so. Jahrgang.
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Äs. 200. Redaktions-Fernsprecher No. 52. Mittwoch, de« 30. April. Berlags-Fernsprecher N». 226«. 1902.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 29. April.
Auf der Tagesordnung steht zunächst die Uebersicht ver Reichs-Ausgaben und Einnahmen pro 1900. Die Rechnungs- Vorlage wird an die Rechnungs-Kommission zurückvcrwiesen. — Es folgt der Nachtrags-Etat pro 1902 wegen Gewährung von Beihülfen an weitere hülfsbedürftige Kriegstheilnchmcr. Die erste Lesung verläuft ohne Debatte. Ebenfalls debattelos wird die Vorlage in zweiter Lesung angenommen. Sodann wird die Seemanns-Ordnung in der Gesammtabstimmung mit großer Mebrheit angenommen. Auch die secrechtlichcn Nebengesetze werden in der Gesammtabstimmung endgültig angenommen. Alsdann wird die zweite Bcrathung des Gesetz-Entwurfes, betreffend Abänderung des § 7 der Strafprozeß-Ordnung (Gerichtsstand der Presse), fortgesetzt. — Ein Antrag Beckh und G c n. (frcis. Volksp.) will sowohl für die periodische, wie fü: die nicht periodische Presse einen einzigen und ausschließlichen Gerichtsstand, und zwar am Wohnort des Erscheinens festlegen. —, Ein Antrag A l b r e ch t (Soc.) will genau dasselbe, enthält jedoch über den Ort des Erscheinens noch besondere Definitionen. — Ein Amendement Gaulle (freist Volksp.) zu dem socialistischen Antrag will diesen in einigen unerheblichen Punkten abändern. — Staatssekretär Niebcrding bittet um Ablehnung sämmtlichrr Abänderungsanträge. Alsdann bekämpft er die Begriffs-Bestimmungen des socialistischen Antrags über den Ort des Erscheinens. Für die periodische Presse könnte das Haus sehr wohl sich mit der Regierungs-Vorlage begnügen, denn schon diese schasse das, worüber man so sehr geklagt, den fliegenden Gerichtsstand, ab, indem sie für Anklagen nur einen, für Privatklagen nur zwei Gerichtsstände statuire und für diese Privatklogen sei der zweite Gerichtsstand am Wohnort des Beleidigten dock? unerläßlich. — Abg. Esche (nat.-lib.) erklärt sich damit einverstanden, daß ein Unterschied zwischen periodischer und nicht periodischer Presse hier nicht gemacht werde. Im Prinzip sei er dafür, daß die Klage nur am Erscheinungsorte anzustrengen sei, auch die Pcivatklagc, aber der entschiedene Widerspruch des Staatssekretärs zeige, daß man durch Annahme der vorliegenden Anträge die Vorlage gefährden würde. Deshalb sei es besser, jene Wünsche zurückzustellcn. — Abg. Heine (Soc.) wendet sich gegen die juristischen Darlegungen des Staatssekretärs, dem er dabei die Versicherung giebt, er habe zu ihm persönlich so viel Vertrauen, wie ein Jurist zum Anderen nur haben könne. (Heiterkeit.) Redner verlangt, daß ein Gesetz geschaffen werde, das etwas nutze, denn nichts sei ge-, fährlicher und demoralisirender für die Gesetzgebung, als Gesetze nur deshalb zu schaffen, damit cs nur so aussehe, als ob etwas geschehen sei. Solche Gesetze ließe man lieber in der Schublade liegen. — Abg. Beckh (freist Volksp.) bemerkt, so wie dir Vorlage jetzt sei, bedeute sie nichts weniger als einen Fortschritt. Früher habe es wenigstens noch viele Gerichte gegeben, die den fliegenden Gerichtsstand nicht gelten ließen. Jetzt dagegen solle derselbe für die nicht periodisch« Presse ausdrücklich gesetzlich
Das Gelände der Ausstellung befindet sich nördlich der neuen Rheinbrnckc ans der terrassenförmig ange- schiittetcn, ehemaligen Golzheimer Insel. Ans unserem Plgne geht die Lage der einzelnen Hanptbaulichkeiten der Ausstellung, welche durch schwarze Signatur Hervorgeboben sind, deutlich hervor. Eine elektrische Rnndbahn umfährt innerhalb des Ausstcllungstcrrains das ganze Gebiet derselben.
