Einzelbild herunterladen
 

Verlag Lauggaffe 21

„Xoiblatt'üaaS“.

Halle geiffnct um 8 lldr morgens bi* 7 Uhr cbcnK.

wöchentlich

SeznsS.PrviS für beide .

LanggLfie 81. ohne Brtngerlohn

fc: 70 Pfg. monatlich. M 8.- irierteljLbrttch durch den Verlag 3.— vierteljährlich durch alle deutschen Postanftalten. auSMietzttch

12 Ausgaben.

Fernruf:

„Taghlatt-HauS" Nr. SSS0-S3.

Bon g Uhr morgens bi* 8 Uhr abends, antzer Sonntag.

. .. Ul) 'Kia. für alle auswarngen rinzeigeni I i»^ "«-“‘w »“““““'i “ "*•••“* ausmärrige

Rrüamen. Ganze, halbe, drittel und vieriel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung — «ei wiederholter Aufnahme uuderLnderter Anzeigen in kurzen Zwiichenraumen enkiprechender Nachlaß,

«ZG^dl^jek-Sl^VK^mW veriiaer «christliituag des »,rsi,adr»er Tagblatts: Brrlm-Wilmersb-rf «Latzrlftr. 6«. Feruspr.: Amt Uhlaud 450 u. 451.

Für die Aufnahme von Anzeigen an vorgefchriebene» Lagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.

Dienstag, 13. Juli 1915.

klbend-Ausgabe.

Nr. 320. ♦ 63. Jahrgang.

Neues vom Zeldmarjchakl hindenburg.

IV. *)

Aus dem Großen Hauptquartier wird uns ge­schrieben:

Wer Len Heldenkampf um die Befreiung und Ver­teidigung des deutschen Nordostens recht würdigen will, muß ein besonderes Augenmerk auf die Stelle richten, wo das südliche Masuren an West Preußen grenzt. Die Ausmerksanikeit der ganzen Welt war hier­her gelenkt, als der General v. Hindenburg den Russen bei T a n n e n b e r g die erste vernichtende Niederlage beibrachte. Seitdem sind in dieser Ecke gewaltige schlachten von weithin klingenden Namen nicht mehr geschlagen worden; wohl aber haben dort zahllose schwere Gefechte stattgefunden, die von unseren Truppen äußerste Spannkraft und Wider­standsfähigkeit forderten und daher verdienen, einmal in großen Zügen dai^estellt zu werden. Die schwerwiegende Bedeutung eines russischen Einbruchs auf Osierode-Deutsch-Eylau lehrt ein einziger Blick auf die Karte; es dreht sich um die Abtretung des deutschen Landes rechts der Weichsel vom Reiche. Das lvar natürlich nicht nur den Ostpreußen klar, die immer — solange überhaupt noch eine Gefahr bestand _— mit mindestens gleicher Sorge nach Süden wie nach Osten blickten, sondern auch den Russen. Diese haben für eine Operation auf den Unterlauf der Weichsel hin günstige Eisenbahnver­bindungen. Die drei bei Ostrolenko endenden Bahnstrecken ermöglichen dort schnelle Ausladungen großer Truppenmassen, und die Linie Warschau- Mlawa-Soldau führt ge- radeswegs in das Eiy- marschgebiet hinein. Dar­um ist der Besitz Mlawas von so hohem Wert. Es klingt glaubhaft, daß der russische Oberbefehlshaber im Februar besohlen haben soll, Mlawa zu nehmen, koste es, was es wolle.

Als die Narewarmee, die den ersten großen Ein­bruchsversuch an dieser Stelle unternahm, ihr furchtbares Ende zwischen und in den südmasurischen Seen gefunden harte, gingen die Russen längere Zeit hindurch hier nicht mehr mft starken Kräften vor. Immerhin hatten die verhältnismäßig wenigen Truppen des Generals von Zastrow, die in breiter Front die Grenze schützen und während der Vorbe­reitungen zu dem zweiten deutschen Einsall in Polen die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich lenken soll ten, eine recht schwere Auf­gabe. Sie drangen weit in Feindesland ein, mußten pgr einem überlegenen

