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Wiesbadener Tmblstt

SO. Jahrgang.

Erscheint te zwei Ausgabe». B-zirgs-PreiS: durch den Verlag s» Pfg. monatlich» durch die Post » Mk. SO Pfg. viertetjährlich für verb- Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

18 , 00 © Abonnenten.

Slnzeigen-PrciSr Di- einspaltige Petitzcile sur locale Anzeigen 15 Pfg.. für auswärtige AiMgenZo DL" Reclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg-, für Auswärts 1 Mk.

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No. 145 . RedaktionS-FernsPrechrr No. 52.

Horgen-flusgabe.

Airrr öcrs 2. HucrrrtcrL 1902

auf das

^Wiesbadener Tagblatt"

E- Bezugspreis 1 M. 50 Pf. vierteljährlich ;u abcmniren, findet sich Gelegenheit

im N-rlag Laugsaste 27, bei den Ausgabestellen, den Zmrig- Erpeditioueu

der Nachbarorte,

sv b M« Bezugspreis von 2 W. 50 Pf. vierteljährlich bei fammtlichrn deutschen Reichspo stnnstnltr».

»Loch die deutschen Aüdsburger?

Wien, 24. März.

So ist denn der trügerische Gottessrftdst vr. v. Körber's über Nacht wieder in Brüche gegangen. Ter schrille Kantpftuf Schönerer'sHoch die Hohen- zollerrr", der in seiner Tendsiz selbst im .deutschst Reiche keine Billigung zu finden vermocht hatte, war die erste Anregung gewessr, dem Ucbermuth der All­deutschen rmeder Schrankst zu scheu, und in aller Stille vereinigten sich alle nichtdeutschen Parteisr des Hauses, das beschlossene Kompromiß in Sachen der Gyinnasien in Cilli und Marburg in der Samstags,Sitzrurg des Reichsraths wider Enoarten der Deutschst zu Fall zu bringen und ihnen so wieder die Zährte zir zeigen. Herr v. Korber.das stcht heute schon sest hatte von diesem Plane, der natürlüh van den Slaven ausge- gangst, vorhergängige Kenntmß, und unter dem Eindruck der Schönerer'schen Provokation stehend, welche die Krone ganz ungemein irririrt und verletzt hatte, rührte der österrelchssche Ministerpräsident kamst Finger, um den Deutschen zu Hülfe zu kommen. Auf diese Weise ge­schah es, daß die Resolution, die slovenische Parallel- Klassen in Cilli lind Marburg zu einem selbstständigen slovenischen Gymnasium in Marburg zu vereinigen und dem Utraquismus in dem überwiegend deutschen Cilli, der den Deutschen ein Dorn im Äuge sein mutz, ein Ende zu machen, zu Falle kcmi. Hierob naturgemäß großer Fubel bei dsr Slaven und erklärliche Wnth ^ bei dm Deutschen. Sofort ertönte auch das Kriegsgeschrei der Alldeutschen in emeuerter imd verschärfter Ausgabe. Ichoch die deutschen Habsburger! ..Und in dem tosen-

Donnerstag» den 27. Miirz.

