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md]t, ob es wahr ist, daß England zu der Last der An-
gtiederung von Transvaal und Oranje-Freistaat unverzüglich auch die Schwierigkeit auf sich nehmen will, die Portugiesische Küstenstriche im Osten alsbald zu besetzen. Aber selbst wenn dazu m London die Neigung bestände, darf man sicher erwarten, daß Portugal noch auf unge- messene Zeit hinaus vor einem deutschen Anerbieten, ihm Angola abnehmen zu wollen, bewahrt bleiben wird. Billig käme uns die Geschichte gewiß nicht. Besteht aber ein bindender Vertrag, so kann Angola, das uns Niemand rauben würde, hiernach so lange, wie es uns gefällt, portugiesisch bleiben, und je weniger begierig sich Deutschland nach diesem schwer verdaulichen Bissen zeigt, desto beicheidenere Forderungen wird man schließlich inLissabon stellen.
Stcuerproblemc.
Mnanzsorgen hat das Reich und haben die Einzel- staaten. Allerlei Steuergespeilster werden an die Wand gemalt, und bald soll das Bier, bald auch der Tabak mehr „bluten", damit das Reich die Gliedstaaten nicht mit höheren Matrikularbeiträgen heranzuziehen braucht. Auf den Gedanken^aber, daß das Reich seine Finanzen durch eine direkte Steuer aufbessern könnte, konimen die Diagnostiker nicht, die so besorgt um das Gedeihen der blcichsuchtig gewordenen Dame Germania sind. Ver- rnuthlich kommen sie auf den Gedanken nicht, weil er gar
emfa* .lst. Praktischer Weise ist freilich zuzugeben, Last sich keine Apotheke finden würde, in der Las gewiß heilkräftige Mittel der direkten Reichssteuerii zu haben wäre. Me Regierungen wollen nicht, und schließlich will auch die Mehrheit des Reichstags nicht. Die Rücksicht auf partikularistische Gefühle steht im Wege. Im klebrigen ließe es sich ja auch hören, wenn die deutschen Steuerzahler sagten, daß sie Einkommensteuer schon jetzt zahlen, und daß sie es nicht lieben, zweimal gestriegelt zu werden. Aber wenn es überhaupt denkbar wäre, die Er örterungen über eine direkte Reichssteiler auf den Boden aussichtsreicher praktischer Erwägungen zu verpflanzen, so müßte das erlösende Wort heißen: Reichserbschaftssteuer! Allerdings giebt es Erbschaftssteuern auch in den Einzelstaaten, aber sie sind meistens gering- fugig, und ein Verzicht auf sie könnte keinem Staate schwer fallen, wenn er den Verlust durch Ermäßigung der Matrikularbeiträge überreichlich wieder einbrächte. Und so kann uns nichts und Niemand nöthigen, von der sicheren Erwartung abzulassen, daß die Reichserbschafts- fteuer eines Tages, wenn auch nicht in absehbarer Zeit, Loch durchgeführt werden wird. Tenn sie wäre ver- ständig, gerecht, einträglich. Me Erbschaftssteuer ist in den Landern des Westens weit gründlicher als bei uns ausgebildet, und Niemand beklagt sich über sie. Die französische „Bolksseele" duldet keine Einkommensteuer, aber die Erbschaftssteuer läßt sie sich gefallen. England hat eine gut durchgebildete Einkommensteuer und eine gleicher Weise ertragreiche Erbschaftssteuer, die im letzten Jahre rund 250 Millionen Mark eingebracht hat (Der Ertrag ,n Frankreich beläuft sich auf über 160 Millionen Mark.) Es ist ganz richtig: Vergleichungen zwischen diesen Ziffern aus England und Frankreich mit den deutschen Erträgen aus den direkten Steiieru werden immer . schief und schielend sein, und kein Vernünftiger wird die mechanische Nachahmung empfehlen. Keiner auch wird übersehen, daß die deutsche direkte Steuer- leistung insgesammt schwerlich hinter diesen Summen zuruckstehen mag, hinter den französischen gewiß nicht, da es dort ja keine Einkommensteuer giebt, hinter den eng tischen wohl auch nicht, da man dort nicht die Vermögens- steuer kennt. Aber es ioll auch nicht verglichen werden, )of£ nur (jcforbert icerben, woA unA nach unseren eigenen Bediirfnissen zukommt, und da wird sich den bestehenden Reichsstcuern eine Reichserbschaftssteuer nützlich anreihen. Daß wir sie nicht haben, ist kein Grund, sie nicht zu fordern und nicht zu erhoffen.
