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Aia. 157. Redaktions-Fernsprecher No. 52.

Samstag, den 5. April.

Verlags-Fernsprecher No. 2266. 1902.

Horgen-Ausgabe.

Dir Unruhen in Albanien.

Wenn auf den Bergen des Balkan die ttmtmertbe Frühlingssonne die letzten Spuren des ungastlichen Winters vertilgt hat, dann beginnen die Bergstänune die größere Bewegungsfähigkeit, die ihnen der Sommer ver- leiht. Jahr für Jahr, einer lieben Gewohnheit folgend, auf ifnre Weise auszunutzen, indem sie nämlich von ihren Bergen ins Thal hinabsreigen, Dörfer überfallen, Herden rauben, kurz, sich auf ihre Weise durch „ehrliche Arbeit" ernähren, Für gewöhnlich pflegt dies frühjahrliche Plündern, Hälseabschneiden rt. in Macedonien zu be- ginnen und sich dann auf die benachbarten Gebiete fort- zupflcmzen. Mit pedantischer Genauigkeit vollzieht sich diese balkanische Angewohnheit auch diesmal.

Die allgemeine Rauferei in Macedoiüen hat bereits ihren Anfang genommen, ohne daß die Mächte sich hierüber mehr beunruhigen, als dies üblich, nützlich und nöthig ist. Die Türkei scheint entschlossen zu sein, die Ordnung in ihrer macedoiüschen Provinz diesmal init noch mehr Energie als sonst aufrecht zu erhalten, und zum Schluß ist chc dies ja auch irmncr, wenn auch erst irach blutigen Kämpfen, halbwegs gelungen. Bedenk­licher aber ist cs, daß es jetzt noch in dem Makedonien be­nachbarten Albmrien zu rumoren beginnt. Albanien ist .inrmer das Schmerzenskind der Türkei gewesen, und die türkische Herrschaft ist noch heute dort keineswegs wie ein , „rocher de bronce" stabilirt. Und jede Gährung in Albanien ist umso gefährlicher, als sie sofort eine kor- -respondirende Bewegung in dein benachbarten Dkacedonien hervorruft, wo ja der albanesische Stamm irächst dem bulgarische und serbischen Element mn stärksKn ver- treten ist.

Me Albaneserr, auck> Arnauten genannt, während sie sich selbst voll Stolz Lkipetaren nemren, sind der einzige Volksstamm der Balkanhalbinsel, bei dern die religiöse Verschiedenheit die Stammeszusammengehörigkeit nicht zu sprengen vermochte. Ob Rluhamniedaner, Orthodoxer oder Katholik, der Albanese ist und bleibt Albanese. Dieses stranune Nationalitätsbewußtsein hat es ermög­licht, daß dies pelasgische Volk seine, jedes Zusammen- lhcmgcs mit mtderen europäischen Idiomen entbehrende besondere Sprache und seine, zwar iiicht staatsrechtliche, aber thatsächtiche Unabhängigkeit seit fast zwei Jahr­tausenden gegenüber Römern, Byzantinern undOsmanen Alfrecktt erhallen konnte, Nominell dem türkischen Reiche einverleibt, sind die Albanesen in ihren wilden Wald­gebirgen doch in der Hauptsache selbständig geblieben. Sie zahlen Steirern, so weit es ihnen gefällig ist, und stellen sogar freiwillig Soldaten. So oft die Pforte

mehr verlangte, kam es zu blutigen Aufstäitden, die fast nie zu Gunsten der Pforte ausficlen.

An Unruhen und Aufständen hat cs in diesem von der Kultur noch wenig beleckten Gebiet nie gefehlt. Dies­mal aber geht es in Albanien lebhafter und unruhiger als gewöhnlich zu, und die albanesischen Plünderungszüge beginnen, das übliche Maß zu überschreiten. In ver­schiedenen Bilajets Albaniens ist eine mtverhüüt gegen die Oberhoheit der Pforte gerichtete revolutionäre Be­wegung ausgebrochen, die bedenklich um sich zu greisen scheint. Und der Albanesenführer Boljexinaz soll sogar mll 900 bewaffneten Kriegern bis zu denr seit 1879 von Oesterreich besetzten Novibazar vorgedrungen sein.

