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Samstag, 10. Juli 1915 . Morgen - Kusgabs. Nr. 315 . .SS. Jahrgang.

Der Rrieg.

Der Sfterrelchisch - ungarische Tagesbericht

W. T-B. Wien, 9. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich perlantct vom 9. Juli, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Erneute russische Angriffe zurückgeschlagen.

Die allgemeine Lage im Nordoste» ist unver­ändert. In Russisch-Polen wird auf den Höhen nördlich Krasnik weiter gekämpft. Wie in den vorhergehenden Tagen wurden auch gestern an mehreren Stellen der Front äußerst heftige russische Angriffe z u r ü ck g e s ch l a g e n.

Westlich der Weichsel wurden alle genommenen russischen Vorstellungen behauptet.

Italienischer Kriegsschauplatz:

Gescheiterter italienischer klngriffsversuch auf den Co! Si Lana.

An der k ü st c n I ä n d i s ch.e n Front herrschte gestern verhältnismäßig Ruhe. Ei» italienischer Flieger war bei Görz zur Notlandung gezwungen. Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet Geschütz­kämpfe und Scharmützel. Ein Angriffsversuch zweier ftalieuischer Bataillone aus de« Col di Lama (bei Buchrustei») wurde a b g c w i e s e n.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: Hofer, Feldmarschalleurnant.

von den östlichen Lkriegsschauplätzen.

Die schweren russischen Verluste.

9785 Offiziere tot, 14 681 verwundet in 2 Monaten.

Wien, 9. Juli. (Ktr. Bin.) Das „Wiener Extra­blatt meldet aus Kopenhagen: Die am 1. Juli er­schienenen russischen Osfizierverlu st listen für die Zeit von Ende Zlpril weisen die Namen von 9785 Offizieren als Tote und von 14681 als Ver­wundete auf. Der Bukarester „Adcverult" schreibt: Bon den ungewöhnlich großen russischen Ver­lusten weiß in Rußllmd kein Mensch etwas. Die russischen Verlustlisten führen grundsätzlich nur die Angehörigen der ständige» Garnisonformation auf; für die ostrusfischen Korps und für die Reichswehr, deren Verluste in Galizien furchtbar waren, existieren über- haupt keine Verlnstmeldungen.

Der russische Generalstabsbericht.

W. T.-B. Petersburg, 9. Juli. (Nichtamtlich.) Der Generaistab des Generalissimus gibt bekannt: In der Nacht vom 7. Juli griff der Feind erfolglos unsere Stellungen .am Bahnhof von Wnrajewo cm. Westlich der Chaussee Äalwaria-Suwalki gelang es dem Feinde am 6. Juli, die Chementke zu überschreiten. Er wurde am näch­sten Tage aber wieder zurückgeworfen. Am Orzyc griff der Feind in der Nacht zum 7. Juli unsere Schützen­gräben südwestlich des Dorfes Jednorozec vergebens an. Einige deutsche Truppen hielten sich bis Tagesanbruch vor unseren Schützengräben. Als sie sich zurückzuziehen versuch­ten, wurden sie beinahe alle aufgerieben. Am Tage griff der Feind dieselben Schützengräben an, wurde <cher unter großen Verlusten abgeschlagen. Am linken Ufer der Weichsel griff der Feind in der Nacht zum 7. Juli unter dem Schutze ungeheuerer giftiger Gaswolken mehrere Male in der Richtung aus Dolimow aus einer Front pm 1200 Werst an. Es gelang dem Feinde einige Ab­schnitte der Schützengräben der ersten Linie zu nehmen. Am folgenden Tage warfen wir ihn aber im Gegenangriff zurück und stellen den früheren Zustand wieder her, ausge­nommen in einem Abschnitt. In der Nähe der Staatsstraße

E h Bolmww geht der Kampf gegen die Giftmörder weiter, ffchen dem Marktflecken von Renno und dem Dorfe Joze- i unternahm der Feind in der Nacht und am Tage am -7. Juli vergebliche Angriffe auf Sech ein in der Nähe der

f Weichsel. Zwischen der Weichsel und dem Bug griff dcr- eirtd am 7. Juli nicht an. Gleichzeitig setzten unsere Tru­pe» in der Richtung aus Lublin erfolgreich die Offen­sive, die sie in dem Abschnitt Urzedow-Bhchawa er- griffen haben, fort. Nachdem sie die Urzedowka überschritten hatten, marschierten sie gegen Blory-Sistreca und schlugen dem Feind schr aufs Haupt. Sie machten vom 6>—7. Juli 11 000 Gefangene und nahmen viele Maschinengewehre sowie eine Fahne. In diesem Abschnitt befindet sich der Feind wuf dem R ü ck z u g. Wir verfolgen ihn. Am Bug und an der Zlota-Lipa und jOm D njestr veränderte sich nichE.

