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6«tte L. Abend-Ausgabe. Erstes Blatt.

deshauptmann Roos auf dem Kirchhof in Lftergarn. Der feierlichen Kranzniederlegung wohnten zahlreiche schwe­dische und einige deutsche Offiziere bei. Ferner hatten der deutsche Gesandte, der Marineattache und der Generalkonsul Stockholms Kränze in deutschen Farben gesandt, mit welchen der deutsche Konsul in Wisby die Gräber der Toten desAlbatros" schmückte.

Die Matter stellen den ausgezeichneten Eindruck fest, den die Besatzung desAlbatros" aus die schwedische Bevölkerung machte und berichten Züge von Pflichitreue bis zum letzten Augenblick. Besonders wird der aufopfernden Tätigkeit des Schiffsarztes Dr. K a r i l l o n gedacht, der, trotz­dem er selbst durch mehrere Granatsplitter schwer verletzt und zeitweilig k«fimrunyslos war, nicht müde wurde, Anweisun- gen für das Verbinden der übrigen Verwundeten zu geben. Ohne ein Wort der Klage starb Karillon bald darauf auf dem Transport zmn Krankenhause. Einer der am schwersten Verwundeten liestTayons Sthheter" zufolge, den Tod vor Augen, durch die Kameraden an seine Mutter, die durch den Krieg bereits ihrem Mann und den älteren Sohn verloren hatte, telegraphieren, daß er auch die Ehre der deutschen Sach: miterkämpft babe, während das Schiff und eines seiner Beine verloren gegangen seien. Ein Unteroffizier, dessen halber Arm von einer Granate zerfetzt war, meldete sich erst am Sonntag, 48 Stunden nach dem Gefecht, als verwundet, weil er sich, wie er sagte, schämte, mit einer solchen Kleinigkeit zu kommen.

W. T.-B. Stockholm, 6. Juli. (Nichtamtlich.)SvenSka Dagbladet" meldet aus Wisby: Der Zustand der verwundeten Deutschen ist seit vorgestern unverändert. Die Bevölke­rung pflegt iie aufs beste. Mit Blumen, Büchern und Er­frischungen kommen sie von allen Seiten. Die Königin hat den Verwundeten im Militärlazarett Rosen gesandt. 60 Mann liegen dort, davon 36 schwer verwundet, doch keiner hoffnungslos. Die Internierten fühlen sich verhältnismätzig wohl Am Strandungspkatze ist alles ruhig. Schwedische Torpedobootsjäger halten bei demAlbatros" Wache.

Die Aufnahme der russischen Antwort in Schweden.

W. T-B. Stockholm, 7. Juli. (Nichtamtlich.) Zu der russischen Antwort auf den Protest Schwedens schreibtSvenska Dagbladet": Das vorbehalt­lose Bedauern über den Übergriff ist an und für sich befriedigend. Jedoch bleibt mit u n v e r m i n d e r - ter Stärke die Notwendigkeit bestchen, bei den verantwortlichen Stellen in Rußland und bei uns ernst e i n z u s ch ä r se n, daß solche groben Ver­letzungen der Neutralität und solche Übergriffe sich unter keinen Umständen wiederholen dürfen. Mit unverminderter Stärke schon deshalb, weil der hiesige russische Gesandte der Erklärung des lebhaften Bedauerns den höchst bemerkenswerten Aus­spruch hinzugefügt hat, daß in diesem Falle nur eine bedauerliche Unachtsamkeit vorliege. Das Blatt meint, wenn derartiges dienstlich so mild be- urteilt wird, bestehe wenig Sicherheit wegen Wieder- Holungen. Die übrigen Blätter geben ihre Befriedi­gung über die schnelle Antwort wieder sowie über den Ausdruck des lebhaften Bedauerns, wenn auch der schwere Fall nach dennSvenska Dagbladet" noch eme vorbehaltlose Entschuldigung begründet hätte. Sie lege besonderes Gewicht auf die Versicherung, daß Wiederholungen nicht vorkonrmen sollen. In Schweden, sagtStockholms Dagbladet", hat man ein starkes Ge­fühl für die Pflichten der Neutralität. Schweden kann LeshaW in Worten und Taten Achtung vor fernen Rechten sondern.

Grenzprobleme.

