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So* Jahrgang.

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Morgenausgab e«

Die endlose Melodie.

t. Budapest, 14. April.

Wagners endlose Melodie bildet nachgerade die Grundlage unserer inneren Politik: es wird zur Ab­

wechselung wieder verhandelt zwischen Cis und Trans. Dr. v. Korber und Herr v. S z d l l verhandeln seit Tagen, nein, seit Wochen, um die endgültige Feststellung des autonomen Zolltarifs, und wenn auch der Schau­platz der Verhandlung in schöner Abwechselung bald Budapest, bald Wien und dann wieder Budapest ist, die Gegensätze zwischen den beiden Kabinettschefs bleib«: die- selbm und der fruchtlose Ringkampf um industrielle, respektive landwirthschaftliche Vortheile für Oesterreich oder Ungarn will kein Ende nehmen, denn weder Herr v. Körb er noch Herr v. Szdll ivarf sich für besiegt er­klären, da ja der Lieg des Einen die völlige parlcm:«:- tarjsche Vernichtung des Anderen zu bedeuten hätte. Herr v. SM ist zwar ein großer Schlaumeier, der, bevor er ins Gefecht ging, so ganz unabsichtlich vorige Woche eine neue VertrauenskurrdgeLmtg in Forin eines Bankettes aller Parteien des ungarisch«: Reichstages für sich in- sceniren ließ, aber auch Herr v. Körber ist kein politischer, Hase und. wie man hört, soll seine Taktik im Falle Cilli ganz zielbewußt das geheime Motiv in sich geborgen haben, die ohnehin heikle innerpolitische Situa­tion in Oesterreich noch kritischer zu gestalten, seine Un- entbehrlichkeit nach „Oben" sei ganz ad oculos zu demonstriren und vor den Parteien sowohl, sowie bei Hofe seinen Abtritt von der politisch«: Bühne derzeit als ein Ding der Unmöglichkeit erscheinen zu lassen. In der That, in Oesterreich braucht man mehr als je die rettende Hand, und wenn es dem österreichischen Kabinettsches ge- lingen sollte, wieder als den« ex macliina zu erscheinen, der die Brücke zwischen den Parteien zur parlamentari­schen Weiterarbeit nicht in Bruche gehen läßt, so wird er sich als „Staatsretter" neuerdings große Verdienste er­worben haben. Die organisirte Minorität der deutschen Gemeinbürgerschaft, mst welcher sich im österreichischen Parlamente zur Roth etwas richten ließ — zählte sie doch immerhin 135 Stimmen —, ist heute, da die deutsche Polkspartei aus der Obmänner-Konferenz mlsgesprungen ist and zusammen mit der Fortschrittspartei in die schärfste Opposition zu treten sich vorbereitet, nur mehr

ein Wrack, das kein Steuermann mehr lenk«: kann, und lohon hört man wieder das fürchterliche Wort vom „völligen Chaos" im österreichischen Parlamente. Die traurige Melodie dieses endlos öden politischen Liedes hat kaum ein heiteres Motiv, das unseren Jammer mildem könnte, es sei denn die uiwerwüstliche Hoffnung Herrn v. Korbers, der er in politischen Kreisen während seines gegenwärtigen Hierseins in zuversichtlichster (sie!) Weise Ausdruck gab. Diese Hoffnung Dr. v. Körpers stützt sich nämlich ebensowohl auf die Kommunasbedürfnisse Prag das allein 16 Millionen für sich beansprucht, wie auf die nicht weniger beträchtlichen Kommunalerfordernisse der deutschen Städte, und er ist der Ansicht, sich auf diese Weise durch allerlei kleine Geschenke nach rechts und links sich wieder die Freundschaft Aller erhalte:: zu können. Der österreichische Premier sagte hierüber gestern zu einem ungarisch«: Politiker: „Ich bin, mein Werther, in der großen Politik noch n:ehr als anderswo ein Freund der kleinen Mittel. Wohl bin ich dann und wann gc- zwrmgen, mir eine große Pose zu geben und starke Worte zu sprechen. Das sind aber eben nur Posm und Worte und im Gnmd halte ich es hier mit dem Motto der sieben: Schlvaben: „Hänsele, geh Du voran, Tu hast die großen Stiefeln au . . . ." Und Se. Majestät ist da mit mir gottlob eines' Sinnes. Der Monarch zieht das langsamste Tempo jedem Sturm vor. Das ist m:ch das Glück des österreichische,: Parlaments, das sündigen kann, so viel es mag — wir sündigen nicht mit! . . . ." Weniger zu­versichtlich als der österreichische Premier ist merkwürdiger Weise der ungarische Kabinettsches, der als b e ]t e Eventualität ein letztes Provisorium zwischen Oester­reich und Ungarn: bezeichnet, nach welcher es auf der gegenwärtigen Basis mit Rücksicht auf die ungarische Volksmeinung sowohl, wie aus die Zerwürfnisse in Oesterreich kein „Weiter" mehr geben könne. Auch dieser Gegensatz blieb in den Verhandlungen der beidünMiuister- präsidemen nicht ohne Geltung und ließ allen beschwich, tigenden Dementis zum Trotz manch bitteren Bodensatz zurück, ohne jedoch die sehr remarkableHoffnungsfrendig- ke:t Dr. v. Körbers zu erschüttern, der einfach der Mernuig ist, daß, wenn es Herr v. SM nicht, sein könnte, es eben ein Anderer sein würde, der das ungarische Parlament in der alten Bahn zu halten verstünde .

