No. 158. 50. Jahrgang.
Wiesbadener Tagblatt (Abend-Ausgabe). Verlag: Langgaffe 87.
6. April 1802. Seite 3.
haftet. Ein Trupp zog sodann zum Jesuitenkloster und
schleuderte Steine gegen dasselbe.
* Vereinigte Staaten. Die „Internationale Schul- Korrespondenz" meldet aus New-Aork: Die Regierungen
ixi fünf mittelatlantrschen Staaten haben bei der Bundesregierung dir bundesbehördliche Einführung der deutschen Sprache als obligatorischen Unterricht in sämmtlichen staatlichen Lehranstalten Nordamerikas beantragt
Der Freiheitskrieg der Kuren.
erb. London. 4. April. Ein Telegramm Lord Kilchencrs besagt: General Walter Kitchener meldet aus Drickuil (West transvaal), er habe am 31. März eine Aufklärungstruppe nach den: Hartfluß gesandt. Die Truppe sei bald auf Spuren feindlicher Geschütze gestoßen und verfolgt« die Buren nxihrcnd der Nacht 8 Meilen loeit durch den Busch. Als Erstere auf ebenem Terrain sich entwickeln wollte, stürmten Verstärkungen, welche die Buren inzwischen erhalten hatten, gegen die Flanken der Truppe. Letztere war genöthigt, Vertheidigungsstellung einzunehmen und verschanzte sich eiligst. Es entspann sich ein erbitterter Kampf. Schließlich wurden die Buren nach allen Seiten zurllckgeworfen. Delarey und Kemp bemühten sich vergeblich, die Buren, welche 1500 Mann stark waren, zu überreden, den Angriff zu erneuern. Die Buren haben stark gelitten und zogen sich nach Nordwesten und Süden zurück. Auch die Verluste der Briten seien sehr groß. Eine englische Abtheilung leistete so lange Widerstand, bis alle Mann gefallen oder verwundet waren.
Irä. Berlin, 5. April. Der „Lokal-Anzeiger" meldet aus Brüssel: In Bezug auf dir Nachricht von dem letzten Gefechte Delareys beim Hartfluff« erklärte vr. Leyds: Besondere Bedeutung gewinne dieser Erfolg durch die Anwesenheit Steijns und der Friedensboten bei Delareys Kolonne. Von strategischem Standpunkt sei der Erfolg umso größer, da Botha Natal bedroht und jetzt in seinen Bewegungen freier wird, da die Englänger ihre Hauptmacht gegen Delarey konzentriren müssen. Leyds bestätigte, daß die Buren im Westen der Kapkolonic starke Positionen einnehmen und über eine große Anzahl gut bewaffneter Anhänger verfügen! Indessen vermied es Leyds, die Forderung der Unabhängigkeit näher zu bestimmen.
. mb. London, 4. April. Zur Ermordung von Buren durch australische Offiziere erklärt eine Mittheilung des Kriegsministeriums unter Darlegung der bekannten Thatsachen, daß infolge der eingelciteten Untersuchung fünf Offiziere im Januar 1902 in Pietersburg kriegsgerichtlich abgeurtheilr wurden, die als Urheber resp. Theilnehmer an zwölf Morden für schuldig befunden wurden. Die Leutnants Handcock und Moroni wurden des Mordes schuldig befunden und zum Tode verurtheilt. Die Urtheile wurden bestätigt und vollstreckt. Dieselben Offiziere werden auch der Ermordung des Geistlichen Hesse beschuldigt. Obgleich ein starker Verdacht vorlag, daß Handcock, von Moroni aufgereizt, die That begangen habe, wurden die Beweise nicht, für hinreichend erachtet, um die Berurtheilung zu rechtfertigen.
lid. Plymouth, 5. April. Die an Bord des Dampfers „Dunra" aus Südafrika eingetroffenen Offiziere erklärten, im Ganzen seien 31 Anklagen- gegen australische Offiziere eingereicht worden, darunter nicht weniger als 7 wegen Ermordung von Frauen und Kindern.
lid. Rctv-Pork, 5. April. Präsident Roosevelt hat -ine Untersuchung eingeleitet über die von dem Gouverneur des Staates Louisiana gemachte Mittheilung, wonach sich in diesem Staate ein englisches Lager befinde zwecks Sendung von Pferden und, Mauleseln nach Südafrika. Der letzte Ministerrath beschäftigte sich fast ausschließlich mit dieser Angelegenheit.
