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Wiesbadener Tagblstt.

. . . »». Jahr««««. Verlaa: Lauqaaffe 27. Anzeigenpreisr

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Verlag: Lauggaffe 27.

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Zlo. 237. Redaktions-Fernsprecher No. 52. SttMstttg» den 24. Mai. VerlagS-Fernsprecher No. 2266. 1902.

Worgen-flussabe.

§für öen Woncrt Irrrrr

auf das

„Wiesbadener Tagblatt"

zu abonniren, findet sich Gelegenheit

im V-rlag Langgassr 27, bei de» AusgabrsteUr», den Zweig - Expeditionen

der Nachbarorte,

und bei fämmttichen deutsche» Rrichspoftanstaltrn.

Nie Zckunft der Amen Kropp und KoltlsGld.

Unter dem Titel: Große Vermögen, ihre Entstehung und Bedeutung (Jena, Gustav Fischer), hat Professor Ehrenberg in Rostock das Geschäft der Fugger, der Roth­schilds und die Firma Krupp behandelt.

Besonders wird unsere Leser der Passus über die Zukunftder Firma Krupp interessiren.

Alfred Krupp — so heißt es in dem Werke — war Einzelunternehmer. Das größte industrielle Privat­unternehmen Deutschlands, vielleicht der Welt, ist nicht geschaffen worden durch eine Kapitalgesellschaft, sondern durch das Genie eines einzigen Mannes. . . . Wäre das Krupp'sche Unternehmen als Aktiengesellschaft begründet worden, so hätte es sich, wenn überhaupt, jedenfalls nicht in relativ so kurzer Zeit zu seiner jetzigen Bedeutung entwickeln können; denn eine Aktiengesellschaft mutz den «größten Theil von dem, was sie verdient, jährlich als Dividende an ihre Aktionäre vertheilen. Deshalb ist die Ausdehnung eines solchen Unternehmens viel schwieriger nls diejenige eines Einzelunternehmers, der den größten Theil von dem, was er verdient, gleich wieder im Unter­nehmen selbst anlegen kann. Ein wichtiger Punkt, der unsere Aufmerksamkeit zwingend auf sich lenkt,' ist der folgende: Ist der internationale Absatz der Krupp'schen ^Geschütze vereinbar mit den deutschen Interessen? Man hat dies vielfach in Zweifel gezogen, und zwar schon iin Hinblicke darauf, daß Krupp sich noch bis 1868 bemüht ghat, die französische Regierung für seine Geschütze zu 'interessiren, dann auch neuerdings, als im chinesischen Feldzuge Krupp'sche Geschütze wirklich gegen Deutschland verwendet wurden. Dem natürlichen Empfinden wider- strebt es sicherlich, daß Kriegswaffen deutschen Ursprungs dazu dienen konnten, deutsche Truppen zu bekämpfen. Und namentlich ist der begreifliche Wunsch weit ver­breitet, die in Deutschland hergestellten besten Geschütze her Welt möchten auch nur im deutschen Kriegsdienste Anwendung finden. Die Erfüllung dieses Wunsches ist vielleicht nicht unmöglich, aber jedenfalls müßten ihr

FemllrLmr.

Auf der Reichstnuck in Berlin.

Von Kurt v. Walfeld.

n.

Von der Wechsel- und Zählkasse bis zur automatischen Goldwaage.

Durch die im Interview geschilderte mächtige Vorhalle kommt man geraden Wegs durch eine Reihe von Glasthüren in den großen, weiten, zwei Stock hohen Raum, wo die eingegangenen und fälligen Wechsel eingelöst, wo die Reichsbanknoten gegen Metallgeld kostenlos umgetauscht werden. Für beide Ver­richtungen liegt die Reichsbank sehr gut, im richtigen Kauf­mannsviertel. Der große Wechselraum macht den Eindruck einer sehr frequenten großstädtischen Postanstalt mit seinen zahl­reichen Schaltern. Hier herrscht auch in den Dienststunden von 9 bis 12% Uhr ein mächtiger, fortwährender Betrieb, ein ewiges Kommen und Gehen. Da sieht man stets 50 bis 100 Personen vor den Schaltern, Einer steht hinter dem Anderen, der Ruhe und Ordnung wegen. Es ist kein Aufsichtsbeamter da, und doch geht Alles, wie es fein soll; es ist wie eine Art von Tradi­tion, die von den alten Dienern oder Boten der verschiedenen Banken hochgehalten wird. Sie fühlen sich hier wie zu Hause, kommen sie doch fast täglich hierher.