Und Hern: v. Korber und seinen Minister-Kollege,: gelten eigentlich die neulichcn Bankett-Kraftworte .Herrn v. Szälls: „Ich bleche auf meinen: Posten nicht länger, als ich mein«:: Lande dienen kann, aber s o l a n a c bleibe ich sicherlich! . . ." 9

Feuilleton.

Frühlingsmüden.

Plauderei von <3. Roberts.

Wenn man gegenwärtig auf den Promenaden und in den Theatern großer Städte die Damenwelt R-vue passiren läßt, so will es scheinen, als ob die Anhängerinnen der Reform- tracht in diesem Frühjahr große Erfolge zu verzeichnen hätten.

h«ißt, „Reformtracht" sägt man im Allgemeinen wohl nicht wehr, sondern „künstlerische Frauenkleidung"; zum Mindesten kommt es mir so vor, als ob dieses Wort augenblicklich ge­bräuchlicher wäre. Eine auf dem Gebiet sehr sachverständige Dame setzte mir allerdings jüngsthin auseinander, daß Beides sticht identisch sei, insofern, als man bei der Reformtracht vor­züglich den praktischen und hpgieinischen Zweck im Auge hätte, während es bei der künstlerischen Frauenkleidung in erster Linie auf den malerischen Eindruck ankäme. So könnte man ä-„S9. jene schleppenden, serpcntinenartig ausfallenden Ge­wänder in Empireform, wie man sie in dieser Saison häufig bei Korsofahrten und Promenaden-Konzerten sieht, nimmer­mehr Reformklcider nennen. Indessen will ich mich nicht auf Untersuchungen einlassen, welche von den beiden Bezeichnungen nichtiger sind, sondern einfach konstatiren, daß man allenthalben kurztailligen oder taillenlosen Toiletten begegnet, die das An­legen cines Korsetts erübrigen.

Ein paar ganz reizende Kleider dieser Art durfte ich vor .wenigrn Tagen bewundern. Eins aus schwarzem Cheviot, das Wr den täglichen Straßengebrauch bestimmt war, zeigte den tstr eine ungeschnürte Figur sehr geeigneten Schnitt mit leichtem Anschluß im Rücken und von oben bis unten durch­gehenden Nähten, die vorn die Rundung der Büste markirten. Der Rock war bis zur Kniehöhe mit schmalen Atlasbleüdcn in Schwarz garnirt, die sich auch an d:m viereckigen Ausschnitt und dem einen kurzen Aermel nachahmenden cngen Kugeltheil am Oberarm wiederholten. Diesem fügte sich eine weite Puffe uns plissirtem kirschrothem Taffet mit gefaltetem Bündchen °st. Rother Tafftt umgab ferner das den Ausschnitt füllende Säumchen-Ehemisett. Ein langer, lose über Pie Schultern fallender Shawl aus schwarzem Seidentüll mit Volants und Wüschen in Durchzugsstickerei und ein großer schwarzer Roß­haarhut mit zwei langen, gleichfalls schwarzen Straußenfedern garnirt, den linksseitig ein rother Taffetbügel hob, vollendet­er einsame und dennoch distinguirt: Toilette. Für den andern

Die IuNlidMs- und AltemeiMerW p 1900.