Seit einiger Zeit trifft man häufiger als zuvor auf Darstellungen der Bevölkernngsverhältnrsse und der nationalen Stimmungswerte in den baltischen Provinzen, auf Artikel, deren Ab­sicht, ohne daß sie bestimmt ausgesprochen wunde, deut­lich genug ist. SNachdem unsere Truppen einen großen Teil dieser Gebiete in festen Besitz genommen haben, wird uns geschildert, wie enge Beziehungen zwischen' der estnisch-lettischen Hauptmasse der Bevölkerung und

Wiesbadener Taablatl.

dem Deutschtum schon bestchen und erst recht her-gestellt werden könnten, Man erzählt uns, daß ein Viertel der Bewohner die deutsche Sprache beherrscht, daß Esten und Letten, die überdies keine Slawen sind, im Laufe der Jahrhunderte eine starke deutsche Bei­mischung erfahren haben, und man weist besonders darauf hin, daß die Gesamtbevölkerung bis auf einen geringfügigen Bruchteil den evangelischen Glau­ben mit uns gemein hat. Nichts von dem, was uns in so Hellen Farben gezeigt wird, braucht fälsch zu sein, und doch wird es sich sogar empfehlen, die damit an­gerührten schwierigen Fragen mit äußerster Nüchternheit zu behandeln. Es wäre eiire sogar ziem­lich leichte Aufgabe, eine Darstellung zu geben, die von der hier erwähnten in entscheidenden Punkten abwercht. Aber nicht davon soll hier die Rede sein, wir möchten keinen Streit über die Kernfrage, wir wünschen mir, sie aus den Unchüllungen herauszuschälen, mit denen Schilderungen der erwähnten Art sie umgeben. Um es ganz deutlich zu sagen, so haben wir in den Erörte­rungen über die Bevölkerungsverhältnisse jener Geviele ein G e g e n st ü ck zu den Erwartungen und Wünschen vor uns, mit denen wir das Schicksal der Gebiete zwi­schen unserer West grenze und der Nordsee in unlösliche Verknüpfung mit den zukünftigen Friedens­verhandlungen bringen. Trotz der ja selbstverstän-d- iichen Ähnlichkeit sind nun aber auch Unterschiede da. Was auf der einen Seite als n a t i o n a l - st a a t I i ch e Notwendigkeit erkannt wird, das braucht es aus der anderen nicht ebenfalls zu sein. Ist sie es doch, dann sollten wir uns keine unrichtigen Vorstellungen von der vermeintlichen Leichtigkeit einer ^ Aufgabe machen, die uns durch die wirklichen Verhältnisse im Maße unserer Illusionen nur erschwert werden wüvde. Ein harter und unwillkommener Zwang, uns die realen" Sicherheiten, von denen der Reichskanzler sprach, auch im Osten in der besonderen Werse zu schaffen, von der nicht näher gerodet werden soll, ein solcher Zwang müßte selbstverständlich ertragen wenden, und es müßte nach ihm gehandelt werden. Besteht nun ein solcher Avang? Die Frage mündet in die größere unseres künftigen Verhältnisses zu England hier, zu Rußland dort. Es gibt viele Beurteiler, die einen Ausgleich zwischen uns und Groß­britannien für unmöglich h-ccktM, und die des- halb die rücksichtsloseste Ausnutzung der uns günstigen Lage nach dem Westen hin for­dern, damit ein unversöhnlicher H-eind für immer an die Kette gelegt werde, gleichgültig, ob er seinen Haß gegen uns ins Maßlose steigert. Es gibt nach der ärgeren Seite hin Beurteiler, die ein Nachlassen der deutsch-russischen Span­nung erwarten, und die -das spätere Verhältnis er­möglicht sehen durch entsprechende Rücksichtnahme bei den kommenden Friedensverhandlungen. Einiges, was diese Gruppe für sich anführt. kann sich vielleicht hören lassen, aber wenn man auf die letzten Beweggründe der russischen Politik zurückgcht, dann verschie- den sich die Umritzlinien -doch wieder so, -daß die Mög­lichkeit einer Verständigung bezweifelt werden muß. Ganz nüchtern betrachtet, kann man vielleicht sagen, daß ein geschlagenes Rußland den Teil seiner Ansprüche, zu welchem die Zertrümmerung oder min­destens die Lähmung Österreich-Ungarns ge­hörte, jetzt notgedrungen aufgeben wird. Dagegen wird Rußland n i e darauf verzichten, seine Herrschaft auf dm Ruinen -des Pforte n reich es zu er­richten und Konstantinopel und die Meerengen in seine Gewall zu bringen. Indem wir nun aber Seite an Seite mit der Türkei kämpfen und die Sache dieses Reichs zur unsri-gen gemacht haben, wird ein Verhältnis praktisch, das sich seit der Ausdehnung unseres wirtschaftlichen Betätigungs­dranges nach Vorderasien schon vorbereitet hatte. Es ist eine Gemeinschaft entstanden, die wir niemals Preisgaben können, weil diese Gebiete uns für einen segensreichen Kulturdrang zum eigenen wie zum Nutzen des Pfortenreichs -die vom Schicksal

