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._Werlag des „Wiesbadener Ziagölatt

Air KM des Mr« im öffentliaM feien.

»Der Zweck heiligt baä Mittel", ein Grundsatz, der Sen Jesuiten zugeschrieven zu werden pflegt, findet sich m der Geschichte menschlichen Handelns, soweit wir zuruckblicken. Zur Zeit der römischen Bürgertriege wie rn den Partertämpfcn des Mittelalters werden unter Berufung auf die Interessen des Staats- und Allgemein- Wohls Betrug, Bcrleunidung, Raub und Mord verübt und unter Heinrich IV. und Gregor VII. ist kein Laster und keine Schändlichkeit als Kampfmittel nicht gerecht- fertigt worden mit dem Hinweis auf jenes Prinzip Die Zeiten solcher roher Partei- und Inte ressenkämpfe sind nun zwar vorüber, aber ein vorurtheilsloser Blick in die offentlrcheMskussion der unsereZeit bewegendenProbleme auf wrrthschaftüchem, politischem, sozialein und allgemein kulturellem Gebiete zeigt, daß die Kämpfe unserer Tage nur rn den formen milder wurden, ihrem innersten Wesen nach aber noch im gleichen Geiste geführt werden In welcher Weise heute in der Parteipresse und -Agi­tation manipulirt wird, zeige ein kurzer Rückblick auf die öffentliche Erörterung einiger Fragen und Ereignisse der letzten Zeit.

Recht beliebt ist die tendenziöse Auswahl von That- sachen. Bei Darstellungen von Bestrebungm und Kampf­mitteln einer Partei berichtet der Gegner in der Presse und Persammlungeir mit Breite und Pathos Alles, was einm üblen, abstoßenden Eindruck hinterläßt. Gutes, Entschuldbares, Wahres wird verschwiegen. Dagegen wird die eigene Auffassung unter Uebergehung der schwachen schillernd vorgetragen, Behauptungeii als Thatsachen hingestellt, der gläubige Leser mit Scheu- klappen versehen, die iiur das Zulässige, die glänzende Seite des Gegenstandes sehen lassen. Ein typisches Bei­spiel ist hier die Erörterung des neuen Zolltarifentwurss insbesondere der Getreidezöüe. Wie wurden und werden hier statisttsche und historische Thatsachen zu zweckdien­licher Argumentation tendenziös zusammengestellt, ge­dehnt, verrenkt, verallgemeinert! Durch geschickte Be­leuchtung und Färbung, Uebertreibung, spöttische oder höhnische Redeweise, durch Vergrößerung oder Ver­kleinerung und künstliche Anordnung der Thatsachen

wird ganz überzeugend argumentirt und der gläubige Leser oder Hörer derart bearbeitet, daß er, sich im Besitz der Wahrheit wähnend, jede Prüfung anderer Auf- fa,jungen von sich weist. Ohne die Thatsachen selbst zu verändern, kann durch kunstvolle Auswahl der Wörter ein einseitiger Beigeschmack gegeben werden. Hier wird z. B an geschickt zusammengestellten historischen Daten bewiesen, daß der Getreidezoll vom Ausland getragen wird, da ja die Brodpreise in den Jahren der Zoll- erhohung nicht gestiegen seien: dort wird mit Zahlen be­wiesen, daß der Getreidepreis im Inland fast durchweg um den Zollbetrag höher gewesen sei, als auf dem Welt markte. Der Eine beweist „mit Thatsachen" die Roth läge der gesammten Landwirthschaft, der Andere die Ver schuldung nur der Großgrundbesitzer, Dieser dieMöglich- keit der ausschließlichen Getreideversorgung des Marktes durch das Inland, Jener das Gegentheil. Das geht so weit, daß mancher recht vernünftige Mensch den Glauben an die Statistik überhaupt verliert und auch die Vertreter bestimmter wissenschaftlicher Richtungen für Partei­diener hält.