Russische Vumvmr«eschoffe:

W- T-B. Berlin, 9. Juki. (Nichtamtlich.) Nach wAeren eidlichen Aussagen deutscher Anteroffiziere sind anfangs Juni an der Dnbissa'in einer russi­schen Stellung nicht weniger als 14 Patronen­taschen voll russischer Patronen mit ab- e rr c u S p-iA e n MmüiLv - N

Die Ützerraschnngswaffe der Deutschen.

Stockbvlm. 9. Juli. (Ktr. Bln.) Ein russischer ärztlicher Sonderausschuß untersuchte 100 Fälle von Gasver­lust u n g russischer Soldaten. Er stellte aus Grund.der Be- handlurig in der Klinik von Moskau fest, daß in der Regel nach drei Woche,» die Entlassung der Vergifteten aus der Klinik erfolgen kann, nachdem sie cm Kopfschmerz und Bron­chitis gelittein Das Gas sei eine überraschungswaffe, deren sich in Zukunft auch die Verbündeten bedienen müßten.

Moskau rechnet mit der völligen Niederlage.

Die Inden sollen als Sündenböcke dienen.

W. T.-B. Bern, 9. Juli. (Nichtamtlich.) Das AuÄcmdS- komttee des Arbeiterdnnde-s erfährt laut „Berner Tag­wacht" (w? Rußland: In der Mo«s4aner Gesellschaft spreche man von'der völligen Niederlage Rußlands. Auch die vom Kriegsschauplatz hennkechrcnden Offiziere verzweifel­ten offen an einem günstigen Ausgang des Krieges. Für alle Niederlagen sucke die Regierung die Juden verantwortlich zu machen. Man spricht in Rußland sogar davon, daß die Regierung entschlossen sei, die Juden auch aus Petersburg a u s z u me i s e n, wenn Ri>ga von den Deutschen besetzt wird. Man habe dies schon früher tun wollen, aber auf die Inter­vention des M«iiqjtevs steS Auswärtigen ausgefchob-en.

In die Verwaltung nach Russisch-Polen berufen.

Br ' Frankfurt a. M., 9. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Mediziuulrat Dr. S ch a u ß in Weilburg ist in die Verwaltung von Russisch-Polen berufen worden.

weitere Ministerkrisen in Rußland.

Br Petersburg, 9. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln., Der Verweser der russischen Reichsbank, ehemaliger Finanz- miinister Schipow, der beste Kenner des Staatskrcdits in Rußland, scheidet der» „Rjetjch" zufolge aus seinem Amte. — Kokowzow macht große Anstrengungen, um wieder zur Regierung zu gelangen; seine Aussichten sind jedoch gering, weil er weder als Staatsmann noch als Persönlichkeit Popu­larität genießt. — Gerüchten zufolge tritt auch der Hof­minister Baron Fr eder icks zurück. Als sein Nachfolger wird der Hofkommandant General W o j e k o w genannt. .

Das gerade Gegenteil besagt nachstehende Meldung:

Br. Kopenhagen, 9. Juli. (Eig, Drahtbenicht. Klr. Bln.) Der Zar sandle auä dein Hu-upoguartier des Höchstkoonmandie- renden ein Schreiben an den früheren Ministerpräsidenten Kokowzow. In Petersburg geht isaä Gevücht um, daß der Zar Kokowzsw den Posten eures Finanz Ministers angebown habe, andere Kreise rechnen damit, daß Kokowzow wieder als Ministerpräsident berufen wind.

Rutzland aus dem Wege zur Revolution.