Donnerstag, 8. Juki 1913. Nr. »IS.

gegebene Wirkungsstätte sind und bleiben sollen. Und deshalb sehen wir allerdings nicht, wie sich eine Versöhnung deutscher und russischer Politik, das Wort im weitesten Sinne als Ausdruck nationaler Not­wendigkeiten genommen, j e m a l s sollte erzielen lassen. I st das aber so, -dann bekommt -die Frage, von der im Eingang gehandelt worden ist, ein anderes Gesicht, und dann ständen wir freilich doch vor N o t- wendigketten, -die wir auf uns nehmen müssen, nur daß wir sie uns nicht durch Selbsttäuschung über die angebliche Leichtigkeit der gestellten Aufgabe Wohl gar zu einer Verlockung umwandeln dürften. Um die Wahrheit zu sagen, so verhält es sich mit -den baltischen Provinzen mindestens nicht so einfach, wie es uns ge­schildert wird, jedoch dürste uns das an der Verfolgung eines uns auf gezwungenen Weges ebenso­wenig hindern, wie es die Schwierigkeiten des pol- nischen Problems tun könnten.

Italienische Vertuschungen.

Oie Griechen und Italiener in Albanien.

Bon unserem Sonderberichterstatter.

Chiafso, 7. Juli.

Von Italienern, -die aus Ancona -hievhevgekommen sind, um sich von den Aufregungen der ersten Kriegswochen in der Schweiz zu erholen, habe ich zuverlässige Mel­dungen über die Lage Italiens in Albanien erhalten. Danach setzen die Griechen den Italienern noch weit schärfer zu als die Serben und Montenegriner. Palona scheint arg bedroht zu sein. Sonst Mären die fortwährenden neuen Truppensendungen dorthin nicht zu erklären. Italiener sind in ziemlicher Anzahl aus Valona nach ihrer Heimat zurückgekehrt, da sie sich drüben gar nicht mehr sicher fühlen. Sie er- lüren, die Griechen hätten eine aufrührerische Be­rgung unter den -Südalbaniern angegettelt, die so apid um sich gerissen hätte, -daß, wenn nicht noch ganz iÄvaltige Verstärkungen in Valona eintreffen. die Lage für die Italiener vollkommen unhaltbar würde. Im Osten der Stadt seien verschanzte Stellungen von den italienischen Truppen eingenommen -worden. Auch hcchen nächtliche Kämpfe stattgefunden, denen Überfälle vorausgegangen sind von seiten vorzüglich ausgerüsteter Eingeborener. Die Zahl -der Toten auf italienischer Seite soll beträchtlich sein. Denn zwei Tage lang wur- den Eingeborene aus der Stadt mit der Beisetzung der Gefallenen außerhalb des Ortes beschäftigt, während -s den Kolonisten selber unter Todesgef-cchr verboten wurde, sich in die Nähe des Kampffeldes zu begeben, nutz nackchem dort jede Gefahr von feindlicher Seite her ausgeschlossen schien. Auf einem Schiff, das den Schwager meines Gewährsmannes, einen Gastwirt aus Valona, nach Bari brachte, haben sich 150 Schwer- und Leichtverwundete befunden, zu denen aber kein Zivilist zugelassen wurde. Das Publikum ist auch in Bari ver- hindert worden, mit den Verletzten in irgend eine Ver­bindung zu treten. Diese wurden sofort in Lazarette nach dem Innern geschafft. Der nähere Besti-mmungs- ort wurde aber auch in diesem Falle streng geheimge- hälten. Ein Blatt, das in Ancona über die Vorgänge berichtet hatte, verfiel unmittelbar nach seinem Er- scheinen der Beschlagnahme. Kein einziges italienisches Blatt darf über die gefährliche Zuspitzung der Lage in Valona berichten. Für den Transport der heirnkehrenden Flüchtlinge waren besondere Personendampfer bereit- gestellt, auf die aber keine Verletzte gebracht wurden, damit jegliche Berührung mit ihnen ausgeschlsssen blieb. Trotz allen diesen Maßnahmen hoben sich die Mslüun- gen über schwere Schlappen der Italiener im Kampf mit den ,S e n d I i n g e n d e r G r i e ch e n", wie die aufständischen Albanesen dort genannt werden, rasch über die ganzen K ü st e n o r t e -der Adria ver­breitet. Das Kriegsfiever fft dort noch schneller verschwunden als in -den übrigen Teilen Italiens, die bisher weniger als die östlichen Hafenorte von den Leiden des Krieges zu spüren bekamen. In Ancona

