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Donnerstag, 15 , Juli 1915.
erbend- Ausgabe.
Nr. 324. - 63. Jahrgang.
Oer Urieg.
Neue Erfolge Hindenburgs!
praschnüich genommen!
Oer Tagesbericht vom 15. Juli.
W. T.-B Großes Hruptqartier, 15. Juli. sAmtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz, elbgeschlagene französische klngriffe bei Souchez uns in Ser Champagne. — Verstärkung Ves Erfolges in den Krgonnen. weitere Gefangene.
In Skdflandern sprengten wir gestern westlich von Wytschaete mit bestem Erfolg Minen.
In der Gegend von Souchez griffen die Frauzoseu zum größten Teil mit stärkeren Kräften an verschiedenen Stellen an. Sie wurden überall zurückgeschlagen.
Nordwestlich von dem Gehöft B e a u - s c j » u r in der Champagne kam ein feindlicher Handgranaten-Angriff infolge unseres Minenseuers nicht zur Durchführung.
Die Franzosen machten gestern bis in die Nacht hinein n-iederholt Versuche, die von uns eroberten Stellungen im Argonncnwald zurückzuerobern. Trotz Einsetzens gröberer Munitionsmcngen und starker» aufs neue Hera ^geführter Kräfte, brach sich ihr Angriff an der unerschütterlichen deutschen Front. An vielen Stellen kam es zu e r- bitterten Handgranaten- und Nah kämpfen. Mt ungewöhnlich hohen Verlusten bezahlte der Gegner seine ergebnislosen Anstrengungen. Die Zahl der französischen Gefangenen hat sich auf 68 Offiziere, 3688 Mann erhöht. Der Erfolg unserer Truppen ist um so bemerkenswerter, als noch übereinstimmenden Gefangenenaussagen die Franzosen für den 14. Juli, den Tag ihres Rationalfestes, einen großen Angriff gegen unsere Argonner Front vorbereitet hatten.
Auch östlich der Argonnen herrschte gestern erhöhte GesechtStätigkeit. Im Walde von M a l a n c o u r t wnrden Angriffsversvche des Feindes durch unser Feuer ver. hindert.
Im Prkcsterwalde brach ein französischer Vorstoß verlusffeich vor unseren Stellungen zusammen.
Ein französisches Flugzeug wurde bei überstiegen unserer Stellung bei Souchez getroffen und ging brennend in der feindlichen Linie nieder. Ein zweffes wurde bei Henin-Litard hernntcrgeschossen. Führer und Beobachter fielen verwundet in unsere Hand.
DestNcher Kriegsschauplatz.
3123 Russen an der Windau, bei Suwalsti und Kölns gefangen. Die Fortschritte bei praschnüsch.
In kleineren Gefechten an der W i n d a u , abwärts K u rsch an i , wurden 2 Offiziere, 425 Russen zu Gefangenen gemacht.
Südlich des N j c m e n, in der Gegend von Kal- w a r i a , eroberten unsere Truppen bei Franciczkowo und O s o w a mehrere ruffischc Vorstellungen und behaupteten sie gegen heftige Gegenangriffe. Nordöstlich von Suwalki wurde die Höhe von Olscanka von uns erstürmt, 300 Russen gefangen genommen und zwei Maschinengewehre erbeutet.
Südwestlich Kvlno nahmen wir das Dorf Krusca, sowie feindliche Stellungen südlich und östlich dieses Dorfes und südlich der Linie Tartak-Lipniki. Weitere 2400 Gefangene und 8 Maschinengewehre fielen in unsere Hände.
Die Kämpfe in der Gegend von Praschnüsch wurden erfolgreich fortgeführt. Mehrere feindliche Linien wurden von uns genommen und die in den letzten Februartagen heiß umstrittene und von den Russen stark aus- gebaute Stadt Praschnüsch selbst von uns besetzt.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Loge ist im Allgemeinen unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Von östlichen Kriegsschauplätzen.
Die Russen ziehen sich wieder zurück.