Gegner bis an die Greife zurückweichen und gingen kurz vor Weihnachten wie­der vor. um Mlawa end- güftig zu . besetzen. Die Front verlief west-östlich, der rechte Flügel hing

also zurück. Da tauchte

in: Januar bei den Russen ein „neuer gigantischer

Plan" auf: sie wollten mit großen Kavalleriemassen, gefolgt von starken Kräften, zwischen Mlawa und der Weichsel nach W e st p r e u tz e n einbrechen und gleichzeitig von K o w n o her im nörd­lichen Ostpreußen stehende deutsche Truppen um- fassend angreifen. Der neue Plan war also im Wesent­lichen nur eine Wiederholung des alten, im Herbst ge­scheiterten. Diesmal blieb er jedoch in den ersten Anfängen stecken, da er mit einem schneller durchgeführten deutschen Offensivplan zusammenfiel. Alle verfügbaren deutschen Kräfte wurden zu dem großen umfassenden Gegenstoß bereitgestellt, der dann in der m a s u r i - scheu Winterschlacht zur Vernichtung der 10. russischen Armee östlich der Linie Johannesburg- Gumbinnen führte.

*) Bergt. Rr. 816 des .Wiesbadener TagblattS".

Zugleich wurden auch die deutschen Truppen an der Südgrenze West- und Ostpreußens etwas verstärkt. Dre Führung erhielt der General der Artillerie v. Garl- w i tz. Er hatte den Auftrag, die rechte Flanke der rn Masuren angreifenden Armeen zu schützen und seinen Grenzabschnitt gegen den russischen Einbruchsversuch ziu sichern. Dazu ging er offensiv vor. Zunächst wuroe der rechte Flügel in scharfem Draufgehen nach vorwärts geschoben, bis er P l o ck erreichte, das inzwischen zu einer starken deutschen Festung ausgebaut war. Garde-Regimenter und eine Kavallerie-Division ernteten bei diesem schneidigen Einmarsch reiche blutige Lorbeeren in der Gegend von sierpc und Racionz. Sie trieben einen überlegenen Gegner vor sich her und leisteten schließlich einer dreifachen Übermacht erfolgreichen Widerstand. Ein besonderer Glücks- und Ehrentag der Gardotruppen war der von Dvobin, wo sie einen bereits geglückten russischen Überfall in eine schwere Niederlage des Feindes ver­wandelten, der dabei 2500 Gefangene verlor. Das war Mitte Februar. Aber General v. Gallwitz plante Größeres. Er wollte durch einen umfassenden An- griff von beiden Flügeln her das ganze vor seiner Front liegende Gebiei zwischen Weichsel und Orzyc säubern. Der rechte Flügel sollte weiter nach Osten einschwenken, und die in W i l l e n b e r g eingvtroffenen Heeresteile erhielten Befehl, vom O r z y c her die offene rechte Flanke des Feindes zu umgehen. Sie kamen,

weit ausreichend, östlich an Przasnysz vorbei und schwenkten südlich um die Stadt herum, die nur schwach besetzt sein sollte. Da ergab sich aber, daß angesichts des überraschend schnellen Vormarsches der Deutschen eine russische Division nach Przasnysz geeilt war. Der Angriff wurde beschlossen. Inzwischen hatten jedoch die Russen große Truppenmassen am Narew zusammen- gezogen und gegen Przasnysz in Dkarsch gesetzt. Zwei russische Korps gingen gegen den linken Flügel der deutschen Truppen vor. Trotzdem wollten diese auf die große Beute, die sich bot, nicht verzichten. Ein Teil noch verfügbarer Kräfte wurde zur Sicherung gegen den nahenden, wert überlegenen Gegner im Halbkreise ausgestellt und unter diesem Schutze stürmte am 24. Februar eine Reserve-Division Przasnysz.

Über 10000 Gefangene, darunter 57 Offiziere, 36 Geschütze, 14 Maschinengewehre und viel anderes Kriegsgerät fielen in die Hand der Sieger. Allein es war höchste Zeit, die Beute in Sicherheit zu bringen, denn schon*war die russische Übermacht, gegen die in Widerstand auf diesem vorgeschobenen Posten fruchtlos gewesen wäre, in bedrohliche Nähe ge­rückt. Unter sehr erheblichen Schwierigkeiten zogen sich unsere Truppen nordwärts in jbie große Verteidigungslinie im Orzyc- Bogen zurück, nach­dem sie den russischen Drängern noch riesige Ver - l u st e zugefügt hatten. , i