dm Lärm"des Pultdeckel-Konzerts und der Hunds- peitschenpfeife schloß diese Session mit emer schlimmen Katzenmusik für die Versöhnungspolitik Korbers, ~ba» tum werden soll? ... Das zu erfährst, hat^slch za auch der ungarische Minisrerpräsidenl Herr v. s z heute nach Wim begeben. Er wird dort mit semem österreichischen Minister-Kollegen über die ^.uoten-Depu- tattoii, über die Delegationen lind den Ausgletch e- rathm, aber die Herren Kabincts-Chefs denken und die Nationalitäten lmkm, wohin das allerdings wem in diesen Chaos wieder Keiner anzngebcn. Tte Deuffchen die sich so schmählich hinters Licht geführt wahnen, stnd natürlich nicht mehr Willens, Herrn v. Korber Wecker Gefolgschaft zu leisten und ihm irgeird Etwas zu mebe zu Kirnt; sie drohen mit der starrsten Obstruktion, fall- sie nicht vollste Genugthuung erhalten. Diese Regierung soll von ihnen gar nichts bekoimnm: keine ^.uoten-Depu- tation. keinen Ausgleich, keine Delegation Herr v. Körb er muß gehen. Das Pt heute ihre Parole, lieber die Pläne Dr. v. Korber s oder die Ab­sichten der Krone ist hmte noch nichts bekannt. Nur so­viel weiß, richüger gesagt, fühlt man, daß der Monarch im gegenwärtigen Momente in diesem Ltrecke^ auf der Seite seines Ministerpräsidentm steht, und daß nur die Besorgnitz, in Berlin nicht verstanden zu iverdm, die Herren davon zurücklM, ihrer Entrnchmg ob Treibens der Alldeutschen kräftigeren Ausdrucken gebsi. ftm Hintergründe dieser unseligst, nenestm Situation, die wrr durch den Anbruch der Osterferien etlvas ge­mildert wird, lauert jedoch der Gedante de» «tcmtr-- streichs, dm Herr v. Korber selbsr trotz naäMaglicher Bemäntelungs-Versuche im Abgcordncteuhause m ttirr schlecht verhülltsr Anspielungen halb und halb ausge­sprochen bat. Ein Gewirrc von Fragen drangt sich Gütern da auf: Soll die Verfasstmgskrise also fetzt wtrk lich kommen? Oder wird Herr v. Korber gehen, um wem Platz zu machm? Wer ist der Mann, der nach dem Geschehenen die Autorität besitzm könnte, mck diesem Parlantente weiter zu arbeiten? Und wie fall dies be­werkstelligt werdeii tonnst, da Deutsche und Tschechen wohl schwerlich mehr zu gemeinsamer Arbst ^ zu ver- einigen sein wardst?! Und kommt es zum Staatsstreich, was soll dann mit dern Ausgleich werdm, deii Ungarn imr mit einem konstitutionell regiei-teii -Oesterreich

schließm kanii und will?.Und mitten hmern m

diessr beängstigenden Fragmwald klingt iwe ockterbose Ironie der Abschiedscuf des österreichischst Abgeordnetm- häuZ-Prästdmtm in der Samstagssitztnrg:Giualicksc

Osterrr!."

Verlags-Fernsprecher No. 2266 . 1902 »

Deutsches Deich.

Vorbildung der höheren BerwnltungSbeamtcn.

lieber dm Inhalt der geplantm Reform der Vorbildung der höheren Verwaltungsbeamtst werden folgmde weitere Einzelheiten bekannt. Zunächst soll auch hier eine Verkürzmtg des Vorbereitungsdienstes von 4 auf sy 2 Jahre eintretm. Wälwend gegenwärtig die künftigst Verwaltungsbeamten zwei Jahre im Justizdimste thätig sein inüssen, sollen dieselbm in Ztikunst nur ber dem Amtsgericht, und zwar auch nur so lange beschäftigt werden, wie dies nothwSidig ist, u>n sie in die Praxis des Gerichtes im Allgemeinen und insbesondere in die freumllige Gerichtsbafteit namentlich des Grnndbuch- wesens einzuführen. . Die praktische Ausbildung der Rc- gicrungsreserstdare aus den Lartdrathsämtern, die den Schwerpunkt und dm sachgsnäßen Ausgangspunkt der Einführung in den Verwaltungsdistst bildet, soll auf em volles Jahr ausgedehnt werdm. In Verbindung mit einer weiteren prakftschei. Beschäftigung in ^ einer Ge- rneirtdeverivaltung oder bei einem Amtsvorsteher etit£§ größeren Amtsbezirkes würde der Referendar dadurch auch dm Gesamnckübcrblick über das Gebiet der Ver- wattungsthäftgkeck gewinnen, fodaß seine Beschasffgtmg in allm Decernaten der Regierung, die jetzt nothweudig ist. außer einer Vertiefung der praktischen tmd theo- retischen Vorbildung, sich als hinderlich erweist, erübrigt wird. Schließlich soll noch Vorsorge dafür getroffm >verden, daß den Assessoren nach bestandener Stmt^- vrüiuitg die Möglichkeit eröffnet wird, thre wlssemchaft-. lichc Bitdung zu vertiefst und zt, vervollständigen- Mtt der Einbringung des Gesetzenttvurses soll solwM ge­wartet werden, bis sich überschm läßt, welche Gestaltung die Vortage über die Vorbereitung znm JustizdteNst uu Landtage amtehmeu wird.

