Verlag Lauggaffe 21
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Sreitag. 16. Juli 1915.
Morgen-klusgabe.
Nr. 325. - 63. Jahrgang.
Oer Urieg.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Oer österreichisch-ungarische Tagesberichte
W. T.-ß. Wien, 15. Juli. (Mchtamtlich.) Amtlich verlautet vom 15. Juli, mittags:
Russischer Rriegsschauplatz.
Neue Rümpfe am Dnjestr.
Die allgemeine Lage hat sich nicht geändert.
Am D n j e st r, abwärts Nizniow, kam es am nördlichen Flußufer an mehreren Stellen zu erfolgreichen Kärnpfcn unserer Truppen, wobei 11 Offiziere und 550 Manu des Feindes gefangen wurden.
Italienischer Rriegsschauplatz:
Gegen einzelne Stellen des Plateaus von Dober- do unterhalten die Italiener wieder ein lebhaftes Gefchützfeuer. Sic versuchten auch mehrere Jnsanterie- angrisfc, namentlich zwifZsen Straussina und P o l a z o, wurden aber wie immer unter! großen Verlusten zurückgc schlagen.
Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet hat sich nichts von Bedeutung ereignet.
Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs:
b. H ö s e r, Frldmarschalleutuant.
*
Russische Rückzugsmethoden.
Bukarest. 15. Juli. (Ktr. Bin.) Die ..Nowvje Wremjo" hat bekanntlich vor einigen Tagen gemeldet, daß die Ruffen bei ihrem Rückzuge hinter sich alles vernichten. Wie nun ein Londoner Telegramm bestätigt, werden alle Vorräte und Einrichtungsstücke in Russisch-Polen von den russischen Truppen, die den Rückzug der Hauptarmee decken, vernichtet. Aus den Dörfern werden die Einwohner in das Innere Rußlands abgeschoben. Die. Häuser werden angezündet oder zerstört. Auf den Feldern oder in den Magazinen wird das Getreide in Brand gesteckt. Für die Versorgung der in großer Zahl in Eisenbahnzügen nach dem Innern Rußlands beförderten Bevölkerung versprechen die Semstwos aufzukommen.
Und neues Leben blüht wieder in Lemberg.
Wien, 15. Juli. (Ktr. Bln.) Die „Nowa Resorma" in Krakau meldet aus Lemberg: Die Arbeiten bei der Wiederherstellung der Bahngeleise schreiten rasch vorwärts, und bald wird die Verbindung nach Westen in normalem Betrieb sein. Auch der Lemberger Haupt- bahnhof wurde bereits soweit instand gesetzt, daß der Betrieb ausgenommen werden konnte. Der an den Lemberger Bahnhofsbaulichkeiten verursachte Schaden beläuft sich auf 11 Millionen Kronen. Der deutsche Generalkonsul Heinze in Leniberg ist aus Wien dorthin zurückgekehrt.
Dro Zerstörungen im Erdölgebiete.
Berlin, 15. Juli. (Ktr. Bln.) Wie die Kriegsberichterstatter laut „Deutscher Tagesztg." melden, hätten die Russen in Tustanovice 178 Erdölschächte mit einem Gesamtwerte von 40 Millionen Kronen niedergebrannü In Modrycz und Kolpice seien von den Russen 15060 Erdölzisternen durch Brandlegung vernichtet worden.
Russische Offist ersverluste.
Stockholm, 15. Juli. (Ktr. Bln.) Die fiir den 27. und 28. Juni a. St. veröffentlichten Verlustlisten (ausschließlich Offiziere) enthalten an Toten, Verwundeten vjnb Vermißten 5 Generale und 31 Regimentskommandeure. Die Verluste schellten aus den Kämpfen um Hal'sch am Tmjeslr herzurühren.
Rruppsche Stiftungen für das Dstheer.
Berlin. 15. Juli. (Ktr. Bln.) Der „B. L.-A." erfährt aus Essen, daß der Gesandte Krupp von Bohlen und Halbach 50 000 M. fiir Bade- und Desinscktionswagen des OstheereS, 25 600 M. für warme Unterkleidung und 30 000 M. fiir Mineralwasser gestiftet hat. Die gleiche Summe ist von den Kruppschen Werksangehörigem aufgebrocht worden.
Nahezu 100 Millionen Schaden in Moskan.
Die Versichcrungsgefcllschaften lehnen jede Zahlung ab.
Sr. Petersburg. 15. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In einer gemeinsamen Beratung der Direktoren haben sämtliche russische Versicherungsgesellschaften beschlossen, für den durch den Moskauer Pogrom verursachten Schaden nicht aufzukommcn. Von den Russen alltin ist bisher ein Schaden durch Raub und Brand in Höhe von 5 3 Millionen Rubel angemcldct, von Neutralen weitere 19 Millionen. Der Schaden, den Unversicherte, die meist wenig begütert sind, erleiden, wird auf ungefähr 2 0 Millionen geschätzt.
Änderung der baltischen Provinznamen.