Weit verbreitet ist auch das Unterschieben schlechter Motive. Stimmt man nicht mit ein in das Wuthgeheul extremer Antisemiten, dann hat man sicher von Juden Geld geliehen, hat von Ur-Ureltern her etwas jüdisches Blut in den Adern oder ist von der jüdischen Presse oder Geschäftswelt bestochen; fällt man nicht in jedes Hurrah- Geschrei ein, dann ist man ein vaterlandsloser inter­nationaler Geselle. Damit im Zusammenhänge steht die Thatsache, daß gewisse Ereignisse auf bestimmte Geistes- stromiingen zuruckgeführt oder besttmmten Parteien „an die Rockschoße gehängt" werden, wie es Bisinarck nannte Der Mord der Kaiserin von Oesterreich und des Königs von Italien, die Attentate geistesumnachteter oder sonstig abnormer Individuen auf den deutschen Kaiser waren nach Meinung eines Theiles unserer Presse, der .gut­gesinnten Blättern", eine Frucht der Sozialdeniokratie, denn ste verhetzte die Gemüther und erzeuge Anarchisten Die Sozialdemokratie wieder argumentirt: im Gegen­theil, den Anarchismus erzeugt die Unterjochung'des Volkes, die Sozialdemokratie verhütet geradezu mit ihrer Aufklärung der Nutzlosigkeit des Mordes un­schuldiger Einzelner solche Vorkommnisse. Wieder Andere fuhren die genannte Thatsache auf den Religiosität und Autorität untergrabenden Liberalismus," noch Andere auf ultramontane Aufhetzung gegen die weltliche Ge­walt zurück.

Auch die Thatsachenfälschung wird nicht gescheut, wenn es sich um große Zwecke handelt. Die Begeisterung für die Buren muß geschürt, Haß und Schadenfreude gegenüber den Engländern genährt werden: flugs er- chestit ein Telegramm, neue Burensiege verkündeiid. Oder das englische Volk muß zu neuen Kosten­bewilligungen gewonnen, der Kriegsmüdigkeit vorge­beugt, die Hoffnung auf baldigen Friedensschluß auch im Handels- und Verkehrsinteresse neu belebt werden: da

FrmUeton.

Die grüne Fahne des Propheten.

Von Heinz Wolfram.

Wenn in allen anderen europäischen Staaten Ruhe und Frieden herrscht, wie augenblicklich, dann ist die Türkei doch fast stets dasjenige Reich, welches dasür sorgt, daß es denen, die politische Aufregungen lieben, an solchen nicht gebricht. Die Zeiten sind vorbei, da man wenig Interesse dafür hatte, „wenn hinten tief in der Türkei die Völker aufeinander schlagen", denn die Welt ist enger geworden, die Nationen fühlen sich in gewisser Weise solidarisch, und wenn Albanier und Mazedonier über ihre Unterdrücker klagen, bann sucht die übrige Christenheit das Joch, unter welchem sie seufzen, etwas zu erleichtern.

Freilich, zu einem thatkräftigen Vorgehen ist cs noch nicht gekommen, denn dieses würde wohl einen Krieg zur Folge haben, der einer der blutigsten und schwersten werden könnte, den die Welt je gekannt. Die „grüne Fahne des Propheten" dürfte dann zur Entfaltung gelangen, und dies bedeutete, daß jeder wahre Muselman verpflichtet ist, sich einzureihen und überall gegen die Christenheit zu kämpfen. Mag er sich in Indien, Egypten, Arabien, am fernsten Ende der Welt befinden, dos Aufstellen der grünen Standarte bringt ihm einen Ruf, den Niemand ungehört verhallen lassen darf, der nicht aller Hoffnung auf das Paradies für immer verlustig gehen will.

Viele Flaggen oder Signale sind von den verschiedenen Nationen benutzt worden, um dir Völker zum Kampfe anzu­feuern für den Glauben, für Dynastieen oder Systeme, keins hat aber je die furchtbare Berühmtheit erlangt, wie die schreck­liche Fahne des Propheten, die in Wahrheit ein blutiges Banner genannt werden kann, denn wer unter ihr streitet, muß alle barmherzigeren Gefühle aus seiner Brust verbannen, Männer, Frauen, Kinder gelten ihm gleichermaßen als Feinde.

In Frankreich bedeutet die „Oriflamme" oder goldene Sonne auf rothem Felde, daß kein Pardon gegeben.wird; die grüne Flagge aber sagt weit mehr als das, sie ist ein Aufruf zu einem Kreuzzug gegen alle „Ungläubigen", die mit Stumpf und Stiel auszurotten sind.

überrascht uns die Kunde von Siegen der Engländer, dem nahe bevorstehende,: Ende des Krieges u. s. f. Kaum ist ein Telegramm da, so lesen wir am nächsten Morgen nn Leitartikel von reger Phantasie geschmückte Einzel­heiten, ,n der Parteipresse entsprechend gestutzt und in den gewohnten Rahmen hineingezwängt.