Wiesbadener Tagblait (Abend Ausgave) Verlag: «anggasse 27 .
SV. Jahrgang. Sto. 8LV.
* Hof- »nd Personal-Nachrichten. Der Kaiser tritt heute von Travemünde aus seine Nordlandreise an.
* Berlin, 7. Juli. Di- „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Nach einem ungarischen Blatte soll der polnische Maler Adalbert K o s s a k erzählt haben, er muffe wegen der polnischen Sache aus Berlin fort und habe darüber auch mit Kaiser Wilhelm gesprochen, der ihm gesagt habe: „Lieber Freund, ich würdige Ihre Situation und bedaure aufrichtig Ihre Ab reise. Seien (Sie überzeugt, daß ich Sie allezeit gern wieder sehen werde." Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß an dieser angeblichen Unterredung des Kaisers mit Herrn Koffak kein wahres Wort ist.
Nach dem Beschluß des Bundesraths werden fortan nur Abiturienten der Gymnasien, Realgymnasien und Ober- Realschulen (die letzteren ohne die für Mediziner vorgeschriebene Nachprüfung im Lateinischen) zum Studium der Thier-Arznei- kunde zugelaffen werden. Die neue Bestimmung tritt vom 1. April 1903 ab in Kraft.
Der „Czas" in Krakau veröffentlicht eine Erklärung der polnischen Mitglieder des Posener Prooinzial-Landtages, die an den kaiserlichen Hofmarschall gerichtet ist. Die Erklärung motivirt das Fernbleiben der Polen vom Empfang desKaisersin Posen. Die Polen seien durch die neuen Verordnungen und die vom Kaiser erhobenen Anschuldigungen tief gekränkt. Es würden die Polen mit ihrer Trauer alle Empfangs- sreude stören. Sie fühlten sich nicht schuldig und würden trotz aller feindseligen Verordnungen auch künftighin treue Unter- thanen des Kaisers sein.
* Rundschau im Reiche. Die „Kreuz-Zeitung" kann auf Grund zuverlässiger Informationen mittheilen, daß alle Nachrichten über bevorstehende Veränderungen im Bestände des königlich sächsischen Ministeriums auf Kombinationen beruhen. König Georg wird auf absehbare Zeit hinaus keinerlei Wechsel innerhalb des Ministeriums cintreten lassen.
war die Antwort erfolgt. Forschend richtete sich der Blick des Beamten aufGernsoorffs Gesicht, und es entging dem erfahrenen Menschenkenner nicht, daß sich hinter der schembaren Ruhe des Sträflings eine gewaltige Erregung verbarg. Das Beben seiner Nasenflügel verrieth es rhm und das seltsame Feuer, das sich in seinen Augen entzündet hatte.
„Nun, wie Sie wollen. — Haben Sie mir sonst noch etwas zu sagen, oder mir irgend eine Bitte vorzulragen, so mögen Sie reden."
Er beschäftigte sich mit seinen Papieren, offenbar nur in der menschenfreundlichen Absicht, dem Gefangenen Zert zur Ueberlegung zu gewähren. Und wahrlich nie in fernem Leben hatte Walter Gernsdorfs eines gewissen Zeitraumes, seine Gedanken zu sammeln, so sehr bedurft, als in diesem cntscheidungsschweren Augenblick. Denn ein Sturm widerstreitender Empfindungen hatte sich in seinem Innern erhoben und eine Fluth tausendfältig verschiedener Vorstellungen drängte sich innerhalb einer einzigen Sekunde vor seinem Gesicht zusammen.
Nein, die Kunde von seines Vaters Tod hatte ihn nicht überrascht. Von dem Tage seiner Einlieferung an war er darauf gefaßt gewesen, sie zu vernehmen; denn als Arzt kannte er die Natur jener furchtbaren Krankheit zur Genüge, um zu wissen, daß es für den von ihr Befallenen keine Rettung gab. Und oft genug fürwahr hatte er sich in Gedanken an die Stunde beschäftigt, die jetzt gekommen war. Denn sie sollte ja zugleich die Stuiide seiner Erlösung fern; sie sollte das Siegel zerbrechen, mit dem er in freiwilliger Selbstaufopferung seine Lippen verschlossen, um den Urheber seiner Tage uiid seines Elends m Frieden sterben zu lassen. Es gab keine Rücksicht mehr, die ihn zum Schweigen nöthigte, wenn der Mann, auf den er mit der eigenen Rechtfertigung die schwere Schuld abwälzen mußte, dem irdischen Richter auf ewig un- erreichbar geworden war. Bis hierher hatte sein Opfer nur einen Sinn gehabt; darüber hinaus wurde cs zu frevelhaft nutzloser Selbstvernichtung. Und wenn er Pflichten gegen seinen Vater gehabt hatte, so hatte er nicht mmder ernste und heilige Pflichten doch auch gegen sich selbst.