Ueber Przemysl auf Lemberg.

i.

Enger und enger zieht sich der Kreis der siegreich vordringenden Verbündeten um die tapferen Ruffenheerr, die in zähem Verzweiflungskampf das Letzte einsetzen, um die Trümmer der galizischen Errungenschaft zu halten, in deren Besitz sie sich schon so sicher wähnten, und die ihnen Schritt für Schritt wieder entrissen wird. Eine der größten Entscheidungen vielleicht die größte in diesem an gewaltigen Ereigniffen so überreichen Weltkriege scheint sich vorzubereiten. Hunderttausende von deutschen Helden setzen dort, fern von den Grenzen der Heimat, in treuer Bundes­brüderschaft ihr Leben ein für den Sieg, aus dem uns der Friede erblühen soll. Verdienen sie es nicht in demselben Maße, wie ihre Kameraden an den anderen Fronten in Ost und West, daß der Herold sich ihnen zugesellt, der der Welt ihre Taten kündet und der Chronist, der aus dem, was er mit eigenen Augen sah, das Zeitbild niederschreibt für künf­tige Geschlechter?

Also auf denn nach dem fernen Südosten! Unter den schwierigsten Verhältnissen, losgelöst aus den gewohn­ten Verbänden, kämpfen dort unsere braven Truppen. Sie sollen es wissen, daß unsere Herzen für sie schla- gen und daß unsere Gedanken bei ihnen sind.

Bis .... nirr läßt sich die Bahn benutzen, dort muß der Kraftwagen bestiegen werden. Viele hundert Kilometer sind zu bewältigen. Vorwärts also! Bald liegen die schwarzen Schlote des Industriegebietes hinter uns. Der letzte Bis­marckturm grüßt von einer Höhe im äußersten Südostwinkek des Vaterlandes herüber. Ein leiser Schauer geht durch die Seele; denn gerade hier ganz nahe ist die Dreikaiserecke bei Sosnowice, der Ort, wo ernst die Kaiser Wilhelm L, Franz Joseph und Alexander IL zu jener bedeutsamen Besprechung zusammenkamen, von deren Ergebnissen und Erlebnissen der erste Kanzler freilich andere Errrte sich versprach, als sie jetzt an Njemen, Weichsel und Dnjestr zur Reife gediehen- ist.

Doch die österreichische Grenzwache unterbricht diese Ge­danken. An einer kleinen Holzbrücke waltet sie ihres Amtes

und prüft trotz aller Ausweise auf Her» und Nieren. Man sreut sich über diese stramme Gewisienhaftigkeit. Und er- ireut ist auch der Anblick der schmucken polnischen Dörflein, die mit ihren stets frisch gestrichenen, blau und gelb gestreiften Holzhäusern und ihren Strohdächern so malerisch in den Gründen liegen und sich so dicht aneinanderreihen, daß man aus den fteudig zurufenden Kinderscharen gar nicht heraus­kommt, und belebt ist die Landstraße, die sich in zahllosen Windungen im breiten Weichseltale zwischen üppigen, wohl- bestellten Feldern hinzieht. Ein gesegnetes Land und nichts, aber auch garnichts ist zu spüren vom Krieg, der doch noch bis vor wenigen Monaten seine grimme Faust auch über diese stillen Fluren ballte. Denn drüben nach Süden zu hebt sich scharf der langgestreckte Kamm der Beskiden vom Horizonte ab, und man meint im Sonnenglast die Seelen der vielen tausenden Krieger emporsteigen zu sehen, die dort ihr Leben lassen mutzten.

