Verlag Langgaffe 21
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Zrettag, 9. Iuli 1915.
Morgen- klusgabe.
Nr. 313. » 63. Jahrgang.
Lin italienischer Panzerkreuzer torpediert!
Der österreichisch - ungarische Tagesbericht,
W.T-B. Wien, 8. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 8. Juli, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz. Russischeangriffe östlich derweichsel abgeschlagen
In R u s s i s ch - P o l e n östlich der Weichsel dauern die Kämpfe fort. Zahlreiche heftige russische Angriffe wurden blutig abgeschlagen. Bor überlegenen feindlichen Kräften, die zur Deckung von Lublin herangcführt, zum Gegenangriff vorgingen, wurden nufere Truppen beiderseits der Chaussee auf die Höhen närdlich Krasnik zurückgcnomme.n.
Westlich der Weichsel wurden einige russische Boxstellungen erstürmt.
Italienischer Kriegsschauplatz:
Mißlungene italienische Vorstöße.
Im Görzifchen unternahmen die Italiener gestern wieder einzelne Vorstöße. Gegen den Görzer Brückenkopf sandten sie auch Mobilmiliz ins Treffen. Unsere Truppen schlugen sämtliche feindliche Angriffe wie immer ab. Am mittleren I s o n z o und im Krn- gebiet herrscht Ruhe.
Im K ä r n t n e r und Tiroler Grenzgebiet fanden nur Geschützkämpfe statt.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Montenegriner zur Ruhe gebracht.
Auf den Grenzhöhen östlich Trebinje hat nachts zum 7. Juli der Kampf gegen die Montenegriner erneut begonnen. Da der Gegenangriff am 6. Juli miß- luugen war, versuchte der Feind nachts noch einen Vorstoß, der jedoch in unserem Infanterie- und Artillerie- seuer völlig z u s a m m e» b r a ch. Nunmehr herrscht dort Ruhe.
An der übrigen Grenze hat sich nichts Wesentliches ereignet.
Lin neuer Erfolg zur See.
Eines unserer Unterseeboote hat am 7. Juli, morgens, einen italienischen Panzerkreuzer, Typ „Amalfi", in der Nord-Adria torpediert und versenkt.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: p. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
*
Die Torpedierung der „amalfi".
Eben erst hat Italien die Mockade über die ganze Adria verkündet utnd diesem Meeresweq für alle Handelsschiffahrt gesperrt, da lauft ein österreichisches Unterseeboot in aller Stille aus, um sich sein Opfer zu erküren, das es auch also- bald in einem italienischen Panzerkreuzer findet. In der Adria war's, wo wir schon gleich nqch der Kriegserklärung an Österreich einen großen Angriff der italienischen Flotte aus esiunre, Pola und Triest sowie wohl gar auch ein Landungsunternehmen an der dalmatinischen Küste erleben sollten. Und min ist bereits das dritte italienische Kriegsschiff zur Strecke gebracht worden, nachdem die mit der Bewachung der Straße von Otranto beauffragte ffanzöstsche Flotte ebenfalls schon zwei noch recht brauchbare Kriegsschiffe, die Panzerkreuzer „Courbet" und „Leon Gambetta", wie einen Stein ins Meer sinken sah, und die englische Flotte mit ihreni Schiff vom „Liverpool"-Thp gleichfalls an die Tüchtigkeit der österreichischen Unterseeboote glauben mutzte.
