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so. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bczugs-PrriS: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post 3 Mk. So Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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IWorgen -Ausgabe.

Iüv öcrs 3. gmctrfaC 1902

auf das

„Wiesbadener Tagblatt

■W“ Bezugspreis 1 Mk. 50 Pf. vierteljaprllch ;u abonniren. findet sich Gelegenheit

im Verlag Kanggass« 87,

I»ri den AnsgabrstrUen, den Zweig-Expeditionen

der Nachbarorte,

und zum Bezugspreis von 2 Mk. 50 Pf. vierteljährlich bei fämmttichrn deutschen Reichspostanstalten.

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Etwas über die Braunkohle.

Ze mehr die Großindustrie ihre Abhängigkeit von der Physischen Kraft der arbeitenden Menschen zu be- seitigen sucht und deren Leistung durch die allgewaltige ZU ersetzen bestrebt rst, eine um so größere Wrchtlgkelt und Bedeutung mußte der Erzeuger dieser Kraft, die Kohle> erlangen. Die nachfolgenden Zeilen sollen aber nicht der weltbeherrschenden Steinkohle, sondern der neuzeittg sich in nicht zu unterschätzendem Wettbewerb sich bemerkbar niachenden Braunkohle ae- widmet sein.

^Da man bei dem kolossal wachsenden Verbrauch an Steinkohle aus allen Gebieten und dem sich auch stets steigernden Preise schon lange an einen geeigneten Er­satz ftrr dieselbe denken muß, fällt der Blick iiaturgcmäß auf das der Steinkohle am nieisten verwandte Statur- Produkt, die Braunkohle. Braunkohle ist im Wesent- tichen dasselbe wie Steinkohle, nur ein viel jüngeres Produkt. Die Bildung der Braunkohle fällt durchweg rn die Tertiärzeit. Ihre Entstehung erklärt sich aus der Versumpfung üppigen Pflanzenwuchses und der lieber- Äeckung mit nachfolgeiiden tertiären 'Ablagerungen Wie bei der Steinkohle Graphit, Anthracit und Steinkohle Unterschieden wird, so wird auch die Braunkohle nach den eu^elnen Tertiärperioden und ihrer verschiedenen Färbung und Beschaffenheit getrennt. Da giebt cs dichte oder Stückkohle, erdige oder Preßkohle, Pechkohle, Shgiut, Slatter- utib Moorkohle. Ae älter die Srcum* k°hle ist, desto ähnlicher ist sie in Farbe, Struktur und Gehalt der Steinkohle, sodaß eine scharfe Trennung beider dann nicht mehr möglich ist. Me Grenzlinie wird Deshalb von den Geologen in die Kreideformation ge- llegt, sodaß alle über der Kreide liegende als Braun- und olle unter derselben befindliche als Steinkohle anzu- sprechen ist. Die Unterschiede der Leiden Kohlen sind, was spezifisches Gewicht anlangt, uichedeutende, dagegen

an Kohlenstoff,

bedeutendere bezüglich des Gehaltes Stickstoff, Wasserstoff und Bitumen.

