Frauen, deren Familien seit Generationen in Siußland wohnen nnd deren Angehörige in der russischen Armee stehen, erbarmungslos zusammentricben, schlugen, marterten und ohne Verhör und Nrtcilsspruch a u f h 8 n g t e n. An den Mißhandlungen beteiligte sich auch der Oberst des russischen Infanterie-Regiments Nr. 105, indem er die Gefangenen mit dem Fuße trat.
Der einzige Grund für die scheußlichen Handlungen war die Tatsache, daß die unglücklichen Opfer russiicher Barbarei deutschklingende Namen trugen.
Das Sinken der Geburtenziffer iu Petersburg.
W. T.-B. Petersburg, 15. Juki. (Nichtamtlich.) Dir Geburtenziffer in Petersburg ist infolge des Krieges stark! zurückgegamgen.
Eine Mißernte in Wcstrußland.
W. T.-B. Petersburg, 14. Juli. (Nichtamtlich.) Eime Zuschrift aus Westrußland besagt, daß wegen der Dürre ein« völlige Mißernte zu erwarten sei.
Verbot der Goldausfuhr aus Rußland.
W. T--B- Petersburg, 15. Juli. (Nichtamtlich.) Eine amüichr Verfügung des Fiuanzminrsters untersagt die Gold- aussuhr. Ausnahmen können zugurestM der Und«tkvn«n bei. bündeter oder neutraler Staaten gemacht werden.
Von der russischen Lügcnbcrichterstattung.
Eine Berichtigung.
Man schreibt uns aus Suwalki: Der russische Gencral- stabsbericht vom 9. Juli meldet u. a.: „Westlich der Ehaussee Kalvaria-Suwalki gelang es dem Feinde am 6. Juli, die Ehementlen zu überschreiten. Er wurde am nächsten Tage aber wieder zurückgeworsen." Da wir aber die Ehementlen überhaupt nicht übeffchritten haben, war es für die Russen ein leichtes, uns zurückzuwerfcn. Daß wir aber eine HauptstelluRg nnd den Biale-Bloto-Wald genominen haben, ist dem „Gene- ralstab des Generalissimus" scheinbar gar nicht bekannt. ^ j Keldmarscha!! v. Mackensen über die ttriegführenden.
Berlin, 16. Juli. (Ktr. Bln.) Feldmarsch all Nackens s e n richtete an einen seiner argentinischen Freunde einen Brief, im den: es heißt: Hofsrintlich kennt man in Ihrem Lands die Wahrheit über diesen Krieg. Kein Mensch in Deutschland hat ihm g e w o l l t, am wenigsten unser Kaiser^ England ist der Urheber. Frankreich und Rußland erkennen nicht, daß sie mit dem Blute ihrer Sohne die Geschäfte E n g-
1 a u d s besorgen.
vie neue Offensive am vnjestr und in der Bukowina.
Berlin. 17. Ink. (Ktr. Blm) Über die n e n e O f f e n srw« in der Bukowina und ain D n j e st r wird weiter ans Tschreuowitz gemeldet: Die am Diensrag eingesetzte Ofsenftv-