Gegenüber der Wechsel- und Umwechselungs-Kasse be­findet sich die Zählkasse, wo das eingegangene Geld nach Sorten getrennt und das Metallgeld zum Theil auch eingerollt wird. Von hier aus wandert das Geld in die Räume, wo von Draht­gittern umgeben die Beamten sitzen, welche überhaupt keine an­dere Beschäftigung haben, als das Metallgeld in Rollen, das Papiergeld in Bündel zu bringen. Von der Zählkasse aus fing mein Besichtigungsgang an, indem man mir einen erprobten Beamten aus dem statistischen Büreau mitgab. In der Zähl­kasse schloß sich uns ein Kassircr an, der uns eine Gitterthllr ausschloß, die in die in einer langen Reihe liegenden Räume führte, wohin das Metallgeld in Rollen oder Beuteln gebracht wird. Jeder dieser Beamten weiß schon nach dem Gewicht, ob

Maßregeln von tiefgreifender Bedeutung vorhergehen. Krupps Geschützexport ist keine Neuerung. Die Her­stellung von Kinegswaffen hat sich seit Alters zum großen Theile als Privatindnstrie und zwar auch als für den Export arbeitende Industrie entwickelt. Man hat Waffen fabrizirt und exportirt, als wären es beliebige andere Maaren. Nur die Herstellung einzelner Kriegs- Werkzeuge, namentlich solcher, die möglichst lange Ge- heimniß bleiben sollen, hat der Staat sich selbst Vorbe­halten. Er könnte dies sehr wohl hinsichtlich aller Kriegs­werkzeuge thun. Dann müßte er freilich auch jede Ver­besserung der Kriegstechnik durch inländische Erfinder selbst erwerben. Und so west er sie der Industrie schon zur Ausbeutung überlassen hätte, müßte er die ganzen daraufhin entstandenen Fabrikbetriebe verstaatlichen, das heißt die Fabrikanten entschädigen. Das würde natürlich die volkswirthschaftliche Entwickelung sehr hemmen. Bei Krupp wären in solchem Falle nicht 40,000 Geschütze hergestellt worden, sondern vielleicht nur einige Tausend für den inländischen Bedarf. Ein Unternehmen, das 100,000 Menschen ernährt, wäre nicht entstanden. Da­mit wären auch die meisten indirekt durch Krupp veran- laßten Fortschritte der volkswirthschaftlichen Ent­wickelung ausgeblieben. Hätte die Qualität der Geschütze von einem Staatsbetrieb ebenso hoch gesteigert werden können wie bei Krupp? Insofern ein so großer Betrieb nöthig war, um diese hohe Qualität zu erzielen, wäre die entsprechende Wirkung jedenfalls ausgeblieben. Im Uebrigen wäre es einem Staatsbetriebe vielleicht möglich gewesen, die Qualität sehr zu vervollkommnen, wenn er die außerordentlich großen Opfer für die Versuche ge­bracht, seine Konstrukteure und Lohnarbeiter ebenso gut bezahlt, Letztere ebenso gut geschult hätte wie Krupp. Ob diese Bedingungen für einen Staatsbetrieb erfüllbar sind, ist mindestens zweifelhaft. Wollte der Staat vollends etwa die Krupp'schen Werke in ihrem jetzigen Umfange ganz oder theilweise verstaatlichen, so müßte er ungemein ttef in seinen Säckel greisen. (Ehrenberg schätzt die Krupp'schen Anlagen auf 100 Millionen Mark.)

Doch wie auch immer sich die Zukunft der Krupp'schen Werke gestalten mag, Deutschland wird — so schließt der Verfasser — sicherlich als wichtigsten Erfolg jenes großen Lebens die Führerschaft in der Stahl- und in der Geschütz- fabrikation zu behaupten wissen. Und wenn selbst das nicht auf die Dauer gelingen sollte, so wird uns doch un­verloren bleiben die eigenartige, durch Krupp selbst wesentlich bereicherte Mischung von produktiven Kräften, der wir schon so Großes verdanken."

Ueber die Zukunft der Rothschilds äußert sich Ehrenberg wie folgt:

Das Frankfurter Stammhaus, welches schon seit dem Tode des Barons Maier Karl (1887) jede Be­deutung verloren hatte, wurde seitdem von dessen Bruder, Baron Willy, geleitet. Ta dieser in den letzten Jahren seines Lebens nicht mehr mit den Unterschriften fertig

eine Rolle Gold oder Silber, ein falsches oder beschnittenes Stück enthält.

