KO. Aahrga«s.
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»-u 2». Mai. «°.
Morgen-Ausgabe.
«-Wege« des Frotz«lrich«am»t»gs erscheint die nächste Ausgabe am Freiing UachmMag.
Die Spaltung in der Liga der Patrie fran^aise.
Unser Pariser Korrespondent schreibt uns:
Die beiden Präsidenten der Vaterlanüslrga haben .sich voneinander getrennt. In einem durch den „Garüors nom 21. Mai veröffenürchten Bnef, den r^rangoi» Coppäe an den Mtpräsidenten Jlcks ^emattre richtete, leat Ersterer seine Stelle als Ehrenpräsident der 1atrie rfSSKS. Letzterer erklärt sich m, feinem gleich, -eitia publizirten Antwortschreiben mrt diesem Schrsttt cinverstanden. In diesen Briefen sagen sich die beiden Führer der Liga zwar die größten, SchmeickBmei'. und schwören sich ewige Freundschaft, aber diese wechsAseitige Beräucherung und Betheuerung des persönlichen Emver- nehmens ist offenbar nur für das Publikum oder, wie die Franzosen sagen, für die Gallerie berechnet, denn hinter den Coulissen wird es an Gereiztheit und ärgerlichen Scenen zwischen ihnen namentlich während des Wahl- tampfes nicht gemangelt haben. Als Grund femes Rücktrittes giebt Coppde an. daß sein Charakter sich dem politischen Leben und seinen „niedrigen Kombinatlonm nicht anpassen könne. Ferner habe er — und das ist wohl die Hauptsache — seit eiinger Zeit bemerken müssen, daß sein offen zur Schau getragener religiöser Glauben bei einigen einflußreichen Mitgliedern der Palm ■f rangaise Anstoß erregt habe und daß, wie ihm-.emaltre selbst mitgetheilt. seine bloße Anwesenheit in emer Versammlung, wo sich die mit Hülfe der Liga gewählten Abgeordneten behufs Bildung einer parlamentarischen Gruppe vereinigten, von einigen derselben al» eine direkte Gefahr für den Bestand der Partei betrachtet worden sei Er könne unmöglich Ehrenpräsident von Leuten bleiben, die chn aus ihren Versammlungen verbannen. und ziehe sich daher zurück. Lemcutre macht m seiner Antwort nicht den geringltcn Versuch, ihn zuruck- zuhalten. da man jetzt, wo die Patrie krangaise in bie parlamentarische Phase eingetreten sei. Mit der vielleicht übertriebenen Vorsicht vieler ihrer Freunde rechnen
mU '@o hat sich im Comits der Patrie krangaise eine Spaltung vollzogen, die zwar kaum die von ihren Gegnern gewünschte und prophezeite folgenschwere Be- deutung für die politische Situation haben durfte, aber sicherlich nicht ohne Rückwirkung auf die ZuMiimen- etzung der Partei bleiben und ihr manches Mitglied abtrünnig machen wird. Ein schlechtes Prognosiikon für die Zukunft der Liga ist die Trennung ihrer Prasi- deuten auf jeden Fall, wenn auch der „Solell . das Organ des Herzogs von Orleans, viel zu weil geht, wenn
Feuilleton.
Auf der Mchsbmck in Berlin.
Von Kurt v. Walfeld.
VI.
In den Stahlkammern.
Stahlkammern nennt man die diebes- und feuersicheren Gewölbe der Banken, in denen sie ihre Werthsachen aufbewahren. Die größte Stahlkammer der Reichsbank tn Berlin 'st der Riesenkeller unter dem Reichsbankgebcmd«. In diesem Keller, der aussieht wie eine kleine Stadt,, die ihr Licht von den elektrischen Birnen an der festgewölbten Decke erhalt, in dieser Riescnstahllammer lagerten im Jahre 1900 Go^barren iin Werthe von rund 135 Millionen, m deutschen Goldmünzen 450 Millionen, an Thalern 16a Millionen und cm Scheidemünzen 82 Millionen, also zusammen 832 Millionen Das Papiergeld wird im Bor-Tresor, also der zweiten Stahlkammer 5*r Reichsbank, aufbewahrt. Die kleinste und unbedeutendst.