Durch die italienische Bestätigung, die diesmal merkwürdigerweise mit fast lunglaublichigr Geschwindigkeit und Pünktlichkeit erfolgt, toird auch der Name des Unglücksschiffrs bekannt. Wie bereits der österreichische Tagesbericht ange- deutrt, handelt es sich tatsächlich um den 10400 Tonnen, großen italienischen Panzerkreuzer „Amalfi", der erst im Ma: 1908 vom Stapel lief, also noch zu den verhältnismäßig neuen Schiffen gehört. An Bestückung führte die „Amalsi". erinnernd an die alte, einstmals reiche und mächtige italienische Seehandelsstadt, vier Geschütze zu 25,4, acht Geschütze zu 18, sechzehn Geschütze zu 7,6 und zwei Geschütze zu 4,7 Zentimeter. Außer der „Amalsi" gehörte noch zu derselben Klaffe der Panzerkreuzer „Pisa", nur 200 Tonnen größer als jener. Nach der italienischen Darstellung soll die größte Zahl der 684 Mann in Friedenszeitcn betragenden Besatzung gerettet sein. ' ? u
Was besondere Genugtuung bei der Vernichtung des Schiffes erwecken muß, ist, daß es einem Eingelgkied der österreichischen Motte, die doch jetzt nicht nur durch die französischen mch englischen Schiffe in Schach «haften weichen soll, sondern die auch noch durch die italienische Motte unterstützt werden, wÄberrrm gÄmigen ist, einen Sieg über den Feind davon
zutragen. Und cAe diese Tugendwächter vermochten bisher noch nicht, den Beweis zu erbringen, daß sie einen Angriff von österreichischer Seite verhindern konnten. Gespannt darf man auch sein, wie die Nachricht auf die Italiener wirken wird, die in dieser kaum siebenwöchigen Kriegsführung schon so manches Ungemach über sich ergehen lassen mußten. Armes Italien, wenn du nicht unser Gegner wärest, es könnte, uns wahrlich leid um dich sein!
Die italienische Bestätigung.
W.T-B. Rom, 8. Juli. (Nichtamtlich.) Der Chef' des Admiralstabs teilt mit: Vorgestern nacht wurde eine Auftlärungssahrt in der oberen Adria unternommen. Der Kreuzer „Amalf i", welcher daran teilnahm, wurde gestern bei Tagesanbruch von einem österreichischen Tauchboot torpediert. Das Schiff hatte sofort mehrere Schlagseiten nach links. Bevor der Kommandant den Befehl, sich ins Meer zu werfen, geben konnte, ertönte der Ruf „Es lebe der König, es lebe Jt alt c it". Die ganze Besatzung, welche am Heck des Schiffes versammelt war, sttmmte mit bewundernswerter Disziplin in den Ruf ein. Der Kommandant verließ als letzter das Schiff, indem er sich auf der »och aus dem Wasser ragenden Seite her- untcrgleiten ließ. Der Kreuzer versank kurz darauf. Es gelang unseren zu Hilfe eilenden Schiffen nahe- zu die ganze Besatzung zu retten.
Thaon di Revel.
Die Blockade der Rdria.
W. T -B. Mailand, 8. Juli. (Nichtamtlich.) Der „Secolo" berichtet, daß die Durchführung der Blockade in der Adria am Dienstag begonnen habe. Die Wirkung der Blockade erstreckt sich über die ganze Adria nördlich der Linie Otrcmto-Aspirola. Die Schiffahrt auf diesem Meerwege ist Handelsschiffen jeder Nationalität untersagt. Cin Scm- berdekret regelt die Konzessionen, die für die Handelsfchifs- fahrt gewährt werden können'.
Gegen die Deutschenfreunde.
ap. Genf, 8. Juli. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) In einem Kriegsbericht, der auch viel von Spionage erzählt, unter der die italienischen Operationen zu leiden haben, schreibt 2. Gigli in „Gazzetta del Popolo": Von glaubwürdiger Seite wird mir bestimmt versichert, daß sich der Kronprinz von Bavern im Trentino an einem Ort, den ich nicht Nennen darf, aufhält. Diese Nachricht für die hartnäckigen — glücklichec- tveise niicht zahlreichen — Germanophilen, die in unserem Lande noch vegetieren. Sind solche Sympathien jetzt noch erlaubt? Darf man noch wünschen! -- wie ich noch dieser Tage von einigen gehört habe —, daß Deutschland die verbündetem Mächte untereinander in Verwirrung bringe, jetzt, wo Italien zu ihnen gehört? Das -st Vaterlandsverrat, wie ihm nur Ahnungslose oder gekaufte Verräter begehen können.
Italienische „Justiz".