Die Verbreitung der beiden Kohlensorten ist eine außerordentlich große, die Verschiedenheit der Ab Lagerungen macht aber einen sicheren Vergleich der beiden bezüglich der Flächenausdehnung sehr schwer. Die Ablagerungen der Braunkohle folgen meist parallel der Terrainfläche, bei der Steinkohle dagegen parallel den sie begleitenden Gesteinsschichten in deren horizon taler Ausdehnung und im Einfall- oder Neigungs Winkel gegen den Horizont. Letztere begleiten die Ge­steinsschichten in Tiefen bis über 1000 Meter, erstere sind durch die Mächtigkeit der Tertiärbildungen nach unten begrenzt, sie beginnen häufig schon wenige Meter unter der Oberfläche und lagern nur in wenigen Fällen über 100 Meter tief. Da die Steinkohlenflötze (dies der technische Ausdruck für Ablagerungen) in der Dicke oder Mächtigkeit der der Braunkohlenflötze bedeutend nachstehen, darf angenommen werden, daß heute schon eine Massenberechnung der Vorräthe sehr zu Gunsten der Braunkohle ausfallen würde. Dabei steht fest, daß, so­weit der europäische Kontinent in Betracht kommt, sehr viel neue Steinkohlenaufschlüsse nicht mehr zu erwarten sind, dagegen werden immer noch neue Braunkohlen­terrains erschlossen. Die kohlenreichsten Gegenden der Erde sind zugleich die Konzentrationspunkte der hervor­ragendsten Industriezweige und gewerblichen Anlagen, wenn nicht der größere Bedarf an anderen Rohstoffen für die Wahl des Ortes entscheidend ist. Was wäre bei uns m Deutschland z. B. Westfalen ohne Steinkohle, was die Provinz Sachsen ohne Braunkohle, trotz seiner be- deutenden Zuckerrübenindustrie. Die Provinz Sachsen produzirt z. Z. allerdings auch noch sehr viel Steinkohle jährlich, daneben ist die Förderung und der Verbrauch an Braunkohle aber in stetem'Wachsen begriffen. Sämmt- liche Fabrikanlagen, Brennereien, Ziegeleien, Zucker-, Tuch- und Maschinenfabriken ebenso die Brauereien verwenden für den Betrieb die Braunkohle. Die Braun­kohle wird entweder in natürlichem Zustande, so, wie sie aus dem Erdinnern gefördert wird, oder je nach ihrer Güte als Stücke für Zimmer- und Küchenfeuerungen verwendet. Die erdige, inulmige Kohle wird durch Pressen in eine handliche Form zu Briketts und dann i'ü den Handel gebracht. Daß die Braunkohle zur Dampf­kesselheizung voi-wcndbar ist, beweisen viele Anlagen und irn Jahre 1873 ist ein auf einer Zweiglinie der böhmischen Nordbahn veranstaltetes Vergleichsfeuern sehr zu Gunsten der Braunkohle entschieden worden. Wie sehr sich der Verbrauch an Braunkohlen gesteigert hat, geht daraus hervor, daß beispielsweise im Regierungs- bezirk Merseburg im Jahre 1872 75,000,000 Centner' und gegeinvärtig mehr als 100,000,000 Ccntner ge- fördert werden. Die steigende Werthschätzung der Braunkohle dürfte aber nicht allein ihren Grund in den verbesserten Feuerungsanlagen haben, sondern wohl auch darin, daß sich die Technik der geschmähten Braun-

FrnMeton.

Dir Krönung Eduards VH.

Brm Oberstleutnant Rogalla v. Bieberstein»

Dir Krönung König Eduards vollzieht sich unter den S«Mgrn Auspizien des geschlossenen Friedens, der eine fast Wckkiche Wunde iw britischen Staatskörper zum Schließen brachte, dir grfäHiLchste jedenfalls, die seit der großen indischen MEw, !hnl zugefLgt worden war. Wenn schon der bisher ab- schbare Umfang der aus Anlaß der Krönung geplanten Fest­lichkeiten darauf schließen ließ, daß dieselben, sei nun der Fried« zu Stande gebracht oder nicht, mit einer Prachtentfaltung er­folgen sollten, deren die Macht und Würde des britischen Reiches umsp bedürftiger erschien, als beide durch den Krieg gegen die Buren Me« kaum je wieder gut zu machenden Stoß erlitten, so Lbertrffst derselbe in seiner Gesammtheit doch alle Erwar- ÜUlgen. Den Mittelpunkt der Festlichkeiten wird der Krönungs­akt bilden, der sich in der ehrwürdigen, über 700-jährigen West- Winster-Abtei vollzieht, wo sich die Krönung aller englischen Könige vollzog, und die durch die bunten, gothischen Glasfenster hereinstrahlende Sonne wird hier am 26, Juni ein Bild be­scheinen, das an Farbenpracht und Reichthum der Kostüme und dy Glanz der Juwelen Alles hinter sich zurücklaffen wird, was pce Welt in neuer«? Zeit an prunkenden Schaustellungen sab.

Das Königspaar begiebt sich an genanntem Tage Vormit­tags 1.1 führ in prunkvollem Krönungsauszuge in Staats- soross«,, ^begleitet von den Prinzen und Prinzessinnen, den obersten Würdenträgern, Hofchargen und Marschällen in gold- strosienden 'Uniformen, gezogen von den edelsten Pferden, voni Buchinaham-Palast stach der Westminster-Abtei. Der Krönungs­zug besteht aus Iss stirt 40 Pferden bespannten Karossen und etwq 1.i)0 berittenen Hofcharaen, Marschällen, Stallmeistern und Vorreitern re, Die ersten 9 Wagen sind mit prächtigen Braunen 'bespannte Staatswagen für die verschiedenen Mitglieder der ^Königlichen Familie, hierauf folgen 4 Karossen für die Haupt­würdenträger im Krönungszuge. Alsdann folgt die von sechs Rappen gezogene Stoatskaroffc des Prinzen und der Prinzessin pou Wales, zuletzt sommt der große Krönungswagen des

kohle angenommen hat und sie gleich der Steinkohle zu höheren Zwecken denn nur als Brennmaterial verwendet. Me Provinz Sachsen ging in dieser Richtung bahn­brechend vor und schuf durch die Verwendung der Braun­kohle zu Leuchtzwecken eine neue Industrie, die Mineral­ölindustrie, die durch die Unentbehrlichkeit ihrer Pro­dukte sich zu unschätzbarer Bedeutung emporgeschwungen hat. Ein kurzer Rückblick aus die Zeit der Entstehung von Leuchtstoffen dürfte hier angebracht sein.

Die erste Anregung zur Herstellung von Leuchtstoff aus gofftlien wurde mit der Entdeckung des Paraffins gegeben. Reichenbach stellte aus Buchenholztheer einen weißen, geruch- und geschmacklosen, auch durchscheinenden Stoff her, der mit weißer Flamme ohne Rußentwickelung bei auffallender Beständigkeit brannte. Me geringe Menge dieses Stoffes in dem Holztheer machte eine nutz­bringende Fabrikation desselben unmöglich und erst im Jahre 1850 erfand ein Engländer, Uonnh, das Ver­fahren, aus der Kohle das Paraffin in größeren Mengen zu erzeugen und legte damit den Grundstein zur Fabrikation von Leuchtstoffen aus Bitumen.

Das erste brennbare Mineralöl wurde zunächst auch nur als Präparat von dem Franzosen Seligne in Antun aus bituminösem Schiefer gewonnen und im Jahre 1839 in Paris ausgestellt. 1845 wurde in England zuerst in größerem Maßstabe leichtes Theeröl oder Naphtha ge­wonnen, zu Ende der 40er Jahre produzirte man im Ausland aus Torf Paraffin und Mineralöl und 1847 wurde ein aus den schottischen Bogheadkohlen in Ham­burg fabrizirtes nüneralisches Oel unter dem Namen Hydrokarbür in Deutschland verkauft, der penetrante Geruch machte aber feine Einführung in wesentlichen Mengen unmöglich. In der Augustenhütte in Beul am Rhein wurde npch in demselben Jahre unter Leitung Wagemanns zur Fabrikatton von Paraffin geschritten und die bituminöse Blätterkohle 'des Siebengebirges zu Leuchtstoffen verarbeitet. Wagemann führte für ferne Produkte zuerst die Bezeichnung Photogen und Salaröl für Mineralöl ein, es entstanden übrigens bald daraus ähnliche Fabriken bei Neuwied und Ludwigshafen. Bis zur Mitte der 50er Jahre war es noch nicht gelungen, mit dem zur Fabrikatton von Leuchtstoffen verwendeten Rohmaterial eine bedeutende Industrie zu gründen, bis die sächsische Braunkohle dieselbe bedeutend förderte. Man fand in dieser Kohle Varietäten mit sehr hohem Wasser­stoffgehalt, sehr geeignet zur Msttllation, durch welche nach weiterer Reinigung brennbare Oele und Paraffin in reichlicher Menge gewonnen wurden. Daraufhin wurden nun an verschiedenen Orten der Provinz Sachsen große Fabrikanlagen für Theerbereitung und Raffinerieen errichtet, die, obgleich nicht alle mit dem gleichen Erfolg arbeiteten, doch schon im Handelskammer­berichte für das Jahr 1861 eine Produkttan von 15,000 Centnern Paraffin und 64,000 Centnern Mineralöl an- geben konnten. Das amerikanische Petroleum trat zu­nächst (1863) als Konkurrent des Salaröls auf und be-

Herrscherpaares, gezogen von den berühmten 8 Isabellen. Di-

Pferde tragen neue, scharlachrothe, reich mit Gold verzierte Ge­schirre von Maroquin-Leder. — Eine große Probe für den Krönungszug unter Leitung des Oberstallmeisters Herzog von Portland und des Kronstallmcisters General Sir Henry Ewart, sowie eine solche für die Krönungsceremvnie fand bereits statt. Zur Kennzeichnung des für die Festlichkeiten in Aussicht ge­nommenen, fast beispiellosen Prunkes kann die Thatsache dienen, daß zur Ausschmückung von Westminster ein Produkt vlämischer Gobelinkunst angekauft wurde, das nicht weniger als 100,000 Pfund Sterling kostet. Der Akt der Krönung findet in' der Mitte des Transepts der Westminster-Abtei statt, wo der Thron unter einem Thronhimmel errichtet ist. Bom Thronhimmel bis zu der Westpforte der Abtei wird der 250 Fuß lange Krönungstcppich ausgebreitet, den das Herrschcrpaar unter Vor- anttttt der Geistlichkeit und der ersten Würdenträger des Reiches mit den Bannern von Irland, Schottland und England, den Rcichsschwertern, den Sceptern, den Kronen, dem Reichsapfel rc. beschreiten wird. Die Krönung findet auf dem Platze vor dem Altar statt, dessen Mosaikfußboden aus dem Jahre 1160 stammt. Die Westminster-Abtei ist bekanntlich das ehrwürdige Pantheon der ersten Berühmtheiten Englands, und alle Könige und Königinnen desselben, mit Ausnahme derer der hannoverschen Dynastie und der älteren sächsischen Herrscher, haben hier ihre Ruhestätte. In der ältesten Kapelle der Abteikirch« Edwards des Bekenners, des letzten angelsächsischen Herrschers, stehen die beiden Krönungsstühle, von denen derjenige Eduards des Be­kenners quf Befehl Eduards I., Plantagenetz, aus englischer Eiche angeftrtigt wurde, um unter Anbringung des berühmten Steines von Scone, den Eduard von Schottland entführt hatte, «inen Krönungssitz zu schaffen. Dieser historisch« Stein, ein rvthlicher Sandsteinblock, wurde schon 560 auf Dunstaffnage als Thron der Pictenkönige benutzt und kam 843 nach der Abtei Scoue, wo fortan alle schottischen König« auf ihm gekrönt wurden. 1296 brachte ihn Eduard I, nach seinen Siegen über Schottland nach der Westminster-Abtei.

Die Krünilngs-Ceremonie vollzieht sich folgendermaßen: Die früher üblich« Präsentation der „Regalien" in der Wcstminster- Halle fällt fort, und sie tverden von dem in einem besonderen, am Westeingang der Westpiinster-Abtej errichteten Gebäude ge­

ordneten Krönungszug« unmittelbar in die Westminster-Abtei getragen, wo die Peers und die Bischöfe bereits ihre Sitze ein­genommen haben. Das Königspaar betritt unter Vortritt des Westminstcr-Chores und des erwähnten großen Gefolges die Abtei und nimmt, mit dem Rufe: „Vivat rex Eduardus* und „Vivat regina Alexandra" begrüßt, seinen Platz unter dem Thronhimmel ein. Die Anerkennung Eduards VII. als König erfolgt derart, daß der celebrirende Erzbischof von Canterbury viermal nach den vier Seiten des Transepts schwürt und den Herrscher viermal der Versammlung der Großen und Würden­träger 2 c. zur Annahme vorstellt, und sie fragt, ob sie gewillt seien, ihm zu huldigen, worauf die Menge in den lauten Ruf: „God save the king" ausbricht und Trompeten-Fanfaren er­schallen. Die nach der Anerkennung früher übliche erste Opfer­gabe fällt fort und erfolgt später mit der zweiten vereinigt. Hier­auf findet die abgekürzte Litanei mit der zum Abendmahl vor. bereitenden Liturgie statt. Alsdann folgt die Predigt. Rach ihrer Beendigung begiebt sich das Königspaar zu seinem Sitz auf der Südseite des Altars und kniet auf dem Krönungsschemel nieder. Der König leistet hier den Eid auf die große Bibel ab. die im Krönungszuge einhergetragen wurde. Hierauf findet di« Salbung statt und der Erzbischof von Canterbury salbt den König, der nach der Eidesleistung seinen Platz auf dem Stuhl des heiligen Edward eingenommen hat, mit dem heiligen Oel. Alsdann werden die Königlichen Sporen dem König dargereicht. Der Erzbischof übergiebt ihm das Reichsschwert, mit dem er sich umgürtet, und nachdem der Monarch mit der „Armilla" und dem purpurnen Krönungsmantel mit lang hcrabfallendem Hermelinkragen bekleidet ist, überreicht ihm der Erzbischof den Reichsapfel, der jedoch bald wieder auf den Altar niedcrgelegt wird. Hierauf erfolgt die Investitur des Königs mit dem König­lichen Ring, der ihm an den Zeigefinger der rechten Hand gesteckt wird, und nachdem ein Paar Handschuhe dargereicht sind, die­jenige mit dem Sceptcr. das der König mit der rechten Hand er­faßt, während er den Heroldsstab mit der Taub« in di« linke Hand ninimt. Hierauf erfolgt der eigentliche Krönungsakt. Der Erzbischof erhebt, vor dem Altar stehend, die Krone mit beiden Händen und spricht, nachdem er sie wieder auf den Altar gestellt hat, ein kurzes Gebet. Run nimmt der Dechant von Westminster die Krone vom Altar, der Erzbischof von Canterbury empfängt