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1. Beilage mm Meskaüener Tagkiatt.

Ko. 297 . Morgen-Ausgabe.

Sonntag, den 29. Juni.

50. Jahrgang. 1908.

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Ein Trinkgcschirr, sobald es leer,

Macht keine rechte Freude inebr.

Wilhelm Busch.

. (94. Fortsctzin g.)

Der Mar sch all stad.

S.'omon von Waliser Schulte vom Arüsl.

. , Er setzte sich nieder, steckte einen Serviettenzipfel hrnter öte Halsbrnde und begann mit den Worten: „Ich denke, zum bloßen Anschauen hast Du das nicht her­gestellt", kräftig zuzulangen.

Das Gebotene schien seine volle Zufriedenheit zu finden. Besonders der Wein erregte sein Wohlgefallen und er äußerte sich bedeutungsvoll, der Tropfen sei so gut, daß man Alles darüber vergessen könnte.

. „Ja. Vater, das denke ich auch", sagte Frau Kalten- bach mit Thränen in den Augen, und dann stießen Alle innerlich bewegt mit den Gläsern an.

„Nur eins, lieber Junge, will mir neuerdings wieder nicht gefallen", seufzte der Fabrikant nach dem vierten Glase, schlug die Arme übereinander und blickte ernsthaft vor sich hin. „Und das, waS mir nicht gefällt", fuhr er nach einer Weile fort, „das . .

„Ach, laß das nur, Alter", unterbrach ihn die Frau schnell. „Du kannst ja überhaupt über diesen Punkt noch nicht vollkommen urthellen."

„Oho, ich nicht urtheilen", fuhr er auf und es hatte ganz den Anschein, als wolle er sich in seiner Weise heftig über das angeschlagene Thema verbreiten. Da klopfte es und ein Commis erschien mit der Meldung, daß der Justizrath von der Hütten drunten sei und den Herrn Prinzipal zu sprechen wünsche.

„Er ist der Rechtsbeistand meines Geschäfts und hat eine bedeutende Einlage darin", sagte Hans, „zudem ist er mir ein sehr angenehmer alter Herr; ich kann ihn nicht sortsenden."

„Na, so laß doch diese wichtige Bekanntschaft ein Glas Wein mit uns austrinken", meinte Herr Kaltenbach gut- müthig und Hans befahl dem jungen Mann, den Justiz, rath hinauszuführen.

Kaltenbach senior zog seinen Kragen etwas zurecht und warf sich in Positur. Man mußte dem Herrn mit dem feinen Titel doch zeigen, daß man es mit einem wohlansehnlichcn Manne zu thun habe, der die Bezeich­nung „Kommerzienrath" eher verdient hätte, als mancher Börsenjobber und Geldwucherer. Aber der Fabrikant wurde seines Selbstbewußtseins bald ledig, als der alte, in einem schwarzen Oberrock schlicht, aber vornehm ge­kleidete Jurist erschien, mit vollendeter, weltmännischer Sicherheit sich verbeugte, dann Hans väterlich wohl­wollend begrüßte und sich den Eltern vorstellen ließ. Er küßte Frcm Kaltenbach galant die Hand, sprach seine Freuds aus, die Mutter eines so vortrefflichen jungen Mannes kennen zu lernen und wandte sich dann ihrem Gatten zu, den er mit feinem Lächeln scharf anblickte.

„Ich nahm mir die Freiheit, seit Jahr und Tag bei

Ihrem Herrn Sohn ein bischen Vater zu spielen", sagte er.

Der Fabrikant, der erwas wie einen leisen Vorwurf für sich aus diesen Worten herauszuhören glaubte, em­pfand einen geheimen Aerger, aber er hatte zugleich das bittere Gefühl, daß er dem alten Herrn nicht gewachsen sei. So schwieg er denn unmuthig.

„Ja, der Herr Justizrath hat sich meiner angenommen, als wenn ich sein eigen Fleisch und Blut wäre", sprach Hans mit Wärme und Frau Kaltenbach streckte dem Gaste die Hand über den Tisch entgegen und sagte mit zitternder Stimme: „Ich danke Ihnen. Ich bin ja seine Mutter."