Die Rechnungsergebnifse dieses Jahres unterscheid«: sich insofern wesentlich von denjenigen der Vorjahre, weil mit dem 1. Januar 1900 die Novelle zur Jnvaliditäts- versiche:mng in Kraft getreten ist. Letztere erweiterte nicht allein den Versicherungszwang und die Selbstver- sicherung, sondern schuf auch noch für solche Personen Renten, die nach 6-monaklicher Unterstützung st: den Krankenkassen ausgesteuert worden sind, ober die Ar- beitsfähigkeit noch nicht wieder erlangt haben. ' Weiter sind verschiedene Neuerungen eingeführt worden in Bezug aus Erleichterung des Rentenbezugs und dann wurde auch noch eine weitere Lohnklasse (eine fünfte) geschaffen. Sodann erhalten die diesmaligen Rechnungsergebnisse noch einen anderen Charakter durch die erstmalige Publi­kation der neun zugelassene:: Kasseneinrichtungen, von 5 Eisenbahn- und 4 Knappschasts-PensionÄassen.

Tie Zahl der Versicherungsanstalt«: beträgt außer den vorstehend erwähnten Instituten von der Eisenbahn und den Knappschaft«: 31, wie in: Vorjahr. Die Zahl der Versicherten ist diesmal nicht angegeben, wird aber nach _ dem „Korrespondenzblatt der Gewerkschaften Deutschlands", die über den Abschluß einen größeren Aufsatz bringen und d«n wir nachfolgende Zahlen ent- nehmen, ans Grund der Mitglieder der Vorjahre und der taxirten verkauften Beitragsmarken (559,278,672) zu 12,131,858 Versicherten, wovon 11,348,247 auf die 31! Versicherungsanstalten, und 786,611 auf die übrigen Pensionskassen entfallen dürften, geschätzt.

Tie prozentuale Verthcilung der Beiträge auf dis einzelnen Lohnklassen nach Zahl und Werth war im Be­richtsjahre bei den 31 Versicherungsanstalt«: die folgende Es «rtsallen von je 100:

aus die Lohnklassc Beiträge. Einnahme l 18,9 Mk. 11,73

" 34,2 „ 30,34.

III 23,8 „ 25,27

IV 15,8 „ 21,07

V 7,3 „ 11,59

_ Es wurden im Berichtsjahre bei d«: Versicherungs­anstalt«: 118,146 Invaliden-, 6116 Kranken- und

19,202 Altersrenten, zusammen 143,464 Renten (1899: 108,654) festgesetzt, während in den Pensionskassen 8901! Renten zur Feststellung gelangten.

,Die Invalidenrenten weis«: bei den Persicherungs» Anstalten eine Gesamnrtausgabe von 16,114,534.20Mk.. bei den Pensionskass«: von 1.251.670.20 Mk. aus. Der durchschnittliche Jahresbetrag einer Invalidenrente be>,

Anzug war ein gloriaähnlicher, grün und braun schillernder Changeantstoff gewählt. Dem brüten Sattel setzt« sich eine vorn und hinten spitze Prinzeßtunika an, unter der ein der Grundform aufgenähter Serpentinenvolant sichtbar wurde. Sämmtliche Ränder, ebenso wi« die Außennähte dis glatten, noch unten zu sich erweiternden Aermels begrenzten braune Kurbelstichborten in sezessionistischen Linienmustern. Auch zu diesem Kleide gehörte eine Schulterscharpe, für die diesmal gouffrirter brauner Chiffon diente, den man reich mit stroh- halmbreiten grünen Atlasbändchen besitzt hatte. Der Hut be­stand aus einer flachen Scheibe aus grünem Satingeflecht über die sich voll- Schleifen aus goldgesticktem, schwarzem Pudertllll legten. Ein Gewinde aus frühlingsgrünem Laub und bräunlichen Weidenkätzchen schlang sich malerisch über die linke Seite des Randes.