Jeder Kassirer der Reichsbank ist dafür verantwortlich, daß er richtiges Metall- und Papiergeld in Empfang nimmt. Er muß darauf achten, daß das Metallgeld, besonders Gold, nicht gewaltsam beschädigt ist, durch Behandeln mit Säuren oder durch Abfeilen des Randes nicht zu leicht geworden ist. Für das Zuleichtwerden durch den täglichen Gebrauch ist der Kassirer nicht verantwortlich, da kann er ruhig ein Stück annehmen, welches das Passirgewicht nicht mehr hat. Solches Metallgeld wird von der Bank zurückgehalten und auf ihre Kosten wieder umgeprägt. Auch zu altes Papiergeld wird zurückgehalten und durch neue Banknoten ersetzt. Die alten Scheine werden an allen vier Ecken zuerst durchlocht, also ungültig gemacht, uno dann später verbrannt. Um das Passirgewicht festzustellen, besteht ein besonderer Raum, wo drei Beamte mit Hülfe vo» mehreren automatischen Geldwaagen, die durch Elektricität ge­trieben Werden, Tag für Tag nichts Anderes thun, als das Passirgewicht der 20- und 10-Markstücke festzustellen. Das Gesetz vom 4. Dezember 1871 bestimmt für das Deutsche Reich die Grenze für den Gewichtsverlust auf % pCt.

Alle Goldmünzen werden laut Gesetz, wenn sie das Passir­gewicht nicht mehr haben, eingezogen und auf Kosten des Reiches zum Einschmelzen gebracht. Auch werden dergleichen ab­genutzte Goldmünzen bei allen Kaffen des Reiches und der Bundesstaaten stets für voll angenommen. Dagegen werden die mit Gewalt beschädigten Stücks nur nach ihrem Feingehalt bezahlt. Das wird einfach'durch das Gewicht festgestellt, denn eine Münze ist ein in Bezug auf den Feingehalt staatlich be­glaubigter und garantirter kleiner Barren.

Man prägt nämlich in keinem Staate heute die Münzen aus reinem Edelmetall, schon deshalb nicht, weil Gold und Silber ein zu weiches Metall sind. Das zugefllgte schlechtere, billigere, aber auch weit härtere Metall nennt man die Legirung oder Beschickung der Münze. Das Gold, welches man in Barren bezieht, muß einen Feingehalt von 970 haben. Das heißt, in einem Stück Gold von 1000 Gramm Gewicht darf nur eine Bei­mischung von Kupfer oder dergleichen von 30 Gramm sein.

Das Gesammtgewicht einer Münze heißt in der alten Münzsprache Schrot, das in der Münze enthaltene Gewicht edlen

Werden konnte, bestellte er Kollektiv-Prokuristen. Das war aber dm anderen Häusern ein Dorn im Auge. Als Baron Willy starb, trat die Wittwe, wie glaubwürdig berichtet wird, für Erhaltung des Stammhauses ein und machte dafür auch den Einfluß ihres Bruders, des Barons Albert, Chef des Wiener Hauses, mobst. Doch es fand sich unter den jüngeren Rothschilds Niemand, der bereit war, in das veraltete Frankfurter Haus über­zusiedeln, und da man Fremde dort nicht schaltm und walten lassen wollte, beschloß der Familienrath, das alt­ehrwürdige Haus zu schließen. Aehnliches mag in Wien bevorstehen, wo ebenfalls mit dem Vater des jetzigen Inhabers die geschäftliche Initiative des Rothschildhauses und damit auch dessen Bedeutung für die Bankwclt auf­gehört hat, so daß es jetzt nur noch mit seinem Ramm iin Gefolge der Oesterreichischen Kreditanstalt glänzt. Anders steht es in London und Paris. An diesen Plätzen stehen noch starke Persönlichkeiten an der Spitze der Roth­schild-Häuser. In Paris hat zwar ihr Einfluß durch die Konkurrenz des mächtigen Crödit Lyonnais abge­nommen ; aber trotz des Verdrusses über den französischen Antisemittsmus denken sie offenbar nicht daran, ihr Ge­schäft aufzugeben. In London vollends ist die Stellung des Lord Nathanael Rothschlld noch immer eine außer­ordentlich starke. Außereuropäische Staaten, wie Bra­silien und Chile, hängen finanziell von ihm ab, und ihre Regierungen hören auf ihn auch in anderen Fragen. Jni Londoner Kapitalmarkt spielt „Swithins Lane" (wo die Geschäftsräumlichkeiten der Firma sich befinden) noch eine große Rolle, und die „City" beachtet jeben der Winke, welche der Lord den vielen Besuchern, Maklern, Agenten ec. ertheilt, wenn sie alle Morgen in unaufhör» hörlichem Zuge an seinem Schreibtische vorbeidefilirm, nur stehenbleibend, falls er eine Frage oder einen kurz bemessenen Auftrag für sie hat. Niemandem pflegt ec sich länger als zwei Minuten hintereinander zu widmm.

