so* Jahrgang.
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No. 166.
Redaktions-Fernsprecher No. 52.
Donnerstag» den 10. April.
Verlags-Fernsprecher No. 2266.
1903.
Abend-Ausgabe.
Die MkriKuW Imsm iit fnaianü.
Wir brachten irrt Mittwoch-Morgenblatt einen Leitartikel aus der Wochenschrift „Handel und Industrie", der sich mit den Gefahren beschäftigt» welcher der deutschen Industrie durch Amerika drohe::. Da dürste eine .Auslassung unseres Londoner u-Korrespondenten besonders interessant sein» welcher zeigt» wie auch England sen der gleicher: Gefahr bedroht wird. Unser Korrespondent schreibt uns:
Seit geraumer Zeit bereits hat man sich in Europa ,nit der Gefahr beschäftigt» die Handel» Industrie urrd Schiffahrt der alten Welt durch die rmterrrehnreitden Yankees drohen sollte, kam aber bann eures Tages zu dem Schlüsse, daß bicicLbc in Wirklichkeit kaum bestünde. In England wenigsterrs überließ man sich damit indes einer Täuschung, demt die anterikanischenGroßkapitalisten, beziehungsweise ihre als Trusts bekannten Vereinigungen, haben irr neuerer Zeit eine Thätigkeit eirtwickelt, die für dasselbe nachgerade eine große wirthschaftliche Gefahr bedeutet und bereits die Aufmerksamkeit der leitender: britischer: Staatsmänner erregte. Die Erwerbung der Leyland-Dampferlinie dnrär eure Finanzgruppe» an deren Spitze der bekannte Dir. Morgan steht, bildete das erste bedeuterftere Unternehmen der Amerikaner imVereinigten Königreiche. Ihm stand die Erwerbung eitter der uitter- irdischen Bahnen Londorst und die Gründung. eines Konsortiums» das die Anlage elektrisäfer Bahnei: in England zum Zweck hat, nur wenig rrach, und schließlich kam die Erwerbung einer der größten hiesigen Tabak- itnö Cigarrensabriken durch die Hankees. Im Augenblick aber vemrsacht das Benmhei: des Tabak-Trusts derselben, sich die hauptsächlichsten Ladengeschäfte des englischen Tabak- und Cigarrenhandels zu sichen:» nicht geringe Erregung nicht rmr in Handelskreisen» sondern auch im Publikum. Ein Aussatz in der neuesten Nummer der „Contemporary Review" beschäftigt sich mit der amerikanischen Invasion und veranschlagte rmter Anderen: das hier beschäftigte Dankeekapital. Nach demselben übersüeg die Ausfuhr der Vereinigter: Staaten irr dem Wirthschaftsjahre» das am letzten 30. Juni endete» die Einfuhr im: rund 665 Millionen Dollar» während der letzten vier Jahre aber um 2350 Mllionen. Nach Abzug von Zinsverbirrbltch- fctieit und dergleichen blieben der: Amerikaner::» wie man berechnet» von letzterer Stimme noch 476 Millionen Dollar fast ausschließlich in Europa gut» und daß das
keine nennenswerthen Goldbezüge vor: da zur Folge hatte» führt inan in Uebereinstimmung mit dem amerikanischen Schatzsekretär Gage auf die Erwerbung meist englischer Werthpapiere» sowie a:rf die Anlage riesiger Kapitalien in industriellen und anderer: Unternehmungen tu Großbritannien zurück. Ehedem durfte mm: englische Kapitalisten in ihrer Eigenschaft als Aktionäre, als die Besitzer der meisten amerikanischen Eisenbahnen betrachten. Da kanr aber der große Bankkrach, :md jene Kapitalisten rettete:: nur einen kleinen Theil ihres Geldes» indem sie der: Yankees ihre Aktien zr: Spottpreisen überließen. I::- zwischen wurden die Bahngesellschaften reorgcmisirt und machen wieder so glänzende Geschäfte, daß dieAmerikaner namentlich während der letzten zwölf Monate ihre Aktie:: unö Bonds mit großem Eifer, trotz weserftlich erhöhter Preise» in Europa aufkauften. Tie Einkünfte dieses letzterer: aus amerikanischen Bahndividenden und Bonds- zinsen sind daher in jenem Zeitraum allein