Die beiden geschilderten Toiletten gefielen mir viel besser als jene sehr beliebten Reformkleider, di°. sich, wie man zu sagen pflegt, „den Körperformen zwanglos anschmiegen" und weder.Prinzeß- noch Empicerobe, sondern ein Mittelding zwischen beiden darstelleu. Eines, das die meisten Damen ent­zückte, sah auf dem Kleiderstock wundervoll aus, als seine Be­sitzerin es angelegt hatte, wirkte es aber doch recht plump. Es war aus rothviolettem Satintuch gearbeitet und auf dem Vorderblatt mit zwei riesigen Mohnblumenstengeln in Platt­stich und Silb-rschnurstickerei geschmückt. Oft und mit Glück verwendet man kurze Figarojäckchen aus Point-Lac-, Paffc- menterie und goldgesticktem Sammet zur Ergänzung von Empireroben. In sehr aparter Weise werden schöne seidene Tücher — die rothgrundigen spanischen, deren Rosetten­figuren an die Frligran-Architektur der Alhambra erinnern die prächtigen französischen mit eingewebten bunten Blumen- borten rc. — in Jäckchen verwandelt. Man theilt das Tuch in zw-i Dreiecke und näht diese, nachdem man sic an der breiten Seit- mit Armausschnitten versehen hat, vorn an den Aermelnähten der Taille fest. Die beiden Zipfel werden dann quer Uber der Brust geknüpft. Der Rücken bleibt dabei un- garnirt. Dies- Dekoration macht sich zu einfarbigen nament­lich blaßgraueu, g-lblrchen und mäßen Kleidern aus feiner weicher Wolle recht hübsch; doch läßt sie nur schlanke Gestalten vortheilhaft erscheinen. Dagegen erweisen sich Marie Antoinette- Fichus aus we:ßcm Tüll oder Chiffon, mit doppelten, gebrannt-n Frisuren und schmalen schwarzen Sammctbändchen umrandet die ebenfalls Empiretoiletten für den Straßengebrauch passend machen, ausnahmslos allen Damen kleidsam. Irgend Etwas muß man schon über den weiten taillenlosen Kleidern tragen

wenn man auf der Straße nicht auffallen lvill. Paletots aber, wenn sie noch so lose sind, sehen stets schlecht dazu aus. Am meisten empfehlen sich wohl di- shawlartigen Umnahmen, wie Stolas, Boas und Echarpes. Wer noch von früher her cm weißes Crepe de Chine-Tuch besitzt, der zerschneidet es meist in zw-i oder drei lange Shawls, von denen er einen schwarz, einen silbergrau, roth oder fliederlila färben läßt, indeß dcr Dritte sein« Unschuldsfarbe behält. Besond-rs schön nehmen sich die beiden äußern Streifen aus, an denen sich die breiten Fransenborten befinden.

So sehr die verbesserte Frauenkleidung an Bedeutung ge­winnt, giebt es doch noch ungezählte Damen, die sich mit aller Energie dagegen wehren und so thun, als ob man ihnen mit dem Korsett ihr TheuersteS rauben wollte. Einig- Kon­zessionen machen ihr freilich die meisten. Für diejenigen, die sich ganz und gar nicht n:it der neucn Richtung befreunden wollen, hat d:e Diode jedoch auch eine Fülle von eleganten Frühjahrskleidern und -Hüllen gebracht. Unter den letzteren sind namentlich halbanliegende und ganz enge Paletots mit an­gesetzten Schößen und flach abfallenden Kragen zu erwähnen, deren herzförmiger Ausschnitt di- saisongcmäßen duftigen Spitzen- und Chiffon-Schleifen zur Geltung gelangen läßt. Am häufigsten sieht man sie in sandgelbem Tuch oder schwarzem Kammgarnstoff, mit heller Seid- gefüttert; den Verschluß ver­mitteln zwei Reihen großer Horn- oder Perlmutterknöpft. Flotter, und daher für junge Mädchen geeigneter, sind Die Blusenjäckchen, di; vorn leicht gebauscht über einen angesteppten Gürtel fallen, sowie die im Rücken anschließenden und über der Brust gerade und glatt abschueidcnden Jacken mit unsichtbarer Heftelvorrichtung. Während die erwähnten Gard-robcnsiück- :m Ganzen mehr für sonnig-, wenn auch kühle Tage geschaffen sind, schützen lange Serpentine-Paletots und weite bis zum Kleedersaum reichende Mäntel aus R-versiblestoff und Etamin« gegen unfreundliche Witterung. Ihre charakteristischen Eigen- thumlichkeiten bestehen in nach unten zu sehr erweiterten Acrmeln, über die sich ein breiter Umschlag legt. Ein sehr aparter Kragen, der oft aus Heller, abstcch.nder Seide oder Moiree geftrt:gt und mit Tuchbisen besetzt ist, bildet den ein- zigen Ausputz dieser kleidsamen Konfektionsstückc. Zuwei-i: suchen stur das Empiregenre jedoch auch auf Paletots und Manül übertragen, die dann mit angeschnittenen oder angesetzten Serpentmenvolants und gänzlich ohne Kragen fabrizirt werden. Reeselnde Spitzenkaskaden begleiten in diesem Fall die ausein- and-rtretenden Südenrcvers. Wenig Neues giebt es unter den Capes, für di« man vorzugsweise Seide, Atlastuch oder