So war sein Gedankengang gewesen, da er als ein
Ausland.
* Oesterreich-Ungarn. In politischen Kreisen wird auf das Bestimmteste versichert, daß anläßlich der Erneuerung des Dreibundes Sonder-Abmachungen militärischer oder handelspolitischer Natur nicht stattgefunden haben. — Wie der „Slovopolski" aus Krakau meldet, hat der Kardinal Fürstbischof Puzyna verboten, am Gedenktage des Polensieges über die Deutsch-Ritter einen Festgottesdienst abzuhalten und den Sarkophag des Königs Jagella in der Krakauer Wawel-Kirche zu bekränzen.
* Frankreich. Mehrere Abgeordnete beabsichtigen, der Regierung eine Vorlage zu unterbreiten, welche eine theilweise Amnestie für die von Kriegs- und Disciplinargerichten, sowie wegen Preß- und Streik-Vergehen Verurtheilten bezweckt. Der Vorschlag hat große Aussicht auf Berücksichtigung. — Die Regierung hat nunmehr die Schließung sämmtlicher Kongregationen, welche sich den Vorschriften des neuen Vereinsgesetzes nicht unterworfen hatten, vollzogen. — Der türkisch- französische Zwischenfall ist beigelegt, nachdem die türkische Regierung den betreffenden Polizeichef seines Amtes enthoben und den Flüchtling wieder an Bord des französischen Dampfers „Ozeania" gebracht hat. Der Dampfer verließ sofort den Hafen.
* England. Aus Anlaß der günstigen Berichte über das Befinden des Königs hatten am Samstag zahlreiche Gebäude illuminirt. — Das gestern Vormittag 10 Uhr ausgegcbene Bulletin lautet: Die Fortschritte im Befinden des Königs sind fortdauernd in jeder Hinsicht befriedigend. — Wie verlautet, konferirte der Ministerpräsident Lord Salisbury mit den Aerzten des Königs über das Datum der Krönung. Die Aerzte erklärten, vorausgesetzt, daß Alles gut gehe, könnte die Krönung frühestens am 2. Oktober stattfinden. Dieses Datum werden die zuständigen Behörden einstweilen in Erwägung ziehen.
* Schweden und Norwegen. Aus Stockholm 6. Juli, wird berichtet: „Stockholms Dagblad" erfährt aus guter Quelle, daß der Standpunkt der neuen Regierung hinsichtlich des Wahlrechts folgender sei: Der Census soll avgeschafft werden: das Wahlrecht soll jedem unbescholtenen schwedischen Bürger zustehen, der das 25. Lebensjahr vollendet hat und der Wehrpflicht,
unschuldig Angeklagter vor den irregeführten Richtern gestanden und da man ihn hierhergebracht hatte, um ihn all den grausamen Demüthigungen zu unterwerfen, die an dieser Stätte tiefsten Elends den aus der menschlichen Gesellschaft Ausgestoßenen erwarten. Nicht das Bewußtsein seiner Schuldlosigkeit allein, sondern vor Allem die Gewißheit, daß es in seine Hand gegeben war, die Thüre fernes Kerkers zu öffnen, wann es ihm gefiel, hatte ihm hinweggeholfen über Tag und Wochen, deren Verlauf sonst ganz danach angethan gewesen wäre, ihn wahnsinnig zu machen.
Dann aber war in der ewig gleichen furchtbaren Sülle der Einzelhaft, die man über ihn verhängt hatte ob als Wohlthat oder Strafverschärfung, wußte er nicht allmählich eine seltsame Wandlung in ihm vorgegangen, eine Wandlung, die ihren Ursprung vielleicht eben so sehr in den verborgensten Tiefen seines Charakters hatte, als in dem verwirrenden Einfluß jener grauenhaften Veränderung, die sein ganzes Leben mit einem Schlage erfahren.
