Verlag LavHgasie 21
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Dienstag, 6. Juli 1915.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 508. ♦ 63. Jahrgang.
Der Krieg.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Die russische Niederlage bei Nrasnik.
Berlin» 6. Juli. (Ktr. Bin.) Über den Sieg der Jofeph- Fevdincmd-Armee bei K r a s n i k wird der «Deutschen Tageszeitung" aus dem Kriegspressequartier unter dem 5. Juli noch telegraphiert: Die großen Kampfe» in welchem die österreichische Joseph-Ferdin-and-Armee die Russen beiderseits Krasnik in mehrtrigigem grimmigem'Ringen warf und ihre Front an, zwei fünften durchbrach, bedeutet für die ^ österreichischen Waffen einen militärischen, auch in den weiteren Folgen wichtigen Erfolg. Österreichisch-ungarische und deutsche Truppen dringen auch weiter östlich vor, und die Russen sind schon aus ihren Stellungen nördlich des auch am Anfang des Krieges stark umstrittenen Por-Baches geworfen. In den Kämpfen um Krasnik beweist die graste Anzahl der Gefangenen die volle Niederlage der dort geworfenen Kräftetruppen. Aber trotzdem must auch an diesem Teil der Front noch mit weiterem starken Wider ft and gerechnet werden. Im Raume n o r d ö st l i ch Lemberg stehen österreichische und deutsche Truppen an der Buglinie; weiter gegen Süden die braven Truppen der Armee Lin singen an der Zlo!a-Lipa mit den geschlagenen russischen Kräftetruppen in fortwährender scharfer Fühlung und in hartnäckigen Nachhutkämpfen.
Besorgnis um Warschau in Petersburg und London.
Berlin, 6. Juli. (Ktr. Bln.) Nach dem „Berl. Tagebl." bringen die „Times" ein Petersburger Telegramm» aus dem, wenn mail zwischen den Zeilen zu lesen versteht» hervorgeht, daß in P'üersbvrg und London über das Schicksal von Warschau einige Unruhe herrscht.
wenn es um Warschau gehen wird.
Petersburg nicht unmittelbar besorgt.
W. T.-B. London» 6. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Times ' meldet aus Petersburg, daß man dort um das Los Warschaus nicht unmittelbar besorgt sei. Sollte um die Stadt gekämpft werden» so wird eS allem Anschein nach erne langwierige Sache werden, denn ein gegen Brest- Litowsk anrückender Feind mutz nicht nur mit dem Widerstand der Russen rechnen» sondern auch mit dem morastischen Charakter des Landes. Selbst wenn die Deutschen bis Jwan- gorod durchdringen, so würde das nach Ansicht der militärischen Sachverständigen noch nicht notwendig den Fall Warschaus zur Folge haben müssen. Wenn sich das Gerücht» dast die Bevölkerung die Stadt verlassen hat, bewahrheitet, so bedeutet das nur» dast Vorbereitungen für die Verteidigung der Stadt getroffen werden.
Gesckützmangel bei den Nüssen.
Dcrlin, 6. Juli. (Ktr. Bln.) Wie die „Sonn- und Montagsztg." in Wien meldet, zeige sich der Mangel an Ge- scki'tzen und Munition bei den Russen darin» dast ft: Festungs- und Schiffsgeschüsse aus Kronstadt in den Kämpfen in Galizien verwendeten. Bei der Muckt aus Lemberg transportierten die Russen acht schwere Krönst ä d t e r Schiffsgeschütze, von 12 Pferden gezogen, durch dir Stadt. Auch viele Geschütze aus Rownv, Luck und Dubno waren in Galizien. Dies lätzt den Schluß zu» daß Rußland im Laufe des Feldzuges seine Festungen geradezu ge- plündert hat, um den dringenden Bedürfnissen der Feld- schlackst nachzukommen.
Russische Behauptungen und Geständnisse.
W T.-B. Petersburg, 5. Juli. (Nichtamtlich.) Der Große Gen-ralstab gibt bekannt' Am 2. Juli sprengte ein
englisches Unterseeboot in der Danziger Bucht
ein deutsches Kriegsschiff der „Deutschland"-Klaffe. das an der Spitze eines Geschwaders fuhr, durch zwei Torpedos in die ouft. (Wie wir bereits gestern auf Grund von ErLin- d'gungen an zuständiger Stelle festgeKellt haben, ist diese M'ldvug unzutreffend.) Eines unserer Torpedoboo.: rammte ein deutsches Unterseeboot, das sich unseren Schiffen zu nähern versuchte. Das Unterseeboot erschien nicht wieder an der Oberfläche, Was das Torpedoboot betrifft, so trug es nur eine unü^eutende Havarie davon.