Der kecke Sturm auf Przasnys hatte eine sehr be­trächtliche Wirkung: er täuschte den Feind, der nun an dieser Stelle den Feldmarschall v. Hindenburg selber mit starken Kräften vermutete. Das machte sich in der Folgezeit für die Truppen des Generals v. Gall­witz aufs ichwerste fühlbar. Denn nun warfen die Russen immer neue Korps hierher, um die Scharte der masurischen Winterschlacht auszuwetzen und die deutsche Linie in Richtung Soldau-Neiden- durg zu durchbrechen. Unter solchen Umständen konnke der deutsche Führer an die Fortsetzung seiner Offensive, nicht mehr denken, sondern mußte eine hartnäckige Verteidigung vorbereiten, auf deren Gelingen die beteiligten Truppen stolz sein dürfen als _ auf eine der besten Waffentaten des deutschen Heeres. Unsere Stellung bildete bei Mlawa einen Winkel, da sie einerseits nach Südwesten auf Plock hin, andererseits nach Ostnordost über die Höhen nördlich Przasnysz hinweg verlief. In diesem Winkel schoben die Russen Ende Februar-Anfang März ihre Truppen­massen zunächst langsam hinein — dann brachen diese mit unerhörter Wucht vor. Mlawa war ihp Ziel. In dichten, sich ständig erneuernden Kolonnen! stürmten sie, ohne jede Rücksicht auf die furchtbaren Verluste, gegen die Stellungen östlich und südlich voN Mlawa an. Wer die Menschenwogen brachen sich an dem Felsen deutscher Tapferkeit. Unser« Truppen hielten aus. Bei D e m s k, östlich von Mlawa. findet man heute eine lange Reihe flacher, mit Weißen Steinen eingefaßter russischer Massengräber vor den deutschen Drahthindernissen — ernste Zeugen des Miß- erfolges, den 48 russische Kompagnien im Sturm auf 10 deutsche davon getragen habe. Der Frost hatte die Smnpfgegend, aus der hier der Orzyc entspringt, gangbar gemacht und so dem Feinde die Annäherung an unsere Stellung gestattet.

Nachdem über 1000 Geschosse aus schweren Geschützen in und hinter Demsk eingeschlagen waren, folgten die unaufhörlichen Angriffe der Infanterie. In der Nacht des 7. März kamen sie bis unmittelbar an den Stacheldraht. Aber unsere Scheinwerfer und Leuchtpistolen verbreiteten genug Licht, um nun dem verheerenden Infanterie- und Maschinengewehr- feuer den Weg zu weisen. Was vom Feinde nicht fiel, floh in die nächste Bodenfalte zurück, wo das Schein-, Werfer licht die Verzweifelten bis zum Tagesan­bruch festhiclt. Dann ergaben sie sich den vorge- sandten deutschen Patrouillen. Diel Munition, 800 Gewehre wurden genommen. Vor der Front fand man an dieser Stelle 300 tote Russen. Einige Kilometer; nördlich aber, bei Krasnik, wo der Feind in unsere Schützengräben cingedrungen war und durch einen per- zweifelten Bajonettkampf wieder vertrieben werden mußte, liegen 906 Russen begraben — und 164 Deutsche.

Im ganzen hatte der Feind bei seinen vergebliches Angriffen aus Mlawa viele Tausende verloren^ so viel, idaß seine .Kampftraft erschüttert schien und Gene- ral v. Gallwitz mit teilweise frischen Kräften nun seiner- üits einen Vorstoß versuchen konnte. Dieser begann am 8 März, kam aber am 12. März nördlich Przasnysz zum Stehen, da auch die Russen von neuem bedeutende Verstärkungen erhielten. Sie waren bald in großer Überzahl. Aus etwa 10 Armeekorps und 7 Kavallerie-Divisionen wurde ihre Stärke geschätzt. Wir mußten uns wieder auf die V e r t e i d i g u n g eittrid)ten, uni) nufere AvNpHen, i)te Zürn ~eil fu)ou 4 Wochen lang in fast ununterbrochenem Kampf ge­standen hatten, mußten einen neuen harten Stoß aus- halten Der ging diesmal nicht auf Mlawa zu, son­dern nordöstlich von Przasnysz am Orzyc und! Omulew hinauf. Er wurde nach russischer Eigen­art in sehr zahlreichen und sehr heftigen Angriffen geführt. Man zählte vom 13. bis zum 23 März 46 ernstere Sturm versuche, 2g bei Tage, 21 bei Nacht. Fast alle brachen bereits im Feuer unserer Truppen zusammen, wenige gelangten! bis in die deutschen Gräben. Besonders schwere Kämpfe fanden bei Jednorozec statt. Wieder erlitten die Russen erhebliche Verluste, ohne ihrem Zrel naher zu kommen: die Süd grenze Altpreußens war

wohl verteidigt und ein Einbruch m dre Flank« unserer Oststellung undurchführbar. , ,

In der letzten Märzwoche flauten die russilchen An«