Feuilleton.
Aus Kunst und Lebert.
* Königliche Schauspiele. (Sp iel plan.) Sonntag, den 6 . April, Abonnement A, 42. Vorstellung: „Die Hugenotten". Anfang 7 Uhr. Montag, den 7., Abonnement 6 , 42. Vorstellung: Gastdarstellung des König!. Bayr. Hofschauspielers Herrn Konrad Dreher. Auf vielseitiges Begehren: „Jägerblut". Anfang 7 Uhr. Dienstag, den 8 ., Abonnement D.
42. Vorstellung: „Mignon". Anfang 7 Uhr. Mittwoch, den 9., Abonnement II, 43. Vorstellung, Gastdarstellung des König!. Bayr. Hofschauspielers Herrn Konrad Dreher: „Der Bettelstudent". Anfang 1- Uhr. Donnerstag, den 10., Abonnement 6 ,
43. Vorstellung: „Othello". Anfang 7 Uhr. Freitag, den 11., Abonnement A, 43. Vorstellung, zum ersten Male: „Der Heerohme". Anfang 7 Uhr. Samstag, den 12., Abonnement D, 43. Vorstellung: „Fra Diavolo". Anfang 7 Uhr. Sonntag, den 13., bei aufgehobenem Abonnement: „Undine". Anfang 7 Uhr.
* Residenz-Theater. (SPielplan.) Samstag, den
5. April: „Sein Doppelgänger". Sonntag, den 6 ., Nach
mittags y 2 4 Uhr: „Alt-Heidelberg". Abends 7 Uhr: „Sein Doppelgänger". Montag, den 7.: „Sein Doppelgänger". Dienstag, den 8 .: „Alt-Heidelberg". Mittwoch, den 9.: „Großstadtluft". Donnerstag, den 10.: „Dr. Klaus". Freitag, den 11.: „Sein Doppelgänger". Samstag, den 12.: „Es lebe das Leben".
* Das Alter von Sarah Bernhardt ist nunmehr amtlich festgestellt, ebenso ihr Körpergewicht und ihre Größe. Man erfährt aus den Angaben, daß die Künstlerin weder so alt ist, wie man glaubte, noch so mager, wie von ihren Feinden behauptet wurde. Die „Bresl. Morgenztg." erzählt darüber (folgendes: Sarah Bernhardt hat auf ihrer amerikanischen Tournee nicht nur die besten Einnahmen für sich erzielt, sic hat chr Gastspiel auch zu Gunsten ihres Sohnes Maurice ausgenutzt, indem sic bei einer Chicagoer Gesellschaft ihr Leben versichern ließ, und zwar für die Summe von einer halben Million Francs. Nun giebt es aber einer Lebensversicherungs- Gesellschaft gegenüber kein Geheimniß. Sie will über die heikelsten Dinge Auskunft haben, und alle Aussagen müssen beschworen werden. So hat denn auch Sarah unter ihrem Eide Mitlheilungen über ihre Verhältnisse gemacht, die um so interessanter erscheinen, weil sie zuverlässig sind. Sarah Bernhardt wird demnach, da sie am 23. Oktober 1844 geboren wurde, 58 Jahre alt. Ihr Vater starb, 37 Jahre alt, ihre Mutter ist
Aus Stadt und Fand.
Wiesbaden, 5. April.