Die Hauptwaffe der einzelnen Interessengruppen, sei es des Bundes der Landwirthe, der des Zentral­verbandes deutscher Industrieller, der Börse oder der Kleinhandelsmteressenten, des Handwerks, der Konsum- Vereine, der kleinsten wie der größten Gruppe, ist das ^nteressenorgan. Die Art und Weise, lvie hier gekämpft wrrd, richtet sich natürlich immer nach den Persönlich- leiten, doch läßt sich Nachweisen, daß um so rücksichtsloser und skrupelloser _ gekämpft wird, je bedeutendere materielle Interessen auf dem Spiele stehen. Haus- besttzervereme übertreffen hierin bei Weitem die Mieth- bewohnervereine, die eigentlich mehr nur Abwehrvereine sind gegenüber der zunehmendeii Macht der Haus­besitzer; Konsumentenverbände bleiben hinsichtlich der Schroffheit der Forderungen lveit hinter den Produ- zcntenverbändcn zurück; und die Interessenten der Hoch­burg des Geldmarktes: der Börse übertreffen jede andere Jnteressentenvereinigung. Selbst objektiv-wissenschaft- lache, auf reichster Sachkenntniß fußende Arbeiten und Reformvorschläge werden mit allen Mitteln bekämpft, falls sie auf Beseitigung des hergebrachten Schlendrians und von der Allgemeinheit als Mißstände ernpfundenc, aber den Borseninteresscnten selbst nicht nachtheilige oder gar begueme Verhältnisse abzielen. So wurde die kürz­lich erschienene Schrift Prof. Warschauers „Die Re­organisation des Aufsichtsrathswesens" van der Börsen­presse aufs Heftigste bekäinpft, hauptsächlich deshalb, weil Vorschläge gemacht wurden, mit deren Verwirklichung der Aufsichtsrath mehr als bisher wirklich arbeiten müßte und dabei doch nicht mehr die üblichen Riesentantiömen einstreichen könnte/ Alle Hebel setzte man in Bewegung. Zunächst die Thatsachenfälschung: obgleich man weiß,

daß der Autor langer als ein Jahrzehnt der Bank- und Bvrsenpraxrs angehörte, spricht man von „unrealisir- baren ^zdeen eines einzelneii init neuen gelegenheits- gesetzlerischen Vorschlägen schnell fertigen Theoretikers": dann schiebt man ihm unter, mit seiner Kenntniß der Praxis protzeip zu wollen und nur aus Aerger über die hohen Einkünfte der Börseninteressenten Reformvor- schlage zu machen. Man spricht von „Vorschlägen Professoraler Natrm", bezweifelt offen die Berechtigung, als Professor der Staatswissenschaften, als „Theoretiker" mit Reforrnvorschlägen, die auf Ethisirung der Börse drmgen, hervorzutreten, und fordert, daß man die Re- °rm der Praxis überlasse. Man versehmt also geradezu die Mitarbeit solcher Männer, die, über den Sonder- interessen stehend, mit tiefem praktischen Verständniß. Wissen und weitem Gesichtskreis für den Fortschritt ein- treten m der Absicht, die Entwickelung im Interesse der hier wenig urtheilsfähigen Allgemeinheit sanirend zu be-

Mohammed selbst prophezeite, daß eines Tages, wenn seine Anhänger 100 Millionen betragen werden — sie zählen bereits 120 Millionen — seine Flagge gegen die vorrückenden nördlichen Mächte entfaltet werden werde, und der Koran erklärt, daß dann „die Erde erbeben, die Berge zu Staub zusammenfallen, die Meere sich zu Feuersäulen aufzuthürmen und der Kinder Haar werde weiß werden vor Entsetzen". Dieses ist natürlich bildlich gemeint, aber die Geschichte beweist, daß das Entfalten des Banners Furchtbares im Gefolge haben würde, da es in der Brust der Mohammedaner einen bis zur äußersten Grenze ent­stammten Fanatismus erzeugen würde.

Der Ursprung der Fahne ist ein eigenthümlicher. Mohammed stand in Betrachtung versunken, da hob sich sein Blick und schweifte über di- grünen Felder hin: „Grün schmückt sich die Natur, und grün soll mein Zeichen sein, denn cs ist unvergäng­lich wie die Welt." Daher ist auch grün die heilige Farbe, und der Fromme, welchrr nach Mekka gepilgert, hat das Recht, den grünen Turban zu tragen.