In oer Gegend von S z a w l e und westlich des N j e m e n hat sich nichts ereignet. In der Gegend von E d v a b n o hartnäckiger Minenkampf. Bei dem Dorfe K o u t ch e nahmen wir einen feindlichen Minengaug, wo wir 22 Pud Dynamit fanden, die wir auf dem von uns angelegten Mineicherd in dre Luit sprengten. An der Bznra wiesen wir in der Nähe des Dorfes Sukha einen Versuch des Feindes ab, sich unseren Schützengräben zu nähern. In der Gegend von Radom er- priffen nufere Truppen itt bex Nacht des 3. Juli eine örttlch beschränkte Offensive und nahmen die Schützengräben mehrerer österreichischer Bataillone. Zwischen W e i ch s e l imd Bu g fanden am 2. und 3. Juli erbitterte Kampf: statt Wir brachten die Offensive des Feindes an der WySznica mit Erfolg zum Stillstand Der Feind konzentrierte seine hauptsächlichsten Anstrengungen in der Gegend östlich Krasnik bei BykhavS, wo wir seine Nachtangriffe am 3. Juli zurückschlugen. Der Ausgang des Kampfes ist aber noch unbekannt. (!) (Wir kennen ihn aus dem letzten deutschen und österreichisch-ungarischen Tagesbericht
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^ Frontlinie dm Junl't&lS •• • fco nt Haie am ßdJuni 19/S• w.r. ß^/sso
sehr gut. Stzstftl.) Der Feind versuch: ebenfalls, in der Gegend vvn Z a m o s r und Krasnostaw vorzudringem, wo die erbittertsten Kämpfe am Abend des 2. Juli und mn Morgen des 3. Juli geliefert wurden. Tie Gegend, wo die Wolitza in den Wj>eprz einmündet, bei dem Dorf>e Tarjimerhr, wurde abends vomFeindebe setzt. Sie ging am Morgen des 3. Juli wieder in Misere Hände über» nachdem Regimenter des Generals Jrmanow einen mutigen Angriff unternommen hatten. Vor dem Stotz des Feindes bei der G n i l a- L i P a gingen unsere Patrouillen in der Nacht des 4. Juli gegen di: Zlota-Lipa zurück. Am D n j e st r hat sich nichts veristchert.
Russische Hoffnungen.
Berlin» 6. Juli. (Ktr. Bln.) Der „National-Zeitung" wird von der russischen Grenze gemeldet: Der „Armeebote
Pesterkrankungen in Südrutzland.
Sr. Moskau, 6. Juli. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In Astrachan (Südrutzland) und Umgebung breitet sich die P e st immer mehr aus. Amtlich wird dies geleugnet» es ist aber Tatsache, daß bisher über 20 Menschen an der Seuche gestorben sind. Die sanitären Maßnahmen sind völlig ungenügend und es ist deshalb nicht unmöglich» daß die Seuche auch in das russische Heer eingeschleppt wird. Die Zerstörungswut des Moskauer Pöbels.'
Beschönigungsversuche des „Tcmps".
W- T.-B. Paris, 6. Juli. (Nichtamtlich.) Der Petersburger Berichterstatter des „Denrps" meldet, Latz die Unruhen in Moskau am 9.» 10. und 11. Juni keinen revolutionären Charakter gehabt haben» sondern auf den Hatz der moskowitischen Arbeiterschaft gegen die
Oie Front im Süden-.
macht in einem Leitartikel allerlei orakelhafte Anspielungen auf neue „gigantische Pläne" der russischen Heeresleitung. Das Blatt gibt den R ü ck z u g der russischen Arniee bis zum B u g zu und stellt fest» dah in erster Linie die Überlegenheit der Artillerie der Verbündeten den russischen Rückzug verschuldet habe. Nunmehr werde sich die russische Armee aus gründlich vorbereitete Stellungen zurückziehen und hier den Fenid empfangen. Wenn dieser Rückzug auch viel OrgamsationSarbeit vernichtet und dem Heere erhebliche Teile des Trains koste, so werde doch der unausbleibliche grotze Sieg das russischen Heeres die bisherigen Verluste doppelt und dreifach aufwiegen. Gerade in diesem Augenblick tue dem russischen Volke Einigkeit». Einigkeit und nochmals Einigkeit not. Das ganze Volk müsse gerade jetzt seine ganz: Kraft aus die Zertrümmerung des Feindeö konzentrieren. Wenn sich das russische Volk jetzt im Parteihader gegenseitig zerfleische, dann werde es ein leichtes Opfer der „blut-sterigen Barbaren" werden.