Die Ausstellung siebt unter dem Protektorate de? Kronprinzen. An der Feier der Eröffnung werden außer dem Kronprinzen eine große Reihe von Staatsministern,
Staatssekretären und sonstigen hohen Reichs- und Staatsbeamten, an der Spitze der Reichskanzler Graf v. Bülow, theilnehmen. Die Ausstellung macht einen äußerlich durchaus fertigen Eindruck, bei Ausstellungen bekanntlich etwas Ungewöhnliches, und ist sehr stark aus Rheinland und Westfalen, deren Kunst-, Gewerbe- und Jndustriethätigkeit durch dieselbe zur Anschauung gebracht werden soll, beschickt. Alle größeren Firma» haben in Einzelbauten, die ans unserem Plan durch schwarze Zeichnung deutlich erkennbar sind, Sonder- ausstellungcu ihrer Fabrikate veranstaltet.
Wir werden über die Ausstellung eine Reihe fortlaufender Berichte bringen.
Abend-Ausgabe. »
Die Düsseldorfer Ausstellung.
Aus Anlaß der am 1. Mai, Nachmittags 2 Uhr, stattfindenden Eröffnung der Düsseldorfer Gewerbe- und Industrie-Ausstellung geben wir unseren Lesern bei- stcbend einen Situationsplau derselben, die am Rhein- ufcr belegen ist. Eine schönere Lage hat wohl kaum eine
(^Ausstellung in Düsseldorf)
^stelümg bisher gehabt. Steht man unter den hohen Mamen Bogen der Düsseldorfer Rheinbrücke und schaut ■p E User zurück, so sieht man sie aus dem bellen -Mgen Baumgrün des .Hofgartens aukfteigeu wie eine Mntasüsche, märchenbaste Stadt, blitzblank, sarben- trSfT-A- E bunten Dächern, glitzernden Stahlthürmcn, ^mchmnnerndcn Giebelgruppen - Gebäude aller ■PgW/ aller Länder, aller Stilarten durcheinander ge- longegestreckteHalleii mit der zierlichen Filigran- Eisenbögen. alterthünilichc Bauernhäuser mit lllmnitztem Gebälk, maurische Tempel mit schlanken schneeweiße orientalische .Häuser .mit flachem SZ'W^gitterten Fenstern und weiten mauerumschlossc- L 1 Hofen, aus denen Palmen herüberschauen.
Am Marktplatz.
Roman von Hermann Hcibcrg.
(29. Fortsetzung.)
ich mein Vaterhaus nicht vergessen werde, je öa-s 1° luen ’ 0 ('r, als ihr wieder bei einander wohnt, dc «r rtembe Land unsere Herzen nicht trennen wird, wer ^ Mem theurer Papa! So stimme denn, ich bitte, z ,i * 5 Incmc Mutter glücklich sein wird,
der Armee ausscheide und me
hatte er a nach einig!
meine Mutter glücklich sein QW ? der Armee ausscheide ^Mr so einrichtc, weißt Du!" unter solchem Hinweis > nun .^och seinen Vater besiegt, sich ' Q 0 C später war er dann wieder abgercist, ho wichet n ’ ct,t speich und vorerst wieder nach Berl LusNnckel, demGut, begeben, aus dem sich Be
Wi a , sollte seine Herzensangelegenheit zur Entschl die \ "^ssgen, er ivollte endlich die
”■ ^rnv hr v - - ’
. .. - _ual lösen, die ...
bedrückte.
Mr- diese Ungewißbeit hatte den jungen Mm rne.lz,,^malint, grade diese LiebeSgual hatte ihn abc 'Ausschreitungen fortgerissen.
€ 4 ^ j 1 I<J 9 nahe der mecklenburgischen Hanptsta Cruuv.,Jr, au ^nntc es von dort bequem in ein 2 $ l u S»ß erreichen.
i befürchtete, daß Betty ihm answeiche
am- 1 ' ' uu d mm uuötueiaji
itchchreiben werde, wenn er ihr fein Eintrcff lsse^ ' batte er eine solche Meldung überhaupt und
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loflen.
* sollte sie überraschen.
«no aut Er wollte vor sie hintrel
ihr.r,fi Q v-h 1 ’ 0 bcr Wledervcreinigung seiner Eltern ^uno anhalten.
^--".anhalten.
b?kstL aus ihr Jawort, er war überzeugt,
_ Zenten aufbeben wüi-vo
»Sinken aufheben würde.
^ üUr bald erreicht. Die Landstrc
Ulm." w einen Weg mit einer langen. Prä -Las Gutshausführte direkt auf den $
Mx ^"unerich. der in Schwerin im Landhaus
! Gepäck znrückgelassen und sich vorher in Civilkleidung geworfen hatte, diese Allee beschritt, stürmte ihm eine Helle, grangesleckte dänische Dogge mit starkem Gebell entgegen, und gleich darauf tauchte, ans einem über ein Koppclfcld laufenden Richtwcg heraustretend, ein stattlich gewachsener, distinguirt aussehender Mann vor ihm auf.