Aber auch in London und Paris fehlt es, soweit man hört, an einem Nachwuchse, der im Stande wäre, die Geschäfte im großen Stile der Väter fortzusetzen, und da Fremde grundsätzlich nicht zugelassen werden, müsse das konsequent festgehaltene Familienprinzip über kurz oder lang zum Aufhören der Rothschild-Häuser führen.

Deutsches Deich.

* Der Landrath von Alten in Schleswig, dessen Wahl Zum Abgeordnetenhause wegen höchst unzulässiger Wahl­beeinflussungen für ungültig erklärt worden war, ist plötzlich beurlaubt worden. Dem schnellen Urlaub wird vermuthlich die „Versetzung in den^zeitweiligen Ruhe­stand" folgen. Wenn nicht noch Schlimmeres. Herr v. Alten hat ohne Frage in etwas ungenirter Form für sich agitirt. So hat er nach dem Bericht der Wahl­prüfungskommission Gemeinde- und Amtsvorsteher in ihrer Behausung aufgesucht oder nach dem Landrathsamt

Metalls Feingehalt. Das Verhältniß vom Feingehalt zum Schrot nannte man Korn, Löthigkeit oder Feinheit der Münze. Von der Münze übertrug man den Ausdruck „von echtem Schrot und Korn" auf die Menschen. Die älteren, besonderen Münz­gewichte sind seit 1857 in unserem Vaterland« durch das ge­wöhnliche Gewicht ersetzt worden, und ebenso ist die ältere An­gabe des Korns beim Golde nach 24 ideellen Theilen, welche man Karat nannte, und von denen jeder wieder in 12 Gran zerfiel, beim Silber waren es 16 Theile von je 18 Gran, abgekommen. Wan bezeichnet jetzt das Korn durch einen Dezimalbruch, welcher den Theil angiebt, welcher von einer Legirung auf das Edel­metall kommt. In Deutschland hat die Goldmünze »/ Edelmetall, nach dem Dezimalsystem, in England ist die Gold­münze etwas besser, sie hat “/„ Feingehalt, der besseren Prägung halber. Dagegen kennt "England nicht das kostenlose Einziehen von Münzen, die das Passirgewicht nicht mehr haben. Der Einlieferer haftet in England für den Fehlgehalt. Des­halb senden die großen Banken an die Bank von England nur ganz neue Goldstücke ein; die alten, schlechten wandern in Re Provinzen. Die Uebelstände aus diesem Verfahren ergeben sich von selbst. Diese werden in Deutschland durch das coulante Verhalten der Rcichsbank und Reichsregierung verhütet und so dem Publikum eine große Annehmlichkeit und Bequemlichkeit, sowie auch Sicherheit verschafft.

Das Prüfen der Goldstücke in dem Zimmer der Reichsbank, wo die automatischen Goldwaagen stehen, geht sehr schnell; mit Hülfe der schiefen Ebene rollt ein Goldstück nach dem anderen auf die selbstthätige Goldwaage. Die guten Stücke fallen in eine Schublade rechts, die schlechten links. Von den in meiner Gegenwart aufgelegten hundert 20-Markstücken waren 6 zu leicht, sie befanden sich auf der linken Seite. Der Beamte legte sie auf die Präeisionswaage; diese Waage gieüt mit großer Sicherheit und Deutlichkeit jedes Milligramm an und befindet sich unter einem Glasbehälter. Von den 6 zu leichten 20-Mark- stücken hatten 2 noch das Passirgewicht, die anderen wurden in einen besonderen Behälter gebracht, um demnächst zur Münze zu wandern.

Von dem Zimmer der Goldwaagen brachte mich mein Führer in den Vor- und Tages-Tresor. Darüber im nächsten Artikel.