^ 2c. König!. Hoheit Prinz Ernst August von
Sachsen und Gemahlin sind bereits heute Vormittag 6 Uhr 08 Min. von hier nach Dresden abgereist. Die hohen Herrschaften waren von ihrem Wiesbadener Aufenthalte recht de-, friedigt.
— Der Schah von Persien macht in diesem Jahre eine Europareise und es ist nicht ausgeschlossen, daß er dabei, gleich seinem Vorgänger Nassr Eöin in dem 70er Jahren, mich Wiesbaden einen Besuch abstattct. Jedenfalls aber wird der „Herrscher aller Herrscher" mehrere Tage Gast des- Kaisers sein und bei dieser Gelegenheit in Potsdam Wohnung nehme». Der Schah wird die Apartements i» dem Königlichen Orangerie-Gebäude beziehen, wo man. dein „Potsd. Int.-Bl." zufolge, jetzt schon mit dem Entrichten der Räume beschäftigt ist. Als Tag der Ankunft gilt vorläufig der 28. Mai. Es wird großer Empfang mit militärischen Ehreit stattfinden. Am 30. Mai wird der Schah nebst Gefolge der Parade der Berliner Garnison aus dem Tenipclhofer Felde beiwohnen und aut Samstag, dem 31. Mai, der großen Frühjahrsparade der Potsdamer Garnison im Lustgarten, wozu noch weitere Fürstlichkeiten eintrefsen werden.
— Personal-Nachrichten. Herr Stadtältcster Siadtrath Wagemann, eines der ältesten Mitglieder des Magistrats, soll seinen Rücktritt beabsichtigen. — Der Tod des Herrn Oberstleutnants Adolf Sartorius hot zu der irrigen Meldung eines Blattes, Herr Stadtverordneter Oberstleutnant Sartorius sei gestorben, Veranlassung gegeben. Dem ist jedoch nicht so, Herr Stadtverordneter Sartorius erfreut sich erwünschten Wobl- seins. — Durch Allerhöchsten Erlaß vom 5. d. M. ist dem Regierungs- und Baurath Rasch die Annahme und Anlegung des ihm von dem Präsidenten der französischen Republik verliehenen Offizierkreuzes des Ordens der Ehrenlegion gcstattci worden. — Die Weinbergs-Aufsichtsbeamten K r e m e r zu Rüdesheim, S e m m l e r zu Hattenheim, B a l l m a n n zu Hochheim führen an Stelle des bisherigen Titels „Weinbergsverwalter" fortan den Titel „Obervogt", und die Wcinbergs- Aufsichtsbeamtcn Weber zu Neuhof, W i n d o l f zu Aß- mannshausen, Diefenhardt zu Rauenthal an Stelle des bisherigen Titels „Weinbergsaufseher" den Amtstitel „Weinbergsvogt". Der Kellerkontrolleur Weiß zu Eberbach führt an Stelle dieses Titels fortan den Amtstitel „Kellervogt". — Dem Königlichen Weinbergsvogt Weber in Neuhof ist der Titel „Obervogt" verliehen worden. — Der Königliche Regierungs- und Baurath, Geheimen Baurath B ö t t g e r Hierselbst ist vom 1. April ab zur zunächst kommissarischen Beschäftigung in das Ministerium für Landwirthschafi. Domänen und Forsten berufen und von diesem Zeitpunkte ab die hochbautechnischc Rathsstellc bei hiesiger Regierung dem Regierungs- und Baurath Saran aus Königsberg übertragen worden.
o. Königliche Schauspiele. Wegen Erkrankung d.s Herrn Henke kommt am Sonntag, den 6 . d. M., anstatt der ursprünglich im Repertoire vorgesehenen Oper „Tie Meistersinger von Nürnberg" die Oper „Die Hugenotte n" im Abonmment A zur Aufführung. Es wird zugleich darauf aufmerksam gemacht, daß der Beginn der Vorstellung auf 7 Uhr festgesetzt ist.
