eilage Mw Mestnckener Tlmblatt.
As. 181. Morgen-Ansgade.
Samstag, de» 19. April.
50. Jahrgang. 190t
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Begrab' Dein eigen Leben In Andrer Herz hinein.
So wirst Du. und wärst Du ein Todter.
Ein ewig Lebender sein. Karl ©Wel
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(36. Fortsetzung.)
Der Marschaüstak
Roman von Walther Schutte vom WrShl.
„Dann kann ich mir sreklich auf das. was Sie mir da ■ptauten, nichts Besonderes einbilden."
„Das sollen Sie auch nicht. Ich habe überhaupt nur laut gedacht, — merken «sie sich das! Und nun blicken Sic noch einmal mit frischen Augen in diesen Herbstzauber zurück, che wir in den Dämmer der Schattenwelt, in den Tempel meiner Kunst eintreten"
Hans folgte seinen Worten und schaute zurück durch die Bunten Obstbäume nach dem alten, mittelgroßen Vohnhause, das nach der Gartenseite halb von wildem Wein umspomren war, dessen Blätter nun tiesroth erschienen. Das Fenster seines eigenen Giebelstübchens war geöffnet; in dem einen Flügel spielte das Sonnenlicht und es war ihm ein freundlicher Gruß.
„Tritt ein. Du Gesegneter dos Herrn, warum stehest Du draußen", sagte Felix nach einem Weilchen, in seinen alten lustigen Ton zurückfallend, und beide traten durch die Thür, über welcher der Maler ein närrisch grinsendes Faunengesicht hingepinselt hatte. Ein Rauch ging aus dessen Munde hervor, darin war das Wort „Salve!" angebracht.
Als Hans durch die mit einem schweren faltigen Stoff verhangene Thür eintrat, umfing ihn ein Dust von Oelfarben, Terpentin und französischem Firniß, und als ihn dann Felix um einige spanische Wände herum- gelotst hatte, befand er sich inmitten des Ateliers. Nukhtar, der bisher aus einem Bärenfelle der Ruhe pflog, erhob sich, reckte die Glieder, gähnte und kam dann schweifwedelnd auf den Besuch zu, in dom er allsogleich einen Bekannten von der jüngsten, fröhlichen Jagdpartie her erkannte.
Hans schaute sich einigermaßen verlegen in dem weiten und hohen, reich ausgestatteten äktme um, der sein Licht durch ein großes, nach Norden gelegenes Fenster erhielt. Alles, was er da sah, war ihm neu, und er wußte sich noch keine Rechenschaft darüber zu geben, ob ihm das eigentlich behage oder nicht. Scheu schweiften seine Blicke zunächst über eine Wand, die mit schönen gewebten Stoffen und mit Bildern mannigfacher Art, als Studienköpfen, Landschaften und Thierstücken, bedeckt war. Besonders ein lebensgroßer Eselskopf fiel ihm auf. Er sah aus seinem breiten schwarzen Rahmen so ernst hernieder, als wenn er lebe, und Felix erklärte mit einem gewissen Stolz: „Das Grauthier repräsenffrt die Weisheit in dieser Bude. Es hat zudem das Gute, daß es von unsrem berübmten Thiermaler Wahnscheidt gemalt ist: eine ältere Studie des Meisters, die ich zu- fällig bei einem Nachlaß billig ersteigerte. Das Uebrige, meist Skizzen, sind Stiftungen guter Freunde."
Hans befand sich in einiger Verlegenheit. Er hatte bisher nur selten ein wirkliches Oelgemälde zu Gesicht bekommen und fürchtete, sich eine Blöße zu geben, wenn
—
er eine Meinung über Dieses und Jenes äußerte. Go machte er denn eine Wendung und betrachtete zunächst einen alten, reich geschnitzten Schwank in einer Ecke, sowie eine schöne broncene Hermesbüste darauf und hinter ihr den mächtigen Strauß von Palmenwedeln und son- sügen getrockneten PflraMN, der sich bis zur Decke streckte.
„Ein seltsames MD", sagte er plötzlich, wie erschrocken, und wandte das mst jäher Röthe bedeckte Gesicht verlegen ab. Felix scch ihn erstaunt an nnd brach dann in ein schallendes Gelächter aus.