um min- desterft 25,000,000 Dollar zurückgegangen. Wir sehet: da also zwei ernste ökonomische Bewegungen» die vornehmlich den englischen Kapitalisten betreffen» dessen Anlage:: in Amerika zusehends abnehmen» indeß der sinarr- zielle Halt» den die Imrkees über England gewirmerr, mit ungeheurer Schnelle wächst. Wenn dem nicht bald citt Riegel vorgeschoben wird» dürfte das vereinigte Königreich» in wirthschaftlichem Simre wenigstens» bald vor: der Gimde jener anterikanischeu Fmanzmagnaten ab- härtgig sein» die die großer: Trusts leiten. All das vollzieht sich» während England irr Südafrika fciiteu Reich- thum» seine Thatkraft mrd zahllose Merrschenleben vergeudet. Gerade letzterer Umstand ist es aber, dem es im blinder: Kriegstaumel nicht Rechnung trägt. Es ist rmr überraschend» daß die fo sehr zur Mystik neigende:: Engländer ü: der trmrriger: Rolle, die sie trotz aller Ucber- macht bisher in dem südafrikanischen Kriege fpicltctt, in den: unverkennbaren wirthschaftlicheu Rückgang daheim, sowie in dem vorzeitigen, fast grausam erscheinenden Ende des Urhebers a,ll des Eletftes u::d Blutvergießens in Südafrika noch nrcht eü: Mene Tekel entdeckten.
Deutscher Reichstag.
Berlin» 9. April Die Zolltarif-Kommission des Reichstags bericth heute zunächst die Position 47, Obst, getrocknet oder gedörrt, 5 bis 10 Mk. Dazu lagen verschiedene Anträge vor. Nach einiger Diskussion wurde die Regierungsvorlage mit einem vom Abgeordneten Spahn eingcbrachten Antrag angenommen, dahingehend, für Aepfel und Birnen einen Zoll von 10 Mk., für Pflaumen, unverpackt, einen solchen von gleichfalls 10 Mk., verpackt 15 Mk. zu erheben. Alle übrigen
Anträge wurden abgelehnt. Position 48, Obst, gemahlen, zerquetscht ec., wird nach der Regierungsvorlage erledigt, ebenso die Positionen 49 bis 57, Südfrüchte 3 bis 30 Mk., die gemeinsam berathen werden, desgleichen ohne Erörterung die Positionen 58 und 59, Frucht- und Pflanzensäfte, 3 bis 6 Mi. Darauf trat die Mittagspause ein. -— Im weiteren Verlauf der heutigen Sitzung der Zolltarif-Kommission wurden die Positionen 60 (Kaffe, roh, 40 Mk., gebrannt oder geröstet, auch gemahlen, 50 Mk.) nach der Regierungsvorlage mit 15 Stimmen angenommen. Positron 61 (Kaffee-Ersatzstoffe 40 Mk., gelangte ebenfalls nach der Regierungsvorlage zur Annahme. Mit Position 62 (Cacao, roh in Bohnen 35 Mk., gebrannt oder geröstet 45 Mk.) wurde die Berathung der Positioner: 63 Cacao- Schalcn roh, auch gebrannt, 12 Mk., Position 166, Cacao- Buttcr, 45 Mk. und Position 201, Cacao, zerkleinert, Cacao- Pulvcr ec., 80 Mk. verbunden. Die Positionen 62 und 63 gelangten nach der Regierungs-Vorlage zur Annahme. Der Zoll für Position 166 wurde auf einen Antrag v. Wangcnheim auf 35 Mk. und der Zoll für Positron 201 auf 66 Mk. fcftgcsetzt. Der Zoll für Position 64 (Thee), für den die Vorlage einen Zoll von 100 Mk. ansetzt, wurde auf Vorschlag des Abg. Paasche auf 25 Mk. herabgesetzt. Die Positionen 65 bis 72, Gewürz ec., wurden nach der Vorlage genehmigt. Morgen Wetterberathung.
Berlin, 9. April. Einer parlamentarischen Korrespondenz zufolge glaubt man in den Kreisen der Zolltarif-Kommission, daß die Belastungen ruhig ihren Fortgang nehmen werden, ohne daß die Vertreter der verbündeten Regierungen Veranlassung rühmen werden, sich über die Ergebnisse der Verhandlungen mit den süddeutschen Bundesstaaten zu äußern. Eine solche Erklärung dürfte auch nur abgegeben werden, falls aus der Mitte der Kommission von maßgebender Seite eine dahingehende Anregung erfolgt.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Berlin, 9. April.
