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. Berlage rum Mrsba-ener Tagblali.

Akutst Du dem Geiste seine Nabrung,

So last nicht darben Dein Gemüth,

Des Lebens böchste Offenbarung^

Doch immer aus dem Herzen blüht.

Theodor Fontane.

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(44. Fortsetzung.)

Der MarschaÜstab.

Roman von Watttzer Schutte vom ZZrüs-s.

Die Anregung, welche der Maler bei dem Spazier­gang seinem Freunde gegeben hatte, war inzwischen nicht - ohne ihre beabsichtigte Wirkung geblieben. Hans mutzte immer wieder au jene Unterhaltung denken. Bald j glaubte er, daß Felix nicht so ganz Unrecht haben könne, bald wies er jeden Gedanken an eine Verbindung mit der Cousine weit von sich. Er verlor dem Mädchen gegenüber, das ihm nun ganz besonders freundlich be­gegnete, seine Unbefangenheit, grübelte hin und her, und heim Reiten und Exerciren gab es Bemerkungen seiner Vorgesetzten, wie: „Weiß' der Teufel, was seit drei

lPagen in den Einjährigen Kaltenbach gefahren ist? Wem: er einen Sonnenstich bekommen hat, so melde er sich krank", oder: „Kaltenbach, Sie duseln ja: Sie sollten sich in einen vollen Tränkeimer setzen, das ist gut für die Kopfnerven."

Solch' wohlgemeinten Rathschläge wurmten den sonst so pflichtgetreuen Soldaten sehr. Er suchte seine miß­liche Stimmung zu überwinden, aber er wurde nicht Herr darüber.

Ost war es ihm, als ob er für Elsbeth in der That ein wärmeres Gefühl empfinde, damr drängte sich. wieder das Bild Huldas in seine Erinnerung, wollte sich nicht verscheuchen lassen, und es kamen ihm immer die Strophen ihres Liedchens in den Sinne

„Auf einem Baum, das will ich sagen,

Ein goldner Vogel singt in den Wind!"

Und je mehr er innerlich mit sich grollte, daß es sein Hirn wagen konnte, das schlichte Mädchen, an welches doch nicht entfernt für ihn zu denken sei, neben die reiche junge Dame aus gutem Hause zu setzen, um so klarer trat Huldas Bild vor ihn.

20 .

■ Der Verabredung gemäß holte Hans am nächsten Sonntag Nachmittag Elsbeth ab und fiilirle sie zu Frau Neuschaus. Felix und der Kaufmann waren noch nicht dort, und Hans wunderte sich heimlich, daß der Kaffee- üsch so reich ausgestattet war und augenscheinlich mehr Gedecke enthielt, als nöthig schienen.

„Kommt noch mehr Besuch?" fragte er, aber Frau Neuenhaus lächelte und sagte: „Wir werden ganz unter uns sein, nur der intimste Kreis."

Während die Drei noch über Dies und Das plau­derten, öffnete sich die Thüre und Herr und Frau Kalten­bach traten ein, gefolgt von den beiden Herren des Hauses.

«Du wunderst Dich wohl, mein Junge", rref der

Dienstag, de» 20. April.

Fabrikant, als er das erstaunte Gesicht seines Sohnes sah. Herr Neuenhaus aber rieb sich die Hände und sagte: „Es sollte eine Ueberraschung sowohl für unfern Einjährigen, als für das liebe Fräulein werden. Felix bestand darauf, daß die Herrschaften bei seiner Föte an­wesend sein müßten."

„Ja", rief der Maler lachend, „ich habe mir die Ein­ladung eine kleine Studienreise kosten lassen. Meine Belsazarei ist selten so glücklich, hervorragende Vertreter bürgerlicher Sitte und Ordnung ungenirt empfangen, zu können. Ich konnte mir daher dieses Vergnügen nicht versagen."

„Herr Felix ist uns wirklich sehr freundschaftlich ge­sinnt", sprach Frau Kaltenbach mit einem feinen Lächeln und nickte dem jungen Manne vielsagend zu. Mit ge­radezu müüerlicherZärtlichkeit begegnete sie ihrer, Nichte, und Herr Kaltenbach Pries des Mädchens glücklichen Gedanken, sich bei Ihrem Besuche in der Stadt den Bester als Kavalier ausgesucht zu haben.

„Bist Tu denn auch zufrieden mit ihm?" fragte er vielsagend.

Ta sah Elsbeth Hans sstahlend an, ergriff seine Hand, klopfte sie zärstich und sagte: „Er war ja immer ein guter Junge, aber seitdem er ein Städter und Soldat ist, gefällt er mir noch besser."

„Gewiß, er ist der reinste Musterknabe", bestätigte Felix. „Nur noch etwas unentschlossen und schüchtern liebenswürdigen Damen gegenüber."

„Jugend,' Jugend!" rief der Fabrikant pathetisch, und dann setzten sie sich Alle an den Kaffeetisch. Hans und Elsbeth aber mußten zwischen Herrn und Frau Kaltenbach Platz nehmen und wurden gewissermaßen als Hauptpersonen behandelt, worüber sich der junge Mann im Stillen wunderte, während das Mädchen ganz in seinem Elemente zu sein schien.