-es. Residenz-Theater. Es sei gestattet, die Aufmerksamkeit nochmals auf die Leiden morgigen Sonntags-Vorstellungen zu lenken: Nachmittags um (44 Uhr geht „Ali-
Heidelberg" zu halben Preisen in Scene und Abends gelangt „Sein Doppelgänger", der neue Schwank aus dem Französischen von Hennequin und Duval, zur ersten Wiederholung; die dritte Aufführung dieser Novität ftndü am Montag, den 7. April, statt.
51 Jahre alt geworden. Sie hatte zwei Schwestern, von denen die eine an Lungenentzündung, die andere an Vergiftung starb. Sarah ist in ihrem ganzen Leben nur einmal krank gewesen, und zwar vor Jahresfrist, da sic sich einer Operation unterziehen mußte. Sie besitzt für eine halbe Million Francs Grundbesitz in Paris und verdient 50,000 Francs pro Woche während der Theatersaison. Ihr Geburtsort ist die Insel Belle- Jsle an der Westküste Frankreichs. Sie ist 5 Fuß &/ 2 Zoll groß und wiegt 120 Pfund.
t. Welche Erfindung jetzt am nothwendigsten wäre,
versucht John Perry in einem für die „Nature" geschriebeneu Leitartikel zu zeigen. Worauf er hinaus will, verräth deutlich der Titel d:s Aufsatzes „Der Mißbrauch der Kohle." In ller That wird jeder Sachverständige aus seiner eigenen Erfahrung und überhaupt jeder einsichtige Mensch, nach geeigneter Belehrung eine geradezu haarsträubende Verschwendung darin erblicken müssen, daß von der in der Steinkohl: aufgespeicherten Energie selbst durch die besten und größten Dampfmaschinen nicht einmal ein Zehntel verbraucht wird, in sehr kleinen Maschinen sogar nur ein Hundertstel. Der ganze R:st wird einfach ohne jeden Nutzen verpufft. Wenn man diese Thatsache mit der Erscheinung vergleicht, daß in der neuesten Entwickelung der Technik und Industrie gerade die Verwerthung des Kleinsten und die Vermeidung jeder Verschwendung angestrebt wird, so steht man vor der Verschleuderung der Kohlenschätzc fast wü vor einem Räthsel. Dabei ist noch in Anrechnung zu bringen, daß sich di: schwarzen Diamanten im Schvoß der Erde nicht erneuern. Dieser Satz mag freilich nicht ganz richtig sein, denn es läßt sich vielmehr vermnthen, daß sie eine Neubildung von Kohle, wenigstens von Torf- und Braunkohle auch noch heute im Erdboden vollzieht, sidoch kann das nicht zur Beruhigung dienen, denn einmal sind die Zeiten für die Bildung wirklicher Steinkohle für die Erdgeschichte wahrscheinlich ein für allemal vergangen, sodann geschieht die Bildung, auch minderwerthiger Kohlensorten so langsam, daß dadurch kein Ersatz für den reißenden Verbrauch der alten Steinkohlenlager geschaffen werden kann. Von dicstm Gesichtspunkte betrachtet, ist die Klage über die drohende Erschöpfung der Steinkohle durchaus ernst zu nehmen. Die Erschöpfung muß eintrcten, und nur die Länge der Zeit, die bis dahin noch verstreichen wird, bleibt fraglich, kann aber auch nicht allzugroß bemessen werden. Und diese Betrachtung stellt uns gerade vor das Räthsel, daß die heutige Industrie auf das Sorgloseste mit einem gegenwärtig völlig unentbehrlichen Stoff verfährt, für den ein Ersatz vorläufig nicht zu erblicken ist. Die Zukunft wird vielleicht d n Mann als den größten Wohlthäter der Menschheit preisin der eine Möglichkeit erfindet, die Energie der Kohle ganz 'oder
— Ordensverleihung. Anläßlich des Eintritts in den Ruhestand ist Herrn Bürgern leister Fiobigin Geisenheim a. Rh. für treue, eifrige Pflichterfüllung der Rothe Adlerorden 4. Masse verliehen und durch Herrn Londrach Wagner in gemeinschaftlicher Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten in fctcrltc[>er Weise überreichst worden. Vor 8 Jahren hatte derselbe den Kgl. Kronenorden 4. Klasse erhalten. Herr Bürgermeister Fiebig hat 53 Jahre im öffentlichen Dienste gewirkt, darunter 20 Jahre als Bürgermeister von Geisenheim. Möge ihm nach seinein arbeits- und segensreichen Dienste inininehr noch ein recht langer und ungetrübter Lebensabend bc- fchiedcn sein.