Vor Eintritt ti*£ic Tagesordnung widmete der Präsident dem verstorbenen Adg. Dr. Lieber einen ehrenden Nachruf, den das Haus stehend anhörte. Sodann berieth das Haus den Eisenbahn-Etat. Es fand zunächst Generaldebatte statt. Berichterstatter Nölle (nat.-lib.) beantragt unveränderte Annahme des Etats. — Minister v. Thielen legt dar, wie di: Krisis im vorigen Jahre cs unmöglich machte, daß die hohen Betriebsüberschüsse im Jahre 1900 von 664 Millionen wieder erreicht wurden. Allerdings lachte bei der Aufttellung des Voranschlags für 1901 noch heiterer Sonnenschein, er ist aber trübem Wetter gewichen und wir haben 35 Millionen weniger als im Jahre 1900 und gegenüber dem Voranschlag 80 Mllionen weniger. Gegenüber den wirthschaftlichen Verhältnissen ist man
Am Marktplatz.
Roman von Hermann Hciberg.
(12. Fortsetzung.)
Solche Dinge wären für die vornehmer: Lerüe, nicht fite sie. Ueberhaupt müßten sie sich sehr einschränken. Fast euttausend Thaler verliere er bei den: Konkurse, da könne er lange warten» bis er sie wieder eingeholt habe.
Auch bei Cyolebius herrschte keine gute Stimmung.
Betty machte ihren Elter:: starke Sorge. Sie ließ den Kopf hängen, war blaß und in sich gekehrt und überhaupt verändert.
Auf wiederholtes Befragen erklärte sie, ihr fehle nichts! Sie sei ohne Grund rüedergeschlagen, zum Alleinsein und Grübeln geneigt.
Während dieser Zeit trat an einen: Mittwoch uni) freien Nachmittag Felir Eholevius, der eben bei Petrichs einen Besuch gemacht und zu seiner Glückseligkeit seinen Fremrd Robert znm erster: Rial wieder gesprochen hatte, in den däterlichen Garten. Er wollte sich nach Jonas Umsehen, den er nebenan verrrurthete.
Heute sollte der lang vorbereitete Tanzmrterricht feinen Anfang nehmen. Um sechs Uhr hatten sich die Kinder im Rathhaussaal, der den: Lehrer Hern: Floh- Vogel zu solchen: Zweck von: Bürgermeister emgerärimt worden war, einzufinden.
Felix aber wollte vorher rwch rmt Jonas entert Spaziergang machen.
Aber währerrd er rroch rrach seinem Freunde ausspapte, fesselte fein Auge, als er über den Zaun guckte und eben durch Rufen seinen Kameraden yeranlocken wollte, etwas ihn sehr Aufregendes, Er sah. daß zwei Personen hinter: vom Dorrst)latz drrrch die kleine Plcmkeupsorte in de:: Garten tratet: und dem zur Rechten neben der großen Allee befindlichen Pavillon zuschritten.
Offenbar hatten sie ettvas Verstecktes vor, sie blickten sich scheu um. Noch mehr aber erhöhten sich Staune:: und Neugierde, als der Knabe in dieser: beider: beim Näherkommen der: Baron von Put unb seine Schwester Betty erkannte.
Von einem rascher:, durch eine unerklärliche Unruhe verstecktem Entschluß getrieben» flog der Junge blitzschnell der: Zaun erftlang an den Thatort. Er wußte, daß sich hirtten in der Rückwand des Pcwillorrs eine Spalte befand, drrrch die man das Innere überschauen konnte.
In solcher Weise den Späher zu spielen, reizte feilten Knabensinn über die Maßen, und er wurde sich des Un- schicklichen seines Benehmens gar nicht bewrrßt. Das Wesen beider war zr: ausfallend gewesen.
Und was sich dann vor seinen Augen aufthat, >var allerdiirgs wider alles Erwarten. Er hörte Jonas Vater leidenschaftlich sprechen.
