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Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts, »>

Nr. ISS. Mittwoch, 7. Juli.« >913.

<L Fortsetzung.)

Dornen.

Novelle tte von Clara Schelper.

sNachdruck verboten^

Das Auto des Grafen erwartete die «drei zitternd Md schnaufend und führte sie dann dem gemeinsamen Gommerheim zu. Denn sie wohnten beisammen in der Villa Senta, bei Frau Dr. Reitter, die den neuen Ankömmling mit freundlich lächelndem Gesicht an der Freitreppe des Hauses empfing und >dann sorgsam in die beiden Gemächer führte, die sie beherbergen sollten. _ Tante Anna führte Graf Rex. Die beiden, die ihr Sommerqriartier schon vor vierzehn Tagen bezogen hatten, waren geschworene Freunde geworden in der kumen Zeit. Die alte Dame sorgte mütterlich für ihn, und er dankte es ihr in einer halb ritterlichen, halb kindlichen Art. Und nun waren sie gespannt, was Lies SU den erwählten Nämnen sagen würde! Die schönsten rm ganzen Hause waren für sie ausgöwählt worden, und geschmückt hatten die zwei sie wie für eine Fürstin.

„So, hier sollen Sie sich nun recht glücklich und be­haglich fühlen, liebes Fräulein", sagte Frau Dr. Reitter Änd schloß auf.

, Ein Ach der Überraschung sprang über Lieses Kippen. Die Wirtin glänzte vor Befriedigung und entwich leise, Tante Anna und Mexanlder heimsten die strahlenden Blicke und die jauchzenden Danksagungen ein.

Rosen, Rosen, Rosen im Zimmer, das sonst nur hell­blaue und weiße Farben aufwies. Und durch die offen- stehende Balkontür sah man das Meer, darüber die Sonne ihr blankes, flimmerndes Retz gespannt hätte.

„Hier wollen wir schon ganz gesund werden, nicht wahr, Graf Rex?" meinte Lies, seine Hand ergreifend.

./-Ich dächte auch", sagte der, „ich will meinen Elends­knüppel nun bald im Meer versenken, da, wo es am tiefsten ist." Und übermütig stapfte er mit seinem silberkvückigen Stock den Boden.

„Ich hoffe zu Gott", vollendete die Dantes „aber Mn müssen wir gehen, Alexander, Lies will sich doch sicher ein wenig zurechtmachen nach der Fahrt."

Liese Schubert machte erstaunte Augen, als sie diese familiäre Anrede hörte, und sah zu dem Grafen hin­über.

,^a, so weit wären wir bereits, ich bin Alexander, und sie ist meine liebe Tante Anna."

,^ch komme also gerade noch zurecht, um den Ele­fanten zu spie-len", scherzte Lies und fuhr dann lächelnd fort:

„Aber nun, lieber Gras, habe ich eine Bitte, klingeln Sie nach dem Stubenmädchen und —"

„Verlassen Sie mich —"

„Das wollte ich nun nicht so brüsk ausgedrückt hüben — aber ich möchte ein Glas Wein, ich bin sehr ermüdet trotz Schlafwagen, denn ich Hab' natürlich nicht geschlafen!"

„Ich werde für ein Frühstück sorgen", rief Dante Mtng jetzt dazwischen, „aber der Sascha wird brav schlafen gehen"

.«Zu, Beschs, Weine hochverehvliche Frau Tante, und & m W. WM Mgreife, selche ich sie mit Portwein in

diesen himmelblauen Salon. Wünsche wohl zu ruhech liebes, gnädiges Fräulein."

So verabschiedete sich Graf Rex. —

Und Tage folgten, in denen die Sonne nicht unter­ging. Denn, wenn die strahlende, wohltätige Himmels­göttin im Meer versank, dann ruhten auch die beiden Freunde, den Vorschriften der Arzte gehorsam. Aber ihre Gedanken waren noch beieinander, waren wach, waren voller Hoffnung, und die Freude auf Morgen saß bei ihnen.

Graf Rex ging am Tage wieder stolz und gerade, zwar noch an dem Silb?rkrückigen — aber wie ein Sieger, so aufgereckt und hoch. Sein Gesicht trug noch denselben Ausdruck grauer Ermüdung, aber seine Augen und sein Mund lachten dem schönen zarten Mädel an seiner Seite zu.

Und noch andere Augen lachten der plötzlich so jugendfroh gewordenen Lies Schubert entgegen. — Sie begann zum erstenmal in ihrem Leben Eroberungen zu machen und trank die bewundernden Blicke Vor­übergehender, weil sie ihr so neu waren, in berauschen­der Siegerfreude. Sie, dre nie schön gewesen war, blühte hier ans wie ein Maicnröslein, und ihre dunk­len Augen, die früher trüb und verschleiert am Boden hafteten, lachten der Welt und den Menschen entgegen.

Heut fühlte sich Lies frischer als je, uud in an- mutiger Geschäftigkeit ordnete sie die fünf Rosen, die Graf Rex jeden Morgen durch Mary überbriugen ließ, in der schlanken Kristallvase. Der Kaffeetisch sah ein­ladend genug aus, und Tante Anna sah mit stillem . Be­hagen der Nichte zu, die ihr durch ihre Frische jetzt große Freude niachte.

„Möchtest du dein Strickzeug nicht beiseite legen, Tantchen?" schmeichelte Lies, „Graf Rex wird gleich kommen."

Die Tante machte ein weltschmerzkches Gesicht. „Gott, LieS, ich täte es ja gern! aber ich bin erst beim zwölften Paar — achtzehn Paar fehlen noch bis Weih­nachten." Aber sie wickelte doch gehorsam ihr Strick­zeug zusammen.

„So ist's brav", wurde sie denn auch belobt, „ich helfe dir ja auch wieder, Tante Muckchen. Deine dreißig Waisenkinder sollen sich nicht an „gekauften" Strümpfen, ihre zarten Füßchen verletzen."

Als Mary mit dom blanken Kaffeekännchen auf hem Balkon herauskam, erstattete sie auch die tägliche Mel­dung: „Graf Rex läßt den Damen einen guten Morgen wünsck.en, und anfragen, ob es angenehm —"

„Selbstverständlich!" schnitt Lies ihr die Rede ab, „wir lassen den Herren Grafen bitten —"

Mit Handküssen begrüßte der Graf die Damen und ließ sich dann aufatmeyd in den tiefen Korbsessel fallen. Er wurde bedient tot» ein Baby und wie ein her- hätschelter Liebling ließ er sich das gefallen.

„Ich finde, wir drei könnten uns zusammen WhkoI glücklich fühlen", stellte ex lächelnd fett