' Hammer der Reichsbank ist der Raum für geschloffene . An geschloffenen Depositen lagerten rat, Lauft des 1900 rund zehntausend Stück in der kleinen Stahl- er für deren Aufbewahrung genau 46,949 Mk. einzeln wurden, während der Gewinn im Jahre Zuvor über I Mk. betrug. Ein Beweis dafür, daß die Reichsbank kTheil ihres Betriebes nicht mit besonderer Vorliebe nicht pflegen will. Was will dieses Sümmchen von Rk auch sagen gegen den Riesengewinn aus dem Giro- pit rund 43 Millionen pro 1900. Die Reichsbank sagt ihrem Statut, daß sie verschloffene Depositen nur m «rmung nimmt, soweit der vorhandene Raum es gestattet. Sre denkt garnicht daran, diesen Raum zu vergrößern. Das mögen viele Besitzer von Werthpapieren. Juwelen oder sonstigen Kostbarkeiten bedauern, denn die Reichsbank ist der sicherste Aufbewahrungsort für solche Werthsachen. Wie ruhig kann eme Familie im Sommer ins Bad reisen, wenn sie ihr bewegliches
er, ärgerlich darüber, daß die Patrie frangaise den Royalisten bei den Wahlen manchen Streich g-sple M behauptet, daß die Liga nunmehr aufhore, ein wichtiger Faktor im öffentlichen Leben zu sein und zu «per Kotene herabsinke, die sich bald mit der progressistischen Gruppe
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liaa. seit ihrer Gründung keine Berufspolitiker an ihrer Spitze zu haben, sondern eine,' Dichter und einen Schrift- steller, die beide der Politik bisher^ ganz fern gestanden hatten. Allzuviel hat die Mitwirkung Copp^es an dem Werke der Patrie krangaise der letzteren Nicht genutzt Fm Anfang allerdings hat seine Boltsthumlichleit und der Feuereifer, mit dem er sich trotz seines Alters und seiner schwankeiideii Gesundheit m den Kampf stürzte, viel dazu beigetragen, der Liga zu emer schnellen Popu- larität zu verhelfen, während Lemaltres Name damals nur iii den engeren Kreisen der Iltterarisch Gebildeten bekannt war. Im letzten Wahlkampfe aber vermeth Coppse oft eine große politische Ignoranz, und seine Reden setzten sich größtentheils aus den von der Pariser Oppositionspresse bis zum Ueberdruß wiederholten banalen Redensarten zusammen. Dichter passen bekanntermaßen nun einmal nicht zu Politikern, ebenso wenig wie die große Mehrheit der Gelehrten. Auch mit Jules Lemaitre hat die Patrie krangaise nickst die besten Erfahrungen gemacht, denn ein wirklicher Redner ist dieser nicht. ' In den Wahlversammlungen zog er es meistens vor, seine Redeii abzulesen. Beide Männer haben sich ihrer wahren Bestimmuiig entzogen, als sie sich auf die Politik warfen. Im Eifer des Kampfes haben sie sich, obwohl Mitglieder der Reackömm krau- gaise, oft zu brutalen und ungerechten Worten hm- reißeii lassen, wie dies Leuten eigen ist, die politisch un geschult sind, und da sie viel Lärm machten, so glaubten sie für die Sache der Liga auch viel zu leisten. Der -lu.- fall der Deputirtenwahlen hat bewiesen. daß sie sich hierin täuschten. Im Gegentheil hat ihr geräuschvolles Auftreten die Anhänger der Regierung nur zu festerem Zusammenschluß veranlaßt. Die alten Parteien, me unter den gemeinsamen, trügerischen Rainen der Nationalisien zusammengefaßt wurden, haben ihre Ohn- macht deutlich gezeigt. Ueberhaupt scheint die Patrie krangaise ihre Blüthezeit hinter sich zu haben, wie Lemaitre selbst zugesteht, wenn er sagt daß die ersten Jahre derselben die schönsten gewesen seren. Mit der politischen Carridre Coppses ist es zu Ende, und es ist nicht unmöglich, daß auch Lemaitre. obwohl er letzt das Gegentheil behauptet, in nicht zu ferner Zeit der Politik den Rücken wendet und zu semem angeborenen -schrift- stellerberuf zurückkehrt. Beide aber haben ihr Talent
und ihren litterarischen Ruf kompromittirt..
Coppee hat die Erfahrung gemacht, daß bei politischen Parteien überhaupt und bei den Nationalisien insbesondere auf Dank nicht zu rechnen ist Bis , letzt mag seine Präsideirtschaft für die Liga insofern einiger- maßen ersprießlich gewesen sem, als sie die wahrhaft katholischen Wähler zu Gunsten derselben an die Wahl-
i.rne führte. Jetzt, wo der Kampf der Parteien iin Par- lament beginnt, hat sich das Blättchen gewendet ^n der Kammer find die Nationalisten durch die Macht der Umstände gezwungen, ein republikanische» Mantclch umzuh äugen und jede Hlnnelgimg zum KlerikaKsmu» abzuschwören. Während Coppees Freunde gestern noch alaubten ihre Diacht zu steigern, wenn sie die religiösen Prinzipien vertheidigten. sind sie heute vom Gegentheil überzeugt und der indirekt Geinasiregelte, der seine naive Dichternatur uiid seinen christlichen Glauben me verleugnen konnte, wird an die Luft gesetzt. immer- hm zahlreichen Tepntirten, die nur durch die Unter stützung der Patrie krangaise in die Deputirtentammer gelangt sind, werden sich schwerlich alle unter der { >afme des Nationalismus im Parlament zusammenfinden ^e einen iverden sofort ins Lager der eigentliä,en Rechten übergehen, andere werden sich anderen Gruppen zu- wenden. Die nationalistische Gruppe, die sich Mit Gode- froy Cavaignac, dem Hauptgegner Coppses an der Spitze soeben gebildet hat, wird also kaum viele Mit- Mieder zählen/ Das schließt freilich nicht aiiS, daß sich gegebenen Falls alle diese unter der Aegidc der Dater- landsliqa gewählten Depntirten wieder vereinigen, iveim es gilt, bei wichtigen Bestimmungen die wahren Republikaner zu bekämpfen. _
Deutsches Deich.
* Neue Unifornlirung der Chinatruppen. Wie der
„Reichsb." aus bester Quelle erfährt, wird die Uniform des ostasiatischen BesatzungscorpS von Grund aus umgestaltet werden. Weder die Sommer- noch die Winter- uniform hat sich in China besonders bewahrt Namens lich hält es auch schwer, die seinerzeit m Zehntausenden von Stücken für die Chinakrieger bestellten Katzenp^r vor Mottenschaden und Einflüssen des Klimas zu be- wahren Aber auch die anderen Bekleidungsstücke, namentlich Fußbekleidung, und Rock, sind ^ die oft- asiatischen Verhältnisse nicht besonders praktisch _ ~tc deutsche Heeresleitung ist zu der Ansicht gelangt, daß die Ausrüstung der englisch-indischen Truppen für den Dren,t in Asien sehr zweckmäßig ist. Das Kriegsministerium hat daher bei der indischen Regierung, wie wir schon meldeten, je eine Garnitur der Sommer- und WinterauSrustung der indischen Kavallerie und Infanterie bestellt Falls diese Ausrüstung den Beifall der mllitarischen Sachver- ständigen findet, dürfte m absehbarer Zeit mrt der Neil- uniformirung, bei der natürlich alle deutschen Abzeichen gewahrt bleiben, begonnen werden. Selbstverständlich werden bei den Lieferungen nur deutsche Firmen berück- sichtigt werden.
* Ein Disziplinarverfahren gegen ProfcsiorLehmann- Hohenberg in Kiel ist auf Veranlassung des Kstiltus- ministers eingeleitet worden. Professor ^.ehmann- Hohenberg hatte einen „Rechtsbund" gegen Uebergntfe der Juristen und zuni Schutz, „der durch unser Recht.- wesen Vergewaltigten" gegründet und verfolgte alle
Vermögen so weit cs Gvld. Papier^ und Juwelen betrifft im sicheren Gewölbe der Reichsbank weiß. Dre R-ichsbank ist auch rualeich verschwiegen wie das Grab. Sie mmmt von dem ^zn- halt der verschloffenen Depots durchaus keine Kenntniß. Die verschloffenen Depositen müffen mit dem Vor- und^Zunamen, beziehungsweise mit der Firma des Niederlegers deutlich bezeichnet und dergestalt vcrschloffen sein, daß ohne Verletzung eines Siegels nichts herausgenommen werden kann.