Später gingen die beiden jungen Leute miteinander fort, um Mine Storch und deren Eltern zum Garten­feste abzuholen. Als sie zurückkehrten, fanden sie schon eine kleine Anzahl von Gästen vor, meist Herren und Damen, der Familie Neuenhaus befreundet, mit er­wachsenen Töchtern, von denen die eine oder andere sich Aussichten auf Felix machte. Der Umstand, daß Herr und Frau Neuenhaus diese Leute zu einer Erdbeerbowle im Atelier des Sohnes gebeten hatten, muthete sie selt­sam an und ließ manche stille Hoffnung neu aufkeimen.

Das Gartenhaus war ihnen allen eine unbekannte Welt. Sein Bewohner spielte wohl in der „Farbentube", dem Künstlerklublokale, eine Rolle, aber für solide bürgerliche Einladungen batte er sich wenig zugänglich gezeigt, so sehr man auch nach dem vermögenden jungen Mann und dem tüchtigen Künstler fahndete und angelte.

Plaudernd und bin und wieder die schönen Blumen- beete bewundernd, schrrttcn die einzelnen Gruppen, auf und nieder, indes der Hausbursche und ein Lohndiener rings um das Gartenhaus und in einigen Heckenaängen und Lauben sich noch mit den Lampions beschäftigten.

Felix überließ es den Eltern, die Honneurs zu machen und die Gäste einander vorzustellen. Er harrte am Gartenthore der Hinteren Mauer auf die Freunds, die er sich als belebende Würze für die Gesellschaft besonders bestellt hatte.

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SO. Jahrgang. 1902c

Der junge Goldschmied Ritter, der allerdings bisher noch nicht von ihm eingeladen worden war. den er aber au? Rücksicht für Hans gebeten hatte, war wage-

kommen, Nun klingelte es wieder und der Maler öffnete das Wörtchen.

„Ach, das Quartetts" rief er ^dig. «Gut, iwß Ihr mich nicht im Sttche laßt. Unste verehrte Mdem Höcker konnte ich nicht bitten, da fienn ^ubadour"z thun hat, überdies könnte man sie hier mrt Nasenrurnpttm aufnehmen, denn heute habe ich, wenn ich Euch ^ ausnehme, imr mustergülttge Staatsbürger emgeladeu. Seid mir nicht böse darum!"

Die Erdbeerbowle bei farbiger Beleuchtung ver­söhnt mit Allem", sagte der runde Stilllebenmaler Plätzl der Jüngere, und ferner Sttnrme Ton ließ kernen Zweifel darüber, daß er der Tenor des Gesangsguattett, sei Ter Begründer und Leiter desielben war der Kom­ponist August Schnütgens, ein lang, aufgeschossener junger Mann von etwa dreißig Jahren, m einem bis, an die Kniee reichenden, schwarztucheneu Gehrock, der ihm fast das Ansehen eines Psarramtskandidaten verlieb Seine Hobe, schmale Stirn, die sich letzt allerdings hrnte. einem breiten Schlapphut verkroch, zeigte aber Me aus- geprägte Form, die man häufig bei stark E^rstch em­pfindenden Tonkünstlerii findet, eme echte Mustkeritrrn. Darunter saßen ein paar kleine Augen, m denen ertl unterdrücktes Feuer zu lodern schien.

Schnütgens, mit seinem lang zurückgekämmtcn Haar, seinem bleichen, von einem dünnen Bart umrahmten Go- sicht und seinen schlenkrigen Gliedmaßen konrste keinco- weqs schön genannt werden, aber in ferner ganzen Er­scheinung und in seiner Art lag etwas von Originalität und sogar von geistiger Bedeutung ausgeprägt, oa^ Interesse erregen muÄe. ,

Der Komponist klopfte Felix aus die Schulter, nickte wohlmeinend mit dem Kopse und sagte: „Deine lutu- lischen Ergötzlichkeiten in Ehren, Neuenham-, aber rch komme noch einmal so gern zu Dir, Werl Dwm diesen schäbigen Zeiten der Gesangskunst so zugethan bis- Speziell das Männerquartett, das isi der ^nbegrrss — Und alle Instrumentation: Holz, Blech, Darm- und andere Saiten, ist nur ein Nothbehels gegen das Wunder der Stimmritze! Das wolltest Tu doch wieder einmal behaupten!" siel Felix lachend ein.

„Allerdings, man kann das nicht genug betonen . sagte Schnütgens ernsthast, wid der kleine bewegliche Historienmaler Schmidt, von dem die Rede ging, sein i Bariton sei besser als seine steifbermgen Heiden der Ge­schichte, bestäügte es und erklärte mit Stolz, hwrte wur­den sie einen ireuen Kantus steigen lasten, daß Allen die Augeii übergehen sollten.

Es ist etwas echt Polksthünlliches", sagte der Baß, der "Landschafter Bitter, „nämlich das bekannte Lied:

Ms ich an einem Sommertag". Schnütgens hat den naiven Ton großartig gettoffen. . Besonders m der Strophe: „Sie sprach: mein Herr, ich kenn Euch Nicht

_ich fürcht' ein Mannsbildanojesicht", kommt die Volks-

thümlichkeit zum höchsten ergreifenden Ansdruck."

(Fortsetzung folgt.)

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