Unwillkürlich zogen beide Herren den Hut. Aber Emmerich hemmte auch den Schritt und gestattete sich die Frage, ob drüben das Gut Nackel unter den Bäumen hervorschimmere. Ter Fremde nickte bejahend.
„Sind Sie dort bekannt? Wissen Sie vielleicht, mein Herr, ob die Herrschaften anwesend sind?"
„Allerdings! Ich komme eben daher. Nein, sie sind augenblicklich nicht aus dem Gut. Herr Leesen und seine Frau find heute Morgen früh ans einige Tage nach Hamburg gefahren. Nur eine junge Verwandte, eine Nichte, ist zur Zeit anwesend."
„Sehr schön, sehr schön. Ich danke verbindlichst, mein Herr."
Nach diesen fast ei» wenig hastig gesprochenen Worten verneigte sich Emmerich in verbindlichster Weise und schritt eilend dem Gutshause zu. Ter Fremde aber, nachdem er eine Weile gezögert, nahm nicht, tuie er ursprünglich beabsichtigt, den Weg geradeaus, sondern wandte sich auf demselben, ans dein er gekommen, wieder zurück.
Emmerich stand, nachdem er die Flur des Gutshauses betreten, unschlüssig da.
Ein Hund, ein kleiner Pinscher mit scbwarzglänzen- dem Haar und merkwürdig weißem, grinsendem Gebiß wedelte um ihn heruni, auch ein Jagdhund gesellte sich ihm zn. Aber kein meiijchliches Wesen ließ sich blicken.
Er klopfte an zlvei Thürcn, feine Antwort ersolgte. Er trat hinten zur Linken und guckte in eine große, hübsch gebaltenc Küche. Auch dort war Niemand. End- lrch öffnete er, da kein Herein erfolgte, eine Thür geradezu und sah in ein reizendes Wahngemach, angefüllt mit schönen Möbeln und anderen Gegenständen und durch- sluthet von Sonnenschein.
Und durch die weitgeösfncten Flügelpforten, durch die man in den Garten schritt, sah er unter einer, auf cineni großen grünen Rasen stehenden, mächtigen Edel
tanne ein weibliches Wesen an einem Tisch sitzen und einen Brief schreiben. Und diese Dame war — Betty CholevinS.
Sie hatte, entsprechend ihrem Hang nach phantastischen Farben, ein weißes Kleid angetha», während ein rother Strohhut auf ihrenr Kopfe saß. Weiß und roth stachen in anmuthender Farbenschönheit gegen das Smaragd der Bäume und Rasen ab.
Emmerichs Inneres gerieth bei diesem Wiedersehen in einen solchen Aufruhr, daß er das Klopsen seines Herzens kaum zn dämpfen vermochte. Doch raffte er sich auf, schritt durch das helle, hohe und breit sich dehnende Gemach und trat in den Garten hinab.
Nun ivnrde die Schreiberin aufmerksam, erhob das Haupt und schaute spähend geradeaus.
Und dann erkannte sie Emmerich von Put, und die Feder entfiel ihrer Hand, und die weißen Hände schlossen sich mechanisch.
„Baron von Pnt, lieber Herr Baron Emmerich", stieß sie heraus, als er vor ihr stand. Und:
„Vergeben Sie mir — zürnen Sie nicht denl Eindringling" -2- drang's ans des Mannes Brust.
Diesem Ausbruch folgten die Nächstliegenden Fragen und Antworten, und nachdem sie erledigt ivarcn, lief Betty, schöner anzuschauen denn je, eilend fort, um rasch ein wenig Frühstück zu destellen. Als sie aber den Flur betrat, srand derselbe Mann vor ihr, mit dem eben Emmerich draußen in der Ulmenallee zusammengetroffen war, und als sie ihn sah, flog sie ihm stürmisch an die Brust und scknniegte sich zärtlich an ihn.
»Weißt Du, wer du ist, Hans? Baron Enunerich von Put! Und weißt Du, was er will? Ach, Lieber, bätt ich's erst überstanden. Ich zittere am ganzen Leihe."
Und er:
„Ich dachte es. Eine Ahnung sagte es mir, und sie trieb mich zurück. Soll ich es ibm verkünden, daß Du ineine Braut bist? Ach! Wie schön Tn augenblicklich anssiehst! Ich muß Dich küssen und nach einmal."
„Laß, laß. Du Ungestümer! Ich muß ja Frühstück bestellen, und was soll Herr von Put denken, wenn ich so lange sortbleibc.
