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U» 273« Aeb«ckti»»»HerusPrecher R«. 52.
Kormtag, den 15. Inrn.
Berlags-Fcrnsprccher N». 2266.
1902.
Hcirgen«Ausgabe«
Dir deutsche Kahn in Südafrika.
Bekanntlich ist auf Reichskosten die Herstellung einer Eisenbahn in Deutsch-Südwesrafrika von der Küste, Swakopmund, aus nach dem Innern bis zumRegierungs- sitze in Windhoek in Ausführung genommen worden, und nach den bis jetzt vorliegenden brieflichen Berichten kann man der Vollendung derselben demnächst entgegensetzen. Wir geben deshalb unseren Lesern beistehend eine Karte des Vmlaufs biejer Bahnlinie, aus der ihre Aus
dehnung und Lage deutlich hervorgeht. Die Eisenbahn von Swakopmund wendet sich bei Jakalswater (98,5 Kilometer) nach N. über Dorstrivier (130 Kilometer) nach Abbabis, dann nach O. über Karibik (180 fflo- rneter) nach Okahandja (303 KUometer) und von da südwärts nach Windhoek (380,9 KUometer).
Wie brieflich aus Südwest-Afrika berichtet wird, darf das Eintreffen der Eisenbahn Swakopmund-Windhoek am letztgenannten Platze mit Bestimmtheit Ende August dieses Jahres erwartet werden. Damit ist unsere Kolonie in ein neues Zeitalter, wenn man so sagen darf, in das »Zeitalter des Dampfes" getreten. Wenn man den Werdegang der Kolonie, d. h. die Entwickelung derselben vom Jahre 1894 an mit angesehen hat, wenn man selbst
den Weg Windhoek-Swakopmund und umgekehrt mit dem Ochsenwagen innerhalb vier Wochen und noch länger hat zurücklegen müssen, so kann man jetzt nur seiner Freude Ausdruck geben, daß die Zeit schwieriger und kostspieliger Verbindung mit der Küste und damit auch mit der Heimath endlich vorbei ist. Vom 1. September dieses Jahres ab kann man in knapp drei Tagen von Windhoek aus in Swakopmund sein; die aus Deutschland ankommenden Güter und Posten können in eben der» selben Zeit den Empfänger erreichen und — vor Allem — die Frachtpreise und damit auch die Waaren der Kauf- leute in Windhoek müssen billiger werden. Die Zeiten, daß 100 Pfd. etwa 25 Mark Fracht Kosten, wie 1897,
verursachten, sind vorbei, und der Wagentransport der Güter wird sich ab Bahnstrecke nur noch nach demNorden, also nach dm Plätzen Ouaruru, Ontjo und Grootfontein nothwendig erweisen.
Für den Süden der Kolonie — Gibeon und Keet- mannshoop — bleibt der Eingangshafen vorderhand noch Lüderitzbucht; ein erster Versuch, für Gibeon den Frachtverkehr über Windhoek zu leiten, wird zur Zeit vorgenommen.
Die Fertigstellung der Bahn bis Windhoek legt nach vorstehenden Ausführungen den Wagen-Frachtvcrkehr zwischen Swakopmund-Kirribib-Windhoek brach und schädigt natiirlich solche Ansiedler, deren Erwerb in der Hauptsache das Frachtfahren ausmachte. Daß diese Leute
die Bahn mit scheelen Augen betrachten, ist erklärlich, wenn auch dem Interesse am Gemeinwohl entgegenlaufend. Das haben bei Einführung der Bahn in Deutschland die Wagen-Spediteure auch gethan, ihr Groll hat aber an der Thatsache nichts geändert. Das Schutzgebiet ist, abgerechnet von Genannten, dem Vaterlande für die Bahn von Herzen dankbar.
Gleichzeitig mit dem Bahnban ist die Verbesserung der Hafeneinrichtungen in Swakoprnund in Angriff genommen worden, und zwar in zweckmäßiger und nutzbringender Weise. Südlich von Swakopmund liegt bekanntlich das britische Gebiet von Walfischbai, das in unserer Karte ebenfalls verzeichnet ist. Diese Bai bildete früher das Eingangsthor zu Südwestafrika, sie ist nach und nach aber so versandet und für die Schiffahrt ungeeignet geworden, daß sie nicht mehr als Landungsplatz in Betracht kommt.
Derrtsches Deich.
