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Montag, 12. 3uli 1915.
ttbend-klusgabe.
Ur. 318. » 63. Jahrgang.
Oer Nrieg.
Der Tagesbericht vom 12. Juli.
W. T.-B. Großes Hauptquartier» 12. Juli. (Auäkich.)
westlicher Uriegsschauplatz»
Kortsch reiten des Nahkampfes bei Souchez. Kbgesthtagene Angriffe bei Eombres und Killq.
Am Sivrdhang der Höhe 60, südöstlich von Ipern» wurde ein Teil der englischen Stellungen in die Luft gesprengt.
Der Nahkampf am Westrand von Souchez schreitet vor> wärtS. Der südlich von Soltchez, an der Straß« nach A r r a s gelegcae, mrlunistrittene Kirchhof ist wieder in unserem Besttz. Er wurde gestern abend nach hartem Kampf gestürmt. 2 Offiziere. 183 Mann wurden gefangen» 4 Maschinengewehre vud l Miiicnwerfer erbeutst.
Bei E o m b r e s und im Wald von A i l l y ging der Eeg- ner gestern abend nach starker Artillerievorbereitung zum Angriff vor. Auf der Höhe von Combres gelang es dem Feind, in unsere Linien einzudringe». Er wurde wieder hinan Sgeworsen. Im Wald von Aillh brach die feindliche Infanterie bereits vor unserer Stellung in unserem Feuer zusammen.
Nördlich der Hohe von Bande Sapt wurde ein Wald- stück vom Gegner gesäubert.
Bei Amerzweiler, nordwesti-ch von Altkirch, überfielen wir eine feindliche Abteilung in ihren Gräben. Die feindliche Stellung wurde in einer Breite von 58V Meter eiugeebnet. Unsere Truppen gingen sodann plan- mäßig unter Mitnahme einiger Gefangener vom Feinde unbeläftigt in ihre Linien zurück.
Gestlicher Kriegsschauplatz.
Russische Vorstellungen an der Strahe Survalki- ttalwaria in einer vreite von 4 km gchstSrmt.
Auf der Straß« von S u w a l k i nach K a l w a t i a, in der Gegend von Lipina, stürmten unsere Truppen die sciEichen Vorstellungen in einer Breite von 4 Kilometer.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage bei den deutschen Truppen ist unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Oer Liegeszug der deutschen Sü&amtee.
Wenn es an der Zeit sein wird, an die Helden dieses gewaltigen Krieges die Lorbeeren auszuteilen, wird man für die Deutsche Südarmee ganz besonders schöne und üppige Zweige auszuwählen haben. Mögen die Schrecken des winterlichen Karpathenfeldzuges noch andere Truppenverbände mit ihr haben teilen inüssen: die Toten vom Zw in in hat sie Mein, und vielleicht hat die ganze Kriegsgeschichte nichts Ähnliches zn verzeichnen, schon das Hinausschassen der schweren Artillerie auf die Höhen südlich des Zwinin, die mrt metertiefem Schnee bedeckt waren und sich mit wilden Hängen bis zu einer Höhe von weit Wer 1000 Meter erheben, ist eine Leistung, die nur von einer Truppe dusgeführt werden konnte, für äderen Sieges willen es Werhaupt keine Hindernisse gibt. Aber auch nachdem das Umnöglicherscheinende :dank der Energie der Führung und der beispiellosen Opferfreudigkeit der un- vevgleichlichen Truppen möglich geworden und der beherrschende Berg den Russen entrissen worden war, hat die Deutsche Südarmee bei ihrem Dorbrcchen in die Ebene und bei ihren Kämpfen um die Dnjestr- ' ü b ergänze Schwierigkeiten zu Werwinden gehabt, die man nicht einer jeden Armee würde zumuten dürfen. Nachdem ich gesehen, was die Russen in dem A u s . bau von Verteidigungs st eilen hier unten leisten, ncuhdem ich einen Einblick gewonnen habe m dieses beinahe phantastische System von Gräben, Draht- verhauen und Verschanzungen, mit dem sie in weitem Bogen die Gegend von Stryj zu eineur gewaltigen Stützpunkt gemacht haben, nachdem ich die furchtbaren Hänge der Stellungen hinter dem Dnsestr besucht, toetfe ich. was die Ga r d e tr upp en, die Ost- und Westpreußen und die Württemberger geleistet haben, die hier vereinigt worden sind, um den Feind an seiner empfindlichsten und deshalb besonders llark geschützten Stelle zu fassen.