Sr. Rotterdam, 15. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die „Times" erfährt aus Petersburg: An der Meldung, daß die Russen jetzt auf den Höhen am rechten Ufer der Urze- d o f k a Halt machen, gehe hervor, daß sie sich 8 Kilo- meter nördlich zurückgezogen gaben, um zu ver- ’ meiden, daß sie der Gefahr eines Flankenangriffes durch die Armee Mackensen ausgesetzt würden.
worauf man in Rutzland sich gefatzt macht.
W. T-B. Petersburg, 14. Juli. (Nichtamtlich.) Der Minister des Innern befahl allen Gouverneuren, :m Falle des Einrückens des Feindes die Bevölkerung zu beruhigen und beim Verlassen alle Lebensmittel und Futtermittel mitzuführen sowie alle Kupfer- und Meffingsachen, Türklinken und Kirchenglocken zu entfernen. Den Einwohnern von Kurland wurde nach einer Meldung des „Ntußkoje Slowo" aus Riga befohlen, beim Einrücken des Feindes sofort die Kirchenglocken zu enffcrnen und die aesanrte Aussaat»» vernichten — Der Kultusminister hat
allen deutschen Kolonistenschuler. befohlen, die russische Sv rache als Unkerrichtssprache ^erntzuführen und alle Lehrer zu entfernen, die die russische spräche nicht beherrschen.
Proklamationen gegen den Krieg in ganz Rutzland?
Sr. Wien, 15. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Korrespondenz „Rundschau" meldet: Die Behörden der russischen Städte beharren bei der Angabe, daß es sich ledig
lich um lokale Ausschreitungen wegen Lebensmittelnot und Teuerung sowie wegen gewisser finanzieller Verfügungen der Obrigkeit handele, dagegen wird zugegeben, daß den Tumulten in mehreren Hafenstädten auch andere Beweggründe innewohnen. Nachforschungen der Polizei ergaben, daß Proklamationen gegen den Krieg in ganz Rußland massenweise in Umlauf sind. Die Zentrale, von der sie ausgehen, ist bisher nicht ermittelt.
Oie Verhandlungen mit der Union.
Keine Verschärfung zwischen Deutschland und Amerika.
Br. Hamburg, 15. Juli. (Eig. Drahtiboricht. Ktr. Bln.) Nach dem „Hamb. Fremdenbl." meldet der „New Jork Hcrald" aus Washington: Das Staatsdepartement informierte dir Presse, daß keine Verschärfung der Verhandlungen zwischen Deutschland eingetreten sei. Das Blatt fügt hinzu, daß die amerikanische Antwortnote kaum vor drei Wochen zu erwarten sei.
Eine deutliche Note Oesterreichs an die Vereinigten Ltaaten in der IVaffen- lieferungsfrage.
W. T.-B. Wien, 15. Juli. (Nichtamtlich.) Der Minister des Äußern hat an den Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika am Wiener Hofe eine Note gerichtet, die den nachstehenden Wortlaut hat:
Wien, 29. Juni 1915. Die tiefgreifenden Wirkungen, welche sich aus der Tatsache ergeben, die seit geraumer Zeit zwischen den Bereinigten Staaten von Amerika einerseits und Großbritannien und dessen Verbündeten andererseits im Handelsverkehr mit Kriegswaffen im großen Umfang abspielt, während Österreich-Ungarn gleich Deutschland von dem amerikanischen Markt völlig abgeschlossen sind, haben von allem Anfang an die die ernsteste Aufmerksamkeit der k. und k. Regierung auf sich gezogen. Wenn nun der Unterzeichnete sich erlaubt, in dieser Frage, mit welcher das Washingtoner Kabinett bisher bloß von der Kaiserlich deutschen Regierung besaßt worden ist, das Wort zu nehmen, so folgt er hierbei dem Gebor der unabweiskichen Pflicht, die ihm anvertrauten Interessen vor weiterer schwerer Schädigung zu bewahren, die aus dieser Situation gleich wie für das Deutsche Reich, so auch für Österreich» Ungarn erwächst. Ist auch die k. und k. Regierung durchaus davon überzeugt, daß die Haltung, welche die amerikanische Negierung in dieser Angelegenheit einnimmt, keiner anderen Absicht entspringt, als der, die strikteste Neutralität zu wahren und sich den in Betracht kommenden Bestimmungen der internationalen Verträge bis auf den Buchstaben an- zupassen, so drängt sich doch die Frage auf. ob die Verhält
nisse, wie sie sich im Laufe des Krieges, gewiß unabhängig von dem Willen der Bundesregierung, herausgebildet haben, nicht derartig beschaffen sind, daß sie die Jntensionen des Washingtoner Kabinetts ihrer Wirkung nach durchkreuzen, ja daß diese geradezu ins Gegenteil verkehrt werden. Wird aber diese Frage bejaht, und ihre Bejahung kann nach der Meinung der t. und k. Negierung nicht zweifelhaft sein, dann knüpft sich hieran von selbst die weitere Frage, ob es nicht möglich, ja sogar geboten erscheint, daß Maßnahmen
ergriffen werden, die geeignet sind, dem Wunsch der Bundesregierung, beiden Kriegsparteien gegenüber eine stärkere paritätische Haltung einzunehmen, volle Geltung zu verschaffen. Die k. und t. Regierung zögert nicht, auch diese Rechtsfrage unbedingt zu bejahen.