„Menschheit, Menschhestl" rief er, nach Mhem ringend. „Jetzt fürchtet sich dieser fromme Knecht Fridolin gar vor der Kopie der Tizicmischen Venus!"
»Lachen Sie mich aus", sagte Hans. „Ich glaube, daß ich mich sehr ungeschickt und kindisch benehme. Aber mir ist Alles noch unbekannt, was Ihnen und wohl vielen Leuten so selbswerständlich erscheint."
„N a, ich sehe, daß ich hier gründlich den Crcervnr machen muß", meinte der Maler und begann, bei der lebensgroßen Venus beginnend, feinem Besuch die Kunstwerke zu erklären und ihre Schönheiten hervorzuheben, eine Arbeit, die fast eine Stunde dauerte. Hans zeigte rege Antheilnahme, stellte mancherlei Fragen und erklärte schließlich, er glaube wohl, daß ihn dieses Alles auf die Dauer ebenso sehr interessiren würde als das, was ihm bis jetzt hauptsächlich Vergnügen gemacht habe.
„Ruhen Sie sich jetzt etwas vom Sehen aus", mahnte Felix, nöthigte ihn auf ein mit einem persischen Teppich belegtes, schwellendes Lotterbett und bot ihm eine Cigarette an.
„Sie sind doch setzt der Obhut Ihres werthen Papas glücklich entronnen und brauchen sich nicht zu geniren", meinte er, als der Besuch sich weigerte, zu rauchen.
„Das ist es auch nicht! was michchindert", entgegnte Hans. „Aber warum soll ich mir einen Genuß angewöhnen, den ich bis jetzt nicht kenne, bei dem man viel Geld verplempert und den man missen kann?"
„Aber machen Sie doch keine Geschichten", rief Felix und hielt ihm aufs Neue die Dose hin. „Es sind echte türkische, süß wie ein Traum und duftig wie ein Zaubergarten."
„Danke, danke! Ich will es nur nicht angewöhnen. Ich würde mir Vorkommen wie eine junge Dame, die fort- während Bonbons lutscht. Das ist doch nicht schön."
Der Maler sah ihn erstaunt an. „Welch ein Vergleich! Ich habe bisher jenes Grauthier als einzigen Philosophen hier betrachtet. Machen Sie ihm nur keine -Konkurrenz! Aus Ihnen werd' ich überhaupt nicht klug; entweder haben Sie Anlagen zum Weisen oder zum Pedanten. Aber einen Schnaps, müssen Sie trinken. Echte Chartreuse!"
Er holte zwei verschiedenartige Gläschen herbei und füllte sie. „Sie sollen auch etwas ganz Besonderes haben", sagte er. „Ihr Gläschen habe ich gestern erst für theures Geld in einem kleinen Trödlerladen gekauft. Ist es nicht reizend?"
Hans betrachtete es mit Wohlgefallen. Es war ein kleines silbernes Figürchen und stellte ein Bauernmädchen dar, das mit der Rechten das fein geschliffene Gläschen als Korb aus dem Kopfe trug, während es mst der Linken den Rock hoch aufgeschürzt hielt.
„Es ist holländische Cilberart aus dem 17. Jahr- hundert", erklärte der Maler. „Schade, daß das drollige Weibchen den Ellbogen durch irgend ein Unglück verloren
hat. Ich habe einen Grckdarberter hierher besohlen, der mir solche Sachen mit großem Geschick wieder herstellt. Er wird bald erscheinen. Es ist ü b rig e n s gut, daß ich Sie mit ihm bekannt machen bann, den» es muH doch für passenden Umgang für Sie gesorgt werden. Mst un seren wackeren Ladenjünglmyen können Me am Ende nicht gut herumschweffen, aber der jungeRstter ist der geeignete Mann für Sie. Sein Vater hat einen kleinen, gutgehenden Goldladen, schlechtes, billiges Zeug meist. Aber der würdige Inhaber ließ seinem Sprößling eine ordentliche Schulbildung angedeihen und läßt ihn fest Jahr und Tag noch nebenbei in der Kunstgewmcheschule arbeiten."