„O, schlagen Sie mein Verdienst nicht zu hoch an, verehrte Frau", wehrte er ab. „Es ist das wahrlich nur ein Gegenseitigkeitsverhältniß; man giebt, man nimmt und ist beiderseits zufrieden. — Aber es freut mich, daß die Herrschaften hier so friedlich beisammen sitzen." Er hob sein Glas. „Es lebe die Familie Kaltenbach!"

Der Fabrikant fand bald sein Behagen wieder, als ihm der Justizrath mit größter Liebenswürdigkert begeg­nete und ihm vielerlei Angenehmes über die Eigenschaften des Sohnes sagte. „Das kaufmännische Genie hat er zweifellos von Ihnen", meinte der Alte, und Herr Kalten- bach fühlte sich geschmeichelt und wandte sich bei den Lob- sprüchen mehrfach an seine Gatsin mit der Frage: „Hab' ich's nicht immer gesagt, Mutter, daß in dem Jungen etwas Rechtes stecke?"

„Gewiß, Vater, das hast Tu immer gesagt", bestätigte die Frau und lächelte halb schmerzlich den Justizrath an.

„Ich kann mir denken, daß Ihr Besuch einen doppelten Zweck verfolgt", erklärte der alte Herr im Lause des Ge­sprächs. „Sie haben sich gewiß nicht umsonst diesen dritten Tag des Musikfcstes zur Herreise gewählt."

„Nein", entgegnete Herr Kaltenbach, „es ist nur ein Zufall. Wir haben gar nicht an das Musikfest gedacht."

„Aber, aber!" rief der Andere vorwurfsvoll. „So haben Sie wohl keine musikalischen Interessen?"

„O gewiß", sprach Frau Kaltenbach eifrig, „ich liebe die Musik außerordentlich und singe und spiele selbst ein klein wenig."

„Und Sie wollten unser Fest ignoriren? Da ist wohl Ihr Herr Gemahl der musikalische Barbar?"

Den Fabrikanten ärgerte das Wort, obgleich ihm in der That jedes Verständniß für die Tonkunst mangelte. Er warf sich in die Brust und sagte kühl „Bitte, bitte, Herr Justizrath. Ich habe auf meinen Reisen stets gern Gelegenheit genommen, gute Konzerte zu besuchen, zu­dem bin ich Ehrenpräsident des „Liederkranzes" in unserm Ort."

Ter Alte lächelte: „Alle Achtung! Dann aber ist es eine doppelt schwere Sünde, wenn Sie das heutige Konzert nicht besuchen. Es ist dem verschiedensten Ge­schmack weitgehend Rechnung getragen, ein rechtes Tutti- frutti. Die ganze Umgegend sendet Gäste her und man hat es so eingerichtet, daß die auswärtigenBesucher zeitig mit der Bahn zurückkehrcn können. — Aber weßhalb haben denn Sie das ganz außer Acht gelassen, junger Freund? Ta hätten Sie Ihren verehrten Eltern ein Vergnügen bereiten können, an dem sich Jahr und Tag zehren läßt", wandte sich der Justizrath an Hans.

„Es ist wahr, daran dachte ich in der Freude, Euch

bei mir zu sehen, gar nicht einmal", sagte der jungeMamt wie zerknirscht.

„Und bei diesem großartigen Programms" fuhr v« Justizrath in seinen Vorwürfen fort.

„Ich könnte mir wirklich selbst um die Ohren schlagen", meinte Hans ärgerlich. „Es hätte sich so gut gemacht. Ich dachte Euch jetzt ein wenig in der Stadt umherzuführen. Gegen zwei Uhr würden wir dann zum Essen in den „Kurfürsten" gegangen sein und daraus wäre das Konzert gerade recht gekommen. Jetzt ist natür­lich nicht mehr daran zu denken, Karten zu bekommen „Es dürste allerdings Alles vergrrffen sein", sagte der alte Herr nachdenklich, dann aber rief er: „Haiti es giebt am Ende noch eine Möglichkeit, die drei Sitze neben dem meinigen zu erhalten. Ich kenne die Karten­inhaber und glaube es fertig zu bringen, daß sie mir die Plätze überlassen, ja, ich bin dessen sogar ganz sicher.