... And diese Leistungen werden noch bswunderungs- würdiger, wenn man berücksichtigt, daß sie in einem «ande geschahen, das seiner an und für sich nicht allzu Elchen Mittel durch eine z e h n m o n a t i g e Besetzung ^rrch die Russen fast völlig beraubt wunde. Die meisten Wir tschaften zerstört, zum mindesten zerschossen und aus- «rraubt. Jnfolgedesien mangelhafte Unterkunst. Die Pflegung fast gänzlich auf den eigenen Nach- angewiesen, der bei den schlechten Verbindungs- "^Mltnissen ost mit den größten Schwier^kerten ver
bunden ist. Fürwahr, man muß die Truppe b e» wundern, die unter solchen Umständen noch immer auf der Höhe bleibt, wie auch eines der Jnfanterie- regimenter, die ich vor Bukaczowce fechten sah, das nach, mehrtägiger Eksenbahnfahrt und einem Fußmarsch von 60 Kilometer mit solcher Arische in den Kampf ging.
Solchen Truppen durfte die Armeeleitung schon Ausgaben zurmrten, wie die Durchführung ihrer kühnen Offensive sie verlangte. Mit solchen Truppen konnte sie es wagen, den Zwinin zu stürmen, Stryj zu nehmen und die Dnje st rüber gänge zu erzwingen. Sie besaß das vortrefflichste Instrument und wußte es zu handhaben; und so gelang es.
Die Überschreitung des Dnjestr war schon im Anfang Juni versucht worden. Bereits am 6. Juni gelangte die Garde bis auf die Höhen jenseits Z u - r a w n o. Die gewaltige Übermacht der Russen, denen es gelang, gegen die wenigen Bataillone mehr als z w e i Armeekorps herainzuführen, zwang die Tapferen damals zum Rückzug, der ohne besondere Verluste inrt exerzierplanmäßiger Ordnung ausgeführt wurde und sofort nach Erreichung des jenseitigen Fluß- u-sers zu neuer erfolgreicher Offensive sich wandelte. Jetzt ist der Vorstoß mit stärkeren Kräften wiederholt worden, und der Rückzug der Russen auch in dieser Gegeed kann nur vorübergehend noch a u f- g eh alte n werden.
Daran wird auch die Tatsache nichts zu ändern vermögen, daß die Russen an dieser für sie so kritischen StÄle ihre b e st e n Kräfte einseben, und daß sie 1 o - viel als nur irgend möglich Artillerie heranziehen und Munition opfern. (Als Kuriosum möge übrigens erwähnt werben, daß ihre Stellungen bei Bukaczowce durch ihre eigenen Geschütze zerstört wurden, durch eroberte 12,5-Zentimeter-Geschütze, die als Kanonen sowohl wie als Mörser benutzt werden können und unserer schweren Artillerie willkommene Verstärkung gebracht hoben.) Mögen sie Tag und Nacht feuern, mögen sie chre Bataillone zu Dutzenden hingeben, der Ausgang kann nichtmehr zweifel- Haft sein und die tapfere Südarmee wird ihre wundervollen Leistungen bald durch ein völliges Niederzwingen des Gegners beloihnt sehen.
Richard Schott, Kriegsberichterstatter.
*
ver „Pour le für den (Leneralstabschef
der Südarmee.
München, 12. Juli. (Ktr. Mn.) Der Generalstabschef der deutsche» Südarmee, General v. Stvlzmann» hat den Orden Pour le merite erhalten.
Die russische Gegenoffensive bei Krasttift und am Sug zum Stehen gebracht.