Und plötzlich steht vor uns der furchtbare Ern st des Krieges. Aus Stacheldrahtverhauen und dräuenden Erdwerken grinst er uns an, die den Kreis der äußersten Befestigungsanlagen von .... bezeich­nen. Bis hierhin gelangte die russische Dampfwalze, und es ist ein drolliger Zufall, daß kürzlich beendete Wegarbeiteu das plumpe Symbol gerade hier uns vor Augen führen. Wieder werden die Pässe geprüft. Dann geht es hinein in die alte .... Metropole. Viel ließe sich berichten von den vergilbten Herrlichkeiten dieser Stadt. Doch wer mag von gotischen Domen und barocken Schloßbauten hören, wenn einige hundert Kilometer weiter im Osten die Schlünde der Kanonen Weltgeschichte donnern.

Am nächsten Morgen sausen wir weiter; in.

zwingt eine Panne zu mehrstündigem Aufenthalt. Man hat Gelegenheit, das Leben und Treiben einer galizischen Klein­stadt zu beobachten -- noch immer Halbasien, wie Franzos es schilderte. Hier erreicht uns die Kunde von dem neuen Siege der Unsrigen bei Lubaczow. Das spornt aufs neue zur Eile an. Endlich ist der Schaden behoben. Eine Stunde noch, dann fahren wir über eine von deutschen Pionieren gebaute hohe Holzbrücke.

Unser Herz schlägt höher. Wir sind auf den Spuren unserer Sieger! Vor kaum sechs Wochen begann hier die ge­waltige Offensive, die mit beispielloser Süßkraft und Aus­dauer den zähen Feind von einer Stellung zur anderen jagte. Und was waren das für Stellungen? Nur wer die schon von Natur uneinnehmbar scheinenden, durch kunstvolle Befestigungsanlagen noch stärker gemachten Höhenzüge hinter dem D u n a j e c, der W i s l o k a, dern W i s l o s und dem San mit eigenen Augen sah, kann sich einen Begriff machen, was hier von den angreifenven Trup­pen geleistet werden mutzte, bis die feindlichen Fronten ins Wanken kamen.

Von nun an fahren wir unausgesetzt über Kampf­gelände. Zerschossene und verbrannte Städte und Dörfer, Granatlöcher von allen Trichtergrötzen, Soidatengräber be­zeichnen mit grauenvoller Eindringlichkeit den Weg der blu- tigen Ereignisse, aber schon beginnt aus den Ruinen neues Leben zu erblühen. Überall baut man an Dächern und Häusern und bessert die Straßen, und überall reift die Ernte heran. Denn wenn auch das schmucke Aussehen der ver­schont gebliebenen Dörfer mehr und mchr schwindet, je weiter wir nach Osten kommen; die Felder sich doch meist be­stellt worden. Bis hinter dem San auch das nachläßt und oft fast ganz in trostlose Ode versinkt. Hier wuchern Mohn und Kornblumen. Und in wehmütigem Kontrast wird die leuchtende Farbe durch die dunklen Gräben der Feldbe­festigungen unterbrochen, in denen vor wenigen Tagen so viele blühende Menschenleben von tödlichem Mei und Eisen hinwegerafft wurden.

In.wird Rast gemacht. Hier sind wir schon

mitten drin im Etappengetriebe hinter der Kampffront. Die Stadt, die ein deutsches Oberkommando hat, wimmelt von durchziehenden Truppen und Kolonnen, aber alles ist in bester Ordnung und ein deutscher Landsturmmann vertritt mit Umsicht den Direktor unseres in ziemlich großem Stil angelegten, von den Russen fteiltch übel zugerichtelen Hotels, dessen männliches Personal wohl geflohen oder von den Fein­den fortgeschleppt worden ist.