» Personal«erhältnissc der Postbeamte». Die Per- sonalverhälcktisse der höheren Postbeamts, hadm tum- nrehr ihre endgüttigc Regelung erfahren dirrch ernm Er­laß, den das jüngste Amtsblatt des Rschspostamckss ver, öffsttlicht. Hiernach tretm am 1. April 1902 m d«t Bemntenverhälcktiss«, und Titelbezeichnmtgst bet der Reichspost, und Telegraphen - Verwaltmtg folgmde Aenderuugm ein: Die P o ft p r a k t i k a n t e n haben

nach ihrer etatsmaßigen Anstellmtg die Anitsbezschwmg Postpraktikatck" weiter zu fuhrst. Nach dmt Be,te^m der böherst Verwalcklngsprüsnng für Post und Tele­graphie erhältst die Postpraktikanten die Amtdbezsch- nungOberpostpraktikant". Bei den Ober-

Femlleton.

Vas deuisltze MltzSPDeseü M der Ceutrale.

Von Kurt v. Walfeld.

II.

Auf dom Haupt-Brref-Postamt zu Berlin, der Heiligegeiststraßc Nummer 24 bis 83 liegt das wichtige, mächüge. kaum 2 Jahre alte Gedaude. m dem ^ch M Briefe der Mllionenstadt ein Stelldrch-m geben. Alle Briefe die au§ der ganzen Welt nach Berlin kommen, alle

von Berlin nach der neuen und alten Welt SEima^Beamten für kurze Zeit Aufenthalt. Ein Heer von rund 1VM Beamten, und zwar 800 Unterbeamte und 200 Bsamte verrrchteu hier m aller Stille eine Riesenarbeit. Nach Hund°rttausendem °st nach Millionen treffen sie hier täglich ein. die Briefe und Postkasten. Täglich gehen vierzehn Mal 15 Postwagen von dem 3gen Hof dieser Centrale nach den Postämtern m Berlin oder^nach den Bahnhöfen der Weltstadt. So ungefähr alle Stunden stehen di- 15 gelben Wagen auf dem Posthof, um ihre Fracht cinzuladen. Bor jedem geöffneten P°stw°gm liegen luge chnurre und b-zeichnete Säcke, ganz oder theüwerse gefüllt. Früh am Moraen um 7 Uhr, bei der ersten Abfahrt, ist die Zahl der Säcke am aröstten sind sie am stärksten gefüllt, denn dann nehmen sie alle Sendungen auf, die während ter Nachtet nngegangen sind. Abends gegen VX Uhr fahren du Io Wagen für den

Die^ Wagen stehen auf dem Posth»f° 1X1 elM ! Reche, mit ßfr offenen Rückseite an eine Rampe stoßend, aus welche eine Unmenge «n Thüren münden. Auf der Rampe wandert em Beamter prüfend auf und ab. Dre Unterbeamten stehen an den offenen Thüren der Postwagen, des Winkes gewartrg. die auf der Ramve lagerndm Säcke in den betreffenden Wagen zu be­fördern. ' Die Postillone Men vorn an den Kopsen ihrer Pferde. Jetzt naht die Zeit der Abfahrt Der Beamte auf der Rampe kommandirt:Aufsitzen! Im Nu sind alle Postillone auf ihren Böcken. Dann erschallt das zweite Kommando: Ein­laden!" Die Säcke fliegen in die Wagen, dre sofort verschloffcn werden.

Adfahren!" so lautet das dritte und letzte Kommando, und die Wagen verlassen liachänander langsam den Posihos. Eine Stunde kaum ist Ruhe, dann , beginnt da-selve Spiel. In dieser Rubestundc müssen neue L>acke gefüllt werdm. Tu- ist etne Riesenarbeit, von denen sich dre meisten Sterblichen wohl

kein richtiges Bild machen. . . ^ ... ...... .

ÜIHf Briefe in dieser Eentralc m der Heilrgegerststratzc werden in gewaltigen, 52 Meter langen Sälen sostirt. Zuerst werden fie grob sortirt, das heißt, die nach auswärts gehenden Briefe werden nacki Provinzen, Staaten und Ländern geordnet, di- in Berlin Ausgabe gelangenden werden noch den ver­schiedenen Stadttheilen geordnet.

Dann werden alle Briefe fein sortrrt. die nach auewart? gehenden nach den betreffenden Bahnböfen von wo sie rhre Reise antreten müssen, die für Berlin bestrmmten^nach den Post­ämtern. wo sie zur Ausgabe gelangen sollen. Mer Bahnhof,

jedes Postamt hat seinen besonders g: zeichneten Sack. Di« Sacke für aewöhnlrche Brief- haben einen rothen LangSstrerftn. D:e Sortirfäle befinden sich alle in der ersten Etage. Bon hier aus werden die zur Versendung vollständig, fertigen Sacke mittels eines Gliffeurs, Gleiters, nach unten besördert, in den Parterre- Raum dessen viele Thüren auf die erwähnte Rampe fuhren.