„Ich habe auch schon daran gedacht, ob ich mich in den Abendstunden in dieser Richtung nicht etwas ausbilden solle. Ich dachte, mich im gewerblichen Zeichnen, das man immer gebrauchen kann, noch etwas zu ver- vollkommen und englffche und französische Konversatrov zu treiben,"
„Sehr gut! Das können Me hier Alles ganz bequem haben, und der junge Ritter wird Ihnen am beste» rathen können; er fft sehr strebsam und treibt alles Mögliche, das ihn fortbringen kann. Aus dem kleinen väterlichen Kram wird er Wohl noch einmal ein tüchtiges Geschäft machen. Schon jetzt ist er bereits so eine Art von Hofdoktvr für alle die kleinen antiken Schmuckwaaren, die wir Maler auftreiben."
„Sie scheinen eifrig auf der Jagd nach solchen Dingen zu sein. Das ist ja hier ein förmliches Museum, und wenn man mit der Betrachtung der Bilder fertig ist, dann kann man sich cm Stoffen, Möbeln, Büsten und Nipp- suchen noch einmal extra ergötzen. Wer. der wahre Genuß daran kommt erst mst dem Verständniß. Ich fühle, daß ich noch weit damit zurück bin."
„Ja, ich habe in den zwei Jahren, in denen ich hier mein eigenes Atelier besitze, schon allerlei Hübsches zu< sammengebracht. — Unsere Mittel erlauben uns das", sagte Felix mst Wohlbehagen. „Ich muß einen gewissen Komfort um mich haben und unbehindert von papalichen und mamalichen Eingriffen nach meinem Gefallen hausen können. So habe ich mir denn hier mein Atelier eingerichtet, und dort hinter dem Gobelin, auf dem ein sämiger Jüngling einer minnigen Jungfrau eine rothe Nelke überreicht, befindet sich meine tugendhafte Kemenate. Ich fühle mich leidlich wohl hier, und dieser Bau wird von Vielen als eine absonderlich „gemüthliche Bude" ge- priesen. Mein Alter nennt sie freilich die „Belsazarei", weil ich mehrfach hier schon nächtliche Feten zum Besten gab, Atelierfeste im Kleinen, sogar mst stalienischer Nacht."
„Ich kann mir das reizend denken", sagte Hans.
„Ja, das letzte war göttlich. Meinen langen Freund Schneidewitz, den Jagdmaler, fand man am nächste» Morgen schlafend mitten in einem Levkojenbeet, und eine große Weinbergschnecke war ihm über den Rückm gekrochen und hatte einige glänzende Pfade darauf hinter- laffen. Mein Senior, der natürlich auf eine Einladung dankend verzichtet hatte, war außer sich, aber als ich chm auf Ehre versichern konnte, daß die geladenen Damen, einige Künstlerinnen vom Theater und unsere Kunst sffckerin Ziska, bereits um Mitternacht säuberlich heimgekehrt seien und von dem eigentlichen Gelage nichts mehr gesehen hätten, beruhigte er sich und meinte ttöstend zur Mutter: Jugend hat keine Tugend. Der Fesix wird sich die Hörner noch abstoßen."
(Fortsetzung folgt.)
Seiden-Haus Msrchflndj
Langgasse 36.
JUJ30 H. S iu grösster Auswahl.
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ein - Ver steigerung
zu Eltville im Rherngarr.
Sumstag, den 3. Mai l. I.,
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Schierstcin, den 17. März 1902. _
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länner-Tnrnverein.
Samstag, den 36. April 1903, Abends 9 Uhr;
Fortsetzung der
Jahres-Haupt-Versammlung,
Tagesordnnng:
1. Wahl der Vergnügungs-Commisston.
2. Pfingst-Ausflug.
3. Verschiedenes.
F446
Der Vorstand.
Geschäfts-Empfehlung.
Allen Freunden, Gönnern, sowie der verehrten Nachbarschaft zur Nachricht, daß ich heute Oranienstraße 88 eine
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eröffnet habe. Es wird mein eifrigstes Bestreben sein, allen Aufträgen pünktlichst entgegen, zukommen und bitte um geneigten Zuspruch.
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