Stockholm, 15. Juli IKtr. Bln.) Laut „Nowose Wremja" sollen die Gouvernements Kurland, Livland uns E st l a n d andere Namen bekommen. Tie künftigen Namen werden entweder Rigaer, Newaler, Mitauer, wie zu Zeiten Katharinas II., oder Kuroner, Liwoner, Estoner Gonverne- ment lauten. Die Hauptsache sei, daß das verhaßte Wort aus den Namen verschwinde.
Her „Rurik" beim Gefecht von Gotland erheblich beschädigt.
Berlin, 15. Juli. (Ktr. Bln.) Bei dem KrLuzevgefecht bei Gotland am 2. Juli ist, wie die „Voss. Ztg." erfährt, der russische Panzerkreuzer „R u r i k" erheblich beschädigt worden. Er wird zurzeit in Kronstadt ausgebessert. Die Vermutung, daß das Schiff von der schweren Artillerie unseres Kreuzers „Roon" Treffer erhalten hat, wird demnach vom neutraler Seite bestätigt.
Oer Eröffnungstag der Duma.
Berlin, 15. Juli. (Ktr. Bln.) In Dumakreisen wird behauptet, daß als Eröffnungstag der Duma mummehr der 31. Juli n. St. in Aussicht genommen sei. Die Regiernng beabsichtige, den Jahrestag der Kriegserklärung zu einer neuen.Kundgebung in der Vollsitzung der Duma auszunutzen.
Der Tiefstand des russischen Geldwertes.
W. T--B. Petersburg, 15. Juli. (Nichtamtlich.) Petersburger Industrielle reichten beim Finanz-minister ein Gesuch ein um Maßnahmen zur Ausbesserung des russischen Geldwertes, dessen Kurs um 25 bis 30 v. H. unter seinem Werte stehe, was im Ausland dqn Eindruck kikank- hafter Zustände Hervorrufe und die größten Schwierigkeiten für den Handel herbeiführe.
Oer Krieg gegen Italien.
Italien erst nächste Woche kriegsbereit!
Br. Zürich, 15. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ans Ehur wird 'beachtet: Eure in Chuasso eingetwoffene autoritative Persönlichkeit versichert, daß erst nächste Woche Italien vollständig kriegsbereit fein wird, um den Kampf auf der ganzen Basis aufznnehniLn. Der Feind habe es am
Jsonzo noch «ist mit einem Zehntel 'der italienischen Armee zu tun gehabt.
Fast zehn Monate hatte Italien sich auf den Krieg vorbereitet, nahezu zwei Monate sind scholl wieder vergangen, seitdem es m den Krieg einyetveten ist, und nun wird angekün- digt, daß es erst nächste Woche rn voller Kriegsbereitschaft dastehen werde. Daß dabei die übliche Großsprecherei ebenfalls eine Rolle milspielt, kann nicht weiter verwundern, nachdem die italienische Heeresleitung bei rhren Verbündeten so gründlich :n t»e 'Schule gegangen ist. Wenn es sich aber nun zeigen sollte, daß die Italiener auch nächste Woche noch nicht mit ihrer Rüstung ferng sind, viellcich: sind sie's dann die Woche darauf oder in einem Monat. Ja, wir besorgen, daß es ihnen vielleicht erst gar nach Ende deS Feldzugs gelungen sein wird, wenn sie wirklich fertig fern werden!
Italienische Angriffe auf die Tiroler Grenze.
ck. Wien, 15. Juli. (Eitz. Drahibericht. Ktr. Bln.) Neuerdings haben die Italiener Angriffe gegen die Stellungen am Kreuzberge im Hinterem Se-xtentale gerichtet und zwei AIpini-Bataillone gegen den Col di Lana nordöstlich der Marmolata Vorgehen lassen. Sie machen' jetzt Anstrengungen, gegen Tirol vorzustohen, nm hier Durchbvuchsversuche zu machen, die ihnen in großem Stile am I s o n z o . im kleinen an allen Gefcchtsabschnitten im Süden Tirols so kläglich mißlangen. Beim ersten größeren Angriff der zwei Bataillone Alpini spielten ihnen unsere Geschütze einen Tanz auf, der mit einem Galopp der Italiener nach rückwärts endete, denn für sie ist nichts schrecklicher, als von Artillerie aus unsichtbarer Stellung beschossen zu werden.Allem Anscheine nach
ziehen die Italiener nun am Col di Lana Verstärkungen nacht welche ihre Absichten, dem Berg zu erobern, verwirklichen sollen.
Das Kopfzerbrechen über Porros Mission.
W-T.-B. Mailand, 15. Juli. (Nichtamtlich.) Der Pariser Korrespondent des „Secolo" berichtet, der Besuch des Generals P o r r o an der französischen Front bezweckte, über die Möglichkeit eines Zusammenwirkens mit den verbündeten Streitkrüften Klarheit zu gewinnen und den Augenblick für einen gemeinsamen Angriff fest- zusetzen.