Br. Berlin, 9. Juli. (Eiz. Dvaihtbrricht. Ktr. Bln.) Einer der besten Kenner Rußlbands, Professor Theodor Schiemann, schildert in einer soeben erschienenen Broschüre. „Rußland ans dem Wegeznr Revolution' die WirLnng, die der Krieg auf Rußland auSgkübt hat. Schiemann ist der Meinung, daß die revolutionäre Propaganda heute bereits 20 bis 25 Prozent der Armee ergriffen hÄoe, rmd daß Ruß­land durch die Verpflegung des Heeres wirtschaftlich ruiniert sei. Leider habe, ohne den Haß gegen Deutschland zu mildern, die Mchssimmung gegen die Regierung sich sehr verschärft. Laffächtich ist nach Schiemanns DarleWuyen der Zuisa-nmewvench in Galizien -der Anfang vom Ende. — Es sei denn, daß es Rußland gelingt, schnell Frieden zu schließen, durch die dann noch erhaltenen HeeresteÄe die Revolution! niederzuhallen und dn'vch ine Preisgabe der FreurdstämmigiLN. an die Bauern die Revolution zu ersticken.

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

In Erwartung der deutschen Durchbruchs.

Rvtlerdem, 9. J«tt. (Ktr. Bür.) Die große Offensive der Franzosen, die seit sieben Wochen mit austervr,deutlichem MnuriioiSaufnxmd und bcheuiendei, Streitkrüften geffihvt wrvd. und zu dem nacht err e vd) len Zweck unternrmMien tuorden war, die dsrtfcke He-eveSbettu«» zu üevw«I«ssen, die Verfolgung der Rüste» in Gcstiz«» zum Stillswnid zu brsiigen, hat den Fvanzofe« nur blurrg>e Be-rlirste und große Kosten verursacht. Die Kvanzefen 'scheinen jetzt auch selbst die Aussichtslosigkeit der Durchbruchs versuche einzu- seyen imd die weitere Offenst B e vo-cliänffg einstellen zu wollen. In der T«t berichtet der .Klor-nespondent der ..Cen­tral Ntewtz" ans Nord fr ankve ich daß di» Verbündeten jetzt die deutschen Durchbr uchsversnche erwarten. ° Der deutsche Plan scheint zu sein, die BeschlAialber der Verbünde­ten darüber in Ztverfel zu bringen, an welchenr Punkt der An­griff aus dw Verbündeten erfo^ sgg. Zeit haben

d« deutschen TrMp.pen an verschiedenen Stellen große An­strengungen Mnacht, die Verbündeten vermochten jedoch ihre Aelluugen zu behaupten. Ihre Artillerie vilDe eine so starke Verteid-gnugsunie, daß die Deutsche« große Verluste er­leiden würden, falls sie einen neuen grcßen Angriff versuchen sollten. Ter Kouvespondent der „Centrail News" fügt hinzu, seit den letzten Lagen seien die Fvauzosen ini Besitz einer neuen, r-r die Verteidigung bestimmten Waffe, Wer deren IBOrUiWrdlich SchMWM gewahrt werden müsse.

3ur Einberufung ber 18jLffrigen.

W T.-B. Lyon, 9. Juli. (Nichtamtlich.) „Nouvelliste" will wißen, daß die ftcmzösische Regierung die Einberusurig der Jahresklasse 1917 so lange wie möglich hiniaus- schieben wird. Ans jeden Fall :verde die Einberufung vor Ende Oktober nicht in Erwägung gezogen.

MUcrands Rücktritt gefordert.

W. T.-B. Genf, 9. .Juki. (NichtamÄich.) Blättermeldun­gen aus Paris zufolge verlangte der Deputierte Favre bei der gestrigen Interpellation in der Kammer den Rücktritt des Kriegsniinisters. Der Ministerpräsident ergriff das Wort zu der Verteidigung Millerands und stellte die Vertrauensfrage. Das Haus nahm, wie schon gemeldet, die. Verttauenstag'.Sordnung an.

Und immer wieder Fueglister.

W. T.-B. Berlin, 9. Juli. (Amtlich.) Die Ententspress:: verbreitet nach wie vor die Behauptung, daß die deutsche Regierung den Versuch gemacht habe, den: durch seine Vor­träge über Löwem berüchtigt gewordenen Schweizer Fueglister fein Material und die Klischees über Löwe» abzukanfsn. Die Nachricht, die bereits einmal durch den deur- ichen Gesandten in Bern dementiert worden ist, ist voll­kommen erlogen.