* Eine Kaserne mit Spiritusbelenchtung. Zwischen der Reichsmilitärverwaltung und der Centrale für Spiritusverwerthung schweben, den „Berl. Pol. Nachr." zufolge, gegenwärtig Verhandlungen darüber, daß der Centrale eine Kaserne zur Verfügung gestellt wird, welch« sie auf ihre Kosten zur Beleuchtung mit Spiritus einrichten und in der sie ein halbes Jahr lang probeweise diese Beleuchtung durchführen soll. Nach dem Versuche wird die Militärverwaltung über die Brauchbarkeit und Preiswürdigkeit der Spiritus-Beleuchtung entscheiden. Empfiehlt das Ergebniß die Einführung dieser Beleuchtung für militärische Gebäude als zweckmäßig, so soll die Militärverwaltung eine größere Anzahl anderer Kasernen für Spiritusbelcuchtung cinrichten; andernfalls trägt die Centrale für Spiritusverwerthung allein die sämmtlichcn Kosten des Versuchs. Die Ersetzung des Petroleums durch das Erzeugnitz der Kartoffel, die Verlegung des Schwerpunktes der Spiritusindustrie von der Erzeugung des Trinkbranntwcins auf die Herstellung von Beleuchtungsstoff hat eine große volkswirth- schaftliche und moralische Tragweite. Man muß also dem Versuch mit sympathischem Interesse gegcnüberstehen.
* Toklwuth. Im Jahre 1901 sind in Preußen 187, Menschen von tollwüthigcn oder tollwuthverdächtigen Thieren, meist Hunden, seltener Katzen und anderen Thieren, gebissen worden. 146 der Verletzten unterwarfen sich der Schutzimpfung nach Pasteur, davon einer in Wien, die übrigen in der Anstalt für Infektionskrankheiten zu Berlin. Erfreulicher Weis« hat die Zahl der Verletzungen durch tolle oder tollwuthverdächttge Thiere im Jahre 1901 gegenüber früheren Jahren abgenommen. Leider aber scheint die Schutzimpfung etwas an Volksthümllch- keit verloren zu haben, indem sich 1901 ein geringerer Procentsatz der Gebissenen alz 1899 und 1900 der Schutzimpfung unterzogen hat. Es ist dies bedauerlich, da die Wirkung der Impfung, wenn auch nicht ganz sicher, fo doch groß ist. Dies hat sich auch 1901 wieder gezeigt, indem von den 146 geimpften Personen keine, von den 41 nicht geimpften aber eine an Toll- wuth gestorben ist. Man denke immer daran, daß jeder, anscheinend auch noch so leichte Riß oder Biß durch Hunde oder
Feuilleton.
Das Germanische Dattonal^Museum ;u Nürnberg
feiert morgen das Jubiläum seines 50-jährigen Bestehens. Der Prinzregent von Bayern hat das Kaiserpaar und die Herrscher der größeren Staaten zur Theil- nahme an der Feier eingeladen. Vertreter aller wissenschaftlichen Körperschaften des Reiches werden an dem Ehrentage theilnehmen, kurz eine glänzende Versamm- lung aus allen Theilen des Reiches wird beweisen, daß die Worte über dem Hauptportal des Nürnberger Nationalmuseums: „Eigenthum des deutschen Volkes" mehr als eine todte Inschrift sind. Vor fünfzig Jahren wurde die erste Grundlage zu dem heutigen stolzen Institut durch die beispiellosen Anstrengungen eines Privatmannes gelegt.
Hans Freiherr vonundzuAufseß, der Sproß eines bekannten fränkischen Adelsgeschlechts, war über die Beschäftigung mit der Geschichte der eigenen Familie und strit einer ansehnlichen Famrliensammlung hinaus zu einem Plan gekommen der die heutigen Absichten des Nationalmuseums, die Kermtniß der deutschen Vorzeit zu erhalten und zu mehren, und den Entwickelungsgang der deutschen Kultur in allen ihren Richtungen zu veranschaulichen, bereits in ihren Keimen enthielt. Nach den verschiedensten privaten Entwickelungsstadien erhielten die Pläne des Frhrn. Aufseß die Sanction der Oeffent- lichkeft. 1852 tagte eine Gesammt-Versammlung der deutschen Geschichts- und Alterlhumsvereine in Dresden. Hier wurde das Germanische Museum für be- gründet erklärt.