Die beiden Offiziere des deutschen Schiffes „Lemnos" wurden vom Kriegsgericht zu Venedig zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Angeblich sollen Leute gesehen haben, wie der Kapitän gegen ein österreichisches Flugzeug mit einer weißen Fahne vom Schiff aus Zeichen gab. Ein italienischer Matrose sagte aus, der Kapitän habe die feindliche Flotte von der Abfahrt eines russischen Kauffahrteischiffes benachrichtigt. Ein Ingenieur will Lichtsignale der „Lem- r:os" gesehen haben, die auf gut eingerichtete Signalvorrich- tungen schließen ließen. Andere Zeugen wollen Signalflaggen in allen möglichen Farben festgestellt haben. Ter Verteidiger wies auf den geringen Wert dieser Zeugenaussagen hin; die Bevölkerung von Ancona habe sich in der kritischen Nacht der Beschießung in einer Geistesverfassung befuindon. die eine ruhige Beobachtung solcher Vorkommnisse kaum zulasse. _
Ueber przemysl auf Lemberg.
ii.
Die Wirdereroberung von Lemberg.
Blutig rot war abends die Sonne hinter einem schwarzen Damm untergegangen. In der Nacht hatte es geregnet, und als der Tag anbrach, hing schweres Gewölk wie ein bleiernes Dach über den Voröergen der Karpathen. Eine eigentümliche Stimmung, dumpf und schwer, lagerte über der Landschaft, als wir hinausfuhren — nach Osten zu — den blutigen Ereignissen enrgegen. Aber mehr und mehr hellte der Himmel sich auf, und plötzlich, um die Mittagsstunde, brach sieghaft die Sonne hervor. Das war der Tag von Lemberg! — Wir fuhren diesmal nicht auf der direkten Lemberger Straße über Mosciska—Grodek, sondern fünfzehn Kilometer weiter nördlich von Radymno, dort, wo die Armee Mackensens in gewaltigem Vorswß zuerst die russische San-Stellung durchbrochen ' hatte, auf einem Parallelwege über Kcakowice—Jaworow —>
Janow an die vielgenannte Grodeker Seenkette heran. Überall wurde emsig an der Wiederherstellung der zerstörten Verbindungswege gearbeitet. Deutsche Eisenbahntruppen, die wir an allen galizischen Strecken trafen, bauen an den gesprengten Brücken und Schienensträngen. Mannschaften der deutschen Feldtelegraphie klettern mit ihren Stegeisen an den Füßen wie die Spechte an den rohbehauenen Birken und Kiefevnstämmen hinaus, die von russischen Gefangenen aus den nahen Wäldern herangeschleppt wurden, und zogen ihre Drähte.'
Auf den Landstraßen aber schippte, schaufelte grio walzte alles durcheinander: deutscher und österreichischer
Landsturm, gefangene Russen, galizische Frauen und Kinder.