Berlin, 12. Juli. (Klr. Mn.) Das ,B. T." erfährt aus deni k. k. Kriegspresseguartier mit Bestimmtheit, daß die letzthin nördlich Krasnik und weiter in der B u g g e g e n d mit verzweifelten Anstrengungen angesrtzte rnffische Offensive durch die österreichisch-ungarischen und die deutschen Armeen zum Stehen gebracht worden ist.
Die russische Verteidigungsstellung an der Zlota-Lipä.
Sr. London, 12. Juli. (Eig. Doahtbevicht. Ktr. Bln.) Wie der „Times" aus Galizien gemeldet wird, ist die russische Stellung Zlvta-Lipa eine starke natürliche Position mit dem Fluß als Verteidigungslinie. Zwischen Zlota-Lipa und Tarnopol seien noch sechs andere ebenso starke Verteidigungslinien.
Petersburg über Franzosen und Engländer erbittert.
Sr. Wien, 12. Juli. (Eig. Drcchkber:cht. Ktr. Bin.) Die „Grazer Tagespost" meldet nach Mitteilungen geflüchteter Russen aus der Bukowina, in Petersburg herrsche große Erbitterung über die Franzosen und Engländer. Die Zensur gestatte die heftigsten Ausfälle gegen England und Frankreich. '
Deutschlands und Gesterreich-Ungarns Ueberlegenheit.
Der bulgarische General Sawow über die Kriegs» st'ihrnng.
W. T.-B. Wien, 12. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Reichs- post' veröffentlicht eine Unterredung ihres Kormes,pond>enten in Svsia nnt dem Oberkomn'.andierenden >der bulgarischen Armee im Balkankrieg, General Sawow, welcher erklärte' Dir heutige militärische Leye bedeutet für mich keine Überraschung. Ich habe nie darar^ gezweifelt, daß die Russen und Franzosen sich tapfer schlagen werben, doch habe ich ebenso gewußt, daß die Armeen Deutschlands und Osterreich-Üngarns die militärische Überlegenheit besitzen. Der Krieg ist ein großes Ringen, wo anfangs bald der eine, bald der andere Gegner scheinbar zu Fall kommt. Endlich aber tritt die bedeutsame Kampfesphrse ein, wo der eine Kämpfer die volle Gewißheit erlangt, daß er der überlegenere aus bestimm'Ml Gründen und mit be-
stimrmten Mitteln ist. In dieser Phase scheint nun der Kampf zir stehen. Sie ist die vorletzte, denn die Schlußphase oft jene des endgültigen Sieges über den Widersacher. Nicht die ungeheure Machr der Masse ist die Bed'uqalng des Siege?; nein, ier feste Wille, die Vernunft >und Moral, das Eins-etzen und Berteilrn der Kraft, kurz, alles das, was man mit dem Aus- druck „militärische Organisation" zu ^bezeichnen pflegt.
Belohnug russischer Franktireurtaten!
Stockholm, 12. Juli. (Ktr. Bln.) Der Bauer des Dorfes Skraudutfchi, Gouvernement Suwalki, Anton Schauris, erschoß zwei deutsche Soldaten auf einem Erkundungsgang und brachte ihre Ausrüstung den Russen. Er rst nach „Ruskoje Slowo" zur Belohnung vorgeschlagea worden.
Dem Verdienste seine Krone!
Stockholm, 12. Juli. (Ktr. Bln.) „Nowoje Wremja"> meldet: Mehrere galizische Ruthenen, welche bei der Rückkehr der Österreicher aus Furcht vor der Strafe für ihren Verrat mit den russischen Heeren fluchteten, erhalten unter Erlassung der sonstigen Bedingurgsn sofort die russische Staalsan gehörigkeit und bekommen in Sibirie« Parzellen russischen Staatseigentums zur Ansieidlung.
Dor vem Zusammentritt der Duma.