Der Urieg gegen England.

Rnsere Unterseeboote an der Krbeit.

Berlin, 9. Juli. Der ,L.-A." meldet ans Kopen­hagen: Ter dänische Dreimasterschouer ,^llen", mit Holz ans der Fahrt «ach Liperpool, wurste in ver dlordsee von einem Unterseeboot in den Grund ge­schossen, da er Bannware an Bord hatte. Die Be­satzung wurde gerettet und in Helfingfors ge­landet.

Lord Selbourne über die II-Rootgefahr im Gberhause.

Br. Amsterdam, 9. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.i Bei der zweiten Lesung einer Vorlage, die die Einschränkung der Schlachtung von Rindvieh vorsieht, sagte Ackerbau- minister Lord Selbourne sin englischen Obevhwus, einer der Gründe, der zu einer ErrffchräiÄnug der überfeeffchen Fleischversoranng beiträgt, dürfte in der Untersee- bovtsgefahr liegen. Es ist bewundernswert, wie es unsere Hcmdelsmaüine zum großen Teil fertig brachte, den dciutscherr Tauchbooten zu entgehen, aber die Tatsache ist nickt aus der Welt zu schaffen, daß die deutschen Untersee­boote ihren ständigen Tribut nehmen. Es ist wahrscheinlich, daß die Deutschen ihre gesamten Schiffswerften zum Bau von UntersoebodtM herap-sühren. Deshalb müssen wir mit einer Vergrößerung der Untersesbootsgefahr rechnen.

Die Vernichtung des „Rrmenian" ein Skandal.

Admiral Kennedy fordert Bewaffnung aller Handelsschiffe.

W. T.-B. London, 9. Juli. (Nichtamtlich.) Admiral Äcnnedy erklärte in einer Zuschrift an die „Times" den Verlust der „Armenian" mit ihrer wertvollen Ladung für mnen öffentlichen Skandal und fordert, daß alle Handelsschiffe bewaffnet werden.

Die verdächtigen Höllenmaschinen.

Br. Amsterdam, 9. Juli. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Reuter meldet: An Borst von strei Frvchtstampfern, stie von New Dort nach Havre führen, wursten Höllen­maschinen gefunden, die nicht explodiert waren. Die Maschinen waren zwischen einer' Sendung von Auwinobilen versteckt.

Die Meldung ist echt Reuter. Es fehlt nur die Feststellung, baß es deutsche Höllenmaschinen ge­wesen seien.

Lin englischer Dampfer mitten im Ozean in Flammen.

Br. Anisterdam, 9. Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) „Reuter" meldet aus NLv Dork: Der englische OseainLwmpfer „M i n n e H aha", der am Sonntag von New Jork nach. Lon­don aogesalmen fft, steht in F l a m m e n. (Der „Minne Haha" ist ein BrerschrrmbendcAnpfer von 13 339 Tonnen RamngetzaK, Er ist 1990 ßdkml und gehört der Aklantic-Transport-Co.)

Die Registrierungsbill und andere Fragen im englischen Unterbause.

W- T.-B. London, 9. Juli. (Nichtamtlich.) Tenuant sagte auf eine Anfrage im Unterhaus, er könne dem Hans verfichmn, daß die Einrichtlmg-an für die Aufnahme der an den Dardanellen Verwundeten in Alexandria während der ersten Wochen in jeder Beziehung hinreichend ge­wesen feien. Er gab jedoch auf eine weitere Frage zu, daß er für das Hiubrrugen der Verwundeten nach Alexandria nicht dieselbe Versicherung abgeben könne. — Der Schatz­kanzler sagte auf eine Anfrage, die Mgierüng könne den Überlebenden der „L n s i t a n i a" einen Schadensersatz nicht gewähren, aber die Ansprüche konnten im Foreign Office angemeldet werden. — Bei der Kommifsionsberatnng der R e z i st r t e r u n g s b i l l beantragte der LibeZrala -Hogge^ die Ressttrierung f-r-eiwilTkD öu machen. Brr,

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