— Walhalla-Theater. Heute Samstag findet die vorläufig letzte Ausführung der ulkigen Posse „Et fussige Juulchc" statt. Morgen. Sonntag Nachmittag geht „Farinelli, d:r kölsch: Sänger" und Abends die hochkomische Burleske-Parodie „Madame sang schön" in Seen:. — Im Hauptrestaurant kon- zertirt heute Abend die 80er Infanterie-Kapelle bei freiem Eintritt und ab morgen Sonntag die Damenkapelle Julia Wurm, bestehend aus 5 Damen und 2 Herren.
— Maurer-Konzert. Wie vorau.szusehen, begegnet das von unserem jugendlichen Mitbürger, dem Biolin-Birtuosen Herrn Gustav M ä u r e r, nach Beendigung seiner ersten erfolgreichen Konzertreise für nächsten Mittwoch, den 9. April, Abends 8 Uhr, im hiesigen Kasinosaal angesetzte große Konzert, für welches die Hofmusikalienhandlung des Herrn Heinr. Wolfs, Wilhelmstraße im „Park-Hotel", den Kartenverkauf übernommen hat, allgemeinem lebhaften Jnt:resse. Obgleich die Orchestermitwirkung die Kosten für Proben und Konzert sehr erhöht, glaubte d:r Konzertgeber nicht davon absehen zu dürfen, um dem klassischen Geist der Biolin-Konzerte von Beethoven und Mendelssohn keinen Eintrag zu thun. Dem erstere» Konzert wird er die äußerst schwierige Cadenz von Joachim einfügen. Ferner wird er für Violine allein das Andante aus der 0-äur- Solosonate und „Gavotte" und „Rondo" aus der E-dur= Solosonate vom Altmeister Bach zu Gehör bringen, beides Werke, welche die höchsten Anforderungen an den Ausführenden stellen und worin er die Melodie und Beglcitstimme gleichzeitig auf der Geige ausführt. Dasselbe geschieht in der Capric- „Amoroso" von Nicols Paganini, welche mit d:r Romanze in G-dur für Violine mit Orchester von Beethoven das reiche Programm der Solovorträge vervollständigt. Die Kapelle des Regiments v. Gersdorff unter Leitung des Herrn Kapellmeisters G o t t s ch a l k wird außer der Begleitung der Biolinvorträge di- Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit" von Mozart und den Militärmarsch von Schubert zum Vortrag bringen.
— Pisinarckscicr. Die heutige Bismarckfeier in der Turnhalle, Hellmundstraße 25, beginn! 8(4 Uhr. Es wird sich ein möglichst pünktliches Erscheinen dringend empfehlen. Wie wir hören, hat auch Herr Hofschauspieler Vallentin seine Mitwirkung zugesagt.