Di- Reichsbank haftet für das Depositum höchstes bis zum Werthbetrage von 5000 Mk., mag m demselben enthalten
^ ' Will der Depositeur sich weiter schützen, so, muß er die Höhe der Versicherungssumme angeben und dafür eine besondere
^^^Fü/höhere Gewalt oder inneren Verderb der niedergelegten Sachen ist die Reichsbank in keinem Falle verantwortlich.
'In Anbetracht der Größe der einzelnen Behälter dürfen die Depositen eine gewisse Größe nicht überschreiten Di« Aufbewahrungsgebühr ist in Anbetracht der großen, Sicherheit eine minimale zu nennen. Das Lagergeld beträgt bei Depositen von 40 Centimeter Länge und bis zu 30 Centimeter Hohe und Breite und bis zu 10 Kilo Gewicht für das ganze ^ahr nur
10 ^Darüber hinaus bis zu 60 Centimeter Breite, und Höhe, und bis zu 70 Centimeter Länge mit 25 Kilo Gewicht 20 Mk. Depositen von mehr als ein Meter Breite, Höhe und Lange werden nicht angenommen. , , . , „ . ,,
Hetzer Niederleqer erhält seine besondere kleine Stahlkammer. oder richtig eisernen Behälter, der nummerirt ist Ebenso wird ihm der Schlüssel dazu ausgeliefert Doch steht es dem Depositär durchaus nicht frei, jeder Z-it sich seines kleinen Tresors zu bedienen. Die Annahme und auch die Herausgabe selbst nur die zeitweise, findet bloß während der Geschäfts: stunden des Vormittags statt. Die Herausgabe ist mindestens einen Werktag zuvor mündlich oder schriftlich zu beantragen. Natürlich kann bei eiligen Fällen die Bank, auch entgegenkommender fein. Will ein Niederleger nur emen Theil de-
Depositums herausnehmen und den Rest wieder niederlcgen, so kann dieses Herausnehmen in einem dazu eingerichteten Neben- zimmer geschehen, ohne daß dadurch Kosten entstehen. Nimmt der Deposttär aber sein Deposttum mit nach Hause und neserl er es vor Ablauf des achten Tages wieder zurück, so ist dafür eine Aufschlagsgebühr von 1 Mk. zu zahlen. Der Raum für aeschlossene Depositen ist in Berlin ein höchst einfacher und nur wenige Beamte besorgen den Verkehr, der ein, sehr ruhiger ist. Nichts von Luxus oder Bequemlichkeit wie bei den offenen Devots
Die Reichsbank behält sich das Recht vor, das Depositum an jeden Vorzeiger des Depositalscheins ohne weitere Prüfung seiner Legitimation oder der Echtheit und Gültigkeit der Quittung auszuliefern. Die vorhergenannten zehntausend Stück Depositen lagern nur in Berlin, doch haben auch die Reichsbankanstalten in der Provinz geschlossene Depots.
Alle Nebenanstalten der Reichsbank zusammengenommen haben aus diesen Depots einen weit größeren Gewinn erzielt als die Reichshauptbank selbst, nämlich rund 112,000 Mk. für das Jahr 1900.
Am Ende des Jahres 1900 besaß die Reichsbank 17 Reichs- banlhauptstellen, 58 Reichsbankstellen, 228 Reichsbank-Nebenstellen mit Kaffeneinrichtung und 27 Nebenstellen ohne Kaffen- einrichtung, zusammen 330. Diese Nebenanstalten mehren sich von Jahr zu Jahr, im Jahre 1900 wurden allein 21 neu
^°^Als Aktionäre der deutschen Reichsbank waren Ende des Jahres 1900 6210 Deutsche und 1861 Ausländer in den Stammbüchern der Reichsbank eingetragen. Das sind beinahe 25 pCt. Ausländer, ein großer Prozentsatz und ein schlagender Beweis, wie hoch im Ansehen die dmtsche Reichsbank auch bei
den Fremden steht. .
Mitzureden haben die Ausländer natürlich nicht. Keiner von ihnen darf in das Central-Comits oder in einen der siebzehn Bezirksausschüsse gewählt werden. Die Reichsbank ist eben staatlich und wird eS zu ihrem Gedeihen auch wohl immer bleiben.