. In einer seiner schlaflosen Nächte, als er wieder wie seit dem ersten Tage mit gespanntester Aufmerksamkeit auf den -schritt des draußen patrouillirenden Wächters lauschte, immer in der Erwartung, daß er vor seiner Zelle Halt machen würde, um ihm seines Vaters Tod zu melden, war urplötzlich mit schreckhafter Klarheit das Bewußtsein in ihm erwacht, wie verbrecherisch im Grunde diese seine Wünsche und Hoffnungen seien. Wäre es denn nicht tausendmal weniger lieblos gewesen, seinen Vater der Schmach und dem Kerker zu überliefern, als daß er jetzt hier mit fieberhafter Ungeduld die Stunden seines zur Rüste gehenden Daseins zählte und sich an dieGewiß- heit seines nahen Todes wie an seine beglückende Hoffnung klammertet Verdiente seine ganze bisherige Hand- lungsweise vor dem eigenen Gewissen einen anderen Namen als den einer elenden Komödie, wem: sie nur be- sümmt worden war durch zuversichtliche Erwartung eines Ereignisses, vor dem er nach dem Moralgesetz als vor einem schweren Unglück hätte zittern müssen? Würde er nach seiner Rechtfertigung Diejenigen Lügen strafen können, d,e da meinten, daß er das kurze Ungemach in kemer edleren Absicht auf sich genommen habe, als um vor
sowie der Steuerpflicht genügt hat. Stadt und Land sollen die gleichen Bedingungen bezüglich der Vertretung im Reichstag haben.
* Rutzland. Die Organe des Finanzministeriums veröffentlichen eine Note, die die russische Regierung an alle Mächte richtete, welche an der Brüsseler Zucker-Konferenz theilnahmen. In der Note werden die Gründe für das Fernbleiben Rußlands von der Konferenz dargelegt.
* Türkei. Der armenisch-gregorianische Metropolit Ormanian erneuerte beim Sultan die dringende Bitte, die Ausnahme-Maßregeln gegen die Armenier auszuheben, widrigenfalls er demissioniren müsse und die Verantwortung für alle weiteren Folgen ablehne.
* Amerika. Ucber die Lage in Venezuela s-gt ein Bericht des „Büreau Reuter" aus C u r a g a o : „Die politische Lage wird immer verwickelter. Wenn die Revolution auch leine Riesenschritte macht, so gewinnt sie doch täglich an Stärke. Matos steht augenblicklich mit seiner Armee bei Zaraza und hat den ganzen östlichen Theil der Republik, d. h. die Distrikte von Barcelona, Cumana und Carupano, in seiner Gewalt. Einer seiner Leutnants hat La Vela, den Hafen von Coro besetzt und die Revolution hat sich zur Herrin von Ciudad Bolivar gemacht. An jenem Abend kamen Abtheilungen der Aufständischen bis in die Vororte von Caracas und drangen in Valencia ein. Bei Abgang des Berichts belagern sie Barquisineto. Vor einigen Tagen zerstörten sie einen Theil der englischen Eisenbahn von Caracas nach La Guayra. Die Zeitungen der Regierung behaupten während dessen, das Land wäre friedlich. Die Hauptstadt Caracas macht den Eindruck einer todten Stadt. Niemand geht aus, am wenigsten die Männer, da man fürchtet, zum Militär gepreßt zu werden. Die Noth ist so groß, daß man ohne Ueber- treibung behaupten darf, zwei Drittel der Bevölkerung könne sich nicht jeden Tag eine Mahlzeit gestatten. Die Geschäfte liegen ganz still. Das Gold ist verschwunden, und man sieht nur Papiergeld, welches durch nichts weiter garantirt wird, als durch die höchst zweifelhafte Fortdauer der Regierung. Diese abnorme Lage wird noch für einen oder zwei Monate andauern, weil die Armee des Generals Matos die Umgebung von Caracas nicht vor dieser Zeit erreichen kann." — Wie dem „B. T." aus N e w - N o r k telegraphirt wird, ist A g u i n a l d o freigelaffen worden. Ein Transportschiff wurde nach der Karolinen-Jnsel Guam beordert, um die dorthin deportirten Philippiner abzuholen.