— Deutsches Ccntral-Comitci zur Errichtung von Heilstätte« fiir Lungenkranke. Am Montag, den 14.'April, Aormittags 10 Uhr, wird unter dem Vorsitz Sr. Excellenz des Grafen v. Posadowsky-Wehner in Berlin im Plenar-Sitzungs- saal« des Reichstagshauses die Generalversammlung des Central - Comitös stattfindcn. Die angekiindigten Borträge: „Ländliche Kolonieen für Herlstättrn-Entlassene", ferner „Pflegepersonal in Lungenheilstätten" und „Die Bedeutung der Verhütung von Staub-, Rauch- und Gasentwickelung für die Tuberkulose-Bekämpfung" werden von hervorragenden Fachmännern gehalten. Die Mitgliedschaft, die durch einen jährlichen Beitrag von mindestens 20 Mk. oder durch einen einmaligen Beitrag von mindestens 600 Mk. erworben wird, berechtigt zur Theilnahme an den Verhandlungen, außerdem wird von der Geschäftsstelle auf Wunsch ein Fahrausweis zur Reise nach Berlin und zurück abgesandt, auf Grund dessen für die Fahrt in 2. Klasse der Fahrpreis 3. Klasse zu entrichten ist. Anmeldungen unter gleichzeitiger Einsendung des Beitrages
wenigstens zum größten Theil in mechanische Energie zu ver- wand:ln. Der Werth der Steinkohle würde damit auf das Zehnfache steigen oder die Arbeit der Dampfmaschine um das Zehnfache verbilligt werden! John Perry ist der Meinung, daß schon die Gegenwart nach dieser Erfindung schreien müßte, wie nach einer Erlösung von schwerer Sorge und wie nach dem Morgenroth einer ganz neuen industriellen Entwickelung. Man kann ja nicht sagen, daß die Wissenschaft diese Frage gerade vernachlässigt hätte, vielmehr haben ihre ersten Kräfte sich damit beschäftigt und wenigstens die ersten Grundlagen für deren Beantwortung festgestelli. Man kennt jetzt die Richtung, in der man mit Aussicht auf Erfolg fortzuschreiten hätte. Der ihierisch: Organismus ist eine Maschine, die als Vorbild dienen konnte, aber in ihr ist die bloße Umwandlung der im Nährstoff enthaltenen Energie in mechanisch- Arbeit nicht die wichtigste Bethätigung, außerdem ist die Maschine von äußerst verwickeltem Bau. Jmmerhiu ist der thierische Organismus keine Hitzemaschinc, sondern gerade eine solche, wie man sie für den besagten Zweck brauchen würde. Perry läßt seine Ausführungen in den dringenden Aufruf ausklingen, ein großes Kapital und viele Forscher müßten sich zusammenfinden, um die Meinungen über die Lösung der großen Aufgabe auszutauschen und über die bisherigen Versuche und deren Vervollkommnung zu berathen. Er meint, wenn einer oder zwei gewaltige Geister, wie unter den Lebenden etwa Lord Kelvin oder Rayleigh, in die Lage versetzt würden, jährlich 20 Millionen zur Unterstützung nach dieser Richtung hin auszugeden, so würde binnen zwei oder drei Jahren die Erfindung in den Bereich der Wirklichkeit eingetreten sein; ohne eine allgemeine Organisation aber sei die Jagd nach dieser Errungenschaft nicht aussichtsvoller wie die Jagd nach Dewet.
* Verschiedene Mittheilnngen. Die „Elf Scharfrichter" komme» nicht nach Berlin, da di: Polizei die Vorstellungen als „private" nicht anerkannt hat.
Josef Lauffs neues Schauspiel „Der He: roh me" ,st auch von der Intendanz des Frankfurter Schauspielhauses zur Aufführung angenommen worden und wird dort jedenfalls bald nach der hiesigen Erstaufführung gegeben werden
Das Residenz-Theater in K ö l n bracht: am 2. d. M Haupt manns „Weber" zum ersten Mal in Köln zur Auffllhruna und erzielte einen starken, von Akt zu Akt sich lebhafter äußernden Erfolg.
Freunde des Dichters Richard Voß wird es interessircn zu hören, daß am 2 . April von einer Schaar Verehrer ein Broncerelief des Dichters in der Billa „Falconieri" in Rom angebracht wurde zum Andenken an die Thatsach:, daß Richard Voß jetzt 25 Jahre in der so oft von ihm verherrlichten Villa