Noch lag sonst aber alles wie im tiefsten Frieden. Große Herden von langhörnigen Rindern und schönen Pferden tummelten sich auf den weiten Wiesenflächen, und die Bewohner der Dörfer, die hier weit weniger zahlreich sind als in Westgalizien, schienen sich in ihren halbzerstörten Häuser,, schon wieder wohnlich eingerichtet zu haben; behaglich ihr Pfeifchen schmauchend, hocken die weißkittligen Ruthenen auf den Schwellen, und die Juden zogen ffenndlich grüßend die Hüte von den Ringellocken,, wo wir au ihren Häusern vorbeifuhren. Oft wurde man weite Strecken lang fast durch nichts daran erinnert, daß hier noch vor wenigen Tagen blutige Kämpfe sich abgespielt hatten. Doch wir nähern uns dem Operationsgebiet. Von einer deutschen Feldfliegerstation, die links im Felde lagert, steigt ein Doppeldecker auf und verschwindet bald vor uns in den Wolken. Kolonnen aller Art nähern sich. Ein kilometerlanger Transport russischer Gefangener, mehrere tausend Mann, die während der Gefechte am heutigen Morgen in unsere Hände fielen, bewegt sich an uns vorüber. Dann kommen uns Verwundeteutransporto entgegen. Und plötzlich halten wir zwischen den noch rauchenden Trümmern von Janow, nur noch einige zwanzig Kilometer vor Lemberg. Da die Russen hier bereits im Rückzüge sind, wollen wir weiter nach Grodek. Die bei Janow liegenden Höhen gewähren uns einen Überblick über die Lage. Hier müssen die Russen verzweifelten Widerstand geleistet haben. Neue Trupps Leichtverwundeter kommen uns entgegen, aus ihren Gesichtern läßt stch erkenne», daß es vorn gut stehen muß. Jetzt sind wir bei einer österreichischen 30,5- Zentimeter-Mörserbatterie. Aber sie feuert nicht mehr, sie baut ab. Wir halten an und ffagen: „Wie steht es um Lemberg?" „Lemberg ist unser! Sechs Kilometer jenseits der Stadt ist unsere neue Stellung." Das Kampfgebiet liegt also bereits weit östlich der Stadt. Nun so schnell als möglich nach Lemberg. Bald haben wir den Schauplatz der letzten Kämpfe erreicht. Noch liegt im Felde mancher Brave, der sein Leben lassen mußte im heißen Ringen um das langersehnte nahe Ziel, noch war keine Zeit, ihm die letzte Ruhestätte zu bereiten, kaum daß die Straße freigemacht werden konnte, auf der nun ein siegreiches Heer seinen Einzug hält in die be- ffeite Stadt.
Und da kommen sie schon den Befreiten entzogen, in dichten Scharen, zu Wagen und zu Fuß, Blumen in den Händen, Freudentränen in den Augen, Jubel im Herzen, der nach Ausdruck ringt. Zehn Monate haben sie uns geknechtet, jetzt sind wir frei! Hoch Österreich! Hoch Deutschland!
Und sie klettern auf die Protzen der Geschütze, sie hängen sich an die Wagen, sie drängen sich zwischen die Pferde und küssen die Stiefel der Reiter. Im Nu hat ein jeder Krieger sein Sträußchen am Käppi, Säbel, am Gewehr; ein Wagen mit deutschen Offizieren ist mit Blumen angefüllt. Wo sie erkannt worden sind, ist der Jubel am größten. Sträuße mit Schleifen werden geworfen. Heil Deutschland! Heil Kaiser Wilhelm! steht darauf. Und immer gewaltiger schwillt der Jubel an, je weiter ins Stadtinnere man kommt, wo von allen Balkonen schon die Teppiche hängen, wo aus allen Fenstern die Fahnen flattern, österreichische, ungarische, galizische und deutsche. Auf den Straßen wogt es. Vereine mit ihren Fahnen und Zeichen ziehen auf. Heiligenbilder werden herumgetragen und lorbeerumkränzte Bildnisse des Kaisers Franz Joseph. Ein Freudentaumel hat all die Tausende erfaßt und immer aufs neue schallt es stundenlang: Hoch Österreich! Hoch Deutschland! Was müssen diese Menschen während der Fremdherrschaft gelitten haben, um in der Stunde der Befreiung in diesem Zustand der Ekstase versetzt zu werden. Und wie l,aben die Russen sich verrechnet, als sie glaubten, aus Lemberg eine russische Stadt machen zu können! Nein: Lemberg ist österreichisch geblieben, oder ist es mehr noch geworden, als es jemals vor der Russenzeit war, dies ist der größte fteudige Eindruck, den ich mit mir genommen habe von diesen unvergeßlichen Stunden.
Richard Schott, Kriegsberichterstatter. Armeebefehl an die russischen Juden.
Br. Wien, 8. .Juli. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie aus Lemberg gemeldet wird, soll Nikolai Nikolajewitsch an die jüdischen Soldaten einen Armeebefehl erlassen hab'm in dem es heißt: Eines der Ziele der Ktzmpfc gegen die Tückkei sei für die Juden Palästina zurückzuerobern, damit sie als Einheit unabhänigia dort leben können. Der Befehl sagt:
