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H Der Roman. &

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■' IKorgen»Beilage des Wiesbadener Tagblatts. »i

Nr. 161.

Mittwoch, 14. Juli.

1915.

(8. Fortsetzung.)

§rau 5lda§ Tochter.

Roman von Emma Hanshofer-Merk.

^Nachdruck verboten.)

di

mf ich Ihnen nicht was zu essen bringen, gnä» FrauISln? Vielleicht von dem Aprikosenkompott,

das Sie so gern mögen?" trug Fanny.

, »D nein nein, danke! Ich habe gar keinen Appetit letzt! versicherte Felicitas, die schon wieder ungeduldig aufgesprungen war.

„Es ist doch nichts geschoheii? Sie halben doch dem Herrn Doktor nichts Trauriges Mitzuteilen?" stieß Fanny beunruhigt hervor.

„O nein, nichts Trauriges, gewiß nicht!" lachte Felicitas verlegen, noch stärker erglühend.

Es war gut, daß nach der Dienerin gerufen wurde. Sie war eben im Begriff gewesen, mit Fanny einen Schwatz zu halten, weil ihr Herz so voll war. weil ihr Die Aevt so langsam verging.

Wenn er das wüßte! Er, der Verschlossene, Diskrete!

Draußen klingelte es wieder. Sie konnte gar nicht mehr an sich halten vor Ungeduld. Die Fauste ballte sie und stampfte mit den Füßen vor Wut. Dann schämte sic sich freilich. Arme, kranke Menschen, die zum Vater kamen, damit er ihnen half, die ihren Jammer zu ihm schleppten.

Sonst, wenn Mama in der Stadt war, hatten sie gar

§ icht Zeit, darauf zu achten, ob viele Leute in das »prechzimmer kamen. .

. Es war ihr auch nie so zum Bewußtsein gekommen wie heute, welcher Kontrast zwischen diesan beiden Zimmern lag. Hier bei Mama das Spielerische, Heitere, Lochende, die beständige Feststimmung; alle die vielen Menschen vom Theater, mit ihren kleinen Eitelkeiten und Eifersüchteleien, und nur wenige Schritte entfernt, in dem Sprechzimmer des Vaters: eine andere Welt, de? tiefe Ernst, die Qiial der Menschheit!

Der gute Papa, der für sie alle arbeiten, Geld per- dreusn, sich plagen mußte, er führte eigentlich ganz fern eigenes Leben, das ihnen völlig fremd war!

Plötzlich packte sie eine heiße Angst vor der Unter­redung, zu der sie so mutig und froh lheroingefahren war. Was würde der Vater sagen? Sie kannte ihn doch so wenig. Nun war sie mit einem Male froh um den Aufschub. Sie mußte sich ihre Worte doch erst zu- rechtlegen.

Es war ihr nach der langen Aufregung ganz elend zu Mute, als Fanny endlich klopfte und sagte: „Nun kommen Sie nur gleich, gnädiges Fräulein, sonst fährt der Herr Doktor fort!"

„ Felicitas war sonst nicht schüchtern. Aber in den Räumen, die nur dem Vater gehörten, die sie als Kin­der nur betreten hatten, wenn sie eine strenge Strafe verdient, wurde sie immer befangen. Nicht als ob sie den Papa je gefürchtet hätten. Er lvar immer so ge­recht gewesen, viel gerechter als die Mama, die nur zankte, wenn sie schlechter Laune war, und er hatte, auch

§ enn er eine Rüge aussprach, eine milde Art; seine timme klang mehr traurig als zornig und seine sanfte 'Hand strich der weinenden kleinen Missetäterin tröstend

über das Haar. Es war mehr eine scheue Ehrfurcht, die sie vor deni Vater beklemmte und die sie nicht ab- zuschütteln vermochte, so keck sie ails modernes Mädchen sonst ihren eigenen Willen durchzusetzen wußte.

In dem großen Sprechzimmer roch es trotz der ge­öffneten Fenster nach Karbol und Jodoform. Dr. Rover- tus, der sich in dom anstoßenden Raume die Hände seifte, rief überrascht hinaus:

„Grüß Gott, Fe! Was führt dich heute in die Stadt, zu mir, mein Kind?"

»So viel hast du heute wieder zu tun gehabt, Papa?" antwortete sie ausweicherrd.

„Ja, und ich muß gleich wieder weg! Nur eine Zigarre darf ich mir rroch vergönnen!"

Dr. Nobertus stand nun vor der Tochter und blickte sie mit prüfender Besorgnis an.

„Du bist doch nicht krank?"

„Nein, nein, Papa! Ich komme nicht als Patientin. ^?ch —" sie lachte ein wenig verlogen. „Ich habe ein Anliegen an dich als Vater!"

„Also, was möchtest du denn?"

So gütig, so liebenswürdig konnte er lächeln. Feli­citas fühlte, wre tröstend, wie beruhigend diese freund­lichen Züge auf kranke Menschen wirken mußten.

Sie aber zupfte nervös an den Fransen der Tisch- decke und bekam dunkelrote Wangen.

„Papa, ich habe dir gestern draußen im Walde einen jungen Herrn vorgestellt: Oberleutnant von Fahrenstein."

Sie senkte die Augen und ward immer verlegener unter den prüfenden Blicken des Vaters, der viel ernster drein sah, als ihr lieb war.

„Ich besinne mich wohl, Fe", sagte er nur, wartend auf ihre weiteren Worte.

Sie schluckte ein paarmal und dann allen Mut zu­sammennehmend stieß sie rasch hervor:

„Er will zu dir kommen. Papa, und dich fragen» ob — ob er dir als Schwiegersohn recht ist, und ich bin in die Stadt hereingefahren, um dich darauf vorzube- reiten, um dir zu sagen, daß ich ihn lieb habe, — daß du nett gegen ihn sein sollst! O ja, bitte Papa! Er ist wirklich ein lieber, feiner Mensch, nnd er hat auch einiges Vermögen. Du darfst nicht denken, daß es ihm um meine Mitgift zu tun wäre."

Sie erschrak, als sie die Amgen hob, über das trau­rige Gesicht des Vaters.

„Das heißt: wir beide sind einig, nicht wahr? Und ich soll Ja und Amen sagen, wenn der junge Mann zu mir kommt, den ich gestern ungefähr fünf Minuten lang gesprochen habe. Ein bißchen spät kommst dir mit deinem Vertrauen, Kind! Glaubst du nicht, daß ich es gist mit dir meine, und daß ich doch auch etwas mehr Erfahrung habe als du mit deinen zwanzig Jahren!"

„Aber er hat es mir doch erst gestern gesagt, daß er mich lieb hat! Wir haben uns doch erst gestern abend verlobt!"