* Cuba. Der von der Weltausstellungs-Verwaltung in St. Louis nach Cuba entsandte Kommissär, Herr Charles M. Pepper, ist nach längerem Aufenthalt auf der Insel zurück- gekommcn. Er entwirft ein düsteres Bild von den wirthschaft- lichen Zuständen dort. „Die großen Zuckerplantagen machen gar keine Vorbereitungen, um eine Ernte im nächsten Jahre zu erlangen," sagt Herr Pepper. „Die Zahl der Arbeitslosen wächst in erschreckender Weise und es ist schon nothwendig geworden, die Landgendarmerie zu vermehren, da Unruhen zu befürchten sind. Die Cubaner sind stolz auf ihre neue Republik und vermeiden es daher, sich in Klagen zu ergehen, namentlich sucht der Handelsstand die Verhältnisse in besserem Lichte erscheinen zu taffen, als sie wirklich sind. Um die Regierungsausgaben, welche die Einnahmen weit übersteigen, zu verringern, entläßt Präsident Palma links und rechts Beamte. Dadurch werden indessen den unzufriedenen und beschäftigungslosen Elementen viele neue Rekruten zugeführt."
KLdafbtttanisches.
wb. London, 5. Juli. Heute wurde im Parlament kstt Weißbuch ausgegeben, welches die Depesche Chamberlains an dett Gouverneur der'Kapkolonie, Hutchinson, enthält, worin Chamber- lain zu der Bitte des Gouverneurs der Kapkolonie, zeitweilig die Verfassung aufzuheben, Stellung nimmt. Chamberlain bemerkt darin, daß die Suspendirung der Verfassung einer verantwortlich verwalteten Kolonie ohne Beispiel sei und nur durch einen Akt des Reichsparlaments möglich gemacht werden könne. Ueberdies habe nur die Minderheit der Mitglieder des Kap- Parlaments die Petition unterzeichnet und es seien alle Minister der Kolonie dagegen. Es sei ein Jndemnitätsgesetz erforderlich, um die während des Kriegszustandes getroffenen Anordnungen zu sanktioniren und die Ausgaben nachträglich zu bewilligen,
der Welt in einer Strahlenglorie kindlicher Liebe zu erscheinen, von der doch fein Herz nichts mehr wußte?
Gleich einem mit Widerhaken versehenen Speer bohrten diese selbstquälerischen Gedanken sich fester und fester in seine Seele ein, und es half ihm wenig, daß er lM anfänglich noch mit allen Kräften von ihnen zu be- freien luchte. Mochte er auch seine Wissenschaft zu Hülfe rufen und sich die schrecklichen Leiden seines Vaters ausmalen, von denen es keine andere Erlösung gab als den Tod —- die Verwerflichkeit seines Empfindens stand rhm doch wieder klar vor Äugen, wenn er mit unerbitt- Ircher Aufrichtigkeit von seinem Gewissen Antwort heischte auf die Frage, ob es denn in Wahrheit die mitleidige Theilnahme an diesen Qualen sei, die eine so heiße Sehnsucht nach dem Eintreffen der befreienden Todesnachricht rn ihm weckte und nährte.
Hätte er Menschen um sich gehabt, und wären es auch Menschen der niedrigsten, verworfensten Gattung ge- wesen ■ hätte man ihm eine Beschäfügung vergönnt, durch dre wenigstens ein kleiner Theil seines unermüdlich arbeitenden Geistes in Anspruch genommen worden wäre — vielleicht würde es ihm gelungen sein, sich aus dem Banne dieser krankhaften Grübeleien zu retten, die den gesunden Trieb der Selbsterhaltung mehr und mehr in ihm erstickten.
- ?ber er hatte Tag um Tag keine andere Gesellschaft als die kahlen Wände seiner engen Zelle, keine andere Thatigkeit als die einförmige, kunstlose Verrichtung, die seme Hände mechanisch bewirken konnten, ohne daß sie seme Gedanken im Verlauf der träge hinschleichenden Stunden ein einziges Mal wohlthätig abgelenkt hätte Wohl kamen auch jetzt noch Stunden, in denen seine ^irgend, sein Lebensdurst, die leidenschaftliche Liebe für feine Wissenschaft und zuweilen auch sehnsüchtige Er- innerungen an eine holde Mädchengestalt sich schmerzvoll aiiflehnen wollten gegen jenes übermenschliche Pflicht- gebot Aber dann gesellte sich zu der spitzfindig er- grübelten Wahnidee der Trotz — derselbe unbändige Trotz, der einst dem Knaben die Lippen verschlossen hatte, als Lehrer und Mitschüler ihn, den Schuldlosen einer unehrenhaften, abscheulichen Handlung fähig ge-' ölaubt. (Fortsetzung folgt.)