Hat die österreichische Regierung ihr Augenmerk schon lange aus die bedenkliche Bewegung in Albarrien gerichtet, so wird sie cs jetzt an einem energischen Eingreifen nicht fehlen lassen. Im «sandschak (Unterabtheilung von Vilajet) Noorbazar stehen ungefähr 3000 österreichische Soldaten, und aus Bosnien, zu denr der Sandschak Novibazar geographisch gchört, können schnell größere Truppenabtheilungen herbcigczogen werden. Aber auch irr Serbien, das ebenfalls mr Novibazar grenzt, wird man der albanesischen Bewegung auf die Fiuger passen.

Irr erster Reihe ist selbswerstäudlich O e st e r r e i ch au der albanischen Frage interessirt. aber man weiß, daß I t a I i e n jeden Schritt Oesterreichs in Albanien eifer­süchtig überwacht. Ist doch die albanesische Frage der schwierigste Disferenzpunkt zwischen den bcideir Staaten. Für beide Staaten ist die Ausrechterhaltung der Ord­nung in Albanien eine wichtige Frage; für Italien, so weit die Küstenentwickelung und die Schiffahrt im Adriatischen Meere in Betracht kommt, sür Oesterreich aber auch im Binnenlarrde. Oesterreich hat seine Linie nach Salonichi zu'wahren, und es darf seinen Einfluß aus .die Bergvölker Albaniens nicht ausgeben, schon ini Inter­esse Bosniens. Man wird somit daraus rechnen können, daß die österreichische Regierung ihren ganzen Einfluß aufbictcn wird, um ernstliche Ruhestörungen iir Albanien zu verhindern. Und es ist dies umso dringender zu wünschen, da jede Anschneidung der albanischen Frage unliebsame Reibungen zwischen Oesterreich und Italien' im Gefolge haben könnte, die zu vermeiden bei dem beiderseits vorhandenen guten Willen allerdings- nicht schwer fallen dürfte.

Deutsches Deich.

* Ueber die Stellung des Großhcrzogs von Hesse» zur Sozialdemokratie geht der „Franks. Zig." von wohl- unterrichteter Seite folgende Mittheilung zu: „Bei den mannigfachen Deutungen, die dem Verhalten des Groß­herzogs von Hessen gegen dio sozialdemokratischen Ab­geordneter der zweiten hessischen Kammer in den Blättern der verschiedener Parteirichtungen gegeben

worden sind, haben sich die merkwürdigsten Widersprüche ergeben. Während die einen dcrr Fürsten wegen seiner „Begünstigung" der Sozialdemokratie „maßregeln" wollen, sehen die Anderen dariir ein Zeichen dafür, daß die hessische Sozialdemokratie „hoffähig" geworden sei und sich durch die „Vertraulichkeit" des Großherzogs ge­schmeichelt fühle, llnserer Ansicht rrach ist die Phrase, die Sozialdemokratie sei „geschmeichelt", ebenso unange­bracht, wie cs die gegen den Großherzog ausgestoßenen Drohungen sind. Bon denr Momente a». da die Sozial­demokratie thätig mit arbeitet an deiri Wohlergehen des Staates, da Sozialdemokraten als Mitglieder der zweiten Kammer der Stände den verfassungsmäßig vorge- schrieberren Eid wie folgt leisten: „Ich schwöre Treue dem Großherzog, Gehorsam dem Geset" genaue Befolgung der Verfassung, und in der S. weversammlung nur das allgemeine Wohl nach bester Zgener, durch keinen Auftrag bestimmter Ueberzeugung berathen zu wollen —" sind sie in den Augen eines jcderr rechtlich denkenden Menschen ebenso verpflichtet wie ein Konser­vativer oder ein Nationalliberaler. Eiir Fürst, welcher, wie der Großherzog, seine Pflichten ernst ninmrt und ebenso wie jeder Abgeordnete das allgeineine Wohl zu fördern trackstet, wird sicherlich den Standpunkt cin- nehmen, es sei kein Unterschied zwischen der „Güte des Eides" eines Nationalliberalen und eines Sozialdemo­kraten. Wenn dies also der Fall ist. warum soll er dann mit dem Einen nicht ebensowohl über das Wohl des Landes sprechen, wie mit den Anderen?"