Der Krieg gegen England.
Abermals eine gegenseitige Beschießung feindlicher Rriegsschiffe!
W. T.-B. Berlin, 15. Juli. (Nichtamtlich.) Am 5. Juli gab das französische Marineministerium amtlich bekarmt, daß am 4. Juli im Ärmelkanal zwei deutsche Unterseeboote durch Fahrzeuge des französischen zweiten leichten Geschwaders beschossen worden seien, daß hierbei ein Unterseeboot von mehreren Granaten getroffen worden sei. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, kommen deutsche Unterseeboote nicht in Frage, cs kann sich daher nur um französische oder englische Unterseeboote handeln, die von den genannten französischen Strritkrästen irrtümlich beschossen wurden.
Oie Registrierungsbill im Gberhause abermals angenommen.
W. T.-B. London, 15. Juli. (Nichtamtlich.) Im Oberhaus beantragte Lord Lansdowne die zweite L-efung der Registrierungsbill. Er erwähnte, daß jetzt seines Wissens 22 oder 23 Divisionen auf dem europäischen Kriegsschauplatz kämpfen. Bei der Besprechung der Munitionsschwierigkeiten sagte Lansdowne: Die Lieferanten hätten die Regierung im Stich gelassen. England machte auf dem And- landsmarkt den Verbündeten Konkurrenz. Eine klägliche Balgerei herrschte um die Krieg smwnitron mit den bekannten Folgen. Man werde nie erfahren, was der Mangel an Organisation dem Lande gekostet hätte. Die Bill enthalte nichts, was einen Staatszwang begründe; dieser könne nur durch ein neues Gesetz emyeführt werden. Die Bill bedeute in gewissem Sinne eine Annäherung an den Staatszwang, insofern die Register die Einführung der Wehrpflicht erleichtern würde. Die Gegner der Wehrpflicht sollten versuchen, die Frage zu beantworten; wie lange der Krieg dauern würde und ob sie dafür Gewähr leisten könnten, daß sie den Krieg ohne Wehrpflicht beenden könnten. — Lord De ver- p o r t sagte, die Regierung hatte besser getan, wenn sie den Mut besessen hätte, direkt die, Wehrpflicht einzuführen. Die jetzige Bill fei ein Kompromiß zwischen denen, die wollten, und denen, die nicht wagten. — Die Bill wurde in zweiter Lesung angenommen.
Eine neue Verletzung der norwegischen Neutralität?
Erzdampfrr und Kriegsschiff.
W. T.-B. Christian!«, 15. FuL. (Nichtamtlich.) Dem Blatt „Nordlanbs Posten" in Drontheim erzählte ein zuverlässiger Mann, daß er am letzten Mittwoch eine Seemeile vom Lande, an 'den eLen Stelle, lvo der deutsche Dampfer „Friedrich Arp" in den Grund gebohrt worden ist, ein K r i e g s s.h r f f mit zwei Schornsteinen gesehen habe, das vom Westen kam. Gleichzeitig sei ein größerer T a m v s e r erschienen; man Härte einen S ch u tz fallen, woraus der Dampfer cmhielt. Das Kriegsschiff legte sich an seine Seite und signalisierte einem kl-erneren Dampfer, der sich in der Nähe befand, später aber verschwind. Das Kriegsschiff suthr dann mit dem Dampfer w e st w ä r t s. Wie ans Narwik gemeldet wird, handelt es sich bei dem beschlagnahmten Dampfer wahrscheinlich um dem Lübecker Dampfer „Belgia", der Narwik mit einer Erzladung verLrssen hatte.
Ein dänischer Holzdampfcr aufgebracht.
W. T.-B Kopenhagen, 15. Juli. (Nichtamtlich.) Der dänische Dampfer „Kronprinz Frederik" wurde südlich des Sundes von deutschen Kriegsschiffen angehalten und nach Swinemünde verbracht. Der Dampfer war m^ einer Holzladumg von Sundsvall nach England unterwegs.
Die Kritiker der englischen Regierung.
. W. T--B. London, 15. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Daily News" schreibt: Der Nachdruck, mit dem das Unterhaus die summarische Art guthieß, wie der Premierminister mit lßen Kritikern der Regierung verfuhr, gibt die im Lande -herrschende Stimmung über die Tätigkeit eines gewissen Teiles der Presse und einer kleiueln Kligue ihrer Anhänger im Parlament wieder. — „Daily Mail" stellt in einem Leitartikel die Tüchtigkeit der Soldaten den emtgegew- gesetzten Eigenschaften der Politiker gegenüber. Das Blatt sagt: Niemand wurde wegen Nachlässigkeit in der Muni- t^onsfrage entlassen oder bestraft. Asguith unterdrückt noch innner die Untersuchung der Tatsachen und ineigerte sich, dem Hause Fragen zu beconitworten. Asquith will absoluter Herr des Unterhauses fein-; je mehr sich seine Herrschaft tu der Art, wie vorgestern, entfaltet, desto weruger wird Las