„Das setzte Ihrer Freiindschaft die Krone auf , be­merkte Hans. . ir . Y m

„Darf man fragen, was denn eigentlich zu Gehör gebracht wird?" forschte Herr Kaltenbach vorsichtig

„Ei, Sie kennen als Ehrenpräsident emes Gesang­vereins nicht einmal das Programm?" sprach der ^ussiz- rath. „ES giebt, wie gesagt, Tuttifruttl. Zunächst Beethovens Pastoralsymphonie. Tort hört man, wenn man in Tönen zu lesen versteht, die Schalmei der H^son. das Läuten der Heerdenglocken, das Rauschen der Bach­lein den Reigen des Landvolks, das Säuseln der Winds und sogar das Grollen und Krachen des Donners."

„Das muß ja sehr interessant sein", meinte der

Fabrikant. . „ . . . ...

„Gewiß, ganz außerordentlich interessant; und daber ist das Werk eine unsterbliche Tonschöpfung.. Spater giebt es einen berühmten Bariton, einige Klavierpiecen, ein Streichguartett, ein Geigensolo und dann das Aus- treten unseres berühmten Gesangssterns, der Sophie

Hohenfels." r

„O, das ist ja großartig. Es war sa>on vor zehn Jahren mein Wunsch, sie einmal zu hören", sagte rsiau

Kaltenbach. , „ ,,

„Ich hatte bei dem Arrangement des Festem zu thun und" die Capricen der Hohenfels, die überdies ein geradezu unverschämtes Honorar fordert, haben Mich schwer geärgert. Noch in der Generalprobe hat sie uns die §wlle heiß gemacht", knurrte der Justizrath. _ „Aber ich hoffe, daß die Rache nicht ausbleibt. Die Alliosi hat sie gestern beinahe schon erreicht, und wenn Mich Nicht Alles täuscht, wird diese ihr bald gleich stehen."

Herr Kaltenbach that einen Zug aus semem Glase und schaute den Justizrath eigenthiimlich an. „Wie lautet der Name der Sängerin, die Sie soeben nannten? ; fragte er.

„Signora Evelina Alliosi!"

Der Fabrikant schaute in seinen Wein und sagte nach einer Weile Plötzlich: „Ich bin desJtalienischen nicht

mächtig, aber mir ist, als hieße Alliosi zu deutsch Stein." Er blickte den alten Herrn scharf an. Dieser aber ent- gegnete freundlich: „Nicht doch. verehrterHerrKaltenbach.. Stein heißt meines Wissens in der Sprache Dantes: Pietra. Wäre übrigens auch ein hübscher Künstlername« Wie ist's deiin, soll ich die Billets besorgen?"

(Fortsetzung folgt.)

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Die Abfahrt erfolgt Vormittags 7 Ulir ab Bahnhöfe mittel« Extrazügen der elektr. Bahn und ab Biebrich (Landebrücke der Niederl. Gesellschaft) 7®/« Uhr. Fahrpreis 2.50 Mk. für Erwachsene, 1 Mk. für Kinder. Listen zur Einxcichnung bis längstens Freitag, den 4. Juli, liegen bei den Mitgliedern Herren Arzbach (Albrechtstrasse 8), Bier (Michelsberg 4) und Zahn (Schwalbacherstrasse, Ecke Mauritiusstrasse) auf.

Wir laden die Yerehrl. Mitglieder, sowie Freunde des Vereins nur zahl­reichen Betheiligung ergebenst ein und bitten die Anmeldungen mit Rück, sicht auf die zu treffenden Vorbereitungen frühzeitig’ zu bewirken. F 354

Der Vorstand.

Tiirii*€«esellsclisi,ffl.

Unsere Mitglieder, welche das Mittel-- rheinische Turnfest in Worms besuchen wollen, werden gebeten, sich bis spätestens 5. Juli bei Herrn W. Warnecke, Webergasse 22, anzumelden. Der Vorstand.