* Tie Bnrcneinwandcrung in Südwcstafrika. Nach „Erkundigungen an bestmsterrichteter Stelle" schreibt die „Deutsche Warte": Tie Reichsregierung steht der Zu­lassung der Buren ins deutsche Schutzgebiet im Allge­nremen recht sympathisch gegenüber, sobald diese neuen Einwanderer gewisse Bedingungen erfüllt haben, über welche wir bereits früher eingehend berichteten. Mese sollen vor allen Dingen verhindern, daß durch den Zuzug fremder Elemente gewissermaßen ein Staat im Staate eirtsteht und eher bewirken, daß ein allmähliches Auf- gehen der Zugezogenen in ihren neuen Mitbürgerrr statt- sindet. Im Allgemeinen wird man die Seßhaftmachung der Bureneinwanderer auch deshalb mit Freuden be- grüßeir können, weil mit ihnen ein dem Deutschthum stammverwandtes Element in den Kolonieen Eingang findet, dessen wirthschastliche Tüchtigkeit als Farmer und Viehzüchter außer Zweifel steht. Ueber die sonstigen vortrefflichen Rasseeigenschafterr. die in Bezug auf kraft- strotzende Gesundheit, Zähigkeit und Ausdauer wohl augenblicklich ihres Gleichen in Europa suchen, zu reden, hieße Eulen nach Athen tragen. Die heldenmüthige Vertheidigung in Südafrika spricht hier am deutlichsten. Daß ein solcher Zuzug der Kolonial-Verwaltung nur willkommen sein kann, ist klar ersichtlich. Besonders die vvrerwährst wirthschaftliche Thätigkeit der Burenein­

FemUeton.

Die Mochenlngr.

Die Eintheilung der Zeit in Abschnitte von sieben Tagen ist gewiß beinahe so alt wie das Menschengeschlecht. Sobald di: Menschen anfingen, den Himmel und sein« Gestirne zu be­obachten, bemerkten sie an dem treuen Begleiter der Erde, dem Monde, abwechselnde Lichtgestalten und benannten sie schon früh Neumond, erstes Viertel. Vollmond und letztes Viertel. Von einer Lichtoeranderung bis zur anderen vergingen stets sieben Tage; di« ersten sechs dieser Tage wuchs oder nahm der Mond recht merklich ab, am siebenten aber schien ec dem unbe­waffneten Auge in seiner Abnahme gleichsam still zu stehen — sechs Arbeitstage und ein Ruhetag! Die mosaische Schöpfungs-Urkunde lehrt, Gott habe an den ersten sechs Tagen bic Welt geschaffen, am siebenten von seiner Arbeit ausgeruht und denselben zu einem Ruhetag geheiligt. (1. Mosis 2 , 2 —3.)

Die Namen, die diese sieben einzelnen Tage führten, be­uchten auf einem astrologischen Aberglauben. Dian glaubte nämlich, jeder der sieben Gestirne: Saturn, Jupiter, Mars. Sonne, Venus, Merkur, Mond — regierte abwechselnd eine Stunde des Tages. Da jeder Tag vierundzwanzig Stunden hat, so kommt jedes Gestirn dreimal an die Reihe deL Regierens uno drei hon ihnen auch noch zum vierten Male. Beginnt also z. B. der Saturn am ersten Tage den Reigen, so beginnt ihn am zweiten die Sonne, am dritten der Mond, am vierten der Mars, gm fünften der Merkur, am sechsten der Jupiter und am siebenten die Venus. So entstanden die alten Namen der Wochentage; die römischen Benennungen sind folgend«: Saturns­tag (Latnrni dies), Sonntag (Solls ckios), Mondtag (Luuac dies), Marstag (Martis dies), Mercurstag (Mereurii dies), Jupiterstag (Jovis dies), Venustag (Yeneris dies). Von diesen l-rteinischcn Benennungen haben di« Franzosen ihre Namen der Wochentage abgeleitet, für Sonntag aber im christlichen Sinne den Namen Dominica (nämlich dies, d. h. Tag des Herrn) in dimanche verändert und für Saturnstag den Namen samedi (aus Sabbathi dies, Sabbathstag) gesetzt. Die französischen Wochentage heißen also: Dirn an alle, lundi, mardi, mercrodi, jeudi, vendredi, samedi. ,

Wir kommen jetzt zu den deutschen Namen der Wochentage. Das Wort Woche stammt aus dem Gothischen u:ü> heißt wico, Wechsel. Ordnung; int Althochdeutschen wehsal, im Angel­sächsischen vuee, im Allemannischen wehha, im Schwedischen wik, wek und im Holländischen weke. — Jdeler meint in seiner Chrmrologie, die Woche und die Namen der Wochentage seien zu den Deutschen zugleich mit dem Christenthum ge­kommen. nur hätten die Deutschen die fremden Götter durch die diesm am meisten entsprechenden, einheimischen ersetzt, und so seien unsere fetzigen Wochentags-Namen entstanden. — Wir werden im Folgenden jeden einzelnen Namen besonders be­sprechen.