Das Nürnberger Germanische Museum bestand zunächst aus Sammlungen des Freiherrn von Aufseß; er lieh sie auf 10, später auf 20 Jahre unent-
geltlich her. Aufseß' Schätze setzten sich im Wesentlichen zusammen aus einer Kunst- und Alterthumsammlung, dazu kam eine Bibliothek und ein Archiv. Nach Aufseß' Plan sollte das Germanische Museum ein großes Register über sämmtliche in Deutschland vorhandenen Quellen für deutsche Geschichte, Litteratur und Kunst darstellen, während die Sammlungen die Belegstücke und die Illustration dazu liefern sollten. Geschenke und Zuwendungen erweiterten die Bestände bald, denn Aufseß war in Eingaben und Denkschriften an Fürsten und Regierungen, an Rundschreiben an die Akademieen, wissenschaftliche Gesellschaften und Vereine, Künstler und Architekten, Verlagsbuchhändler rc. unermüdlich. Frhr. v. Aufseß sorgte auch für das erste eigene Heim des neugegründeten Museums, indem er die alte Kartause in Nürnberg für das Museum erwarb. Bald aber erwiesen sich die Räumlichkeiten als zu klein. Durch das Eingreifen des Königs Ludwig und der betheiligten Behörden gelang es dann, das Areal des ehemaligen Kartäuserklosters mit seinen zum größeren Theil in Ruinen liegenden Gebäulichkeiten zu erwerben. Erst nach großen finanziellen Schwierigkeiten konnten die nöthigsten Ausbauungen unternommen werden. König Ludwig I. ermöglichte später auch, indem er mit 50,000 fl. einsprang, den Ankauf der Aufseß'schen Sammlungen, die der Freiherr bisher unentgeltlich geliehen hatte.
Einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte des Museums war der Moment, da Aug. E s s e n w e i n, Prof, cm der Technischen Hochschule in Graz, am 1. März 1866 die Leitung des Germanischen National-Museums übernahm Er brach mit dem ursprünglichen Aufseß'schen Plane des Museums als eines General- Repertoriums und stellte die Sammlungen als solche in den Vordergrund. Dabei sollten alle Zweige gleichmäßig gepflegt werden. Dadurch tvar dem Museum das Interesse und die thatkräftige Unterstützung der breitesten Oeffentlichkeit gesichert, denn die Sammlungen sprechen
unmittelbar auch ohne gelehrten Kommentar iricht nur zum Fachmann, sondern auch zuni Laien.
Die nationale staatliche Einheit nach dem Kriege von 1870/71, die damit verbundene Steigerung des Interesses für deutsche Vergangenheit kamen außerdem deni Diuseum auch noch zu Hülfe. Die Ausgestaltung der Baulichkeiten, wie die Vervollkommnung der Sammlungen konnte nun der großen Aufgabe würdig fortgesetzt werden. Heute ist dem National-Museum durch Ueber- einkommen zwischen dem Deutschen Reich, dem bayerischen Staate uno der Stadtgemeinde Nürnberg ein Jahreszuschuß von 105,000 Mark gewährleistet. Der Kaiser gewährt zur Zeit einen Jahresbeitrag von 2100 Mark, der Prinzregent von Bayern 2260 Mark. Die Jahresbeiträge der übrigen deutschen Füfften sichern dem Museum eine jährliche Einnahme von über 5000 Mark. Auch der Kaiser von Oesterreich hat dem Museum schon viele Zuwendungen gemacht. Unter den zahlreichen Gemeinden, Körperschaften und Privaten, die regelmäßige Jahresbeiträge leisten, sind alle deutschen Gaue und ist auch das Ausland vertreten.
Die großartigen kulturhistorischen Samnllungen sind in 40 Gruppen gegliedert und umfassen die Erü- wickelungsgeschichte von der vorchristlichen Zeit bis zur Gegenwart. Skulpturen, Gemälde, Kupferstiche, Holz- schnftte bilden eine Ausstellung von außerordentlich hohem Werth. BemerkenswerÜ, sind ferner die aus 15,000 Exenlplaren bestehende Siegelsammlung, eine wunderbare Waffensammlung und die technischen Erzeu- nisse aus den verschiedenen Kunst- und Industriegebieten aller Zeiten. Welche Bedeutung die Bibliothek hat, geht schon daraus hervor, daß sie ca. eine Viertelmillion Bände umfaßt, während in dem Archiv eine Sammlung von 8000 Pergamenturkunden, 2500 Papierurkunden, 260 Urkundenbücher und gegen 12,000 Autographen historischer Persönlichkeiten aufbewahrt wird. Der jetzige Leiter der gesammten Anstalt ist Gustav von Bezold dem als zweiter Direktor Hans Boesch zur Seite stehr.