Er dankte Betty» daß sie in diese Unterredung gewilligt habe, und bat sie, ibm heute eine bestimmte Antwort aus seine ihr wiederholt gestellte Bitte zu ertheilen. Er sei, da seine Frau nicht nachgegeben und ihn verlassen hatte, nunmehr fest entschlossen, das Ehebündniß zu löse::, und richte nach wie vor seine sehnlichste Hoffnung darauf, daß sie Betty zunächst seine Hausdame rmd später seine Lebensgefährtin werden würde.
In diesem Augenblicke hörte Felix, daß Jemand das Balkonzimmer driften ; :n Hause öffnete. Rasch spähte er hinüber und sah seinen Freund Jonas. Sinn flog der Knabe eilig davon, zwängte sich durch eine Oefsnung des Dornerpamrs, erreichte Jonas und zog ihn rasch mit sich fort durch das Haus m:f die Straße. Er wollte die beide,: im Pavillon unter allen Umständen vor Entdeckung be- wahren.
So erregt aber war er, so ungeheuer känststei: mnerer Aufruhr mit äußerer Gelassenheit, daß seine Wangen sich mit Blässe bedeckten. Erst allmählich gelang es ihn:, sich zr: beruhigen.
Da sie mm einmal beisammen waren, schritten Felix und Jonas durch den Äpothekergaug aus den Domplatz und von hier .durch die Hafenstraße zmi: Hasen hinab.
Bis zum Beginn der Tanzstunde war's noch lange Zeit. An: nächster: Tage war überdies Sonntag. Die Schularbeiten konnten warten! So zog es die Knaben ans Wasser, rmd da Jonas, wie immer, Geld besaß, miechetei: sie ein Boot, setzten ein Segel auf und landeten nach einer herrlichen Fahrt auf der von sanften Winden bewegten Bucht am Selker Wirthshans.
Urrd dort stiegen sie hinauf iit der: die Höhe bekränzender: Eichenwald, und als sie einer: bekannten' Aussichtsplatz erreicht hatten, ließe:: sie sich im Grase nieder uird schauten in die von der Sonne goldig durch- fluthete Natur.
Während sie so in stummer Uebereinstirnninng nebeneinander verharrten» sagte Felix plötzlich:
„Du, Jonas, ich weiß zwei Sackten. Du bist mein bester Freund! Dir will ich sie erzählen. Gieb mir Dein Ehrenwort» daß Tn nichts weiter sagst!"
Ter seine Knabe neben ihm nickte still. Er saird ec-, errtsprechend seiner größeren Reife, überflüssig, daß fein Kamerad ihn so kindlich-feierlich verpflichtet. Aber er sagte doch nichts. Er war zun: Hörer: aufgelegt. Vielleicht löste auch er aus seinem Innern, lvas sich darin seit Kurzem geballt, was ihn so tief schwermüthig stimmte, jo, ihn: oft die Thränen in die Augen schieße:: ließ. ES giebt ein Schmachten rrach Mfttheilung. Bedrückt sein und schweiget: müssen» ist doppelte Qual. Sie empfanden sie beide.
Zunächst erzählte Felix den: Freunde, was er an jenem Abend auf den: Domplatz gesehen» lvie der Vater den Sohn zu Boden gestreckt, und welche Halttmg Robert gegen Frau Petrich beobachtet hatte.
„Ich sprach Robert. Ich sagte ihm, als Frau Petrich einmal hinausging, daß ich Zeuge gewesen wäre, lvie sei:: Vater ihn untergekriegt hätte, lind da legte er erst der: Finger auf den Mnird, und dann verstellte sich sei:: Gesicht furchtbar und er sagte:
Ich passe meiner: Vater! Und er soll's noch büßen!
Es war schrecklich» Jonas. Ich fürchtete mich. Er sah, ganz irrsinnig aus. Seitdem kann ich das Geheim- niß nicht mehr bei nur behalten.
Was meinst Du? Soll ich es meiner: Elten: er- zählen?"
„Nei'.r, Felix» rittsche Dich gar nicht hinein. Aber wem: Du Robert wieder sprichst» dann sage, daß Du seinen Vater habest meinen sehen. Ich glaube, Herr Petrich liebt Robert sehr. Gerade weil er ihn so lieb hat, ist er so streng."
„Ja, ja, da ist g::t! Ich will noch etwas Anderes i thrm; ich will Herrn Petrift Alles sage:: und ihn bitter:.
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