1. Sonntag (altnordisch: sonnadagr, angelsächsisch: sunnandäg, englisch: sunday).

Von den Christen wurde schon zu der Apostel Zeiten der Sonntag, weil Christus an einem Sonntage auferstanden, durch Gebet gefeiert; aber man enthielt sich nicht gänzlich der Arbeit, da von den Juden-Christen lvenigstens noch lange der jüdische Sabbath mitgefeiert lourde; erst Constantin der Große führte eine streitge Sonntagsfeier ein.

Die zweiundfünfzig Sonntag- des christlichen Kirchen­jahres haben besondere Namen, theils von den Festen, denen sie vorangehen oder Nachfolgen, theils von den Anfangswortcn der Gesänge (meistens Psalmen), die in den Kirchen an diesen Sonntagen gesungen wurden. — Die vier Advent-Sonntage zur Vorbereitung auf'die Ankunft Christi beginnen das Kirchenjahr, dann folgt ein Sonntag nach Weihnachten und einer nach Neu­jahr, wenn ersteres Fest auf einen der vier ersten Wochentag-, letzteres auf einen der vier letzteren Wochentage fällt. Nach dem Epiphanias-Feste werden ein bis sechs Sonntage gezählt, je später Ostern fällt, desto mehr. Dann folgen die Sonntage Kcptuagcsiinae (d. h. der 70. Tag vor Ostern), fiexagesimae (b. h. der 60. Tag vor Ostern) und Estomihi (Sei mir :c., Psalm 71, 3.). Hierauf kommen die Fasten-Sonntage, deren Namen folgende sind: Invocavit (Er rufet mich an rc., Psalm 91, 16); Reminiscere (Gedenke, Herr, rc., Psalm 26. 6); Ooull (Meine Augen rc., Psalm 25, 15); Laetare (Freuet Euch rc., Jesaias 66, 10); Judica (Richte rc., Psalm 43, 1); Palmarum (d. h. dominica palmarum, Sonntag der Palmen, nach Matth. 21). — Das Osterfest fällt stets auf den

ersten Sonntag nach dem ersten Frühlings-Vollmonde; die Sonntage nach Ostern heißen: Quasimodogeniti (ÜB die jetzt Geborenen rc., 1. Petri 2, 2); IMisericordias domini (Die Barmherzigkeit des Herrn rc., Psalm 23, 6. Psalm 89, 2): Jubilate (Jauchzet rc., Psalm 66, 1); Cantate (Singet rc., Psalm 96. 1); Rogato (Bittet rc., Matth. 7. 7); Exaudi (Er­höre rc., Psalm 27, 7). — Folgende Gedenkversc Goethes ent­halten die Namen dieser Sonntage:

„In-vocavit, so rufen wir laut;

Reminiscere, o wäre ich Braut!

Die Oculi geh'n hin und her;

Laetare drüber nicht so sehr.

O Judica uns nicht so streng,

Palmarum streuen wir bi« Meng';

Auf Ost er-Eier freu'n sich hie Viel Quasimodogeniti,

Misericordias brauchen wir Alk,

Jubilate ist ein selt'ner Fall.

Cantate freut der Menschen Sinn,

Rogato bringt nicht viel Gewinn.

Exaudi uns zu jeder Frist,

Spiritus, der Du der letzte bist!"

Die Sonntage nach Ostern kann man sich auch durch folgen­den Gedenkspruch merken:

„Quitten Muffen Junge Christen Roh Esten."

Darauf folgt das Pfingstfest ebenfalls an einem Sonntage, diesem folgt der Trinitatis-Sonntag (Sonntag der Dreieinig­keit) und dann die Reihe der Sonntage nach dem Trinitatis- Sonntag, höchstens 27 an der Zahl. Hiermit schließt das Kirchenjahr und die Advent-Sonntage beginnen wieder das neue Jahr.

2. Montag.

Der Montag, der zweite der Wochentage, wurde früher von Manche» Mondtag geschrieben, da sie meinten, das d müsse in dem Namen, der Abstammung von Mond und Tag gemäß, Vorkommen. Es ist dies aber nicht nöthig, denn der alte nordische Name des MondeS ist mani oder mana und manadagr = Montag. — Im Angelsächsischen heißt er rnönnndäg, woraus im Englischen monday geworden ist. —