Der letzte Satz scheint uns deshalb bedeutungsvoll, weil in ihm der unwiderlegbare Beweis enthalten ist, dah es doch schon recht bedenklich tn allen Volkskreisen Rußlands gären mutz.
Die innere Lage Rutzlands.
Stockholm, 6. Juli. (Ktr. Bln.) Das Blatt „Dagens Nyheter", das über die russischen Verhältnisse'gewöhnlich gut unterrichtet ist» erklärt die meisten Gerüchte» die aus Rußland kommen» für übertrieben. Immerhin aber schreibt es in seiner gestrigen Ausgabe folgendes: Die Reichs-
ouma bereitet sich sicherlich vor» eine andere Rolle zu spielen als die erbärmliche S t a t i st e n r o l l e» die sie während der letzten Jahre gespielt hat. Man darf die Bedeutung der letzten Ereignisse» welche die optimistische Presse als einen Vorboten des ko mmenden politische Früh- lings in Rußland bezeichnet hat» nicht überschätzen. Mehr und deutlichere Zeichen sind nötig, ehe man an einen bevorstehenden Frühling zu hoffen wagt, und man mutz bedenken, daß der russische Winter schon einmal den Frühlingskeim verheert hat» der viel mehr versprach als derjenige, welcher dieses Mal aus Rußlands gefrorenem Boden gesproffen ist Es heißt» daß der Muschik sich nicht bekreuzigt» bevor es donnert. Erst mit der Gefahr kommen die Machrhaber in Rußland mit schönen Versprechungen und guten Grundsätzen. Wenn die Gefahr vorüber ist» nimmt man sein Versprechen nicht so genau. Wird sich die Lage wiederholen» oder sind die sozialen Kräfte dort drüben jetzt stark genug geworden» um sich nicht zur Nachgabe zwingen zu lassen?
Dentschen zucückzusiihren ser. Anfangs wurden nur deutsche Häuser und Fabriken verwüstet» bald jedoch richtete sich die Wut des Bolkshcmfens auch gegen Unternehmungen» die irgendwie deutschklingende Namen hatten. Schließlich plünderte die Menge ohne Ansehen der Nation nalität. Kein Stadtviertel ist verschont geblieben. Die Stadt gewährte einen 'chaotischen Anblick. An zahlreichen Stellen slackerren Brände. In den Straßen liegen noch Hausen von Möbeln, Stoffen» Klavieren und Fahrrädern herum. Was nicht weggeschafft werden kannte» wurde ange- zündet. In der Umgebung von Moskau tourdcn Landhäuser, darunter zahlreiches russisches Eigentum» angezündet und geplüiid-wt. Die Polizei konnte erst am Nachmittag de? -1. Juni die Ruhe wiederherftellen. Der amtlichen Statistik zufolge wurden 175 kaufmännische Unternehmungen und 207 Privathäuser verwüstet und zerstört, darunter 113 deutsche, 00 russische und 179, die Angehörigen verbündeter oder neutraler Nationen angehären. Der bisher gemeldete Schaden erreicht die Summe von 39 Millionen Rubel.
Oie russische Getreideernte.
W. T.-B. Petersburg, 6. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Nowoje Wremja" meldet: Nach den Berechnungen des
Stafftischen Bureaus dürste die diesjährige Ernte in 54 Zentralgouvernements 460 Millionen Pud Roggen, 560 Millionen Bud Weizen und 10 Millionen Pud Gerste betragen.
Die Erntehilfe der ruMchen Schüler.
W- T.-B. Petersburg» 6. Juli. (Nichtamtlich.) Wie die Petersburger Telegraphen-Agentiir meidet» werden überall mit dem Herannahen der Erntezeit neue Schülerkolonnen für die Arbeit in den Wirtschaften der Einbe, rufcnen gebildet.
Verbannung baltischer Deutscher nach Sibiriens
Stockholm, 6. Juli. (Ktr. Bln.) Die „Rigaische Ztg.", fast das einzige» noch in deutscher Sprache erscheinende Blatt Rußlands, meldet» daß wegen der Organisation einer Sammlung von Geld und Liebesgaben für Kriegsgefangene (offenbar für die deutschen und die österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen in Rußland) mehrere Angehörige des baltischen' Adels» darunter der Landrat der estländi- schen Ritterschaft» deren Sekretär, ein Pastor und mehrere Frauen aus Reval nach dem sibirischen Gouvernement Jenff- seisk ausgewiesen wurden, wo sie unter Polizeiaufficht gestellt werden.
Verbannung heimlicher Spiritusbrenner in Rußland.
\V. T.-B. Petersburg» 6 Juli. (Nichtamtlich.) Ein Erlaß des Stadlkommandanien von Petersburg stellt die grotze Zu-