Dieser Glisscur oder Gleiter ist so eigenackig wre eine Wendeltreppe gewunden, daß die Säcke von selbst himmter- ql°iten Sind alle Säcke unten, dann folgt als Znchen, dag nichts mehr oben ist, ein ganz rother Sack, der Mit Sand ge-

Di- Unterbeamten, welche die Brief- fein sortiren müssen, sind ganz auserlesenes Personal, di- vor ihrer.Anstellung, cm Gramen bestehen müssen. Haben sie ihre Lehrzeit in der stein- sortirerei bestanden, was in der Regel zwei ^ahre dauert, er­halten sie -ine Gehaltszulage von jährlich 200 Mk. So em Feinsortirer kennt in Deutschland jedes Dorf, weiß genau mit welchem Eisenbahnzug -in Brief zu gehen hat. Auch die Sortirer für Berlin müssen eine genaue Kenntmh der Straßen der Millionenstadt haben, st- müssen sofort wissen., zu welchem Post­amt ein« Straße gehört, mag sie noch so klein und unbekannt fein Diese Unterbeamten sind Spezialisten in ihrem Fach. Das Publikum würde dieftn Beamten ihre schwere Arbeit sehr er­leichtern wenn es seine Briefe und sonstigen Smdungcn genau adiftssren wollte. Wie leichtfertig dieses aber geschieht, geht

"daraus hervor, daß bei der Berliner Eentrale durchschnittlich 18,000 unbestellbare Briese täglich unlaufen, da^ heißt Briese, die so falsch oder ungenau adrcssirt sind, daß sie von den Bnes- träae-rn nicht gleich bestellt lverdcn können. Diese Bnefe wandern ark wieder an die Centrale in der Helligegeiststrsße zuruck, wo sie in der Ortssortirstclle mit Hülse des Adreßbuches und viekn anderen Hülfsmitteln korrigirt werden. So vermindert sich die kaum glaubliche, aber dennoch richtige Zahl Bon 18 000 auf - bis 3000. Diese 3000 wandern dann tn dreRuckbrief -Stelle, wo die Findigkeit der Post nochmals versucht, die Richtigkeit der Adresse tzcrzustellen. Die OrtssorUr- und Rnckbrieskllc sind besondere Büreaus mit vielen Beamten und I- «E Bpftteher So verursacht in vielen Fallen nur die Nachlässigkeit des Publikums in Bezug auf Adressenschrnben dem..Pvsütat gewaltige Ausgabe. Di- Briefe, welche das Ruckbriftburmu nicht richtig adresstren kann, wandern dann schUeßlich an das

dem Polizei-Präsidimn

untersteht, aber 60 Beamte zählt, welche täglich für d,c -Post arbeäten, und zwar nur wegen unbfttcllbarer Briefe 3 bis

4 Stunden täalich. . ,,

So vermindert sich schließlich die Zahl der unbestellten BriefsMdungen auf 800 täglich. Das ist auf den ersten Blick immer noch eine gewaltige Ziffer, die im Jahr, bei nur 3M Arbeitstagen, auf rund eine Viertelmillion anschwillt. -,rcfe gewaltige Ziffer aber erscheint klein, wenn man Hort daß sich die G-sammt-Briefsendung im ganzen deutschen Reich jährlich auf 5 Milliarden beziffert. Wer ein Freund von genauen Zahlen ist, mag erfahren, daß die letzte Staiistik der deich che" Reichspost, die Statistik vom Jahre 1900, die ehrlichen Bnef- sendungen auf 4,911,894,767 Stück angiebt. dieser Ri-sen- umme sind enthalten rund 1 Milliarde Posüarten und 134 584,114 Postanweisungen und 5 l /2 Millionen P"stssstffssi3e- Bei'diesem gewaltigen Briefverrehr ist es eine große Woylft"t zu nennen, daß seit ltz66 keine besondere Abrechnung mehr mit dem Auslände stattfindet. Die Erfahrung hat gelehrt, daß bei gewöhnlichen Briefstndungen die Ausfuhr sich mit der

deckt. ..

Nur bei Geld-, Werth- und Zeüungsfenduna lich eine Abrechnung statt, wobei die Differen yn das mchr ausgeführt habend- Land geza Die unbestellbaren Briefe werdm geö