Das Aufrollen einer Fahne, die sich ein Religionsstifter zum Emblem erwählt, sollte Frieden, nicht Krieg bedeuten, aber der Muselman breitet seinen Glauben durch Feuer und Schwert aus. Der Koran besagt ja, daß das Schwert das Zeichen und der Beförderer von Glauben, Unabhängigkeit und Patriotismus wäre, daß Armeen, nicht Priester Bekehrungen erlangen, und daß ein geschliffener Stahl „der wahre Schlüssel zum Himmel oder zur Hölle" sei.

Auf dem Banner stehen die Worte, die in Mekka selbst ge­schrieben sein sollen: „All-, die es (das Schwert) ziehen, werden weltliche Vortheile genießen, jeder Tropfen Blut, den sie ver­lieren, jede Gefahr, jede Mühe, die sie erdulden, wird droben als verdienstvoller angesehen werden, als Beten und Fasten. Fallen sie in der Schlacht, dann werden ihre Sünden ausgelöscht sein und sie ins Paradies getragen, um dort in ewigen Freuden in den Armen schwarzäugiger Huris zu schwelgen. Für den obersten Himmel aber sind diejenigen bestimmt, die im Anblick der grünen Flagge des Propheten fallem" Dann folgen die schrecklichen und bedeutsamen Worte: „So möge also keiner

Barmherzigkeit gewähren oder erwarten!"

Mohammed hat durch diese Inschrift bewiesen, daß er die

menschliche Natur und besonders die der orientalischen Völker gute kannte^ „Weltliche Vortheile" reizen wohl fast Jeden, wem v J*^’ cben ' diesen Lohn zu empfangen, dem werden

d,e höchsten Freuden verheißen. In den Augen der Nationen des Ostens gilt »-asten und Beten für so verdienstvoll, daß etwas zu finden was bei Allah noch größeren Werth besitzt, ihnen als das Höchste erscheinen muß. Wem also die Gelegenheit dazu geboten wäre, der ergreift sie mit Freuden, besonders da der Fatalismus der Türken sie ja zu der Annahme führt, daß der Tod ste nur zu einer festgesetzten Stunde dahinrafft und sie zu dieser erreicht, wo immer sie sich auch befinden.

Ein anderes Motto auf dem Banner sagt: Die Thor-

des Paradieses stehen unter „dem Schatten des Schwertes" und diese Worte haben bereits die frühesten AnhängerMohammeds be­geistert in der Schlacht bei Bedr, wo sie den ersten großen Sieg unter der zum ersten Male entfalteten grünen Fahne davon- tru^n. — Die Türken rühmen sich, daß die Flagge noch nie er- obcrl worden ist. Einmal allerdings war sie in großer Gefahr als Mohammed selbst sie in der Schlacht vorantrug und sie ihm aus den Händen gerissen wurde. Ali, sein V-ti-r warf sieb vor die Hunderte drohender Specre, ergriff die Fahne und qc- wann den Sieg.

Mohammed hat übrigens auempfohleii, daß kein .Herrscher das grüne Banner entrollen soll, es sei denn, daß der Islam sich m Gefahr befinde. Dann aber habe es unter großen religiösen ^^monien zu geschehen und m Gegenwart ves Beherrschers der Gläubigen, der selbst cs der Armee vorantragcn solle. Ein chrecklicher Fluch aber treffe all- Mohammedaner, die im Stanve seien, Waffen zu tragen, und sich nicht um das Banne: schari-n

Die grüne Fahne selbst ist nicht besonders schön oder to't- bar. Sie besteht aus grüner Seid« und zeigt einen großen Halb- mond über , der Fahnenstange, von dem ein langer Roßschwcif herabhangt . (es soll der Schwanz des Lieblingspferdcs des Propheten sein). Auf der Fahne selbst ist ebenfalls ein Halbmond zu sehen, sowie die oben erwähnten Sprüche. Sie befindet sich Sophieenkirch- in Konstantinopel und wird von dem Scheik-ul-Jslam, dem Hohenpriester der Mohammedaner aus- bcwahrt, um hoffentlich nie hervorgcholt zu werden und einen Weltbrand zu entzünden.