W. T.-B. Paris, 11. Juli. (Nichtum-tlich.) Der Petersburger Korrespondent des „Trnips" meldet, daß der President der Dumn R ozianko einem Mssöuiurr JouvnMsten erklärt bade, die demnächst zus-ro« im ntootende Duma wende die Richtlinien für das ganze Lwiid aufstellen^ Die Militarisierung im Lande werde den Hauptgsgenstaud der Arbeiten der Duma bilden. Raziinko erklärte, die B-e-ränderungen im Kubi- nett hätten im ganAen Reiche große Befriedigung hervac- gLrufeu. Der Korrespondent berichtet ferner feinem Blatt, daß das Komitee zur Militarüievung der Industrie in Moskau am Donnerstag se>ne Sitzungen 'rusgenomnien >boLe, an denen Vertreter dos Aiuzen Industriegebiets teifgenornnimi halben.
300 Gesetzentwürfe der russischen Regierung.
Sr. Stockholm, 12. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mm) In der Kanzlei der russischen Duma sammelten sich bisher etwa 300 Ges e tz e s v or sch läge der Regierung an, die, chnc daß ein direkter Zufammsnhang Mit dem Krieg besteht, doch alle erörtert werden sollen. Die DumaMitglieder sehen in dieseNi 'MasseUbetrieb den Wunsch der Regierung, m i t kleinen Gesetzen von der Erörterung großer Fragen a b z u lenken. Auf die Tagesordnung der ersten Sitzung werden u. a. folgende Punkte gestellt werden: Fre:- heit der Presse und das Schicksal der verurteilten, beveits nach^ Sibirien verbannten sozialdemokratischen! Abgeordneten.
Der Führer derükrainffchen Dewegung verhaftet.
Blutige Zusammenstöße zwischen Militär und Zivilisten.
Sr. Sofia, 12. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) „tttro" bringt die Nachricht aus Kiew, daß der Führer der ukrainischen Bewegung verhaftet wurde. Eine aus etwa 3000 Personen bestehende Menschenmenge wollte den Verhafteten befreien. Es mußte Militär herangezogc-r werden. Zwischen den Truppen und der Menge kam es zu Zusammenstößen. 37 Personen wurden getötet, 00 schwer verwundet.
Samarin Oberprokurator des Synods.
W. T.-B. Stockholm, 12. Juli. (Nichtamtlich.) „Rußkoje Slowo" mckdet aus authentischer Quelle, daß die Ernennung des Adelsmarschalls von Moskau, Sa mar im, zum Ober- prokurator" des Synods bevorstcht.
Das erneute Liebeswcrben um die Juden.
W- T.-B. Stockholm, 12. Juli (Nichtamtlich.) „Rjetsch" meldet, der Minister des Innern habe eine Depwdatiou Juden empfangen. Er versprach, den von den Juden dar- gelegten Verhältnissen seine AufmerksainleA zuwenden zu wollen.
Sitzung des russisch-polnischen Ausschusses.
Ttf. T.-B. Stockholm, 12. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Nowoje Wremja" berichtet: Der russisch-polnische
Ausschuß ist unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Goremykin zum ersten Male am 5. Juli zusammengetreten. Das Reichsratsmitglied Samarin, welches neben verschiedenen anderen Mitgliedern zur Sitzung erngeladen war, nahm nicht daran teil. Als Vertreter der Regierung war außer Goremykin auch der Staatssekretär Krysjanovskij an-, wesend.
Line Aufforderung zur Rückkehr der Zivilbevölkerung in die unter deutscher Derwattung stehenden Teile Russisch-Polens.
W.T-B. Berlin, 12. Juli, (Amt! i ch.) Auf Grund einer Verordnung des Oberbefehlshabers Ost haben alle Einwohner Polens, die ihren Wohnsitz in dem der deutschen Zivilvcrwaltung unterstellten Gebiet von Polen links der Weichsel verlassen haben, in die Heimat z u r ü ck z u k e h r e n, sofern sie nicht in Deutschland oder einem verbündeten Staate in einem Arbcits- oder Dienstverhältnis stehen. Die Nichtbesolgung der Aufforderung zieht A b w c s e n h e i t s st c u e r nach sich, die für den Zu- widcrbaudcludcn aus 5 bis 15 Mark vom Lnnderk