Der amerikanischen Regierung, die an demHaager Werk» in so hervorragender Weise Mitgearbeitet hat, ist es sicherlich nicht entgangen, daß sich Wesen und Inhalt der Neu- tralität in den ftagmentarischen Vorschriften der einschlägigen Verträge nicht annähernd erschöpfen. Faßt man speziell die Entstehungsgeschichte von Artikel 7, bezw. 13 der Konvention ins Auge, auf deu sich die Bundesregierung in vorliegendem Falle offenbar stützt, und dessen Wortlaut ihr, wie durchaus nicht geleugnet werden soll, eine formale Handhabe für die Duldung des von den Vereinigten Staaten gegenwärtig betriebenen Handels mit Kriegsmaterial bietet, so bedgrf es, um den wahren Geist und die Tragweite dieser Bestimmung zu ermessen, die übrigens schon durch das Verbot der Lieferung von Kriegsschiffen und durch das Verbot gewisser Lieferungen an Kriegsschiffen der krieg- führenden Länder durchbrochen erscheint, nicht erst des Hinweises darauf, daß die neutralen Staaten in den einzelnen eingeräumten Befugnissen im Sinne des Preambule zur letztgenannten Konvention ihre Grenzen findet in den Forderungen der Neutralität, wie sie den allgemein anerkannte:: Prinzipien des internationalen Rechts entsprechen. Nach allen Autoritäten des Völkerrechtes, die sich mit der hier zunächst in Betracht kommenden Frage des näheren beschäf- ffgen,
darf eine neutrale Regierung den Handel mit Krirgskonterbande nicht ungehindert sich v o l l zi e h c n lassen, wenn der Handel eine solche Gestalt oder solche Dimensionen annimmt, daß dadurch die Neu - t r a l i tä t des Landes in Mitleidenschaft gezogen wird. Mag man nun der Beurteilung der Zuläsßigkeit des Konterbandehandels, welches der verschiedenen Kriterien immer zu Grunde legen, die in dieser Hiusicht in der Wissenschaft aufgestellt wurden, so gelangt man nach jedem einzelnen derselben zu dem Schluffe,
daß der Export von Kriegsbedarf aus den Vereinigten Staaten, wie er im gegenwärtigen Kriege betrieben wird, mit den Forderungen der Neutralität nicht in Einklang zu bringen ist.
ES handelt sich jetzt nicht um die Frage, ob die amerikanische Industrie, die sich mit der Erzeugung von Kriegsmaterial beschäftigt, davor bewahrt werden soll, daß der Export, den sie zu Friedenszeiten betrieben yat, eine Einbuße erleide. Vielmehr hat diese Industrie gerade infolge des Krieges eine ungeahnte Steigerung erfahren. Um die ungeheuren Mengen. von Waffen, Munition und sonstigem Kriegsmaterial aller Art zu fabrizieren, welche Großbritannien und deLen Verbündete im Laufe der vergangenen
